Sustainability Challenge, Ringvorlesung

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Klimawandel, Ressourcenknappheit und extreme Ungleichheit sind nur einige der Herausforderungen, die es in Zukunft zu bewältigen gilt. Keine Disziplin kann den Anspruch für sich erheben praktikable Lösungen für diesen komplexen Probleme zuliefern, weshalb EntscheidungsträgerInnen benötigt werden, die basierend auf ganzheitlichem Denken transdisziplinär kooperieren und konkrete Lösungen für reale Herausforderungen liefern.

 

Die Sustainability Challenge ist eine interdisziplinäre und interuniversitäre Lehrveranstaltung, die, angeboten an den vier größten Universitäten Wiens, den Studierenden von heute und somit den EntscheidungsträgerInnen von morgen das Thema „Nachhaltige Entwicklung“ näherbringt. Sie wird jährlich vom Regional Center of Expertise on Education for Sustainable Development RCE Vienna, Teil des Institutes for Ecological Economics an der WU, organisiert.

Die Sustainability Challenge versteht sich als zielgerichtete Bildungsmaßnahme, die das Thema „Nachhaltige Entwicklung“ tief in den Köpfen der Teilnehmenden verankern will. Es soll eine gemeinsame Wissensbasis im Kopf der TeilnehmerInnen und eine gemeinsame Erfahrungsbasis im Herzen der EntscheidungsträgerInnen von morgen geschaffen werden. Ziel ist die Förderung von Verständnis für Nachhaltigkeit, systemisches Denken und interdisziplinäre Zusammenarbeit. TeilnehmerInnen sollen komplexe Zusammenhänge eigenständig erkennen und sowohl innovative als auch praktikable Lösungsansätze entwickeln.

 

Die Hauptzielgruppe sind Masterstudierende, die ein Interesse an Nachhaltiger Entwicklung haben. Durch die Teilnahme an den Lehrveranstaltungsblöcken zu Nachhaltigem Bauen und Raumplanung, Klimawandel, ökologischer Ökonomie und sozial-ökologischen Politiken an den diversen Universitäten sollen die Studierenden lernen ein Thema von mehreren Blickwinkeln zu kritisch betrachten und zu analysieren. Durch die zwei Projektschienen, Start-Up und Service-Learning, haben die Studierenden die Chance die gelehrte Theorie in die Praxis umzusetzen. Das Ziel dabei ist es, den Studierenden wesentliche Erfahrungen in einem geschützten Rahmen zu ermöglichen und sie dadurch zu ermutigen, nach Abschluss der Ausbildung selbst konkrete Schritte für eine nachhaltigere Zukunft zu setzten.

 

Dies soll vor allem durch die Start-Up Schiene ermöglicht werden, die 2016 angeboten wird in Kooperation mit dem Gründungszentrum der WU und dem Zentrum für Globalen Wandel der BOKU. Da einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren bei Start-Ups, die Durchmischung der Teams ist, bietet sich die Sustainability Challenge besonders an engagierte Studierende zu „sustainability driven entrepreneuers“ auszubilden.

 

Neben den Studierenden sollen auch die Lehrenden und die Universitäten von der Kooperation profitieren. In den gemeinsamen Interdisziplinären Blöcken, an denen alle Lehrenden teilnehmen, und den Multistakeholderworkshops findet ein reger Austausch zwischen den VetreterInnen der verschiedenen Universitäten, sowie den Praxispartnern statt.

 

Eine weitere Zielgruppe sind die Praxispartner, die zusammen mit den Studierenden im Rahmen der Service-Learning Schiene Projekte entwerfen. NGOs, öffentliche Stellen und Unternehmen profitieren von der Innovationskraft der Studierenden und der professionellen Betreuung durch die Lehrenden und das RCE Vienna. Im Rahmen der Sustainability Challenge wurden bereits über 50 verschiedene Projekte umgesetzt in deren Fokus immer ein Beitrag zum Gemeinwohl stand.

 

Durch die Beschäftigung mit konkreten Lösungen für aktuelle Herausforderungen schaffen TeilnehmerInnen und Stakeholder gemeinsam und nachhaltig Mehrwert für Mensch, Umwelt und Wirtschaft.

Beschreibung

Die Sustainability Challenge, eine zukunftsorientierte und interuniversitäre Ringlehrveranstaltung, verfolgt ein innovatives und praxisorientiertes Lehr- und Lernkonzept. Sie ist offen für Masterstudierenden aller Universitäten Wiens.

 

Im ersten Semester wird das Thema nachhaltige Entwicklung an vier Standorten (WU, TU, BOKU, Uni Wien) aus einer interdisziplinären Perspektive bearbeitet. Parallel dazu entwickeln die Studierenden in interdisziplinären Teams konkrete Projektkonzepte, als urbane Antwort auf die diskutierten Herausforderungen. Diese Projekte können einerseits im Rahmen der Service-Learning-Schiene in Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren wie NGOs, Unternehmen und öffentlichen Stellen geplant werden oder selbstständig von den Studierenden im Rahmen der Start-Up-Schiene entwickelt werden. Im zweiten Semester setzen die Studierenden, die von ihnen im ersten Semester entwickelten Projektkonzepte in Zusammenarbeit mit den Partnern und Experten in die Praxis um. Währenden der gesamten Projektlaufzeit werden die Studierenden in individuellen Coachingsessions vom RCE-Team und den Lehrenden unterstützt und dazu anregt, ihre Projekte ganzheitlich zu betrachten und zu konzeptionieren.

 

Ziel der Sustainability Challenge ist es Studierenden aller Disziplinen einen Zugang zu Nachhaltigkeit zu ermöglichen, Transdisziplinarität und interuniversitäre Zusammenarbeit zu fördern, sowie Theorie mit Praxis zu verbinden um somit einen Mehrwert für die Bevölkerung zu erzeugen.

Geschichtlicher Überblick

Seit dem Sommersemester 2010 wird die Sustainability Challenge an den vier größten Wiener Universitäten angeboten (Universität Wien, TU, WU, BOKU). Idee, Methode, Konzept und Realisierung entstammen dem International Network for Educational Exchange (INEX). 2013 wurde die Koordination an das RCE Vienna an der WU übergeben. 2016 findet die Sustainability Challenge bereits zum 7.Mal statt. Im Laufe der Jahre wurde das Konzept immer wieder überarbeitet und basierend auf dem Feedback der Studierenden und der Partner stetig verbessert und erweitert. Dies ist nur möglich durch das stetige Engagement der beteiligten Lehrenden, die seit Jahren viel Zeit und Energie investieren. Seit drei Jahren liegt der Fokus der Lehrveranstaltung auf Smart City.

Die Österreichische UNESCO-Kommission (ÖUK) übernimmt seit 2010 die Schirmherrschaft über die Sustainability Challenge.

Aufbau der Sustainanbility Challenge

Die Ringlehrveranstaltung geht über 11 Monate bzw. zwei Semester. Studierende aus diversen Masterprogrammen aller teilnehmenden Universitäten, sowie weiterer Universitäten und Fachhochschulen in Wien und Umgebung bewerben sich mit einem Motivationsschreiben für die Teilnahme. Basierend auf Motivation, Engagement und Studienerfolg werden 70 TeilnehmerInnen ausgewählt. Bei der Auswahl wird auf eine soziale Durchmischung sowie gender balance geachtet. Als Auftaktevent dient der Kick-Off im März jeden Jahres im Palais Harrach, bei dem alle beteiligten Akteure zum ersten Mal aufeinander treffen. Es folgen insgesamt sechs Lehrveranstaltungsblöcke bei den das Jahresthema (2016 Smart City: Globale Herausforderungen, lokale Antworten) aus den verschiedenen Perspektiven der Lehrenden präsentiert und diskutiert wird. Der erste und der letzte Block sind interdisziplinär, dementsprechend sind alle beteiligten Lehrenden anwesend. Die Blöcke zwei bis fünf finden nacheinander an der TU, BoKu, WU und Uni Wien statt und behandeln die Themen nachhaltiges Bauen und Raumplanung, Klimawandel, ökologischer Ökonomie und sozial-ökologischen Politiken im Kontext der Smart City. Als Vortragsorte dienen die teilnehmenden Universitäten.

Parallel zu den Blöcken entwickeln die Studierenden in interdisziplinären Teams (pro Universität ein Studierender) konkrete Projektkonzepte, als urbane Antwort auf die in den Blöcken diskutierten Herausforderungen. Diese Projekte können einerseits im Rahmen der Service-Learning Schiene in Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren wie NGOs, Unternehmen und öffentlichen Stellen geplant werden oder selbstständig von den Studierenden im Rahmen einer eigenen Unternehmung entwickelt werden, als Teil der Start-Up Schiene.

Die Projekte werden in den Blöcke bzw. speziellen Workshops besprochen und von je einem Lehrenden und dem RCE Vienna Team betreut um eine hohe Qualität zu gewährleisten.

Am Ende der ersten Semesters im Juni findet ein Stop-Over Event statt, bei dem alle Akteure wieder aufeinander treffen um die im Laufe des Semester entwickelten Projektkonzepte zu präsentieren und einander gegenseitiges Feedback zu geben.

Im zweiten Semester setzen die Studierende, die entwickelten Projekt-Konzepte in Zusammenarbeit mit den Service-Learning Partnern bzw. Start-Up Experten in die Praxis um. Sie werden dabei durch individuelle Coachingsessions durch das RCE Vienna und die Lehrenden unterstützt. Wann diese Einheiten stattfinden, können sich die Studierenden frei einteilen. Am Ender der Sustainability Challenge steht ein großes Abschlussevent, der Touch Down, bei dem die Outputs der Projekte präsentiert werden und die Möglichkeit des Networkings hinsichtlich der Weiterführung der Projekte besteht. Die Studierenden schließen ab mit einem Zertifikat, das ihre Teilnahme bestätigt und den Projektpartner erwähnt.

 

Akademische Inhalte der Blöcke

Smart City – Aus naturwissenschaftlicher Perspektive (BOKU-Block)

mit Fokus auf den Klimawandel

Univ.-Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb erklärt im naturwissenschaftlichen Teil Prozesse und Ursachen des Klimawandels sowie dessen Folgen auf globaler und regionaler Ebene. Studierende werden zur kritischen Reflektion angeregt, wie die Auswirkungen des Klimawandels ihr Leben in der Stadt direkt beeinflussen. Anpassungs- und Minderungsmaßnahmen sowie Verlockungen und Schwächen von Geoengineering Ansätzen werden diskutiert.

Smart City – Aus wirtschaftlicher Perspektive (WU-Block)

mit Fokus auf ökologische Ökonomien

Univ.-Ass. Dr. Christian Rammel beschäftigt sich mit den Grundannahmen der Ökologischen Ökonomie und versucht das Thema Smart City als interdisziplinäres Forschungsfeld aus dem Blickwinkel angewandter Nachhaltigkeitsforschung zu betrachten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf grundlegenden Themen wie soziale Innovation, Bildung und dem Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.

Smart City – Aus technisch-planerischer Perspektive (TU-Block)

mit Fokus auf Nachhaltiges Bauen und Raumplanung.

Ass.-Prof. DI Dr. Karin Stieldorf stellt nach einem allgemeinen Input zu umweltrelevanten Zahlen und Fakten des Baubereichs architektonische und technische Lösungen im Bereich Planen und Bauen vor, geht auf Energiebilanz, Energieversorgung, Komfort und Lebenszyklus von Gebäuden ein und diskutiert deren Beitrag zur Nachhaltigkeit. Anschließend wird ein kurzer Blick auf aktuelle Trends der Gebäudebewertung geworfen und zwar auch unter Berücksichtigung der ästhetischen und ökonomischen Aspekte und deren Gewichtung. Frau Univ.-Prof. DI Sibylla Zech wird in der 7. Sustainability Challenge einen Schwerpunkt zum Thema Raumplanung in Form einer „Nachhaltigkeitsexpedition“ gestalten. Die TeilnehmerInnen „reisen“ individuell mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln zu unserem gemeinsamem Treffpunkt „LISI“ (Blaue Lagune, Vösendorf) an, beobachten, kartieren und dokumentieren unterwegs, was sie als nachhaltige/nicht nachhaltige Stadtentwicklung wahrnehmen. „LISI“ ist das Siegerprojekt aus dem Wettbewerb „Solar Decathlon“, das nun in der Blauen Lagune besichtigt werden kann. Dort werden die Ergebnisse gemeinsam gemappt, diskutiert und durch den Input von Zech/Stieldorf ergänzt und konkretisiert. Prof. Sibylla Zech wird in diesem Zusammenhang Inputs zu den Themen Siedlungsentwicklung und Mobilität anschließen.

Smart City – Aus politischer Perspektive (Uni Wien Block)

mit Fokus auf sozial-ökologische Politiken

Dr. Alice Vadrot beschäftigt sich mit den Akteuren, Diskursen, Institutionen und Konflikten rund um Nachhaltigkeit im urbanen Raum. Das Lernziel ist, die Bedingungen, unter denen gesellschaftliche und staatliche Akteure sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen, besser zu verstehen. Es sollen Grundlagen vermittelt werden, die den Konfliktcharakter nachhaltiger Umweltpolitik erklären und die Implementierungsproblematik in Zusammenhang mit einer staats- und diskurstheoretischen Betrachtung setzen. Hierbei soll insbesondere auf die Frage eingegangen werden, wie im Zusammenspiel zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft Problemdeutungen über die ökologischen Krise entstehen, sich in dominante Produktions- und Konsummuster einschreiben und mit der (Nicht-) Regulation von Umweltkonflikten auf politisch-institutioneller Ebene einhergehen.

Methodik und didaktischer Mehrwert

Studierende erinnern sich an ca 5% der Inhalte eines Frontalvortrages. Durch aktives Handeln und praktischem Tun merken sich Studierende 75% und bei selbständigem Erklären und Aufbereitung von Wissen für andere, erinnern sich Studierende an bis zu 90% der Inhalte.

Das Lehrformat der Sustainability Challenge berücksichtigt dies und zeichnet sich durch die interaktive Gestaltung der Lehrveranstaltungsblöcke aus, wodurch Interdisziplinarität hautnah erfahrbar wird. Die Einheiten beinhalten Diskussionen, Gruppenarbeiten, Vorträge von ExpertInnen und Evaluierungen in Coachinggesprächen. Studierenden bekommen den Raum ihre eigenen Gedanken und Ideen zu entwickeln und voneinander zu lernen. Beispielsweise schreiben sie nach jedem der Blöcke ein Reflexionsjournal in dem Fragen wie „Was waren die wesentlichen Erkenntnisse? Was sehe ich anders? Was bedeutet das gelernte für mich persönlich/für mein Projekt?“ beantworten werden sollen. Dadurch soll ein Bezug zwischen dem Gelernten und der Realität des Studierenden hergestellt werden, sowie Selbstreflexion gefördert werden.

Die Note für die Sustainability Challenge setzt sich zusammen aus jeweils 10% Vor- und Mitarbeit für bzw. in jedem der 6 Blöcke sowie 40% für das Start-Up-Projekt (Projektkonzept, Präsentation, Reflexionsarbeit). Wesentlich hierbei ist, dass nicht der Erfolg des Projekts im Vordergrund steht, sondern der Lernprozess der Studierenden.

Es werden im ersten Semester zwei Evaluierungen in Form von Fragebögen durchgeführt bei denen die Studierenden die Blöcke beurteilen. Die Ergebnisse werden veröffentlicht und als Grundlage für zukünftige Planung herangezogen.

Für die Praxispartner gibt es vor Beginn der Lehrveranstaltung einen Multistakeholderworkshop bei dem die Ergebnisse der Evaluierung besprochen werden, Feedback abholt wird und ein gegenseitiges Lernen bezüglich der Dos und Don’ts der Projekte stattfindet.

Um eine Brücke zwischen Praxis und Theorie herzustellen und Studierende zu ermächtigen, konkrete Schritte zu setzen, gibt es die zwei Praxis-Schienen: Start-Up und Service-Learning. Die Studierenden entwickeln gemeinsam in Teams von zirka vier Personen, jede von einer anderen Universität, innovative Antworten auf Herausforderungen im Bereich der Nachhaltigkeit. Dabei werden sie von jeweils einem Lehrenden, dem RCE-Team, sowie einem Service-Learning-Partner(zB. Spar, BMWFW, MA22) bzw. Start-Up Experten unterstützt. Durch die Praxisprojekte lernen Studierende nicht nur die Inhalte der Lehrveranstaltung, sondern sammeln wesentliche Erfahrungen, wie zum Beispiel wie man fächerübergreifend kommuniziert oder wie man sich gegenüber einem Praxispartner verhält.

Über dieses besondere und in Österreich einzigartige Format der Lehrveranstaltung werden u.a. Problemlösungskompetenzen, Konfliktfähigkeit, Erfahrungswissen, vernetztes Denken, Teamfähigkeit und Gestaltungskompetenz geschult.

Positionierung des Lehrangebots

MA

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 in der Kategorie Kooperative Lehr- und Lernformen innerhalb der jeweiligen Hochschule, über Hochschulen und HS-Sektoren hinweg nominiert.