Einsatz des modifizierten fallorientierten klinischen Peer-unterstützten Blended Learning „Unified Patient“ als neues Konzept im klinischen Unterrichts an der Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohrenkrankheiten in Kooperation mit der Unified Patient Divisi

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Ausgangslage:

 

Das Unified Patient Project (UPP) ist eine Mischform aus klassischem Präsenzunterricht und Distanzphasen, Blended Learning, in dem der Studierende eigenständig mittels Web Based Training (WBT) arbeitet. Es ist seit 2002 für Gruppengrößen von 350 bis 450 Studierenden an der Medizinischen Universität Wien etabliert. Während der Distanzphase erfolgt die virtuelle Kommunikation zwischen Lehrenden und Studierenden auf einer Lernplattform, über die auch die Kursverwaltung und Organisation erfolgt.

 

Ziele:

 

• Das bestehende web-basierte, fallorientierte Blended Learning-Konzept mit dem Modell des „Unified Patient“, das den Erfahrungsaustausch Studierender untereinander fördert und ein Peer-unterstütztes E-Learning-Format darstellt für das HNO-Tertial zu adaptieren, etablieren und weiterentwickeln.

• Eine Lehr- und Lernform für das HNO-Tertial für jeweils 50 Studierende im 5. Studienjahr des Wiener Curriculum unter Verwendung eines modifizierten „Unified Patient Programms, UPP“ in Kooperation mit der Unified Patient Division des Department für Medizinische Aus- und Weiterbildung an der Medizinischen Universität Wien zu erstellen.

 

Motive:

 

• Förderung des selbstbestimmten studentischen Lernens.

• Flexibilität für Studierende und Lehrende bezüglich Raum und Zeit.

• Interaktivität der Studierenden.

• Unmittelbares Feedback für Studierende.

• Begleitende Lernüberprüfung.

Beschreibung

Der Einreicher hat 2010 im Rahmen seiner Masterarbeit das UPP-Programm für das HNO-Tertial adaptiert und getestet und 2012 publiziert. Es ließ sich neben den Einsparungen von Ressourcen eine hohe Akzeptanz durch die Studierenden feststellen. Bislang wurden ca. 3300 Studierende in Gruppen zu 50 Personen, mit diesem neuen Blended Learning Programm kooperativ unterrichtet. Die Anzahl der Fallbeispiele wurde von initial 17 auf 45 erhöht und auch der Anwendungs- bzw. Prüfungsmodus wurde weiterentwickelt.

Einsatz des fallorientierten klinischen Peer-unterstützten Blended Learning Konzepts „Unified Patient“ im klinischen Unterrichts an der Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohrenkrankheiten der Medizinischen Universität Wien in Kooperation mit der Unified Patient Devision des Department für Medizinische Aus- und Weiterbildung.

 

Ein neues Konzept zum studentischen Selbststudium

Blended Learning ist eine Weiterentwicklung des E-Learning mit einem Lernkonzept, das die heute verfügbaren Möglichkeiten der Vernetzung über Internet oder Intranet mit den klassischen Lernmethoden und Lernmedien in einem Lernarrangement durch Methoden- und Medienmix verknüpft. Es ist eine Mischform aus klassischem Präsenzunterricht und Distanzphasen, in denen der Studierende eigenständig mittels Web Based Training (WBT) arbeitet. Während der Distanzphase erfolgt die virtuelle Kommunikation zwischen Lehrenden und Studierenden auf einer Lernplattform, über die auch die Kursverwaltung und Organisation erfolgt. Die Vorteile gegenüber dem Computer Based Training (CBT) sind die weltweite Verfügbarkeit, die Möglichkeit der Nutzung von Internetdiensten zur Kommunikation und die rasche Wartung und Aktualisierung durch zentrale Speicherung.

 

Das Unified Patient Project ist ein webbasiertes Programm zur Speicherung und Visualisierung von medizinischen Fällen gepaart mit einem organisatorischen Konzept für fallbasiertes Lernen und seit 2002 an der Medizinischen Universität Wien für Großgruppen mit 350 bis 450 Studierenden in Anwendung. Es ist frei im Internet erreichbar und erlaubt neben der Anlage, Suche und Betrachtung von medizinischen Fällen einige weitere Funktionen wie beispielsweise die Visualisierung von Radiologie-oder Endoskopiedaten sowie PackGo-Funktion, die es den Benutzern ermöglicht, medizinische Fälle zur Offline-Verwendung aus dem System zu erhalten. Sie gestattet weiters die Anschaltung einer Forumsfunktionalität zu jedem Fall, die es den Benutzern ermöglicht, zum gezeigten Fall individuelle Diskussionsbeiträge einzubringen.

 

Der konkrete Einsatz an der Medizinischen Universität Wien nutzte vor allem die Forumsfunktionalität des Unified Patient Project und umfasste zu allererst die Anlage der zu lernenden Fälle im System, gefolgt von einer kurzen Präsenzphase im Hörsaal und einer moderierten Online-Lernphase in öffentlichen und persönlichen Diskussionsräumen (1).

 

Die klinischen Fächer des 5. Studienjahres im Neuen Wiener Curriculum werden von den Studierenden nacheinander durchlaufen. Neben praxisbezogenen Unterrichtsformen wie Clinical Clerkship und Seminar werden bisher im Hals-Nasen-Ohren-Fach (HNO) Frontalvorlesungen (FV) angeboten, die als Inhalt die symptombezogene Systematik der häufigsten und gefährlichsten Erkrankungen haben (Fallvorstellungen), dafür ist ca. ein Drittel der gesamten Unterrichtszeit vorgesehen. Im Rahmen der eigenen Masterarbeit hat der Bewerber ein Projekt durchgeführt bei dem Fallpräsentationen im Rahmen einer Frontalvorlesung durch ein neu geschaffenes Blended Learning Konzept unter Verwendung des bereits an der Medizinischen Universität Wien eingesetzten Unified Patient Projects ersetzt wurden. Dazu wurde dieses für den Einsatz im HNO-Tertial-Unterricht adaptiert. Erstmals wurde es nicht in einer Großgruppe (450 Personen), sondern in Gruppen von circa 50 Personen angewendet. In einer Blockzeit von 2 1/2 Wochen wurden Frontalvorlesungen durch Fallpräsentationen im UPP ersetzt und verglichen.

 

In der Studienphase im Studienjahr 2008/09 bestand kein signifikanter Unterschied der studentischen Beurteilung der Gesamtqualität der HNO-Lehre im klinischen Abschnitt, wenn Fallvorstellungen einerseits via UPP, andererseits via Frontalunterricht angeboten werden.

 

Die neue Lernumgebung wurde von den Studierenden angenommen und die vorgesehenen Lernziele konnten erreicht werden. An der Medizinischen Universität Wien konnte mit dem Unified Patient Project eine signifikante Reduktion an Personaleinsatz und Ressourcenallokation erreicht werden (2).

 

Die Ergebnisse dieser Untersuchung dienten als rationales Instrument für eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Verantwortlichen der Curriculumplanung, wenn es um die Überlegung ging, Frontalvorlesungen an der MUW zu reduzieren und durch das Unified-Patient-Programm zu ersetzen.

 

Bislang wurden ca. 3300 Studierende in Gruppen zu 50 Personen, mit diesem Blended Learning Programm in Kooperation mit dem DEMAW unterrichtet. Die Anzahl der Fallbeispiele wurde von initial 17 auf 45 erhöht und auch der Anwendungs- bzw. Prüfungsmodus wurde weiterentwickelt.

 

Laufende gute studentische Evaluationen der HNO-Tertiallehre inkl. des Blended Learning mit dem UPP bestätigen die konstante Qualität dieser Lehrform.

 

Daher bleibt das Blended learning Konzept an der HNO-Klinik der Medizinischen Universität Wien mit dem UPP zukünftig fix im HNO-Curriculum etabliert.

 

1. Pokieser P, Brandstätter P, Moritz T, Domanovits H, Sodeck G, Fischer MR. Unified Patient Project – filed report on web.based case studies in the clinical education. Zeitschrift für E learning. 2009;1:49-59

2. Grasl MC, Pokieser P, Gleiss A, Brandstaetter J, Sigmund T, Erovic BM, Fischer MR. A new blended learning concept for medical students in otolaryngology. Arch Otolaryngol Head Neck Surg. 2012 Apr;138(4):358-66. doi: 10.1001/archoto.2012.145.

Positionierung des Lehrangebots

Diplomstudium der Humanmedizin, N202/3. Abschnitt/5. Studienjahr/9. und 10. Semester

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 nominiert.