Interdisziplinäres Praktikum „Smart City - Transdisziplinäre Arbeitstechniken in Aktion“

Umgesetztes Projekt

Ziele

Die Studierenden sollten durch die Absolvierung der Lehrveranstaltung Einblicke in die Komplexität und Wechselwirkungen von Entwicklungsprozessen in Städten gewinnen und eine transdisziplinäre Arbeitsweise üben. Anhand von drei konkreten Fallbeispielen im Rahmen des Projektes „Smart City Graz“ sind dabei den Studierenden die Anforderungen wissenschaftlichen, transdisziplinären und praktischen Arbeitens vermittelt worden. Die Unterrichtssprache war Englisch, weshalb auch “Incoming“-Studierende teilnahmen und damit auch die Fremdsprachenkenntnisse vertieft werden konnten.

Kurzzusammenfassung

Das Interdisziplinäre Praktikum (IP) ist ein besonderes Lehrformat im Rahmen des Studiums der Umweltsystemwissenschaften an der Universität Graz: Die Studierenden stammen aus verschiedenen Fachrichtungen und werden per Teamteaching betreut, sie können über Inhalte und Lehrende mitentscheiden. Die maximal 20 IP-Studierenden bearbeiten eine mit einem Praxispartner definierte Problemstellung.

Das IP „Smart City - Transdisziplinäre Arbeitstechniken in Aktion“ verfolgte das Ziel, den Studierenden nicht nur methodisches Wissen zu vermitteln, sondern vor allem Erfahrungen in der praktischen Umsetzung von Fallstudien im Rahmen des „Smart City Graz“-Projekts zu ermöglichen. Im Fokus standen dabei theoretische und praktische Aspekte von Transdisziplinarität im Kontext der ausgewählten Themen Energie, Mobilität und Identität. Die Umsetzung gelang in drei konkreten Fallstudien, in denen wissenschaftliches, transdisziplinäres und praktisches Arbeiten kombiniert werden musste.

Zur Erreichung der Lehrziele war es erforderlich, sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse als auch Bedürfnisse und Wirklichkeiten der involvierten Stakeholder gleichermaßen einzubeziehen: Transdisziplinäre Methoden schlagen hier die Brücke zwischen beiden Wissenswelten. Die erarbeiteten praktischen Umsetzungen und Interventionen für die Fallstudien wurden am Ende der Lehrveranstaltung öffentlich präsentiert, wobei der Lernprozess in Form von Workshops und individueller Betreuung durch die Lehrenden unterstützt wurde.

Nähere Beschreibung

Das Interdisziplinäre Praktikum (IP) ist ein besonderes Lehrformat im Rahmen des Studiums der Umweltsystemwissenschaften (USW) an der Universität Graz: Die Studierenden können über Inhalte und Lehrende mitentscheiden und es sind maximal 20 Studierende in einem IP, was beides für einen hohen Grad an Studierendenzentrierung sorgt. Die IP-Studierenden, welche aus verschiedenen USW-Fachrichtungen stammen, werden das ganze Semester hinweg mittels Teamteaching betreut. Auch das Lehrendenteam ist interdisziplinär besetzt und umfasst Praxispartner (im vorliegenden Fall das „Stadtlabor Graz“, das beim „Smart City“-Projekt der Landeshauptstadt Graz mitarbeitet), Personen aus dem Hochschulbereich und aus einer externen Beratungs- und Forschungsorganisation. Im Zentrum steht die wissenschaftliche und praxisnahe Bearbeitung von definierten Problemstellungen durch Studierendengruppen. Somit zeigt sich schon im Setting des Interdisziplinären Praktikums der mehrfache Bezug zur Kategorie „Kooperative Lehr- und Lernformen“, und zwar (1) im Teamteaching durch Lehrende aus den Bereichen Wissenschaft und Praxis, (2) im Ziel eines IPs, nämlich die Bearbeitung eines gesellschaftsrelevanten Themas gemeinsam mit Stakeholdern sowie (3) in der Bearbeitung einzelner Aspekte dieses Themas durch Studierendengruppen.

 

Das IP „Smart City - Transdisziplinäre Arbeitstechniken in Aktion“ zielte darauf ab, nicht nur die Fach- und Methodenkompetenzen der Studierenden zu erweitern, sondern vor allem Erfahrungen in der praktischen Umsetzung von Fallstudien im Rahmen des “Smart City Graz“-Projekts zu ermöglichen. Eine Smart City ist definiert als eine energieeffiziente und ressourcenschonende Stadt mit gleichzeitig hochwertiger und bedarfsgerechter Gestaltung der Lebensbereiche Wohnen, Arbeit und Freizeit. In Graz sind zwei Zielgebiete einer solchen Smart City definiert worden, nämlich ‚Graz West‘ mit einer Fläche von 477 Hektar und ‚Graz Süd‘ mit einer Fläche von 655 Hektar. Die ausgewählten Fallstudien der Lehrveranstaltung beschäftigen sich mit dem erstgenannten Zielgebiet: Für dessen Teilprojekte „Reininghaus“ und „Waagner Biro“ wurden Beiträge durch die Studierendengruppen für “Smart Energy Systems“ (Thema Energie), “Smart Mobility“ (Thema Mobilität) sowie „Reininghaus-Geschichten“ (Thema Identität) geliefert.

Zur Erreichung der Lehr-Lernziele war es erforderlich, sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse als auch Bedürfnisse und Wirklichkeiten der betroffenen und handelnden Stakeholder gleichermaßen einzubeziehen: Transdisziplinäre Methoden ermöglichen hier den Brückenschlag zwischen beiden Wissenswelten. Die interaktive Kompetenzaneignung erfolgte dabei durch die Kombination verschiedener Formate: Es gab ein Zusammenspiel zwischen theoretischen Vorträgen, Paar- und Gruppenarbeiten der Studierenden, Präsentationen der Studierenden über erzielte Fortschritte, Reflexionen, Diskussionen in der Gruppe und Einbindung von externen ExpertInnen (vor allem des erwähnten „Stadtlabors“), die von ihren Aktivitäten im Zusammenhang mit der Smart City Graz berichteten. Mittels dieses Bündels an Lehr- und Lernformaten wurde dem Anspruch einer innovativen Hochschuldidaktik möglichst gut Rechnung getragen.

Das IP vermittelte sowohl die theoretischen als auch die praktischen Aspekte von Transdisziplinarität im Kontext ausgewählter Bereiche des Grazer „Smart City Konzepts“, nämlich in den genannten Bereichen Energie, Mobilität und Identität. Anhand von drei konkreten Fallstudien wurden den Studierenden im Sinne einer umfassenden Kompetenzorientierung die Anforderungen an wissenschaftliches, transdisziplinäres und praktisches Arbeiten vermittelt. Sie erarbeiteten praktische Umsetzungen und Interventionen für die genannten Fallstudien, wobei sie von den Lehrenden in Form von Workshops und individueller Betreuung unterstützt wurden. Dieses “case study design“ stellt ein zentrales Element der Lehrveranstaltung dar: Ein teilweise angeleitetes, aber weitestgehend eigenständiges Erarbeiten des Wissens und des Know-hows zur Bearbeitung der transdisziplinären Fallbeispiele durch die drei Studierendengruppen wurde von den Lehrenden unterstützt und begleitet, sowohl in den Lehrveranstaltungseinheiten selbst als auch in individuell vereinbarten Arbeitstreffen, was auf ein verstärktes Engagement der Lehrenden hindeutet. Die Studierenden erhielten zudem bei ihren Zwischenpräsentationen zum Fortschritt der Aktivitäten sowohl von den Lehrenden als auch von ihren KollegInnen Feedback. Die Lehreinheiten wurden insgesamt als ein Rahmen für breite Diskussion und Austausch aller Beteiligten genutzt.

Da als Unterrichtssprache Englisch gewählt wurde, entstanden positive Nebeneffekte. “Incoming“-Studierende bereicherten die Lehrveranstaltung mit Perspektiven aus anderen Ländern und die Zusammenarbeit erforderte interkulturelles Gespür sowohl der Teilnehmenden als auch der Lehrenden. Zudem konnten die Fremdsprachenkenntnisse vertieft werden.

Im Sinne eines transdisziplinären Ansatzes ist die Kommunikation der erzielten Resultate und Ergebnisse ein entscheidender Faktor. Daher wurde im IP Wert darauf gelegt, diese sowohl in wissenschaftlicher Art und Weise als auch zielgruppenorientiert und praxisnah aufzubereiten. Ersteres spiegelt sich in einem Projektbericht wider. Die öffentlichkeitswirksame Präsentation ließ der Kreativität der Studierenden breiten Raum: Sie organisierten z.B. am Semesterende eine Ausstellung zu den gewonnenen Ergebnissen (für die Fallstudie „Reininghaus-Geschichten“) oder produzierten einen Videoclip, welcher die Nutzung von drei verschiedenen Verkehrsträgern ansprechend und anschaulich darstellt (Fallstudie Mobilität).

 

Zur weiteren Beschreibung sind (i) der Syllabus des IPs beigefügt, außerdem (ii) die Einladung zur Ausstellung für die Fallstudie „Reininghaus-Geschichten“ (Poster) einschließlich des Facebook-Links, (iii) die verschiedenen Motive für den Druck von T-Shirts für die Fallstudie “Smart Mobility“, (iv) der Link zum Videoclip für diese Fallstudie und (v) deren Artikel in Form eines Storytelling.

Positionierung des Lehrangebots

3. Semester Master

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 nominiert.