Projektevernissage

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Das Durchführen von Projekten ist ein wesentlicher kompetenzorientierter Zugang in der akademischen Lehre. Für Fachhochschulen, bei denen der praxisnahe Unterricht im Sinne der Vorbereitung auf den Job zur grundlegenden Orientierung der Ausbildung gehört, sind Projekte oft sogar das bevorzugte Setting, um die Entwicklung expliziter beruflicher Handlungskompetenzen in den Lehrveranstaltungen zu fördern und auch bei der Leistungsbeurteilung zu berücksichtigen. Oft werden die Projekte von den Studierenden zwar auf hohem Niveau, aber dennoch im stillen Kämmerlein der Lehrveranstaltung abgewickelt. Die Folge: abseits des Unterrichts bekommt kaum jemand etwas von diesen Projekten mit und nur allzu viele zukunftsfähige Projektergebnisse verschwinden nach ihrer Abnahme durch die Lehrveranstaltungsleitung im Nirwana, was letztlich einer ziemlichen Verschwendung von Potential und Ressourcen gleichkommt.

Dem entgegenzuwirken war die Ausgangsmotivation für die Entwicklung des Formats „Projektevernissage“ an der FH St. Pölten. Bereits seit dem Jahr 2005 können Studierende ihre Ideen und Projekte im Rahmen dieses Formats einem breiten Publikum präsentieren. Das Hauptaugenmerk liegt dabei aber nicht nur in der Präsentation des im Zuge des Projekts erstellten Produkts oder Ergebnisses. Vielmehr ist es die Gesamtheit aus Aufgabe, Problemlösungsstrategie, Planung und Durchführung, die möglichst überzeugend einer Fachjury und dem Publikum präsentiert werden soll.

Beschreibung

An der Fachhochschule St. Pölten wird bereits seit einem Jahrzehnt die „Projektevernissage“ (PV) als didaktisches Instrument zur Förderung von Kompetenzorientierung, Student Centered Learning und interdisziplinärer Vernetzung eingesetzt. Die PV präsentiert Projekte von Studierenden aller Departments der FH und bringt somit die unterschiedlichsten Arbeiten, die im Rahmen des Studiums entwickelt werden, an eine breite Öffentlichkeit. Damit bietet der einmal jährlich stattfindende Event eine interdisziplinäre Plattform für Ideenfindung und -austausch. Dadurch wird systematisch eine Perspektive gefördert, die „über den eigenen Tellerrand“ hinausblickt und ein „kollegiales voneinander lernen“ angestoßen.

 

Alle Jahre wieder gelingt es den Studierenden-Teams mit ihren Ideen und ihrem Fachwissen Jury, Publikum und das Lehrenden-Kollegium zu begeistern und einen bleibenden Eindruck bei den Besuchern hinterlassen. Etliche prämierte Projekte der letzten Jahre starteten weit über die Projektevernissage hinaus eine durchaus achtbare „Karriere“ und belegen die nachhaltige Wirkung dieses Formats.

 

Auch quantitativ hat die PV sich in den letzten Jahren enorm entwickelt: im Dezember 2005 fand die Premiere mit damals 16 Projekten statt. Am 12. Jänner 2016 fand die inzwischen 11. Projektevernissage mit bereits 98 Ausstellerteams statt (Dokumentation der PV 2016 unter projektevernissage.fhstp.ac.at/wordpress.

Das Durchführen von Projekten ist aus gutem Grund vielerorts ein wesentliches Instrument der akademischen Lehre geworden. Für Fachhochschulen, bei denen der praxisnahe Unterricht im Sinne der Vorbereitung auf den Job zur grundlegenden Orientierung der Ausbildung gehört, sind Projekte häufig das bevorzugte Setting, um die Entwicklung expliziter beruflicher Handlungskompetenzen in den Lehrveranstaltungen (LV) zu fördern. Oft werden die Projekte von den Studierenden zwar auf hohem Niveau, aber dennoch im stillen Kämmerlein der Lehrveranstaltung abgewickelt. Die Folge: Abseits des Unterrichts bekommt kaum jemand etwas von diesen Projekten mit und nur allzu viele zukunftsfähige Projektergebnisse verschwinden nach ihrer Abnahme durch die LV-Leitung im Nirwana. Dabei wird das Potential der Studierenden und ihrer Projekte oft unterschätzt. Denn obwohl LV-Projekte mit ihrem Fokus auf der Erreichung der LV-Ziele und ihren meist sehr beschränkt zur Verfügung stehenden Ressourcen meist nicht die Güte bzw. Vollständigkeit kommerzieller Lösungen haben (können), punkten sie oft umso mehr aufgrund des hohen Engagements und des Ideenreichtums der Durchführenden.

 

An der Fachhochschule St. Pölten werden deshalb die Ideen und Projekte der Studierenden einmal im Jahr ins Zentrum des Interesses gerückt. Auf der „Projektevernissage“ können die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihre Leistungen einem breiten Publikum präsentieren.

Ein wesentlicher Gewinn für die gesamte FH ist dabei, dass Projekte aus allen Studiengängen und Departments präsentiert werden. Damit bietet die Ausstellung eine reichhaltigen Marktplatz für Ideenfindung und -austausch. Aus diesem systematischen interdisziplinären Austausch sind bereits mehrere weiterführende Forschungs- und Praxisprojekte entstanden (siehe Punkt „Nachhaltigkeit“ weiter unten).

 

Die Projektevernissage bietet vielfältigen Mehrwert für Studierende, Lehrende und externe PartnerInnen:

 

· die Chance, durch gute Projektvorstellungen reizvolle Sponsoringpreise zu gewinnen

· die Möglichkeit, Aufmerksamkeit von externen Gästen und Medien zu erlangen

· die Gelegenheit, interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den Studiengängen zu präsentieren und zu fördern

· die Chance auf weiterführende Kooperationen zwischen Studierenden und Wirtschaftstreibenden

· Schülerinnen und Schülern sowie Interessierten die Möglichkeit, einen Einblick in die Inhalte der Studiengänge zu bekommen.

 

Die Projektevernissage bündelt in ihrem Ansatz darüber hinaus zahlreiche Strategien einer modernen, dem „Shift from Teaching to Learning“ verpflichteten, Hochschullehre:

 

· Innovative Hochschuldidaktik:

Die Projektevernissage (PV) stellt an die Studierenden ganz bewusst eine Herausforderung, die signifikant über die herkömmliche Absolvierung von Lehrveranstaltungen innerhalb eines Standard-Curriculums hinausgeht. Es geht in der Aufgabenstellung rund um die Projektevernissage nicht darum, einer Anforderung soweit Genüge zu tun, damit man irgendwie „durchkommt“. Vielmehr muss die Qualität des Projekts und die Qualität seiner Präsentation innerhalb der PV so herausragend sein, dass man die Jury und das Publikum davon überzeugt mit dieser Performance in der jeweiligen Kategorie preiswürdig zu sein. Die Studierenden werden in diesem herausfordernden Prozess zwar von ihren Lehrenden als Coaches unterstützt, dennoch ist das Ziel letztlich nur bei vollem Commitment aller Studierenden im Team und entsprechender positiver Gruppendynamik zu erreichen. Gefördert wird durch das Gesamtsetting letztlich ein integratives Set wesentlicher Kompetenzen im Projektmanagement und Projektmarketing: Vertiefung fachlichen Know-hows, Kooperation im Team, Krisenmanagement, Selbstmanagement und -motivation, Methoden und Techniken attraktiver Projektpräsentation u.a.m. Dementsprechend weitreichend und nachhaltig sind die Lerneffekte der beteiligten Studierenden (siehe Punkt „Nachhaltigkeit“ weiter unten).

 

· Forschungsgeleitete Lehre:

Alle Projekte entstehen in der Lehre und sind somit mit dem State-of-the-Art des jeweiligen Praxisfeldes bzw. dem aktuellen Stand der jeweiligen Forschung verknüpft. Ein wesentlicher Mehrwert der PV ist, dass die Projektteams nicht nur Forschungsergebnisse aus abgeschlossenen Projekten einbeziehen können, sondern sich auch über die Ansätze und Ergebnisse der laufenden Projekte an der FH informieren können. Dadurch wird die interdisziplinäre Zusammenarbeit an der FH gefördert und unproduktive Doppelgleisigkeiten verhindert. Aber nicht nur für Studierende, sondern auch für die Lehrenden besteht durch die PV die Möglichkeit sich mit KollegInnen aus anderen Fächern oder sogar Studiengängen zu vernetzen. Auf diese Art entstehen häufig neue Projektideen, die disziplinübergreifend von Studierenden mehrerer Studiengänge entwickelt werden. Die an der FH St. Pölten seit etlichen Jahren besonders ausgeprägte interdisziplinäre Vernetzung der einzelnen Departments im Forschungsbereich hat gerade über das Format der Projektvernissage vielfältige Anstöße erhalten.

 

· Studierendenzentrierung:

In den Projekten können die Studierenden ihre individuellen Stärken ausspielen, sich aber darüber hinaus – unterstützt durch die Lehrenden und die TeamkollegInnen – durch die intensive Kooperation im Team fachlich, methodisch und auf sozial-kommunikativer Ebene systematisch weiterentwickeln. Das gemeinsame Ziel, sich im Rahmen der Veranstaltung bestmöglich zu präsentieren, schweißt die Studierenden zusammen und ermöglicht immer wieder ganz erstaunliche Performances durch einzelne Teams. Die PV als FHweite Demonstration des Erreichten ist ein starker Motivationsfaktor für die Studierenden. Durch die intensive Begleitung der Projektentwicklungen in kleinen Gruppen durch die als Coaches fungierenden Lehrenden wird letztlich auch ein wesentlicher Beitrag zur noch stärkeren Individualisierung und Personalisierung der Lehre geleistet. Trotz oder gerade aufgrund ganz unterschiedlicher Ausgangsvoraussetzungen können im Rahmen der Herausforderung der PV ganz individuelle Akzente in der Kompetenzentwicklung gesetzt werden. Unmittelbares professionelles Feedback im Rahmen der Projektbewertungen unterstützt diesen Mehrwert zusätzlich.

 

· Kompetenzorientierung:

Die herausfordernde Aufgabenstellung, bei der Projektevernissage Fach-Jury und Publikum gleichermaßen zu überzeugen, fördert die Vertiefung beruflicher Handlungskompetenzen in all ihren zentralen Dimensionen: ohne Fach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz auf fortgeschrittenem Niveau wird realistisch kein Preis zu ergattern sein! Hier geht es wirklich darum in kurzer Zeit als gesamtes Projektteam zu zeigen, was man kann und möglichst bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Die meisten betreuenden Lehrenden berücksichtigen die Leistung der Teams bei der PV in ihrer Notengebung. Dabei werden nicht nur die Projektergebnisse des eigentlichen Fachgebiets, sondern eben auch Methoden der Präsentation, des Projektmanagements und Marketings berücksichtigt. Durch gezielte Rückfragen (durch Lehrende, Jurymitglieder und Publikum) während des Events werden die einzelnen Projektteams zusätzlich herausgefordert. Das kann durchaus als „an Lernergebnissen orientiertes Prüfen“ verstanden werden und verleiht dem Gesamtsetting zusätzliche Praxisrelevanz. Der Erfolg des ausgeprägt kompetenzorientierten Ansatzes der Projektevernissage zeigt sich auch in ihrer nachweislichen nachhaltigen Wirkung:

 

·Nachhaltige Wirkung der Projektevernissage:

 

Die nachhaltige Wirkung des Formats „Projektvernissage“ lässt sich natürlich am besten an der weiterführenden „Karriere“ von Projekten und den dahinter stehenden Personen nachweisen, die auf der Vernissage, aber eben auch weit darüber hinaus auf sich aufmerksam machen konnten:

 

Beispiel 1:

Das Projekt „gatherer“ wurde von Studierenden der Masterklasse „Mobiles Internet“ im Masterstudiengang „Digitale Medientechnologien“ entwickelt. Das Projekt gewann die Projektevernissage 2015 in der Kategorie „Interaktive Medien“. Zusätzlich erfolgte eine erfolgreiche Einreichung beim Unternehmensgründungsprogramm der FH St. Pölten, dem „creative pre-incubator“. Inzwischen haben die Projektverantwortlichen ein erfolgreiches Startup gegründet: gathererapp.com

 

Beispiel 2:

Das Projekt „Mobilot“ wurde im 2. Semester des MA-Studiengangs „Digitale Medientechnologien“ im Rahmen des Studiums gestartet. Ausgeprägte Nachhaltigkeit zeigt sich hier einerseits durch zwei große Forschungsprojekte, die aus dem Output des ursprünglichen studentischen Projekts entwickelt und erfolgreich akquiriert wurden. Parallel dazu konnten einzelne ursprünglich studentische MitarbeiterInnen aufgrund der hervorragenden Performance des Projekts im Anschluss als wissenschaftliche MitarbeiterInnen an der FH St. Pölten weiter beschäftigt werden. www.fhstp.ac.at/de/forschung/projekte/mobilot-mobile-informationssysteme-fuer-unterwegs

 

Beispiel 3:

Das Projekt „Plattform für pflegende Angehörige“ wurde von Studierenden des Bachelorstudiengangs „Soziale Arbeit“ entwickelt. Ein Teilprojekt entwickelte für und mit betroffenen Personen in Waidhofen an der Ybbs eine Webplattform (http://www.waidhofen.at/pflegende-angehoerige/index.html), auf der pflegende Angehörige Informationen rund um die entsprechenden Angebote Ihrer Heimatgemeinde finden. Darüber hinaus ist es über diese Plattform auch möglich sich mit anderen pflegenden Angehörigen auszutauschen. Ein weiteres Teilprojekt produzierte ein Video (https://www.youtube.com/watch?v=W09FZwIjQY4), das in Interviews mit betroffenen Personen visuell äußerst eindrucksvoll eine Sensibilisierung für das Thema versucht.

 

Beispiel 4:

Im Projekt „MoTex – Virtual Reality Driving“ wurde von Studierenden des BA-Studiengangs „Medientechnik“ eine Prototyp-Software für einen Fahrschulsimulator entwickelt. Mit dessen Hilfe können FahrschülerInnen Situationen erleben, die auf offener Straße zu riskant bzw. gefährlich wären. Nach Abschluss des Projektes bewarb sich die Projektgruppe erfolgreich beim „creative pre-incubator“ der FH St. Pölten (https://www.fhstp.ac.at/de/campus/creative-pre-incubator). Sie erstellt nun für ihre Geschäftsidee unter professioneller Begleitung den Businessplan und arbeitet auf eine Unternehmensgründung hin. (https://www.facebook.com/motexproject)

 

Beispiel 5:

Unter dem Titel „citybirds“ entwickelten vier Studentinnen des Master-Studiums „Media Management“ im Rahmen der LV „Praxislabor Strategisches Management und Medien“ bei Prof. Wolfgang Römer die Idee für eine neue Reise-App. Das Projekt citybirds soll urbanen und weltoffenen Reisenden und Einheimischen mit ähnlichen Interessen eine gemeinsame Plattform bieten, um sich schnell und unkompliziert zu vernetzen. Aktuell ist das citybirds-Team im Rahmen des „creative pre-incubator“ mit der Programmierung und dem Design der App beschäftigt. Darüber hinaus konnte im März 2016 eine weitere Auszeichnung errungen werden: Erster Platz der „Creative Pool Competition 2016“. (https://www.facebook.com/citybirdsapp/)

 

Zahlreiche weitere Projektbeispiele, die eine nachhaltige „Karriere“ genommen haben, finden sich unter: projektevernissage.fhstp.ac.at/wordpress/archiv/

Positionierung des Lehrangebots

FH weit für alle Studiengänge (Bachelor/Master) in allen Studienabschnitten

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 nominiert.