Webinar im Klinisch praktischen Jahr

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Ziel des Webinars „Web-Röntgenbesprechung“ war die Simulation einer interdisziplinären radiologischen Bild- und Befundbesprechung im KPJ zum Training ärztlicher professioneller Kompetenzen.

Verstärkung der interaktiven Lehre

Beschreibung

An der MedUni Wien wurde im August 2014 das Klinisch Praktische Jahr (KPJ) implementiert, durch das bessere Rahmenbedingungen für interaktives Lernen geschaffen wurden. Ziel des Projektes „Web-Röntgenbesprechung“ war die Simulation einer interdisziplinären radiologischen Bild- und Befundbesprechung zum Trainieren ärztlich-professioneller Kompetenzen.

In wöchentlichen Webinaren (mit der Software GoToWebinar; Citrix Systems, Fort Lauderdale, USA) werden von den Studierenden Fallpräsentationen und State-of-the-Art-Vorträge interaktiv vorgestellt, als Lernplattform wird Moodle (Version 2.9) genutzt. Mit der „Web-Röntgenbesprechung“ werden seit eineinhalb Jahre nun 370 Teilnehmer regelmäßig wöchentlich erreicht. An einem Termin nehmen durchschnittlich 10 Teilnehmer (davon 40 % über das Internet) aktiv teil, mit einer durchschnittlichen Dauer von 50 Minuten und mit konstant ausreichend hoher Übertragungsqualität für alle Bild- und Befunddaten. Beim positiven Feedback der Studierenden wurde an erster Stelle die höhere Effizienz des Mentoring in einer ungezwungeneren Lernatmosphäre genannt, zweitens das Verbessern der Präsentationstechnik, drittens das qualitativ konstant hohe Ausbildungsniveau im Vergleich zu peripheren Lehrkrankenhäuser, viertens das Üben im Kommunizieren mithilfe moderner IT-Technologien. Negativ bewertet wurden Limitationen bei den IT-Zugängen in den Lehrspitälern. Im Vergleich zur Lernpraxis im klinischen Alltag ist diese Form eines Webinars ein die Lernsteuerung signifikant positiv beeinflussendes Instrument zum Trainieren medizinischer Entscheidungen und professionellen ärztlichen Handelns.

1. Einleitung:

 

Das KPJ findet im 6. Studienjahr statt und dient dem Erwerb und der Vertiefung ärztlicher Fertigkeiten. Die aktive Teilnahme am klinischen Alltag (z.B. Patientenvorstellung durch die Studierenden, Teilnahme an Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen, Visiten, Tumorboards) ist essentieller Teil der Ausbildung. Eine eigenständige Vertiefung des Wissens zu den dabei auftretenden Problemstellungen soll dabei geübt werden. Damit verbunden finden sich bessere Rahmenbedingungen für interaktives Lernen.

 

Das Fach Radiologie und Nuklearmedizin kann im Tertiale C „Wahlfächer“ absolviert werden. Die Studierenden sollen ihre bisher erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten in der Diagnostik vertiefen und schrittweise selbständig Diagnosen erstellen.

Einen wesentlichen Teil der „Aktiven Aufgabenstellung – Pflichtteil“ nehmen Fallpräsentationen und State of the art-Vorträge ein. Zur Vorstellung dieser Präsentationen wurde eine wöchentliche „Web-Röntgenbesprechung“ implementiert. Ziel dieses Webinars ist die Simulation einer interdisziplinären radiologischen Bild- und Befundbesprechung zum Trainieren ärztlicher professioneller Kompetenzen unter Einbeziehung der peripheren Lehrkrankenhäuser.

 

 

2. Das Klinisch-praktische Jahr im Fach Radiologie und Nuklearmedizin:

 

Im KPJ Tertiale C Radiologie und Nuklearmedizin sollen die Studierenden ihre bisher erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten in der Diagnostik gemäß dem österreichischen Kompetenzlevelkatalog vertiefen und schrittweise selbständig Diagnosen erstellen. Das Fach Radiologie und Nuklearmedizin wird als Wahlfach im Umfang von acht bzw. sechzehn Wochen im Klinisch-Praktischen Jahr angeboten. Das Ausbildungsziel des KPJ-Tertials sind das Erlangen von Fähigkeiten zur Erhebung radiologischer Befunde, Stellen von Diagnosen und Differentialdiagnosen und Aneignung praxisnahen Wissens häufiger Krankheitsbilder. Die Studierenden sollen durch die Einbindung in der täglichen Routine Grundwissen in der Radiologie unter Anleitung durch FachärztInnen bzw. ÄrztInnen in fortgeschrittener Facharztausbildung erlernen, üben und schrittweise selbständig anwenden lernen.

 

Dies inkludiert Grundkenntnisse in der Röntgendiagnostik, Ultraschall und Computertomografie/ Magnetresonanztomografie/CT/MRT), sowie Patientenaufklärung, Vorbereitung zu den Untersuchungen, Anamneseerhebung, Einsatzgebiet der unterschiedlichen Untersuchungstechniken, differentialdiagnostischen Überlegungen sowie deren Präsentation und Diskussion.

 

Als wesentlicher Teil der Ausbildung wird die Teilnahme an allen abteilungsspezifischen Besprechungen wie Morgenfortbildung, interdisziplinäre Besprechungen, Tumor-Boards und die Teilnahme an abteilungsspezifischen Fortbildungsveranstaltungen sein. Jene Fertigkeiten die die Studierenden bereits für die Famulatur Reife erworben haben, sollen während des Klinisch-Praktischen Jahres an Patient/innen durchgeführt werden.

 

Zusätzlich zu den verpflichtend zu erreichenden Kompetenzen können fakultativ Kompetenzen aus den Spezialfächern der Radiologie und Nuklearmedizin erworben werden, wobei sich dies insbesondere auf Bildinterpretationen bezieht.

 

Die Lernziele sollen die häufigsten Tätigkeiten im klinischen Alltag des Fachbereiches Radiologie und Nuklearmedizin abbilden, die jeder Arzt bzw. jede Ärztin in der medizinischen radiologischen Patientenbetreuung, unabhängig von späterer Spezialisierung, beherrschen sollte. Des Weiteren sollen die KPJ-Studierenden an der Durchführung von modernen diagnostischen Untersuchungstechniken teilhaben und dadurch theoretisches Wissen vertiefen können.

 

Als interaktive Lernplattformen dienen einerseits Moodle (Version 2.9) mit einem für die Nutzung sozialer Medien programmierten Plugin, andererseits das Webinar „Web-Röntgenbesprechung“.

 

 

3. Das Webinar „Web-Röntgenbesprechung“:

 

Mit der Einführung des KPJ im August 2014 wurde an unserer Klinik das wöchentliche Webinar „Web-Röntgenbesprechung“ installiert.

 

3.1. Definition:

 

„Ein Webinar ist ein Seminar, das über das World Wide Web gehalten wird. Im Unterschied zum Webcast auf Abruf, bei dem die Information nur in einer Richtung übertragen wird, ist ein Webinar interaktiv ausgelegt und ermöglicht beidseitige Kommunikation zwischen Vortragendem und Teilnehmern. Ein Webinar ist „live“ in dem Sinne, dass die Informationen innerhalb eines Programms mit einer festgelegten Start- und Endzeit übermittelt wird.

In den meisten Fällen werden die mündlichen Erläuterungen des Vortragenden zu dem am Bildschirm gezeigten via VoIP (Voice over Internet Protocol) übertragen. Das funktioniert in der Regel auch umgekehrt, wenn der Teilnehmer eine Sprechgarnitur oder ein Mikrofon an seinem Computer angeschlossen hat und der Webinar-Moderator ihm Sprechrechte zugeteilt hat und somit können sich mehrere Personen gleichzeitig per VoIP unterhalten. Weitere typische Interaktionsmöglichkeiten sind das Herunterladen von Dateien, Fragestellungen via Chat oder die Teilnahme an Umfragen. Charakteristisch für Webinare ist, dass theoretisch unbegrenzt viele Personen teilnehmen können, sodass sie auch für größere Veranstaltungen, wie zum Beispiel E-Learnings, eingesetzt werden“ (aus Wikipedia).

 

3.2. Ziel des Webinars

 

Das Trainieren ärztlicher professioneller Kompetenzen steht im Mittelpunkt des KPJ. Die Simulation einer interdisziplinären radiologischen Bild- und Befundbesprechung in Form eines Webinars stellt ein geeignetes Instrument zur Lernsteuerung von aktiven Aufgabenstellungen innerhalb des KPJ dar.

Die Kommunikation der Studierenden an der MUW mit den Studierenden an peripheren Lehrkrankenhäusern ist eine weitere Vorgabe des Webinars. Ein Webinar stellt für diese wünschenswerte beidseitige Kommunikation zwischen Vortragenden und Teilnehmern eine zweckgerichtete Plattform dar und im Unterschied zu einem virtuellen Seminarraum oder Online–Seminar können beim Webinar auch Beiträge aus den peripheren Lehrkrankenhäusern übertragen werden.

 

3.3. Inhalte des Webinars:

 

Als Pflichtteil der aktiven Aufgabenstellung sind im KPJ innerhalb von acht Wochen sechs Fallvorstellungen zu je drei Minuten, sowie zwei Fallpräsentationen zu fünfzehn Minuten und ein State of the art-Vortrag von zwanzig Minuten gefordert.

Die Inhalte der Präsentationen ergeben sich aus der täglichen Routinearbeit der Studenten. Um das geforderte klinisch-problemorientierte wissenschaftliche Denken zu fördern können die Studierenden die Krankheitsbilder, die sie vorstellen, selber wählen und erarbeiten ihre Vorträge selbstständig.

Die aktiven Beiträge stammen fast zur Gänze aus der MUW, nur vereinzelt wird das Angebot für Fallvorstellungen aus peripheren Lehrspitälern wahrgenommen.

 

3.4. Ablauf eines Webinars:

 

Das Webinar findet einmal wöchentlich mit einer Dauer von 50 Minuten statt. Die Termine des Webinars werden im Vorfeld fixiert, die Studierenden werden über das Nachrichtenforum in der passwortgeschützten Lernplattform Moodle benachrichtigt und können sich über ein Passwort einloggen.

Die Vorträge beinhalten zur Verstärkung der interaktiven Lehre MC-Fragen. Zudem werden die eingeloggten Teilnehmer aufgefordert bei den aus den Vorträgen resultierenden Diskussionen aktiv teilzunehmen.

Mit der „Web-Röntgenbesprechung“ werden seit eineinhalb Jahren von anfänglich 160 nun 370 Teilnehmer regelmäßig wöchentlich erreicht. An den Terminen nehmen durchschnittlich 10 Teilnehmer aktiv teil. Davon sind 40% der Teilnehmer über das Internet zugeschaltet.

 

3.5. Technische Abwicklung:

 

Das Webinar wird in den Räumlichkeiten der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin abgehalten. Die technische Abwicklung erfolgt durch die Software „GoToWebinar“ (Citrix Systems, Fort Lauderdale, USA). Dieses Programm bietet eine konstant ausreichende hohe Übertragungsqualität für alle medizinischen Bild- und Befunddaten.

Eine Kamera und ein Mikrofon sind fix am PC installiert. Die Vortragenden achten darauf, dass sie im Blickfeld der Kamera positioniert sind und mit den Teilnehmern im Internet aktiv kommunizieren.

 

3.5 Feedback:

 

Beim positiven Feedback der Studierenden wurde an erster Stelle die höhere Effizienz des Mentoring in einer ungezwungeneren Lernatmosphäre als im klinischen Alltag genannt. Zweitens erkannten die Studierenden im Laufe des Tertiale einer Verbesserung ihrer Präsentationstechnik. Drittens wurde das qualitativ konstant hohe Ausbildungsniveau im Vergleich zu oft unterschiedlich verfügbaren Unterweisungen in den Lehrkrankenhäusern hervorgehoben. Viertens haben die Studierenden das Üben im Kommunizieren mithilfe moderner IT-Technologien als positiv beurteilt.

Negativ bewertet wurden Limitationen bei den IT-Zugängen in den Lehrspitälern (durch Firewall oder nicht geeignete PCs) und Probleme durch die Zeitverschiebung bei transkontinentaler Übertragung. Nicht genutzt wurde das Social-Media-Angebot, hier werden Foren ohne Beteiligung der Lehrenden bevorzugt.

Beim Feedback der KPJ-Mentoren wurde ausschließlich die Zeitersparnis genannt.

 

 

 

4. Moodle:

 

An der MUW steht den Lehrenden seit einigen Jahren Moodle als interaktive Lernplattform zur Verfügung.

 

4.1 Definition:

 

„Moodle ist ein freies objektorientiertes Kursmanagementsystem und eine Lernblattform. Die Software bietet die Möglichkeiten zur Unterstützung kooperativer Lehr- und Lernmethoden. Moodle stellt online „Kursräume“ zur Verfügung. In diesen werden Arbeitsmaterialien und Lernaktivitäten bereitgestellt. Jeder Kurs kann so konfiguriert werden, dass nur angemeldete Teilnehmer diesen besuchen können, Gäste zugelassen sind oder zur Teilnahme ein Passwort erforderlich ist. Arbeitsmaterialien in Kursen sind Texte, Links und Dateien. Lernaktivitäten sind Foren, Test, Aufgabe, Lektion, Wiki etc. Die Anordnung von Arbeitsmaterialien und Lernaktivitäten erlauben unterschiedliche didaktischen Szenarien, die einem konstruktivistischen Lernmodell folgen können. Die Nutzer haben über ihnen zugewiesene Rollen im Kursraum oder für einzelne Aktivitäten unterschiedliche Rechte als Trainer/Dozent/Lehrer oder Teilnehmer/Student/Schüler“ (aus Wikipedia).

 

4.2 Einsatz von Moodle im Klinisch-Praktischem Jahr

 

Die Lernplattform Moodle wurde in den letzten Jahren ein wesentlicher Bestandteil der interaktiven Lehre mit steigendem Einsatz von Seiten der Lehrenden und damit verbundenem zunehmenden Angebot für Studierende an der MUW.

Zur Unterstützung der Aufgabenstellungen im KPJ im Fach Radiologie und Nuklearmedizin wird den Studierenden auf der Lernplattform Moodle ein Kurs für strukturiertes Befunden und Probefragen als Vorbereitung für die Return-Week angeboten.

Die Präsentationen und State of the art-Vorträge des Webinars „Web-Röntgenbesprechung“ werden als PDF auf der Lernplattform Moodle abgespeichert, sind den Studierenden online zugänglich und können folglich ebenso der Vorbereitung zur Return-Week dienen.

 

 

5. Zusammenfassung:

 

Im Vergleich zur Lernpraxis im klinischen Alltag ist die Form eines Webinars ein die Lernsteuerung signifikant positiv beeinflussendes Instrument zum Trainieren medizinischer Entscheidungen, professionellen ärztliche Handelns und klinisch-problemorientiertem wissenschaftlichen Denkens. Das Webinar dient der Wissensvermittlung während des Klinisch-Praktischem Jahr unter Einbeziehung der peripheren Lehrkrankenhäuser. Es ist als Live-Stream inklusive Chat im Peer Teaching mit Distance Learning zu verstehen.

Positionierung des Lehrangebots

Studienabschnitt: Klinisch-Praktisches Jahr

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 nominiert.