European Project Semester

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Der Studiengang Medientechnik verfolgt mit dem European Projektsemester das Ziel, Aspekte der Internationalisierung, der Studierendenzentrierung, Förderung von selbstorganisiertem Lernen sowie Ausrichtung auf Learning Outcomes zu berücksichtigen und in das Studium zu integrieren. Das Projektsemester unterstützt auch den Anspruch des Bachelor Studiengangs, einen nachhaltigen und tiefen Praxisbezug herzustellen: dabei wird darauf geachtet, dass die Studierenden Mitgestaltungsmöglichkeit haben und selbstverantwortlich arbeiten.

Mit dem EPS wurde es möglich, Incoming Studierenden ein vollständiges Semester mit 30 ECTS in englischer Sprache anzubieten und diese in gemischten internationalen Teams zu integrieren. Für die Regelstudierenden des Studiengangs wird nach dem Modell des EPS das Projektsemester ohne der internationalen Komponente durchgeführt. Damit konnte das EPS vollständig in das Curriculum integriert werden.

Beschreibung

Im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung von 16 europäischen Hochschulen und Universitäten wurde das Lernsetting des „European Project Semester“ entwickelt. Seit dem Studienjahr 2013/14 haben in diesem Kontext Studierende der Medientechnik an der FH St. Pölten die Möglichkeit in einem herausfordernden interdisziplinäreren und internationalen Setting mittels überwiegend selbst gesteuerter Projektarbeit signifikant ihre berufliche Handlungskompetenz weiter zu entwickeln. Die Bearbeitung komplexer Praxisprojekte, die sich über ein ganzes LV-Semester (insgesamt 30 ECTS Workload) erstrecken, fördert massiv die Weiterentwicklung von Fach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenzen.

 

Abseits einiger unterstützender Lehrveranstaltungen, die zu Beginn des Semesters in geblockter Form durchgeführt werden, organisieren in dieser Zeit die Studierenden ihr Studium weitgehend völlig eigenständig. Fachlich kompetente Lehrende begleiten und unterstützen diese selbstorganisierten Prozesse. Das Projektsemester schließt mit einer Präsentation der Projektergebnisse ab. Die Beurteilung erfolgt – der Komplexität der Aufgabenstellung entsprechend – in einem mehrstufigen Verfahren, das sowohl Aspekte der Team- als auch der Einzelperformance berücksichtigt.

 

Zahlreiche Projekte, aus denen nach Abschluss des EPS „mehr geworden“ ist (Preise, Forschungsprojekte, Unternehmensgründungen, etc.) belegen die Effektivität dieses ausgeprägt kompetenzorientierten Lernsettings.

Die nähere Beschreibung enthält zwei Teile:

1. Das European Project Semester.

2. Welchen Kriterien der Ausschreibung wird entsprochen

 

Das European Project Semester:

 

Das European Project Semester orientiert sich an der Tradition des problem- und projektbasierten Lernens und ist ein Austauschprogramm für Studierende der Ingenieurswissenschaften und Studierenden, die zu einem Engineering-Projekt beitragen können (z. B. Management oder Marketing). Das Semester ist eine Mischung aus Projektarbeit und Lehrveranstaltungen, die Studierende in internationalen Teams absolvieren. Zusätzlich wurde das „Projektsemester“ - die Form des EPS ohne die internationale Komponente - entwickelt, das in das deutschsprachige Curriculum von Medientechnik für alle regulären Studierenden integriert wurde. Die Kurse (9 ECTS) umfassen Teambildung, Kommunikation, Projektmanagement und projektbezogene fachspezifische Lehrveranstaltungen, die die Studierenden in ihrer Projektarbeit unterstützen. Die Projekte (21 ECTS) sind oft interdisziplinär und können in Zusammenarbeit mit einem Unternehmen durchgeführt werden. Projekte können auch als wissenschaftliche Projekte in Forschungsprojekte eingebunden werden. Ein oder zwei wissenschaftliche Betreuer/innen sind jedem Projektteam zugeordnet. Während obligatorischen wöchentlichen Besprechungen mit den Betreuer/innen werden Themen wie Projektentwicklung, Teamarbeit, Kommunikationsprobleme sowie fachliche Probleme besprochen. Ein wesentlicher Beitrag der Betreuer/innen ist sicherzustellen, dass das Projektteam Fortschritte macht.

 

Wesentliche Grundprinzipien des EPS sind in den folgenden „10 Golden Rules“ versammelt, die beim EPS Providers-Meeting 2005 in Lodz vereinbart wurden:

 

“10 Golden Rules” im Rahmen des EPS:

 

(1) English is the working language of EPS.

(2) EPS is multinational, with a group size of min. 3 and max. 6 students, being 4-5 the ideal number; min. 3 nationalities must be represented in an EPS group.

(3) Ideally, but not necessarily, an EPS project is multidisciplinary

(4) An EPS semester is 30 ECTS, the duration of which is not less than 15 weeks.

(5) An EPS project is min. 20 ECTS and the subjects between 5 and 10 ECTS.

(6) The main focus of EPS is on teamwork.

(7) The subjects included in EPS must be project supportive; English and a basic crash course in the local language must be an option.

(8) The subjects must include Teambuilding in the very beginning and Project Management in the beginning of an EPS semester.

(9) Project supervision/coaching must focus on the process as well as the product.

(10) EPS must have continuous assessment including an Interim Report and a Final Report.

 

 

Differenziertes Bewertungssystem:

Das studierendenzentrierte, auf integrierte Handlungskompetenz abzielende Modell des EPS kommt auch in seinem Beurteilungsansatz zum Ausdruck. Der Fokus ist dabei gleichermaßen auf die a) involvierten Personen (=Studierende), b) das Projektergebnis (= die abschließende Projektdokumentation) und c) auf den Projektprozess (= die Teamarbeit) gerichtet. Die folgende Tabelle zeigt einen Überblick über die bewerteten Teilaspekte und die unterschiedlichen Rollen, die in den Bewertungsprozess involviert sind:

 

 

Assessment-Overview (Quelle: EPS Assessment Document, Copenhagen University College of Engineering, 2008)

 

 

Nachhaltigkeit des EPS – Beispiele von Projekten, die über das EPS hinaus erfolgreich waren bzw. sind:

Die Projekte und deren unterstützende Lehrveranstaltungen fördern das Engagement der Lehrenden über ihre eigenen Lehrveranstaltungen hinaus. Gemeinsam mit den Studierenden haben sie die erfolgreiche Umsetzung der Projektideen vor Augen und fordern und fördern die jeweiligen Projektteams. Insbesondere die Verwertung der Projektideen nach dem Abschluss des Projektsemesters lädt zu besonderem Engagement.

 

In der Medientechnik wurden bereits über 30 Projekte im Rahmen des EPS und des Projektsemesters durchgeführt. Zahlreiche Projekte haben neben der vorgesehenen Abschlusspräsentation weitergehende Aktivitäten entwickelt. Einige Beispiele verdeutlichen nicht nur den Praxisbezug der Projekte, sie zeigen auch die Motivation und Identifikation der Studierenden für ihre Projekte:

 

• Fahrschulsimulator MotEx: fünf Studierende entwickelten „MotEx – Virtual Reality Driving”, eine Prototyp-Software für einen Fahrschulsimulator. Mit Hilfe dieses Simulators können Fahrschüler/innen Situationen erleben, die auf offener Straße zu riskant bzw. gefährlich wären oder zu selten vorkommen. Nach Abschluss des Projektes bewarben sich die Studierenden mit diesem Projekt und ihrer Geschäftsidee beim „creative pre-incubator“ der FH St. Pölten (https://www.fhstp.ac.at/de/campus/creative-pre-incubator). Sie wurden in das Förderprogramm aufgenommen und erstellen nun für ihre Geschäftsidee unter professioneller Begleitung den Businessplan und arbeiten auf eine Unternehmensgründung hin. (https://www.facebook.com/motexproject)

 

• „Cargorider“: Cargorider ist ein im Programm „Mobilität der Zukunft“ von der FFG gefördertes Forschungsprojekt der FH St. Pölten. Cargorider ist eine Plattform, die das Reisen mit Frachtschiffen nach dem Vorbild von Interrail ermöglicht. Durch die individuelle Buchung von Frachtschiffen wird eine ganz neue Art des Reisens angeboten. Der jeweilige Kapitän entscheidet, welche Personen die Gelegenheit bekommen, auf seinem Schiff mitzureisen. Diese Reisemöglichkeit wird vor allem für spontane Menschen ein Reiz sein, denn eine Schiffsbuchung ist nur in einem Zeitraum von zwei bis vier Tagen vor der Abreise möglich. Im Projektsemester Cargorider (https://www.fhstp.ac.at/de/studium-weiterbildung/medien-digitale-technologien/medientechnik/projekte/cargorider) wurde diese Plattform unter der Leitung von FH-Prof. Wolfgang Aigner entwickelt und somit in das Forschungsprojekt integriert.

 

• „The Tram Gmunden Project“: dieses EPS Projekt (https://www.fhstp.ac.at/de/studium-weiterbildung/medien-digitale-technologien/medientechnik/projekte/the-tram-gmunden-project) wurde in Kooperation mit der Stadt Gmunden und StadtRegioTram durchgeführt. In einem Video wurde eine 3D-Visualisierung der StadtRegioTram in Gmunden erstellt. In einer Smartphone-Applikation wurden außerdem Augmented-Reality-Inhalte erstellt. Die Ergebnisse des Projektes wurden in einer Veranstaltung in Gmunden einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

 

• Premierenfeiern/Pitching für Filmprojekte: Film- und TV-Projekte, die im Rahmen des Projektsemesters entstehen, werden nach Projektabschluss regelmäßig in öffentlichen Premierenfeiern in Kinos in Wien oder St. Pölten oder in Pitches bei Fernsehsendern präsentiert. Am Freitag, den 1. April 2016 findet z. B. die Premiere des Projektes „Become-TheProject“ im Schikaneder Kino in Wien statt (https://www.facebook.com/becometheproject/). “become” steht für “brain and emotion controlled movie experience” und zielt darauf ab, einen Film mit variablem Handlungsstrang von einem/einer freiwilligen Zuseher/in mittels Hirnwellenanalyse unterbewusst steuerbar zu machen. Im Projekt wurde der Film mit den variablen Handlungssträngen produziert und die Software für die interaktive Inszenierung entwickelt. Dieses Projekt wurde im WS 2015/16 durchgeführt und abgeschlossen. Auch das Cinema Paradiso in St. Pölten ist regelmäßig Ausstrahlungsort von Filmpremieren.

 

 

Welchen Kriterien der Ausschreibung wird entsprochen:

 

• Innovative Hochschuldidaktik:

Das EPS verfolgt einen didaktischen Ansatz, der dem „Shift from Teaching to Learning“ nahezu idealtypisch gerecht wird. Mittels herausfordernder Aufgabenstellungen mit hohem Eigenverantwortungsanteil der Studierenden und unterstützendem Projektcoaching durch die Lehrenden entstehen oftmals qualitativ ganz erstaunliche Ergebnisse. Das EPS verbindet Kompetenzen in den Bereichen Projektmanagement, Teamarbeit, Präsentationstechniken sowie das für das jeweilige Projekt relevante(n) Fachgebiet(e). Die Projekte werden von mehreren Lehrveranstaltungen unterstützt und von den fachlichen BetreuerInnen begleitet und bilden damit ein vollständiges Semesterkonzept von 30 ECTS. In diesem Kontext wird ganzheitlich die Weiterentwicklung beruflicher Handlungskompetenz, die neben der fachlichen Vertiefung gleichermaßen Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz integriert, gefördert. Und das in einem durchaus nachhaltigen Sinne wie etliche Projekte, die bereits über den ursprünglichen Kontext hinaus erfolgreich geworden sind, belegen.

 

• Von der Forschung bzw. durch Entwicklung und Erschließung der Künste geleitete Lehre:

Alle Projektsemester entstehen in der Lehre. Die Einteilung der Semesterprojekte in thematische Gruppen erlaubt die Fokussierung auf eine konkrete, entsprechend komplexe Aufgabenstellung und erlaubt so fachlich wirklich in die Tiefe zu gehen. So existieren z.B. Gruppen, in den A/V-Produktionen zusammengefasst werden, während andere eher forschungsgetriebene Themen unterstützen.

Ein wesentlicher Mehrwert des Projektsemesters ist, dass die Projektteams nicht nur Forschungsergebnisse aus abgeschlossenen Projekten einbeziehen können, sondern sich auch über die Ansätze und Ergebnisse der laufenden Projekte an der FH informieren können. Dadurch wird die interdisziplinäre Zusammenarbeit an der FH gefördert. Aber nicht nur für Studierende, sondern auch für die Lehrenden besteht somit die Möglichkeit sich mit Kollegen aus anderen Fächern zu vernetzen. Auf diese Art entstehen häufig Projektideen, die disziplin-übergreifend von Studierenden mehrerer Fachgebiete entwickelt werden.

 

• Studierendenzentrierung:

Der Fokus im EPS liegt in der bestmöglichen Förderung studentischer Lernprozesse. Das Spannungsfeld zwischen a) spannender und herausfordernder Aufgabe, b) hoher Eigenverantwortung und Selbstorganisation in den Arbeitsgruppen, c) Lern- und Projektcoaching durch die fachkompetenten Lehrenden sowie d) ein transparentes und differenziertes Bewertungssystem, das sowohl individuelle als auch gruppenbezogene Aspekte berücksichtigt, stellt eine Lernarchitektur zur Verfügung, in der Studierende immer wieder Außergewöhnliches leisten. In den Projekten können die Studierenden ihre individuellen Stärken ausspielen und sich fachlich vertiefen, sich andererseits aber auch, unterstützt durch den LB und die Teamkollegen, in ihrem gesamten Kompetenzprofil weiterentwickeln. Das gemeinsame Projektsemester schweißt die Projektteams zusammen. Sie arbeiten in Projekträumen an der FH St. Pölten und nutzen die Laborinfrastruktur. Die Arbeitszeiten, Aufteilung der Arbeitspakete und Teambesprechungen werden von den Studierenden weitgehend eigenständig vereinbart. Die Lehrenden moderieren den Prozess und stehen den Studierenden als Experten zur Verfügung.

 

• Kompetenzorientierung:

Im Rahmen des Projektsemesters erwerben die Studierenden Methoden-, Fach- und Personalkompetenzen. Sie kennen und verstehen Faktoren erfolgreicher Teamarbeit und setzen Methoden und Regeln erfolgreicher Teamarbeit in die Praxis um. Sie kennen Phase, Methoden und Kriterien des Projektmanagements und wenden diese an. Sie erweitern und vertiefen ihre Fachkompetenzen projektbezogen. Sie reflektieren ihr eigenes Problemlöseverhalten und Handeln und lernen und wenden verbindliche Standards professioneller mündlicher und schriftlicher Kommunikation an.

Positionierung des Lehrangebots

Bachelor Studiengang Medientechnik 3. Studienjahr

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 nominiert.