Corporate IT I (Information Structures)

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Im Rahmen der englischsprachigen Veranstaltung Corporate IT I (Information Structures) lernen die Studierenden grundlegende Ansätze der Daten- und Informationsstrukturierung kennen (konkret relationale Datenbanken und SQL, HTML und CSS, XML, DTD und XSD, XPath und XSLT, Information Retrieval, Semantic Web) mit besonderem Fokus auf die praktische Anwendung. Nach einer erfolgreichen Veranstaltungsteilnahme sollen die Studierenden folgende Ziele erreicht haben:

– Die Studierenden sollen grundlegende Prinzipien über die Ansätze der Daten- und Informationsstrukturierung kennen, verstehen und anwenden können, komplexe Probleme analysieren und lösen können und selbständig weiterführende Konzepte erlernen können.

– Darüber hinaus sollten die Studierenden selbstgesteuertes Lernen, selbständiges Auffinden weiterführender Ressourcen sowie Projekt- und Gruppenarbeit geübt haben.

– Sie sollen außerdem Freude am Lernen und Motivation zum weiteren Studium insb. technischer Themen empfinden.

 

Die Veranstaltung hat einen Umfang von 100 Stunden (4 ECTS), die über eine Semesterhälfte anfallen und von denen etwa 25% durch geblockte Präsenzveranstaltungen abgedeckt werden. Der Fokus auf technische Inhalte stellt für viele Teilnehmer eine Herausforderung dar, ebenso wie die hohe Anzahl an einzelnen Themen, die behandelt werden. Aus Sicht des Lehrenden ist außerdem eine starke Heterogenität unter den Studierenden eine Herausforderung.

 

Ausgehend von diesem Kontext, verfolgt das Design folgende Ziele:

– Die Studierende sollte zu einem selbständigen Erlernen von Grundlagen angeleitet werden, bei dem Sie sich nach eigenem Vorwissen und Lernstil richten können.

– Im Rahmen der Präsenzeinheiten sollen die Studierenden ihren eigenen Interessen am Thema nachgehen können und dabei die praktische Anwendung der erlernten Technologien kennenlernen.

– Die Studierenden sollen sich selbst interessante Anwendungsfälle für die Technologien aussuchen können und so intrinsisch zur Auseinandersetzung mit den Technologien motiviert werden.

Beschreibung

Die Veranstaltung Corporate IT I (Information Structures) setzt sich zum Ziel die Studierenden mit wichtigen Ansätzen zur Daten- Informationsstrukturierung vertraut zu machen. Studierende sollen nicht nur theoretisches Faktenwissen erwerben, sondern auch zur selbständigen Anwendung befähigt werden. Die Veranstaltung besteht insgesamt aus sechs Präsenzblöcken. Der Gesamtumfang der Veranstaltung ist 100 Lernstunden (4 ECTS).

Jeder Lerneinheit sind mindestens zwei Themen zugeordnet, die typischerweise zu erlernende technische Sprachen darstellen (z.B. HTML oder XSL). Im Sinne eines Inverted-Classroom-Ansatzes lernen die Studierenden selbständig die Grundidee und Syntax selbst und üben sich in einer ersten Anwendung im Rahmen einfacher Übungen. Hierzu bekommen sie eine schrittweise Anleitung ebenso wie Vorschläge von geeigneten Unterlagen. Ihr Wissen wird im Rahmen eines Tests in der Präsenzeinheit geprüft. In der Präsenzeinheit selbst suchen sich die Studierenden selbständig eine weiterführende Übung aus mehreren Angeboten aus. Selbständig oder in einer kleinen Gruppe wenden sie ihre Kenntnisse in einem komplexeren Kontext an und erweitern so ihre Fähigkeiten. Nach Bedarf werden sie durch die Lehrende unterstützt. Diese konsequente Differenzierung setzt sich in der freien Wahl eines Projektthemas fort. Im Rahmen des Projekts suchen sich die Studierenden selbständig eine Anwendung des erlernten Wissens aus um ein reales Problem zu lösen.

Kompetenzprofil

Die Veranstaltung ist an einem vorgegebenen Kompetenzprofil aufgebaut, das sich nach der Bloom’schen Taxonomie richtet (siehe Abbildung 1 im Anhang). Sowohl die Aktivitäten als auch die Bewertung orientieren sich an diesem Profil (im Sinne eines Constructive Alignment). Die Studierenden werden mit dem Kompetenzprofil vom Anfang an vertraut gemacht und nutzen es für die Gestaltung ihrer Projekte.

Das Kompetenzprofil unterscheidet zweit Teile: ein grundlegendes Verständnis der zu erlernenden Konzepte (v.a. technische Sprachen) mit der Fähigkeit das Erlernte in einfachen Übungen anzuwenden und fortgeschrittene Fähigkeiten, die eine kritische Auseinandersetzung mit der realen Welt und die selbständige Schaffung einer Problemlösung vorsehen.

Veranstaltungsdesign

Den Kern der Veranstaltung bilden vier viereinhalbstündige Lerneinheiten. Diese werden zusätzlich durch eine einstündige Einführung (in der den Studierenden die Veranstaltungsstruktur vorgestellt wird) und eine abschließende Einheit (in der Projekte präsentiert und evtl. Tests nachgeholt werden) ergänzt. Mit jeder Einheit sind zwei bis drei Themen verbunden, typischerweise technische Sprachen, die die Studierenden kennenlernen sollen. Das Veranstaltungsdesign orientiert sich an der Idee eines Inverted Classrooms, indem Studierende vor jeder Einheit ein grundlegendes Verständnis und erstes Anwendungswissen selbständig erlangen sollen, damit die Präsenzeinheiten selbst auf eine fortgeschrittene Anwendung fokussieren können.

 

Für die Vorbereitungsphase stehen den Studierenden strukturierte Inhalte an der hochschuleigenen e-Learning-Plattform Learn@WU zur Verfügung (siehe Abbildung 3 im Anhang).

 

Neben den Learning Outcomes erwartet die Studierenden ein kurzes Video, das die Relevanz der zu erlernenden Themen für die Praxis darstellen soll. Dadurch sollen den üblichen Vorurteilen, dass man „nur für die Uni“ lernt, vorgebeugt werden. Dann wird für jedes Thema Folgendes zur Verfügung gestellt:

– Kurze Einführung: Im Rahmen einer kurzen Einführung lernen die Studierenden die grundlegenden Sachverhalte kennen und kommen mit den wichtigsten Begriffen in Berührung. Die Einführung ist bewusst nicht als Lerngrundlage ausreichend: sie soll nur einen grundlegenden Kontext bieten, um den Studierenden den Einstieg zu erleichtern.

– Klarstellung der Anforderungen: Ausgehend von dem Kompetenzprofil wird genau aufgelistet, welche Begriffe und Konzepte den Studierenden bekannt sein müssen, was sie erklären und was anwenden können sollten. So wissen die Studierenden genau, was von Ihnen erwartet wird.

– Lernunterlagen: Die Studierenden erhalten eine Liste an geeigneten Unterlagen. Diese stammen meist aus dem Internet und haben verschiedene Formate (Texte, Tutorials, Spiele, Video aber auch Bücher). Die Studierenden können selbständig entscheiden, welche Unterlagen Ihnen zusagen. So lernen die Studierenden verschiedene Informationenquellen zu den Themen kennen und können das Lernen am besten an ihrem Lernstil orientieren.

– Beispielfragen: Um ihr Wissen zu testen bekommen die Studierenden ein Fallbeispiel mit verschiedenen Fragen, die den beschriebenen Anforderungen entsprechen. Es wird keine Musterlösung angeboten – die Studierenden werden stattdessen aufgefordert ihre Ergebnisse im Kursforum zu diskutieren.

Während der Vorbereitungsphase können sich die Studierenden jederzeit durch das Kursforum an den Lehrenden oder an einen Tutor wenden. Sie können auch eine persönliche Konsultation vereinbaren, wenn sie mit einem konkreten Thema alleine nicht weiterkommen.

In den Präsenzeinheiten können die Studierenden ihre Fähigkeiten weiterentwickeln. Dazu werden ihnen auf der Learn@WU-Plattform mehrere Themen zur Verfügung gestellt, aus denen sie selbst aussuchen können. Ein Thema, das immer zur Verfügung steht ist „Üben“ – hier bekommen die Studierende weitere, auch fortgeschrittene, strukturierte Übungen zur Verfügung gestellt um ihr Wissen zu festigen. Darüber hinaus werden ihnen Themen präsentiert die eine fortgeschrittene, reale Anwendung des erlernten Stoffes darstellen. Die Themen werden elektronisch in Form einer schrittweisen Anleitung, die Informationen zum Thema, ebenso wie Links zu weiteren Unterlagen bietet. Die Auseinandersetzung mit den fortgeschrittenen Themen folgt folgendem Muster: (1) kurze Information zum Kontext, (2) Vorstellung eines Beispiels und dessen Exploration, (3) erste selbständige Anwendung durch Änderungen in dem Beispiel, (4) selbständige Anwendung. Bei Problemen oder Fragen steht den Studierenden die Lehrperson zur Verfügung. Durch diese Differenzierung können die Studierenden ihr Wissen nach eigenen Stärken und Interessen erweitern.

 

Ein Teil der Veranstaltungsbewertung ist die selbständige Entwicklung und Erarbeitung eines Projekts. Die Studierenden wählen das genau Thema selbständig und orientieren sich dabei an dem Kompetenzprofil. Die Themenfindung ist ein benoteter Bestandteil des Projekts und soll die Studierenden zu einer Reflexion über die Relevanz und Praxisanwendung des Erlernten anregen. Die Studierenden bekommen über die Learn@WU-Plattform Anregungen in Form von Informationen zu aktuellen Trends in dem Themengebiet sowie Hinweisen auf relevante Forschung, die sie in ihrem Projekt nutzen können (siehe Abbildung 5 im Anhang).

 

Ansätze und Prinzipien

Durch das konsequente Constructive Alignment (d.h. Übereinstimmung von Veranstaltungszielen, -Aktivitäten und –Bewertung) wird eine hohe Transparenz erreicht, die es den Studierenden erlaubt Eigenverantwortung für das Lernen zu übernehmen. Sie kennen die Erwartungen genau und können sich an ihnen im Rahmen ihres eigenen Kontexts orientieren. Diese Eigeneverantwortung für das Lernen wird weiterhin durch den Inverted-Classroom-Ansatz unterstützt, der den Studierenden die Verantwortung für das Erlernen der Grundlagen überträgt. Die Lernanleitung auf der Learn@WU-Plattform bietet den Studierenden einen Lernrahmen mit relevanten Lernressourcen, ohne ihnen jedoch einen klaren Lernpfad vorzuschreiben. Dadurch können Studierende frei wählen wie, wann und was sie Lernen, wobei sie auch etwaige Konsequenzen tragen (z.B. nicht bestandene Tests, wenn das geforderte nicht gelernt wurde).

Die selbständige Vorbereitung ermöglicht eine natürliche Differenzierung zwischen den Studierenden: alle können im eigenen Tempo und mit Unterlagen nach Wahl lernen. Im Rahmen der Präsenzeinheiten wird die Differenzierung fortgesetzt. Die Studierenden können sich Themen aussuchen, die ihnen am ehesten zusagen: von strukturierten Übungen bis hin zu verschiedenen fortgeschrittenen Themen. Die selbständige Wahl und Einbezug der eigenen Interessen soll die Studierenden motivieren und den Spaß am Lernen erhöhen (Learning by Choice). Das wird beim Projekt fortgesetzt: auch hier dürfen sich die Studierenden ein Thema selbst aussuchen und nach eignen Interessen bearbeiten. Die Studierenden werden durch die Differenzierung zu einer expliziten Reflexion über die eigenen Interessen und Ziele sowohl im Studium als auch in der künftigen Karriere angeregt.

Während der gesamten Veranstaltung kommt es zum Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien. Bei der Vorbereitung stehen den Studierenden Anleitungen und Informationen zur Verfügung, die wiederum oft auf online Lernressourcen hinweisen. Bei den Präsenzeinheiten und beim Projekt helfen die virtuellen Anleitungen bei der Unterstützung der Differenzierung. Die stetige, ortsunabhängige Verfügbarkeit der virtuellen Ressourcen macht das Lernen flexibel, wodurch es die Studierenden nach den eigenen Bedürfnissen gestalten können.

Positionierung des Lehrangebots

Die Veranstaltung richtet sich an Studierende im fortgeschrittenen Bachelorstudium, die sich für die Spezialisierung „Information Systems“ entschieden haben.

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 nominiert.