MODLEARN – Vermittlung vertiefender Lehrinhalte unter Berücksichtigung heterogener Bildungsbiografien und Erfahrungshorizonte

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Stark heteroge Vorkenntnisse bei Studierenden eines Vertiefungswahlfachs für zwei FH-Masterstudiengänge; Vermeidung von Frustration durch dadurch ausgelöste Unter- oder Überforderung bei gleichzeitiger Sicherstellung wesentlicher homogener Lerninhalte.

Beschreibung

Studierende im FH-Masterstudiengang "Web Communication & Information Systems" verfügen über unterschiedlich stark ausgeprägte Vorkenntnisse in den verschiedenen Inhalten des Studiengangs. Darüber hinaus wird eine Auswahl an Vertiefungswahlfächern in Kooperation mit dem weniger techniklastigen FH-MAsterstudiengang "Digital Marketing" angeboten.

 

Um im Vertiefungswahlfach "CRM & Information Mining II" der dadurch entstehenden sehr heterogenen Hintergründe der Studierenden zu begegnen, wurde die Lehrveranstaltung im SS 2015 erstmals entlang eines didaktischen Ansatzes des modularen Lernens konzipiert und durchgeführt. Dabei wird sichergestellt, dass die Studierenden wesentliche homogene Lerninhalte verstehen und beherrschen. Der darüber hinaus gehende Lernzuwachs wird jedoch individuell durch die Studierenden selbst in angemessener Weise und ihre Vorkenntnisse und Interessen berücksichtigend gestaltet. Dabei findet allerdings ein regelmäßiger Austausch und Reflexion der erzielten Arbeitsergebnisse zwischen den Studierenden statt.

Ausgangssituation

Im berufsbegleitenden Master-Studiengang „Web Communication & Information Systems (WCIS)“ studieren sowohl Personen, die den darauf abgestimmten Bachelorstudiengang „Web Business & Technology“ an der FH Kufstein Tirol absolviert haben, als auch Personen die ihr Bachelorstudium an anderen Hochschulen abgeschlossen haben. Die gemachten facheinschlägigen beruflichen Erfahrungen sind sowohl hinsichtlich des Umfangs als auch der inhaltlichen Fokussierung sehr unterschiedlich und teilweise finden sich unter den Studierenden auch „Quereinsteiger“, also Personen, deren Ausbildung in einer anderen Fachrichtung erfolgt ist, die aber danach in einem beruflichen Umfeld tätig wurden, das dem Gegenstandsfeld des Studiengangs sehr nahe ist. Aus dieser Situation resultiert die Tatsache, dass unter den Studierenden in der Tat sehr unterschiedliche Bildungsbiografien und/oder unterschiedlicher Vorkenntnisse vorzufinden sind, die eine homogene Vermittlung der Inhalte für die verantwortlichen Lektoren als sehr herausfordernd darstellt. Verschärft wird diese Herausforderung noch dadurch, dass es Lehrveranstaltungen gibt, die bewusst mit Studierenden des Master-Studiengangs „Digital Marketing (DIM)“ durchgeführt werden. Zwar gibt es hier das gemeinsame Wirkungsfeld web-basierter Technologien und Anwendungen, jedoch ist die Ausrichtung der beiden Studiengänge und entsprechend auch der Studierenden sehr unterschiedlich (technisch vs. anwendungsorientiert).

 

Beschreibung des Ansatzes

Für die Anwendung in der Lehrveranstaltung „CRM & Information Mining II“ wurde vom Einreicher daher der didaktische Ansatz einer modularen Lernumgebung (MODLERN) entwickelt, welche die oben ausgeführten Aspekte der Ausgangssituation (besser) adressieren sollte und das Ziel einer masteradäquaten, reflektierenden und individuellen steuerbaren Vermittlung der Lehrinhalte Rechnung tragen sollte.

Kern der Überlegungen zu diesem Konzept, das in der Vorbereitungsphase im Dialog mit Studierenden und Kollegen entstand, ist das Modell des individuellen und spezifischen Wissenserwerbs vor. Ziel ist es dabei, wie in der LV besprochen den Studierenden die Möglichkeit zu geben, ihr Wissen entsprechend ihrer Interessen im Rahmen der thematischen Vorgaben der LV individuell zu erweitern (siehe auch konzeptionelle Darstellung in nebenstehender Abbildung). Die Wissensvermittlung basiert hierfür auf zwei wesentlichen Schritten: In einer ersten Phase erfolgt die Vermittlung von wesentlichen Zusammenhängen und Grundlagen auf der Basis klassischer Vorlesungsinhalte, was zu einem gemeinsamen Verständnis der jeweiligen Thematik führt und die Basis bildet für die darauf aufbauenden Schritte. Gleichzeitig ist dieser Bereich kennzeichnend für den Teil des Wissens, dass alle Absolventen der Lehrveranstaltung mitnehmen (Sicherstellung wesentlicher homogener Lerninhalte). Aufbauend darauf erfolgt in einer zweiten Phase ein selbstgesteuertes und interessengeleitetes Lernen zu unterschiedlichen Aspekten der einzelnen Teilaspekte der Lehrveranstaltung auf der Basis vorbereiteter thematischer Fragestellungen, die nach unterschiedliche Dimensionen (technisch/anwendungsorientiert) und unterschiedlicher Komplexität (leicht/komplex) charakterisiert wurden. Die Arbeit an den Themen erfolgt in Kleingruppen und wird vom Lektor betreut und moderiert. Abschließend wurde der Austausch der Lern- und Arbeitsergebnisse zwischen den Gruppen initiiert, wobei das eher informelle Werkzeug des Knowledge-Cafe zur Wissensteilung eingesetzt wurde, um auch hier den individuellen Austausch zu fördern. Diese Methodik wurde in der Lehrveranstaltung für unterschiedliche thematische Blöcke (insgesamt dreimal) wiederholt.

Währen dieser Arbeitsphasen wurden die Studierenden zur individuellen, schrittweisen Reflektion und Dokumentation der Lernergebnisse angehalten, die nachfolgend auch Grundlage der Bewertung der Lehrveranstaltung war, indem in einem sehr individuellen Dokument sein wird, das die jeweils gemachten Lernfortschritte und die gewonnenen Einsichten dokumentiert wurden (siehe nachstehende Abbildung zum Ablauf).

 

Folgende Kriterien wurden für die die reflektierende Ergebnisdokumentation herangezogen:

1. Beschreibung welche Aufgabenstellungen jeweils bearbeitet wurden. Dabei sollte darauf eingegangen werden, welche individuellen Zielstellungen sich der/die Studierende hierzu im Vorfeld gestellt hatte. („Was motivierte dazu, sich genau mit diesem Thema/Aufgabe zu beschäftigen?“)

2. Zu welchen Ergebnissen ist der/die Studierende bei der Bearbeitung der verschiedenen Aufgaben gelangt; welche neuen Erkenntnisse konnte er/sie dabei für sich gewinnen? Inwieweit gibt es hier Anknüpfungspunkte an die persönliche oder berufliche Arbeitswelt?

3. Was haben Sie aus dem Austausch mit anderen Arbeitsgruppen mitgenommen? Welche Einsichten konnten Sie hier noch gewinnen?

4. Herstellung von Bezügen aus der individuellen Beschäftigung mit den Lehrinhalten zu den LV-Inhalten aus den vermittelnden Teilen (Vorlesungen, Vortragsteile); welche Aspekte haben Sie hier mitverwendet, welche Aspekte noch vertieft?

5. Gesamtreflektion des Themas CRM & Information Mining unter zusammenfassender Berücksichtigung der Punkte 1-4; welches Fazit ziehen Sie für sich persönlich in Bezug auf aufgebautes Wissen, welche Fragen sind noch offengeblieben, welche Aspekte würden Sie in einem Ausblick weiterführend betrachten wollen bzw. für relevant halten?

 

Fazit und Beobachtete Auswirkungen

In der ersten Anwendung des vorgestellten Konzepts konnte ein durchaus positives Fazit gezogen werden. Die informellen Rückmeldungen der Studierenden waren durchweg positiv und vertiefende Betrachtung mit ganz unterschiedlichen Themenstellungen wurde während der studentischen Arbeitsphasen sehr gut deutlich. Interessanterweise wurden dabei aus dem Portfolio der verfügbaren Themen häufig auch solche gewählt, die eher eine höhere Komplexität aufwiesen, also auch mehr Engagement seitens der studentischen Arbeitsgruppe bedurften, wohl aber die Interessenfelder (einiger) Studierender unmittelbar berührten. Ebenfalls positiv zu vermerken war das Entstehend interessanter und ungewöhnlicher Lösungen (z.B. einer web-basierten natürlichsprachlichen Dialoganwendung für eine Pizzabestellung), die zeigen, dass die Studierenden die Themenstellung der LV selbstständig „weiterdenken“ und so auch Lösungen produzieren, die von den Lektoren im Vorfeld nicht immer antizipiert werden konnten. Weiters war bemerkenswert, dass die Bereitstellung von klassifizierten Themenstellungen eine positive und leitende Wirkung entfaltet haben. Obwohl die Bearbeitung individueller Themen und Fragestellungen ebenfalls möglich war, solange die Anknüpfung an das Basiswissen gegeben ist, wurde meist aus dem bereit gestellten Portfolio an Themen gewählt. Hierfür sollten ca. 2-3 mal so viele Fragestellungen angeboten werden, wie Gruppen gebildet wurden. Aus Sicht des Lektors ist dieser erhöhte Vorbereitungsaufwand durchaus vertretbar, weil Motivation und individueller Erkenntnisgewinn („Aha-Effekt“ bei den Studierenden) hier eine hohe didaktische Wirkung entfalten. Es zeigte sich auch, dass die Sachkenntnis des Lektors bei der Formulierung der Fragestellungen für die Studierenden eine Orientierung hinsichtlich bearbeitbarer Themen liefert, die ansonsten nicht gegeben wäre und von den Studierenden (zumindest dieser Gruppe) begrüßt wurde.

 

Verbesserungen des Konzepts könnten noch hinsichtlich der Moderation der Austauschphase angedacht werden; hier wurde war in einigen Fällen das Potenzial des Wissensaustauschs der Gruppen nicht vollständig ausgenutzt, weil die Gruppen noch intensiv mit der eigenen Fragestellung befasst waren („im Flow“ in Bezug auf das eigene Thema waren).

Zusammenfassend kann angemerkt werden, dass aus Sicht des Einreichers MODLERN ein sinnvoller und effektiver Ansatz sein kann, um vertiefende Lerninhalte unter Berücksichtigung unterschiedlicher Bildungsbiografien und/oder unterschiedlicher Vorkenntnisse zu vermitteln und ein Lernerfolg zu erzielen, die der Ausbildung auf dem Niveau eines Master-Studiengangs gerecht wird.

Positionierung des Lehrangebots

2. Semester im FH-Masterstudiengang Web Communication & Information Systems; auch für Studierende im 2. Semester des FH-Masterstudiengangs Digital Marketing

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 nominiert.