Spezifische Wahlmodule am Bachelorstudiengang Soziale Arbeit der FH Campus Wien

Umgesetztes Projekt

Ziele

In der Lehre der Sozialen Arbeit besteht die Herausforderung Disziplin- und Professionswissen situationsbezogen zu vermitteln und dabei die beruflichen Fachkompetenzen sowie Sozial- und Persönlichkeitskompetenzen der Studierenden zu fördern. Mit dem Verlängerungsantrag des Bachelorstudiengangs „Soziale Arbeit“ der FH Campus Wien wurde 2012 im Curriculum ein neues Teilgebiet „Spezifische Wahlmodule und Handlungsfelder“ implementiert. Ziel dieser besonderen Form der Modularisierung ist es, die Integration der Wissensbestände zu forcieren und den vielfältigen Kompetenzerwerb der Studierenden in unterschiedlichen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit zu stärken.

Kurzzusammenfassung

Mit dem Verlängerungsantrag des Bachelorstudiengangs „Soziale Arbeit“ der FH Campus Wien wurde 2012 im Curriculum ein neues Teilgebiet „Spezifische Wahlmodule und Handlungsfelder“ implementiert. Im dritten und vierten Semester können Studierende spezifische Wahlmodule wählen (Soziale Arbeit im Sozialen Raum, Sozialpädagogik mit Erwachsenen oder Soziale Arbeit in Zwangs- und Normierungskontexten), die jeweils den inhaltlichen Rahmen für vier aufeinander bezogene Lehrveranstaltungen bilden. Vorlesungen und Übungen zu sozial- und humanwissenschaftlichen Perspektiven Sozialer Arbeit, Seminare zu spezifischen Handlungsfeldern und Methoden Sozialer Arbeit sowie Teamteachingeinheiten zur interdisziplinären und professionellen Fallbearbeitung führen dazu, dass Studierende fachliches Spezialwissen und -kompetenzen erwerben sowie ihre Sozial- und Persönlichkeitskompetenzen weiterentwickeln.

Nähere Beschreibung

Modularisierung als Chance der Verbindung von Disziplin- und Professionswissen.

Die Entwicklung spezifischer Wahlmodule am Bachelorstudiengang Soziale Arbeit der FH Campus Wien

 

1. Überblick des Teilgebietes „Spezifische Wahlmodule und Handlungsfelder“

Mit dem Verlängerungsantrags des Bachelorstudiengangs „Soziale Arbeit“ in Vollzeit- und berufsbegleitender Form von 2012 wurde im Curriculum ein neues Teilgebiet „Spezifische Wahlmodule und Handlungsfelder“ implementiert, um Kernkompetenzen zu erweitern und zu vertiefen. Im dritten und vierten Semester können Studierende zwei von drei spezifischen Wahlmodulen wählen – Soziale Arbeit im Sozialen Raum, Sozialpädagogik mit Erwachsenen oder Soziale Arbeit in Zwangs- und Normierungskontexten – und in aufeinander abgestimmten Lehrveranstaltungen Spezialwissen und -kompetenzen erwerben. Innerhalb eines Wahlmoduls entscheiden sie dann, in welchem beruflichen Handlungsfeld Sozialer Arbeit sie ihre professionelle Kompetenz entwickeln möchten.

Die jeweiligen Wahlmodule sind derart aufgebaut, dass alle teilnehmenden Studierenden eines Wahlmoduls (ca. 36 bis 40) eine Integrierte Lehrveranstaltung (ILV) zu Grundlagen und aktuellem Stand der Forschung besuchen. Dabei werden Vorlesungen in der Großgruppe mit Übungen in Kleingruppen kombiniert, um einen kontinuierlichen Kompetenzaufbau zu gewährleisten. Die Studierenden lernen, z.B. mittels Fachimpulsen, Diskussion von Begleitlektüre oder am Beispiel von Forschungsprojekten, sozialarbeitswissenschaftliche Zugänge kennen und können spezifisches sozialwissenschaftliches und humanwissenschaftliches Wissen in seiner jeweiligen Relevanz für Disziplin und Profession Sozialer Arbeit einschätzen. Die Studierenden entwickeln z.B. Fachkompetenzen, soziale Problemsituationen und Ungleichheiten in ihrer Strukturiertheit auf Mikro- Meso- und Makroebene zu differenzieren und Veränderungsmöglichkeiten zu bestimmen.

Über die Auswahl eines spezifischen Handlungsfeldes Sozialer Arbeit kann in kleineren Gruppen von jeweils 16 bis 22 Studierenden detailliertes Handlungswissen erworben werden. Die Studierenden lernen, auch über Besuche von Gastlehrenden oder Praxisbesuche zu sozialen Einrichtungen, vielfältige Schnittstellen des institutionellen Netzes, Aufgaben unterschiedlicher Träger und Organisationen sowie fachliche Tätigkeiten von SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen kennen. Dabei entwickeln sie die Kompetenz Spannungsfelder zwischen unterschiedlichen Aufträgen – von Seiten der Gesellschaft, der sozialen Organisation und den einzelnen KlientInnen – zu erkennen und können fachliche begründete Positionen beziehen. Mittels der Diskussion und Reflexion konkreter Handlungssituationen im institutionellem Kontext lernen die Studierenden Rollen, Funktionen, Zielen und Erfolgskriterien Sozialer Arbeit als zentrale Qualifikation zu bestimmen, um professionell im Berufsalltag agieren zu können, und das eigene Handeln theoriebezogen und persönlich reflektieren, dokumentieren und evaluieren zu können.

Über ein auf das jeweilige Handlungsfeld abgestimmtes Methodenseminar, werden ebenfalls in kleineren Gruppen von 16 bis 22 Studierenden vielfältige methodische Herangehensweisen Sozialer Arbeit geübt, um diese situationsadäquat anzuwenden. Die Studierenden werden z.B. dazu befähigt, den Kontakt zu Personen und Gruppen aufzunehmen, mit diesen beratende und verhandelnde Gespräche zu führen und auf die unmittelbaren alltagsbezogenen Wünsche und Bedürfnisse der KlientInnen mit Respekt einzugehen. Über unterschiedliche Übungen wie Beobachtungen in Alltagskontexten, Plan- und Rollenspiele oder die Simulation von Beratungssituationen entwickeln Sie ihre fachlichen, persönlichen und sozialen Kompetenzen zu verknüpfen, um professionelle Beziehungen bewusst, verantwortungsvoll und reflektiert zu gestalten.

Das Modul wird mit einer Teamteaching-Phase abgeschlossen, an der alle Studierenden (ca. 36 bis 40) sowie die drei Lehrenden des jeweiligen Wahlmoduls teilnehmen. Die Studierenden präsentieren dort die Ergebnisse ihrer Fallbearbeitung und diskutieren dann gemeinsam mit ihren KollegInnen und den Lehrenden. Anhand von konkreten Fallbeispielen gelingt es so, theoretische und handlungspraktische Wissensbestände sowie interdisziplinäre und professionstheoretische Perspektiven anwendungsorientiert auf konkrete Situationen Sozialer Arbeit zu beziehen und fachliche Modelle bzw. Standards einer gelingenden Praxis zu entwickeln.

In den Handlungsfeld- und Methodenseminaren wurden die Studierenden bereits im Vorfeld des Teamteachings mit unterschiedlichen Fallsituationen konfrontiert und haben wesentliche Aspekte professionellen Arbeitens ausprobiert und insbesondere mit der Handlungsfeldlehrenden reflektiert. Daraufhin bearbeiten Sie jeweils in Kleingruppen von drei bis fünf Studierenden eine Fallvignette sozialarbeiterischer Praxis, indem sie die Situation analysieren, Aufgaben und Ziele Sozialer Arbeit bestimmen sowie eigene Handlungspläne entwickeln. Diesbezüglich stehen Ihnen auch eigene Unterrichtseinheiten zur Arbeit in den jeweiligen Peergroups zur Verfügung, um sich über die Herausforderungen Sozialer Arbeit auszutauschen und adäquate Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Die Ergebnisse ihrer Fallausarbeitung stellen sie dann in den Teamteachingeinheiten zur Diskussion, woraufhin sich vielfältige Anknüpfungspunkte bieten, gemeinsam mit ihren KollegInnen und den Lehrenden Möglichkeiten einer professionellen Praxis Sozialer Arbeit zu erörtern. Im Anschluss an die jeweilige Falldiskussion bekommt jede Studierendengruppe von den Lehrenden ein ergänzendes Feedback zu ihrer Ausarbeitung und ihrer fachlichen Argumentation. Die Leistungsbeurteilung des Gesamtmoduls setzt sich aus der erfolgreichen Absolvierung der vier Lehrveranstaltungen zusammen.

 

Aus einer hochschuldidaktischen Perspektive ist zunächst die kohärente Verschränkung der Lehrinhalte und Lernmethoden der unterschiedlichen Lehrveranstaltungen hervorzuheben, sodass für Studierende die Relevanz der unterschiedlichen Wissensbestände sowie disziplinärer und professioneller Perspektiven für das fachliche Handeln in konkreten Praxissituationen erkennbar wird. Dabei sind nicht nur die verschiedenen fachlichen Blickwinkel und Kompetenzen der jeweiligen Lehrenden in den einzelnen Lehrveranstaltungen (ILV, Methoden- und Handlungsfeldseminar) entscheidend, die fachliche Orientierung geben, sondern insbesondere die Integration des Gelernten an konkreten Fallsituationen im Teamteaching, womit fächerübergreifende Qualifikationen für eine berufliche Praxis konkret erfahrbar werden. Die im jeweiligen Wahlmodul spezifizierten Kompetenzprofile und angestrebten Lernziele, fördern sozialarbeitsrelevante, interdisziplinäre Analysekompetenzen und entwickeln eine reflexive Handlungskompetenz, die für den professionellen Umgang mit komplexen Lebenssituationen und Alltagsbewältigungsstrategien von AdressatInnen Sozialer Arbeit unerlässlich sind.

Neben dem fachlichen Impulsen und Diskussionen sowie diversen Übungen in den einzelnen Lehrveranstaltungen ist das dialogische Lernen in unterschiedlichen Gruppensettings sowie die damit verbundenen Selbststudienanteile von Studierenden - innerhalb einer Lehrveranstaltung aber auch lehrveranstaltungsübergreifend – besonders hervorzugeben. Dadurch werden u.a. selbstorganisiertes, eigenverantwortliches Arbeiten sowie Kompetenzen in der Kleingruppenarbeit und die Teamfähigkeit zwischen den Studierenden gefördert. Mittels dieser studierendenzentrierten Perspektive werden nicht nur fächerübergreifende Kompetenzen und Qualifikationen zwischen Studierenden und Lehrenden entwickelt, sondern auch die Persönlichkeits- und Sozialkompetenzen gestärkt, die eine wesentliche Basis für eine spätere berufliche Praxis darstellen. Denn SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen sind in der späteren Berufspraxis gefordert sich reflektiert mit Menschen in prekären und komplexen Lebensumständen in Beziehung zu setzen und situativ angemessen zu handeln, was ein hohes Ausmaß an persönlicher Stabilität und die Bereitschaft, sich permanent im Spannungsfeld eigener, professioneller und gesellschaftlicher Normen und Werte zu positionieren, voraussetzt.

Weiter ist zu betonen, dass das Teamteaching zur Fallpraxis am Ende des Semesters wesentlich dazu beiträgt, theoretische und wissenschaftliche Kenntnisse mit den berufspraktischen Erfahrungen von SozialarbeiterInnen sowie der Lebenspraxis von AdressatInnen Sozialer Arbeit zu verbinden. Es ist auch die kooperative Zusammenarbeit zwischen hauptberuflich und nebenberuflich Lehrenden, die zu einem besonderen Transfer von Wissensbeständen beiträgt und es ermöglicht, multidisziplinäre und -professionelle Modelle der Fallinterpretation zu entwickeln, die in der künftigen Berufstätigkeit der Studierenden im Sinne von lebensbegleitenden Lernen reaktualisiert und ausdifferenziert werden können.

Die Qualitätsentwicklung der Wahlmodule findet kontinuierlich statt. Feedbackschleifen zwischen Studierenden und Lehrenden im Rahmen der Lehrveranstaltungen sowie Lehrveranstaltungsevaluierungen sind zentraler Bestandteil der Reflexion. Einen besonderen Anreiz für Studierende bietet die Erfahrung von zwei unterschiedlichen Wahlmodulphasen, weil sie ein Wahlmodul im 3. und eines im 4. Semester absolvieren müssen und dadurch sowohl ihre eigene Leistung als auch die unterschiedliche Herangehensweise der verschiedenen Lehrendenteams unmittelbar erfahren und vergleichen können. Zudem treffen sich Lehrende der jeweiligen Wahlmodule mehrmals im Jahr, um inhaltliche Schwerpunkte zu koordinieren, didaktische Zugänge zu reflektieren oder Fallvignetten für das Teamteaching zu entwickeln. Alle Lehrenden des Teilgebietes der „Integrierten Wahlmodule“ treffen zusätzlich noch ca. einmal im Semester, um sich über ihre Lehrerfahrungen auch Wahlmodulübergreifend auszutauschen und voneinander zu lernen sowie aktuelle Herausforderungen des Gesamtmoduls zu besprechen. Als besondere Qualitäten der integrierten Wahlmodule werden dabei von Lehrenden u.a der innovative Zugang der kooperativen Lehr- und Lernformen zwischen Studierenden, die vielfältigen und produktive Herausforderungen und Kompetenzentwicklungen für Studierende, der fachlich intensive Austausch zwischen Lehrenden, das gemeinsame Unterrichten und die gemeinsamen Falldiskussionen im Teamteaching als reflexive Praxis auf unterschiedlichen Ebenen sowie das Zusammendenken von Theorie und Praxis Sozialer Arbeit angesehen. Zudem begleitet die Modulkoordination die Lehrenden bei Nachfrage und Bedarf auch persönlich, steht für hochschulorganisatorische und didaktische Fragen zur Verfügung oder führt neue Lehrende in Herausforderungen des anspruchsvollen Teilgebietes der Wahlmodule ein.

Positionierung des Lehrangebots

Bachelorstudium

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 nominiert.