Smart³

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

(Eine detailierte Beschreibung inkl. Fotos des Projekts befindet sich im Anhang)

 

Das Hauptziel des Studiengangs Smart Building – Energieeffiziente Gebäudetechnik und Nachhaltiges Bauen (SMB) an der FH Salzburg (FHS) ist eine fundierte Ausbildung für berufsbegleitende Studierende. Gerade für berufsbegleitende Studierende, die sehr unterschiedliche Bildungsbiografien mitbringen, jedoch auch eine Reihe von facheinschlägigen Kompetenzen in der Praxis erworben haben, bildet der Studiengang eine ideale Ergänzung. Aufgabe des Studiengangs ist es daher, die Studierenden zur bestmöglichen Entfaltung ihrer individuellen Leistungspotenziale zu motivieren und andererseits „das praxisnahe Lernen voneinander“ zu fördern.

 

Für den Unterricht ergeben sich daraus folgende didaktische Konsequenzen:

- Erstellung von differenzierten, an die unterschiedlichen Bildungsbiografien und Vorkenntnisse angepassten Lernangebote, die individuellen Zugänge in den Vordergrund rücken und immer wieder neue Einstiege und Anreize bieten

- Kooperative Lernprozesse in Kleingruppen um den Wissensaustausch der Studierenden untereinander zu fördern sowie begleitende Evaluation des Gruppenprozesses - Aktivierende und innovative Lehrmethoden werden in die Lehrplanung mit eingebunden

- Lehre wird in den integrativen Projekten als partnerschaftlicher Dialog und Lernbegleitung erkannt

- Eingehen auf die individuell notwendige Arbeitszeit, auf unterschiedliche Lerntypen, Vorkenntnisse, Vorerfahrungen und kulturelles Umfeld

- Berücksichtigung des unterschiedlichen Betreuungsbedarfs

 

Um diese Punkte in der Lehre umzusetzen, wurde ein maßgeschneidertes Angebot im Bereich des fächerübergreifenden, vernetzten Unterrichts erstellt. Die Studierenden stehen in diesem Konzept im Mittelpunkt der Bemühungen. Sie werden durch entsprechend praxisrelevante Aufgaben zum divergenten Denken angeregt, erarbeiten im Selbststudium Lösungen und können so ihre Lernergebnisse vertiefen, reflektieren und verbessern. 3 Nach den entsprechenden Inputs durch die Lehrenden entwickeln die Studierenden verschiedene Konzepte und bekommen gemäß ihrer Leistung regelmäßig Feedback in einem transparenten Beurteilungssystem. Die Studierenden werden angeregt, sich mit themenspezifischer Forschungsliteratur auseinanderzusetzen und die neuesten Erkenntnisse aus dem Bereich Bauphysik, Energie und Haustechnik in ihre Konzepte und Lösungsvorschläge miteinzubeziehen. Sie werden dabei nach ihren Vorkenntnissen in konstruktiver Atmosphäre unterstützt. Die Ergebnisse der laufenden und abgeschlossenen Forschungsprojekte werden für die Studierenden aufbereitet und nähergebracht. Diese Vorgehensweise stellt sicher, dass die Studierenden am Puls der Zeit sind und die aktuellste Literatur zur Verfügung haben. Die Forschungsprojekte des Studiengangs „Wohnraumschaffung durch Nachverdichtung bei gewerblichen Handelsobjekten“, „Alternative Wege zum Nullenergiehaus“ und „IEA TASK 51 – Solar Energy in Urban Planning“ liefern und lieferten hier einen immensen Beitrag für die Tätigkeit der Studierenden. Der im Studiengang „Smart Building“ praktizierte fächerverbindende Unterricht bedeutet nicht nur, dass zusammenhängende Inhalte zeitlich parallel behandelt werden. Sondern stellt zudem auch die Integration der verschiedenen Fachinhalte von drei über alle Jahrgänge des Bachelorstudiums übergeordneten gemeinsamen Aufgabenstellungen sicher.

Im Studienjahr 2015/16 wurden aufgrund des starken Praxisbezuges des berufsbegleitenden Studiums drei integrative Projekte mit enger Kooperation mit Wirtschaft und Forschung durchgeführt. Die drei Projekte „Wohnbau der Zukunft“, “Nullenergiesupermarkt“ und “Nachhaltige Arbeitswelten“ reichten – schon aufgrund der Aufgabenstellung - weit über die fachimmanenten Zielsetzungen der beteiligten Fächer hinaus und konnten nur im Rahmen einer Fächer - Kooperation realisiert werden. Jedes der drei annähernd parallel stattfindenden Projekte die zukünftiges Bauen in unterschiedlichen Dimensionen und Funktionen beleuchten wurde mit laufender Einbeziehung von Wirtschaftspartnern durchgeführt. So konnten die Salzburg Wohnbau GmbH, Wüstenrot Salzburg und Spar Österreich als Partner für den praxisnahen Austausch mit den Studierenden in der Lehre gewonnen werden. Die Wirtschaftspartner profitierten von den neuen Ideen und Denkweisen der Studierenden. Durch den lösungsorientierten, fächerverbindenden Unterricht konnten die Studentinnen und Studenten unterschiedliche fachliche Perspektiven zu dieser komplexen Aufgabe verknüpfen. Die beteiligten Lehrpersonen sprachen sich regelmäßig ab und leisteten die Vorbereitung gemeinsam. Die Inhalte wurden immer wieder aufeinander abgestimmt, um so ein optimales Ergebnis im Sinne der Studierenden zu erzielen. Diese hatten in allen Bereichen die Möglichkeit, ihre Ideen und Ansätze zu besprechen, zu reflektieren und mit der Praxis und dem derzeitigen Stand der Technik und der Forschung abzugleichen.

Beschreibung

Die erarbeiteten pionierartigen Gebäudekonzepte der Studierenden haben rechnerisch eine neutrale Energiebilanz über den Jahresenergiebedarf ergeben und wurden dabei kostengünstig, energieeffizient und attraktiv konzipiert. Den Studierenden haben neben den fachlichen Kompetenzen im Rahmen der Entwicklung entsprechender Gebäude, die Herausforderungen, die ein Zusammenspiel der verschiedenen fachlichen Aspekte mit sich bringen kann, am Beispiel dieses realitätsnahen Projektes gemeistert. Das Wissen der Studierenden wurde dabei immer wieder von externen Fachexperten im Rahmen von Fachvorträgen vertieft. Durch häufig wiederkehrende Präsentationen schulten die Studierenden ihre rhetorischen Fähigkeiten. Das Thema „Selbstpräsentation“ mündete dann im Laufe des Semesters in das Thema „Präsentation“, welches durch das benachbarte Curriculum des Unterrichtsfachs „Effektive Kommunikation“ begleitet wird. Das beschrieben didaktische Konzept des Studiengangs bildet die Grundlage für die im Anschluss angeführten konkreten und jährlich wechselnden Aufgabenstellungen der Studierenden im Rahmen ihrer Hochschulausbildung.

(Eine detailierte Beschreibung des Projekts befindet sich im Anhang)

 

Innovative Hochschuldidaktik

 

Ausgehend von der Beobachtung, dass sich Studierende der Fachrichtung (MINT) tendenziell zu wenig in den von David Kolb (1974) beschriebenen Lernphasen der „Konkreten Erfahrung“ und des „Reflektierenden Beobachtens“, als den unmittelbar realitätsbezogenen Bereichen des Lernens und Problemlösens aufhalten, ergibt sich für den Studiengang die Notwendigkeit, die Wissensvermittlung und selbständigen Aktivitäten der Studierenden soweit wie möglich zu integrieren. Der Kreislauf des Erfahrungslernmodells (Erfahrung, Kritisches Hinterfragen/Beobachten, abstrakte Konzeptionalisierung, aktives Experimentieren) soll von Beginn des Studiums an verstärkt werden. Dies ist notwendig um umfassende berufliche Handlungskompetenzen zu erwerben, die die Studierenden befähigen im Rahmen des bereits dargelegten beruflichen Umfelds situations- und fachgerecht, methodisch kompetent und reflektierend sowie in gesellschaftlicher Verantwortung zu agieren.

 

Durch Forschung bzw. die Entwicklung und Erschließung der Künste geleiteten Lehre

 

Die Ergebnisse der laufenden und abgeschlossenen Forschungsprojekte am Studiengang Smart Building werden für die Studierenden aufbereitet und mit Vorträgen in den Projektwochen nähergebracht. Diese Vorgehensweise stellt sicher, dass zusätzlich zum Stand der Technik auch der Stand der Wissenschaft zum Thema „Nullenergiegebäude“ gelehrt wird. Konkret befassen sich die derzeit am Studiengang von den Lehrenden (Leeb, Reiter, Weiß) durchgeführten Forschungsprojekte mit „Wohnraumschaffung durch Nachverdichtung bei gewerblichen Handelsobjekten“, „Alternative Wege zum Nullenergiehaus“ und „IEA TASK 51 – Solar Energy in Urban Planning“ genau mit dem Thema der Semesteraufgaben. Weiters ist das AIT (Austrian Institute of Technology) als größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung durch Frau Katharina Eder direkt im Projekt integriert und bringt umfassendes Wissen der Forschungstätigkeit am AIT in das Projekt ein.

 

Studierendenzentrierung

 

Die unterschiedlichen Vorkenntnisse der Studierenden lassen sich grob in vier anteilig ähnliche Bildungsbiografien einteilen: HTLerInnen, Studierende mit dualer Ausbildung, Absolventen von Gymnasien oder BORG und Personen die bereits ein Studium abgeschlossen haben. Das gegenständliche Lehrkonzept wurde so durchgeführt, dass Studierende zum Selbststudium angeregt und zur Erprobung ihres Wissens aktiviert werden. Individuelle Lernwege (z.B. durch Lehrbücher, E ? Learning, Projekte, Praxisaufgaben und andere Formen des Lernens, Auseinandersetzung mit Normen und Gesetzen) werden ermöglicht. Die Lehrenden fördern den Austausch unter Studierenden und unterstützen Lerngruppen auch außerhalb des regulären Lehrbetriebs. Zur Vorbereitung des Projekts wurden zu Beginn die selbständigen wissenschaftlichen Leistungen eingefordert um die technischen Grundlagen für das Projekt für alle Studierenden zu erheben. Es gibt über das gesamte Semester unmittelbar Rückmeldungen an die Studierenden. Eine aktive Beratung der Studierenden (Techniken, Prioritäten, Zeiteinteilung, Organisation) und das Verweisen an andere Stellen (Prüfungsangst, Studienkrisen) sind wichtig. Gute Studierende wurden schon während des Projekts an der Forschung des Studiengangs beteiligt. Bemühungen um studienzentrierte Prüfungsformen (Projektarbeiten, Portfolio, Lerntagebuch und ähnliche) und die Vermittlung integrativer Schlüsselkompetenzen (Architektur, Bauingenieurwesen sowie Maschinenbau und Gebäudetechnik) stehen dabei im Vordergrund.

 

Kompetenzerwerb

 

Besonders wichtig ist es uns, dass den berufsbegleitenden Studierenden die Möglichkeit geboten wird, das erlernte Wissen unmittelbar in den Arbeitsalltag zu integrieren und die erlangten fachlichen Kompetenzen umzusetzen. Aber auch eine Rückkoppelung beruflicher Erfahrungen mit dem Stand der Technik wird berücksichtigt.

 

Wichtigstes Werkzeug dabei ist die integrative, gesamtheitliche Denkweise, die verschiedene Aspekte der konstruktiven Hochbauplanung, der Gebäudetechnik und der umgebenden Infrastruktur zusammenführt. Hierzu werden Know-how der klassischen Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie Fachkenntnisse in der Bau- und Gebäudetechnik und der Energieund Informationstechnologie im Studium vermittelt. Als Ergänzung werden sozialkommunikative (bspw. spezielles Training der Präsentationstechniken) und wirtschaftliche Kompetenzen gelehrt. Somit wird den Studierenden ein projekt- und teamorientiertes Arbeiten sowie die Umsetzung und Evaluierung von globalen Projekten in allen Bereichen der Energieund Bauwirtschaft an Hand einer konkreten Aufgabenstellung vermittelt. Dabei spielen sie eine entscheidende Rolle im verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen unter Wahrung ökonomischer Interessen.

 

Besonderes Engagement in der Lehre

 

Das interdisziplinäre Team der Lehrenden des Studiengangs sieht es als selbstverständlich an, ihre Studierenden im vollen Umfang zu unterstützen und bietet dazu ein maßgeschneidertes Angebot im Bereich des fächerübergreifenden, vernetzten Unterrichts. Auch für die Lehrenden dieses einzigartigen Studienlehrgangs ist das berufsbegleitende Arbeiten mit den Studierenden eine spannende Herausforderung. In diesem Zusammenhang werden beispielsweise konkrete Aufgabenstellungen aus dem Berufsalltag der Studierenden im Unterricht an der Hochschule aufgegriffen und teamorientiert Lösungsvorschläge erarbeitet.

 

Auszug aus dem Gutachten von Prof. Dr. Volker Gehmlich, MBA Hochschule Osnabrück:

Smart³ hat FH-Prof. Thomas Reiter sein Projekt genannt, das im Rahmen des berufsbegleitenden Studiengangs Smart Building – Energieeffiziente Gebäudetechnik und Nachhaltiges Bauen an der FH Salzburg entwickelt und durchgeführt wird. Als Forschungs- und Studiengangsleiter hat FH-Prof. Reiter mit einem einschlägigen Expertenteam die drei Aufgabenbereiche Wohnbau der Zukunft, Nullenergiesupermarkt und Nachhaltige Arbeitswelten aufbauend auf laufende und abgeschlossene Forschungsprojekte mit fächerübergreifenden Lehrveranstaltungen im 2.-4. Semester verknüpft, in enger Verzahnung mit Auftraggebern aus der Wirtschaft. Auch wenn die gewählte Bezeichnung Smart nicht so dargelegt wird, so erfüllt das Projekt genau die durch dieses Akronym wünschenswerten Kriterien: das Projekt ist spezifisch, sehr konkret mit klarem Forschungs- und Anwendungsbezug; die Ergebnisse sind messbar, was alleine schon durch die Anforderung der Energieeffizienz eingefordert wird; es wird akzeptiert, belegt durch die Partner und weitere Interessengruppen, wie es auch im Pressespiegel deutlich wird; es ist realistisch, ausgedrückt z.B. durch die Aufgabenstellung der Auftraggeber; es ist auch terminlich festgelegt, im Rahmen der Semesterzeiten.
Durch ein großes Engagement von FH-Prof. Thomas Reiter und seinem Team werden Studierende individuell beraten und betreut, wobei die unterschiedlichen Bildungsbiografien aktiv im Projekt genutzt und weiterentwickelt werden, z.B. in der Form des Peer Learning. Eine große Vielfalt an ausgewählten didaktischen Überlegungen, permanent im Team der Lernenden und Lehrenden reflektiert,  wird methodisch umgesetzt, so dass innovative Lösungsvorschläge entstehen. Dabei ist es für FH-Prof. Thomas Reiter selbstverständlich, dass verschiedene Arbeitszeiten und Arbeitsbelastungen der Lernenden im Studienprozess berücksichtigt werden. Sehr individuelle Lernwege werden durch die Konzeption ermöglicht, unterstützt durch angepasste Lern- und Prüfungsformen. 

Positionierung des Lehrangebots

Bachelor (2.-5.Semester)

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 in der Kategorie Lehre unter besonderer Berücksichtigung unterschiedlicher Bildungsbiografien und/oder unterschiedlicher Vorkenntnisse nominiert.