Life Science Documentation "LSD"; e-Portfolio

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Die Studierenden des Studienganges Hebammen an der Fachhochschule Campus Wien

sind durch gesetzliche Vorgaben dazu angehalten, während der Praktikumszeit

Aufzeichnungen ihrer Tätigkeiten zu führen (FH-Heb-AV, 2015). Die

Praktikumsdokumentation beinhaltet alle Angaben, welche auch im Krankenhaus oder

Arbeitsalltag einer freipraktizierenden Hebamme vermerkt werden müssen. Um einen

Überblick der durchgeführten Untersuchungen und daraus resultierenden Maßnahmen zu

erhalten, führen die Studierenden Übersichtlisten. Sie dienen dem Nachweis der

gesetzlichen Anforderungen, welche der Bachelorprüfung zu Grunde liegen müssen (FHHeb-

AV, 2015). Das Praktikum stellt neben dem theoretischen und praxisnahem Unterricht

und dem wissenschaftlichen Arbeiten einen essentiellen Bestandteil der Ausbildung dar. Die

Praktika verteilen sich auf fünf der insgesamt sechs Semester Studienzeit (Semester zwei

bis Semester sechs). Die Praxis im Studiengang Hebammen bildet damit einen großen Teil

der Ausbildung und ist mit 71 ECTS - 1775 zu leistenden Arbeitsstunden - zu 39,5 % an der

gesamten Studienleistung beteiligt.

Bis vor einem Jahr erfolgten diese Prozesse in handschriftlicher Form und wurde in Mappen

aufbewahrt. Die Archivierung erforderte im Laufe der Zeit reichlich Platz und stieß damit an

ihre Grenzen.

Bedingt durch die mannigfaltigen Lerninhalte und Lernziele, werden die Komplettierung der

Nachweise von erbrachten Leistungen und deren Reflexion, die Koordination der Praktika

und das selbstreflexive Lernen mittels physischen Mappen und handschriftlichen

Dokumentationen erschwert.

Ziel: Die Idee eines e-Portfolios mit integrierter „Life Science Documentation (LSD)“ entstand 2012 aus der Überlegung die

handschriftlich geführte Dokumentation zu modernisieren und einen neuen Weg mittels

Web 2.0 einzuschlagen.

Beschreibung

In den Life Sciences bzw. im Gesundheitswesen gelten sowohl für die Praxis als auch für die Ausbildung strenge Dokumentationsrichtlinien. Auch während des Praktikums müssen Studierende durchgeführte Untersuchungen und daraus folgende Maßnahmen aufzeichnen. Der Studiengang Hebammen entwickelte daher gemeinsam mit der Firma bd421 eine Webapplikation, mit der die Dokumentation einfach und jederzeit nachvollziehbar ist. Diese, in Kombination mit einem e-Portfolio, spiegelt den gesamten praktischen Verlauf der Hebammenausbildung wieder.

 

Die Applikation bedeutet eine wesentliche Zeitersparnis und soll handschriftlichen Dokumentationen ersetzen. Denn diese erhöhen einerseits die Fehleranfälligkeit und erschweren andererseits die Datenauswertung. Das so gewonnene, nicht-personenbezogene Datenmaterial steht Studierenden und Lehrenden auf dem aktuellsten Stand zur Verfügung. Neben Datensätzen für Auswertungen und Analysen unterstützt die Applikation als interaktive Lernplattform reflexive Selbsteinschätzung und den fachlichen Austausch der Studierenden. Sie ist das Ergebnis der Weiterentwicklung einer Masterthesis und eines Best Practice Projekts am Studiengang.

 

• Einfache und lückenlose Darstellung des Dokumentationsprozesses

• Integration von mobilen Endgeräten

• Automatisierung von wiederkehrenden Vorgängen

• Daten in e-Portfolio und elektronische Archivierung

• Förderung der sozialen Kompetenz

 

 

Problembeschreibung

Die Studierenden des Studienganges Hebammen an der Fachhochschule Campus Wien sind durch

gesetzliche Vorgaben dazu angehalten, während der Praktikumszeit Aufzeichnungen ihrer Tätigkeiten

zu führen (FH-Heb-AV, 2015). Die Praktikumsdokumentation beinhaltet alle Angaben, welche auch im

Krankenhaus – oder Arbeitsalltag einer freipraktizierenden Hebamme vermerkt werden müssen. Um

einen Überblick der durchgeführten Untersuchungen und daraus resultierenden Maßnahmen zu

bewahren, führen die Studierenden Übersichtlisten. Sie dienen dem Nachweis der gesetzlichen

Anforderungen, welche der Bachelorprüfung zu Grunde liegen müssen (FH-Heb-AV, 2015). In der

Vergangenheit erfolgten diese Prozesse in handschriftlicher Form und wurde in Mappen aufbewahrt.

Diese Archivierung erfordert einen enormen Platzbedarf und wird als nicht praktikabel erachtet.

 

Fragestellung und Ziel des Projekts

Im Life Science Bereich wird bei der Dokumentation nach standardisierten Richtlinien vorgegangen. In

handschriftlicher Form durchgeführt, birgt sie erhebliche Fehlerquellen und vermindert damit die

Qualität aussagekräftiger Datenauswertungen (Heinzl, 2012). Die neu entwickelte, praxisorientierte

und anwenderfreundliche Webapplikation wirkt dem entgegen und stellt Dokumentationsprozesse

übersichtlich und lückenlos dar. Durch die Integration von mobilen Endgeräten soll die Dokumentation

zeitnah erfolgen und wiederkehrende Vorgänge automatisch übernommen werden. Darüber hinaus

können Daten in ein e-Portfolio eingepflegt und elektronisch archiviert werden (Heinzl, 2012). Ziele der

Modernisierung sind eine zeitgemäße Lernumgebung, ein lückenloser Leistungsnachweises,

Zeitersparnis und Vorgänge, die im Zusammenhang mit der Praxisreflexion stehen. Besondere

Berücksichtigung findet hierbei das selbstreflexive Lernen. Studierende sind aufgerufen fachliche

Diskussionen aufzuwerfen, praxisrelevante Themen zu diskutieren, sowie belastende oder

bereichernde Erlebnisse mit StudienkollegInnen zu teilen. Durch das interaktive Lernnetzwerk sollen

soziale Kompetenzen gestärkt und offene Lernziele besser erkannt werden.

 

Daraus ergab sich folgende Forschungsfrage:

Ist der Einsatz einer angepassten (computergestützten) Dokumentationssystematik -

Webapplikation ein adäquates Instrument, um den Arbeitsablauf der schriftlichen Aufzeichnungen

des Praktikums im Studiengang Hebammen der FH Campus Wien zu vereinfachen?

 

Lösungsansatz

Die Idee dieses Projekts entstand aus der Überlegung die handschriftlich geführte Dokumentation zu

modernisieren und einen neuen Weg mittels Web 2.0 einzuschlagen. Im ersten Schritt wurde mit der

Masterthese der Autorin „Konzept eines sozialen interaktiven Lernnetzwerkes mit integriertem

Datenmanagementsystem - Entwickelt für das Praktikum im Studiengang Hebammen an der

Fachhochschule Campus Wien“ eine theoretische Grundlage geschaffen. Hier wurde u.a. eine

schriftliche Bedarfs- und Akzeptanzanalyse der Hebammenstudierenden durchgeführt.

Bedingt durch die vielfältigen Lerninhalte und Lernziele strebte das e-Portfolio im zweiten Schritt eine

Erweiterung, um den Nachweis aller erbrachten Leistungen, deren Reflexion und ein Werkzeug zum

selbstreflexiven Lernen in einem interaktiven sozialen Netzwerk mit Datenmanagementsystem an.

Aufgrund dessen wurde ein „Best Practice Projekt“ im Studiengang gestartet. Die Studierenden

arbeiteten praktikumsbegleitend von unterschiedlichen Praktikumsplätzen aus, an einem e-Portfolio,

welches durch die Software Mahara unterstützt wurde. Gemäß FH-Heb-AV §3 Abs. 3 Z 4 (FH-Heb-AV

Anlage 5), werden personenbezogene Daten vermieden und der gesamte Datenbestand in

anonymisierter Form gespeichert. Im dritten Schritt wurde das Projekt „An Educational Approach for

automated Life Sciences Documenation“ von der Autorin und Hr. Dr. DI René Heinzl (Industriepartner)

gestartet, in welchem eine Web-Applikation programmiert wurde. Durch die Entwicklung der Web-

Applikation wird die Möglichkeit eines zentralen Zugriffs und eine einheitliche Datenbasis für

geburtshilfliche Daten geschaffen. Daten können auf diese Weise statistisch besser ausgewertet

werden und in die Lehre einfließen. Durch die Einführung der computergestützten Anwendungen wird

ein didaktischer Mehrwert erwartet und die Nachvollziehbarkeit aller Behandlungsabläufe,

insbesondere in den Bereichen der hebammenrelevanten Arbeitsfelder werden als

Qualitätsverbesserung für die Lehre eingeschätzt. Das modernisierte Datenmanagement dient zudem

der Vereinfachung administrativer Tätigkeiten von Studierenden und Lehrenden. Anwenderfreundliche

Suchfunktionen, die Erstellung übersichtlicher Reports sowie die langfristige Archivierbarkeit zählen

damit ebenfalls zu den Vorteilen des zentralen Web-Systems. Ergebnisse aus den Schritten zwei und

drei wurden jeweils mittels eines digitalen Evaluierungsfragebogens erhoben.

 

Ergebnisse

Im Zuge des Forschungsvorhabens wurden die Prozessschritte innerhalb der Life Science Bereiche

definiert und gruppiert. Aufbauend auf dieser Analyse wurde der gesamte Dokumentationsprozess im

Bereich der Hebammenausbildung prototypisch definiert, in das Grundgerüst einer Webapplikation

übergeführt und der gesamte Praktikumsverlauf in einem e-Portfolio dargestellt.

Soziale Kompetenz ist ein wesentlicher Aspekt für den Hebammenberuf und soll daher auch in der

Ausbildung verstärkt gefördert werden. Sie wird im interaktiven und sozialen Lernnetzwerk besonders

angesprochen. Die regelmäßige Selbsteinschätzung und Auseinandersetzung mit Erfahrungen an den

Praktikumsstellen dient der Evaluierung des eigenen Ausbildungstandes, dem Erwerb der Fähigkeit

zur Selbstreflexion und dem Vermögen konstruktive Kritik anzunehmen und einzubringen. Diese Art

des Lernens begünstigt kreative Lernprozesse, zeigt kontroverse Sichtweisen sowie unterschiedliche

Lösungsansätze für Schwierigkeiten und Probleme auf.

Die Beantwortung der Forschungsfrage kann bejahend beantwortet werden, indem der Nutzen für

Studierende und Lehrende mit Zeitflexibilität, zeitgemäßes Arbeiten in Web 2.0, klare Strukturen und

Praktikabilität angegeben werden kann.

Positionierung des Lehrangebots

Studiengang Hebammen, alle 6.Ausbildungssemester

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 nominiert.