Multimodales EKG

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Motive und Ziele

Die Medizinische Universität Wien (MedUni Wien) ist die größte Medical School der Welt (640 Studierende pro Jahrgang). Im Rahmen der Ausbildung an der MedUni Wien sollen handlungskompetente Ärztinnen und Ärzte ausgebildet werden. Das Elektrokardiogramm (EKG) ist ein einfaches, grundlegendes, diagnostisches Mittel, mit dem Rhythmusstörungen diagnostiziert werden, das Hinweise auf Herzkreislauferkrankungen liefern kann und das als unabdingbare Diagnostik in Notfällen und der Reanimation dient. Aufgrund der weiten Verbreitung und des signifikanten Informationsgehaltes müssen alle Medizinstudierenden, unabhängig von ihrer späteren Fachrichtung, Grundkenntnisse über die EKG-Diagnostik besitzen. Da vor allem Studierende, die später nicht die Fachrichtung Innere Medizin wählen, außerhalb des Lehrplanes keine weitere Ausbildung hinsichtlich der EKG-Diagnostik erhalten, ist es den Lehrverantwortlichen der MedUni Wien/ Abteilung für Kardiologie wichtig, den Studierenden anhaltende Grundkenntnisse über das EKG zu vermitteln, welche auch während der späteren Laufbahn abrufbar bleiben. Unser Ziel war es, den Studierenden das EKG in den (nur limitiert zur Verfügung stehenden) Stunden nicht nur theoretisch, sondern auch praxisorientiert auf eine selbstständige, herausfordernde und spielerische Weise näherzubringen, um so ein vertieftes und dauerhaftes Wissen vermitteln zu können. Dies sollte einerseits durch Wiederholung in Form von unterschiedlichen digitalen Medien und andererseits durch die geweckte Neugier und selbstständige Erfolgserlebnisse realisiert werden.

 

Ausgangslage

Aufgrund der umfangreichen Lerninhalte der Disziplin Humanmedizin steht für das EKG derzeit eine begrenzte Stundenzahl für den Unterricht im 4. Studienjahr zur Verfügung. Vorgesehen sind eine Einführungsvorlesung im Umfang von 2x1.5h an einem Tag im 7. Semester, ein Praktikum im Umfang von 2h später im 7. Semester und eine Übungswoche mit anschließender Prüfung am Ende des Jahres im 8. Semester (OSCE). Digitale Lehr- und Lernelemente waren im ursprünglichen Lehrplan nicht vorgesehen.

Beschreibung

Das Projekt besteht aus mehreren Elementen, die in das bestehende Lehrangebot integriert werden & so in Form des blended learning zu einem durchgängigem Lernprozess im 4.Studienjahr führen. Die Basis der EKG-Ausbildung im 4.Studienjahr bildet eine Eingangsvorlesung (2x1.5h) mit einem EKG-Skriptum als Lernunterlage, wobei alle Pathologien mit mehreren Patientenbespielen aus der eigenen Klinik unterlegt sind (1. Element). Im Rahmen der Vorlesung findet anschließend an die theoretische Einheit ein „Digivoting“ statt (2. Element). Für das Praktikum, welches später im selben Semester stattfindet, wurde eine Eingangsprüfung auf der online E-learning-Plattform Moodle entwickelt (3. Element). Im anschließenden Praktikum (1x2h) werden die Befundungskriterien aus dem Unterricht praktisch an eigens dafür ausgewählten Beispielen angewandt. Das EKG wird am Ende des Jahres erneut im Rahmen des Integrierten Klinisch-Praktischem Propädeutikum [objective structured clinical examination (OSCE)] abgeprüft. Zur Vorbereitung für diese Prüfung (oder zur freiwilligen Übung zwischendurch) wurde auf der E-Learning-Plattform Moodle ein online EKG Befundungstrainer entwickelt (4. Element), den die Studierenden kostenfrei & ortsungebunden nützen können. Diese Plattform beinhaltet derzeit an die 50 EKGs in drei Schwierigkeitsstufen, die nach dem Standardbefundungsschema befundet werden können. Direkt vor der Prüfung findet noch eine Übungswoche geleitet von Lehrenden und EKG-trainierten Tutoren statt.

Lernziele

- Die physiologischen und technischen Grundlagen für das Entstehen des EKGs kennenlernen und verstehen

- Die verschiedenen Wellen und Zacken im EKG korrekt benennen und beschreiben können

- Erkennen der wichtigsten Pathologien, die als Hinweis für Erkrankungen eine wichtige Ergänzung für die klinische Diagnosestellung darstellen

- Erkennen und Unterscheidung zwischen Sinusrhythmus und Arrhythmien (z.B. Vorhofflimmern oder Bradykardien)

- „Blickdiagnose“ in Notfallsituationen mit sicherer Erkennung von akut lebensbedrohlichen Zuständen (z.B. Myokardinfarkt, Ventrikuläre Tachykardie)

- Das Gelernte an individuellen, praktischen Beispielen anwenden und durch Kombination des Erlernten selbstständig einen vollständigen EKG-Befund nach vorgegebenem Schema erstellen

- Das Verständnis um die klinischen Konsequenzen und Therapieoptionen (z.B. Antikoagulation, Schrittmacherimplantation, CRT-Eignung) des eigenen Befundes

 

Herausforderungen

- Begrenzte Stundenanzahl für die Vermittlung dieser komplexen und wichtigen Lerninhalte

- Limitierte Möglichkeit der praktischen Anwendung (nur 1x2h im Rahmen des Praktikums)

- Minimale aktive Teilnahmemöglichkeiten der Studierenden (im Rahmen des Praktikums)

- Keine Möglichkeit für Feedback und Diskussion (mit Ausnahme des Praktikums)

- Lediglich eine einmalige Wiederholung der Lerninhalte zwischen der Einführungsvorlesung und der Prüfung

- Bereitstellung von EKG-Befunden in ausreichender Qualität für E-learning

- Organisation der Freischaltung der e-Learning Elemente für bestimmte Studierende der MedUni Wien

- Auswertung der Prüfungsfragen und Organistaion von Ersatzleistungen

 

 

Konzept

Das Vermitteln der Lerninhalte auf verschiedenen Ebenen mit zeitlich versetzten Wiederholungen verteilt über das gesamte Studienjahr um dadurch eine verbesserte Durchdringung des Lerninhaltes und ein verbessertes Behalten des erworbenen Wissens zu unterstützen. Hierfür werden die traditionellen Vermittlungsformen des ursprünglichen Lehrplans mit 4 neuen Projektelementen ergänzt (siehe Tabelle 1).

 

 

Tabelle 1. Beschreibung der 4 neuen Elemente des Projektes (s. Beilage)

 

 

Projektbeschreibung

Das Projekt besteht aus mehreren Elementen, die bereits seit dem Studienjahr 2015/16 im Lehrplan der MedUni Wien voll integriert sind (siehe Abbildung 1). Die Basis der EKG-Ausbildung im 4. Studienjahr bildet eine Eingangsvorlesung (2x1.5h) mit einem EKG-Skriptum als Lernunterlage, wobei alle Pathologien mit mehreren Patientenbespielen aus der eigenen Klinik unterlegt sind (1. Element). Im Rahmen der Vorlesung nach der theoretischen Einheit findet ein sog. „Digivoting“ statt (2. Element). Hier können die Studierenden mit einem “Klicker” selbstständig EKG-Fragen beantworten und erhalten sofortiges anonymisiertes Feedback bezüglich ihrer Leistung in Form einer statistischen Auswertung der gesamten Antworten und Angabe sowie Erklärung der richtigen Antwort. Eventuelle Fragen werden erfahrungsgemäß bereits in dieser Einheit von den Studierenden untereinander diskutiert. Für das Praktikum, welches im selben Semester stattfindet, wurde eine Eingangsprüfung entwickelt (3. Element, siehe Abbildung 2), bei der Studierende auf der online E-Learning-Plattform Moodle 10 Fragen (gemischt single-choice und multiple-choice Fragen) beantworten und die Bestehensgrenze (70%) erfüllen müssen. Zur Beantwortung dieser Fragen wird erneut das Skriptum aus der Eingangsvorlesung (1. Element) verwendet. Im anschließenden Praktikum (1x2h) werden die Befundungskriterien aus dem Unterricht nun praktisch an eigens dafür ausgewählten Beispielen angewandt. Das EKG wird am Ende des Jahres erneut im Rahmen des Integrierten Klinisch-Praktischem Propädeutikum [objective structured clinical examination (OSCE)] abgeprüft. Hier müssen die Studierenden an mündlich-praktischen Prüfungsstationen zeigen, dass sie ihr Wissen in klinischen Alltagssituationen anwenden können. Zur Vorbereitung für diese Prüfung (oder zur freiwilligen Übung zwischendurch) wurde mittels der e-Learning-Plattform Moodle ein online EKG Befundungstrainer entwickelt (4. Element, siehe Abbildung 4), den die Studierenden kostenfrei und jederzeit ortsungebunden nützen können. Diese Plattform beinhaltet derzeit an die 50 EKGs, welche in drei Schwierigkeitsgrade eingeteilt sind. Die EKGs können nach dem Standardbefundungsschema befundet werden und die Studierenden erhalten nach Abgabe des Formulars sofort Feedback hinsichtlich der richtigen Antwort sowie eine weiterführende Erklärung. Direkt vor der Prüfung findet eine Übungswoche statt, wobei die Studierenden die Möglichkeit haben die exemplarischen Fälle zu wiederholen und die im Selbststudium offen gebliebene Fragen mit den anwesenden Lehrenden und EKG-trainierten Tutoren zu diskutieren.

 

Abbildung 1. Ausschnitt aus dem Studienplanführer des Lehrgangs Humanmedizin n202 der MedUni Wien (4. Ausbildungsjahr). Die vier Elemente des Projektes „multimodales EKG“ sind eingezeichnet (s. Beilage)

 

 

Abbildung 2. Exemplarische Frage der EKG-Eingangsprüfung (3. Element). (s. Beilage)

 

 

Abbildung 3. Ausschnitt aus dem EKG-Befundungstrainer (4. Element). (s. Beilage)

 

 

 

Erneuerungen

- Unterstützung des Erwerbs von dauerhaftem Wissen durch häufige Repetition der Lerninhalte (zusätzlich 3 Lerneinheiten: Digivoting, EKG Quiz und EKG Befundungstrainer)

- Anwedung unterschiedlicher Lehrformen zur besseren Durchdringung der Lerninhaltes (Vorlesung, Skriptum, Digivoting, e-Learning mit Eingansprüfung und EKG Befundungstrainer, Prüfung)

- Aktive Teilnahme und eigenständige EKG-Befundung zu mehreren Zeitpunkten (Digivoting, EKG Quiz und EKG Befundtungsrainer, Übungswochen)

- Individuell freie Gestaltung der zum Wissenserwerb angewendeten Zeit mit zusätzlichen Vertiefungsmöglichkeiten durch die Zurverfügungstellung des E-learning EKG Befundungstrainers

- Häufige Feedbackmöglichkeit (sowohl bei Digivote und den E-learning Elementen, zusätzlich ist eine Diskussion unter Studierenden auch im online Forum möglich)

Positionierung des Lehrangebots

Diplomstudium Humanmedizin der Medizinischen Universität Wien (n202), 2. Studienabschnitt, 4. Studienjahr (7. und 8. Semester)

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 nominiert.