Fremdsprachenunterricht 2.0: Social Media, OER & Co

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Ziel der Lehrveranstaltung ist es, angehenden Lehrerinnen und Lehrern dabei zu helfen, (neue) digitale Medien in ihren Unterricht zu integrieren. Sie sollen angeleitet werden, Medien einzusetzen, um Lehr- und Lernziele auf alternativen Wegen zu erreichen. (Digitale) Medien sind Werkzeuge, die den Lehr- und Lernprozess unterstützen und begleiten, sie sind keine Allheilmittel. Ziel der Lehrveranstaltung ist es darüber hinaus, eine kritische Medienhaltung zu erreichen, Bedenken im Hinblick auf einen Medieneinsatz ebenso abzubauen wie eine übertriebene Euphorie. Digitale Medien sollen weder zur Über- noch zur Unterforderung sowohl der Lehrenden als auch der Lernenden führen, sie sollen sich in traditionelle Lehr- und Lernsettings einfügen, zusätzliche Angebote zum Beispiel zur Binnendifferenzierung bieten und somit den Umgang mit heterogenen Klassen erleichtern. Vordergründiges Ziel war es deshalb, digitale Medien, in diesem Fall v.a. Social Media-Anwendungen wie Facebook und WhatsApp, erlebbar und erfahrbar zu machen, zu reflektieren und Einbindungsmöglichkeiten in den Fremdsprachenunterricht zu überlegen und entwickeln. Daneben lag ein zweiter Schwerpunkt auf der Entwicklung von Unterrichtsmaterialien, die urheberrechtlich unbedenklich sind (s.g. „Open Educational Resources“) und somit bedenkenlos im eigenen Unterricht verwendet oder an andere weitergegeben werden können.

Beschreibung

Das fachdidaktische Proseminar „Fremdsprachenunterricht 2.0: Social Media, OER & Co“ mit mediendidaktischem Schwerpunkt richtet sich an angehende Lehrer/innen der romanischen Sprachen im Sekundarbereich. Ziel ist, dass zukünftige Sprachlehrer/innen in einem geschützten Raum (digitale) Medien und mediengestützte Lehr- und Lernsettings nicht nur theoretisch entwerfen, sondern auch praktisch erproben. Neben dem Kennenlernen und Erproben von mediendidaktischen Formaten und Best-Practice-Beispielen, steht v.a. die Erweiterung des eigenen Methodenrepertoires unter Verwendung von Anwendungen/Werkzeugen aus Web 2.0 im Fokus. Übergeordnetes Ziel ist die Reflexion und Erprobung fremdsprachlicher Unterrichtsszenarien unter Berücksichtigung sowohl digitaler Medien als auch traditioneller Settings. Die Studierenden erstellen und adaptieren Materialien für den praktischen Unterrichtseinsatz und werden v.a. für die Potentiale und Risiken des Web 2.0, von Social Media und der Openness-Bewegung, zu der auch Open Educational Resources zählen, sensibilisiert. Kollaborativ voneinander profitierend lernen sie digitale Medien kennen, entwickeln selbstständig digitale Lehr- und Lernressourcen sowie didaktisierte Settings, die sich in die Gegebenheiten am Schulstandort und die Forderungen des Lehrplans einpassen. Die Lehrer-Community profitiert davon durch das entstandene kostenlose E-Book, das Unterrichtsmaterialien und -konzepte unter freier Lizenz (Creative Commons) zur Verfügung stellt.

Die Lehrveranstaltung „Allg. FD PS (Fremdsprachenunterricht 2.0: Social Media, OER & Co)“ ist ein sprachübergreifend angebotenes Proseminar, das sich an zukünftige Fremdsprachenlehrende richtet. Es ist folglich in der romanistischen Fachdidaktik angesiedelt. Die Studierenden besuchen es am Ende ihres Studiums und verfügen bereits über eigene Unterrichtserfahrungen.

 

In der offiziellen Lehrveranstaltungsbeschreibung waren folgende Ziele und Inhalte definiert:

„Guter“ Unterricht zeichnet sich durch Methoden- und Medienvielfalt aus, die gewährleisten soll, dass verschiedene Lerntypen, Lerntempi und -modi angesprochen werden können. Im Zuge der Lehrveranstaltung wird zum einen ein theoretischer Einblick in den Bereich der Mediendidaktik und ihrer Anforderungen gegeben, zum anderen werden verschiedene Medien und Anwendungen aus dem Bereich des Web 2.0 vorgestellt, erprobt und reflektiert. Gerade das Web 2.0 hat ungeheure Potentiale für den schulischen Fremdsprachenunterricht, da seine Verwendung meist gratis ist und einen schnellen Einsatz ohne große Programmierkenntnisse ermöglicht. Dabei wird besonders auf neueste Entwicklungen, wie den Einsatz von Social Media oder das Erstellen von OER, Bezug genommen.

 

Ziel der Lehrveranstaltung ist es, die für die jeweilige Sprache, das jeweilige Niveau und die jeweilige thematische Einheit passende mediengestützte Gestaltungsart zu finden, um auch in Zukunft seinen Unterricht nicht nur visualisieren zu können, sondern ihn so zu gestalten, dass die verschiedenen Lerntypen angesprochen werden.

 

Die Studierenden sollen dabei mit folgenden Themen vertraut gemacht werden:

- Einführung in die Mediendidaktik

- Lernkulturen und Medieneinsatz im Unterricht

- Methodenvielfalt und multidimensionale Lernlandschaften

- Funktionen von multimedial aufbereiteten Lehrmaterialien im Unterricht (Bildwahrnehmen, -handeln)

- Visuelle Kultur und Kommunikation

- Multiliteracy und Medienkompetenz

- Exemplarische Umsetzung von Unterrichtsinhalten mit Hilfe von Web 2.0-Anwendungen

- Erstellung von Unterrichtsszenarien mit Hilfe von Web 2.0-Anwendungen

- Kritische Betrachtung von Web 2.0-Tools und deren Einsatz im Fremdsprachenunterricht

 

Aus diesen Themen werden sechs zentrale Lernziele herausgearbeitet, die den Studierenden eine Bandbreite an Erfahrungen ermöglichen und nach deren Erreichung Studierende auf praktischer sowie pragmatischer und reflexiver Ebene Materialien zur Verfügung haben. Übergeordnetes Ziel sind Multiliteracy und Medienkompetenz sowie die Sensibilisierung für eine – aus medienpädagogischer Sicht – bewusste und reflektierte Mediennutzung (als Lehrer/innen sowie in Hinblick auf den Transfer in den Schulalltag). Die ausformulierten Ziele waren dabei wie folgt:

- Kennenlernen und Erproben mediendidaktischer Formate

- Kennenlernen von Best-Practice-Beispielen

- Erweiterung des eigenen Methodenrepertoires unter Anwendung von Web 2.0-Applikationen und -Werkzeugen

- Reflexion und Erprobung der erworbenen Kenntnisse in fremdsprachlichen Unterrichtsszenarien

- Erstellung und Adaption von Materialien für den praktischen Unterrichtseinsatz

- Sensibilisierung für die Potentiale und Risiken des Web 2.0

 

Auf Basis eines theoretischen Inputs durch die Lehrperson stellten die Studierenden auf der einen Seite (auf metareflexiver Ebene) Überlegungen zur eigenen Mediennutzung, zur Mediennutzung im Unterricht und zur Mediennutzung ihrer Schüler/innen an. Auf der anderen Seite sollten sie praktische Unterrichtsbeispiele ausprobieren, reflektieren und für ihren eigenen Unterrichtsgebrauch adaptieren. Der Input diente als erste fachliche Orientierung sowie als Bericht aus der Praxis, da die Lehrveranstaltungsleiterin aktuell sowohl an der Universität als auch an Fachhochschulen forscht und lehrt, im Schuldienst war und regelmäßig Fortbildungen für die Pädagogische Hochschule hält, wodurch sie in ständigem Austausch mit im Lehrbetrieb aktiven Lehrenden steht.

Aufgabe der Studierenden ist es, selbst Unterrichtskonzepte zu erstellen. Dabei sollen sie unterschiedliche Positionen einnehmen: jene der Lehrperson, der Schüler/innen sowie der Eltern. Die Wege, die die Studierenden hierbei gehen, sind vielfältig und nicht vorgegeben. Der zentrale Zugang zur Lehrveranstaltung ist ein praktischer, erlebnisorientierter und lebensweltlicher. Die Studierenden sollen Konzepte kennenlernen, ausprobieren, gemeinsam reflektieren und anschließend deren Eignung für den Fremdsprachenunterricht an österreichischen Schulen (unter Berücksichtigung verschiedener Parameter, wie beispielsweise des Lehrplans und der – aktuellen – Medienausstattung an Schulen) beurteilen. Die Studierenden werden aktiv, erarbeiten sich vieles im Selbststudium und zeigen viel Eigeninitiative sowie große Eigenverantwortung. Der Lernprozess verläuft stark selbstgesteuert und selbstorganisiert.

 

Der Kurs folgt einem auf Kollaboration ausgerichteten Setting und ist in drei große Blöcke geteilt:

1) Social Media

2) Open Educational Resources (OER)

3) Kollaboratives Arbeiten im Web 2.0.

Die Lernergebnisse bzw. Erkenntnisse der ersten beiden Blöcke fließen direkt in den dritten Block ein. Um eine gruppenübergreifende Kollaboration unter Realbedingungen zu organisieren, wird mit Kollaborationstools aus dem Web 2.0 gearbeitet. So werden Doodle-Umfragen (www.doodle.com) zur Terminfindung und Koordination eingesetzt und Google-Formulare (www.doc.google.com/forms) zur Evaluierung benutzt; Dokumente werden mithilfe von Google-Dokumenten (www.docs.google.com) gemeinsam, synchron und in Echtzeit verfasst und überarbeitet. Als Basis der Lehrveranstaltung diente dabei der Moodle-Kurs auf der universitätseigenen Moodle-Plattform.

Um weitere praktische Erfahrungen einfließen zu lassen, wird die Lehrveranstaltung im Blended Learning-Format geführt. Die Studierenden absolvieren Webinare, deren Themen sie sich nach eigenen Interessen, Vorlieben und auch Stärken und Schwächen selbst aussuchen können. Die Inhalte und Erfahrungen, die sie mit diesen – von Dritten angebotenen – Online-Seminareinheiten machen, werden in den traditionellen Präsenzeinheiten der Lehrveranstaltung im Sinne des Flipped Classroom-Modells gesammelt, diskutiert und reflektiert. Die Studierenden können so von den Erfahrungen der anderen, zum Beispiel in Hinblick auf den Umgang mit Mikrophon und Kamera, lernen.

Die Lehrveranstaltung fokussiert somit nicht nur die Vermittlung einer mediendidaktisch orientierten Fachkompetenz. Neben dem deklarativen Wissen stehen vor allem prozedurales und reflexives Wissen im Vordergrund. In Anlehnung an die vom Bundesministerium für Bildung und Frauen formulierten und von den zukünftigen Sprachlehrerinnen und Sprachlehrern zu berücksichtigenden „Überfachlichen Kompetenzen“ (https://www.bmbf.gv.at/schulen/unterricht/uek/index.html) werden besonders personale und soziale sowie Medienkompetenzen vermittelt und deren Entwicklung gefördert. Die Studierenden sollen von ihren gemachten Erfahrungen profitieren und in einen Austausch treten. Sie sollen unter anderem die Arbeit im Team, das Geben und Nehmen von Feedback sowie eigenverantwortliches, selbstorganisiertes und selbstgesteuertes Lernen erlernen. Zeitmanagement, Teamfähigkeit, Kritik- und Reflexionsfähigkeit sind neben dem sinnvollen und überlegten Einsatz von Medien im Unterricht unter Berücksichtigung gegebener Rahmenbedingungen, wie Lehrplan und Medienausstattung bzw. Alter der Schüler/innen, einige der zu erwerbenden Fertigkeiten. Darüber hinaus sollen die Studierenden lernen, Medien – im Sinne einer Work-Life-Balance – sinnvoll, zielorientiert und effizient einzusetzen.

 

Um Theorie und Praxis miteinander zu verbinden, wurde im Laufe der im SS 2015 abgehaltenen Lehrveranstaltung in Absprache mit den Studierenden eine Veränderung in Hinblick auf die Dokumentation der Lernergebnisse vorgenommen. Anstelle einer Abschlussarbeit, die nur für die Augen der Lehrveranstaltungsleiterin bestimmt ist, sollten die Studierenden in Zweier-Teams zwei Artikel verfassen, die den beiden thematischen Schwerpunkten zuzuordnen waren: Real-Life-Tasks mit Social Media und Open Educational Resources (OER). Diese Artikel werden gesammelt als E-Book veröffentlicht und stehen ab dem Frühjahr 2016 anderen Lehrpersonen im Sinne des Openness-Gedankens auf dem Open Access Publikationsserver der Universität Graz (http://unipub.uni-graz.at/) als Open Educational Resources (und folglich Open Educational Practice) zur Verfügung. Das bedeutet, dass die Stundenplanungen und Unterrichtsmaterialien von anderen Lehrenden in der eigenen Lehre verwendet werden dürfen. Das Endprodukt der Lehrveranstaltung war somit wiederum ein Real-Life-Task. Die Studierenden wussten, dass sie Produkte für Kolleginnen und Kollegen verfassen, nicht zuletzt deswegen war der Peer-Review-Prozess lang und arbeitsintensiv. Die Studierenden bekamen aus den beiden Themenbereichen je ein Paper zum Review. Sie erhielten somit pro Team drei Feedbackdokumente, die in die Artikel eingearbeitet werden mussten: zwei von Kolleginnen und Kollegen und eines von der Lehrveranstaltungsleiterin. Der Gedanke des kollaborativen Arbeitens wurde auch hier unter – wenn auch simulierten – Bedingungen fortgeführt. Die in der Lehrveranstaltung gestärkten Kompetenzen konnten in einem realen Setting weiter vertieft werden. Auf genaues Arbeiten, das zur Erstellung von Open Educational Resources nicht nur auf inhaltlicher (Stichwort: GERS, Lehrplan) sondern auch auf formaler Ebene (Stichwort: Urheberrecht) notwendig ist, wurde ebenso Wert gelegt wie auf das Vermitteln von konstruktivem Feedback. Die Lehveranstaltungsleiterin betreute den Peer-Review-Prozess durch einen moderierten Austausch (via E-Mail und im Moodle-Forum), sodass die Studierenden immer über die aktuellsten Informationen verfügten und mit dem Zwischenstand vertraut waren. Darüber hinaus konnte sie auf diesem Wege den Kontakt zu den Studierenden halten, stand mit Rat und Tat zur Seite und achtete darauf, den Motivationslevel der Studierenden hoch zu halten.

 

Die Umsetzung des E-Books erfolgt im Zuge eines durch den Verein Forum neue Medien in der Lehre Austria (http://www.fnm-austria.at/home.html) finanzierten Projekts an der Akademie für Neue Medien und Wissenstransfer. Die Materialien werden herangezogen, um neue Erkenntnisse in Hinblick auf didaktische und technische Umsetzbarkeiten in der Erstellung von E-Books für die Lehre zu gewinnen. Sie sind im Sinne eines Synergieeffekts somit Nebenprodukte und dienen der Arbeit mit realem, authentischem Material. Die Umsetzung des E-Books wäre allerdings auch ohne die Projektfinanzierung mit Hilfe des E-Book-Creators (http://e-book-creator.at/) erfolgt.

 

Das Feedback der Studierenden half der Lehrveranstaltungsleiterin, ihre eigenen Lehr- und Lernsettings zu adaptieren. Feedback wurde sowohl über die Evaluierung in UNIGRAZonline vorgenommen, als auch direkt in der Lehrveranstaltung, per E-Mail und in einem anonymen Google-Dokument. Die Studierenden empfanden dabei das Peer Review zwar als äußerst aufwendig, in gleichem Maße jedoch als gewinnbringend, lediglich der Ablauf sollte adaptiert werden: Der Wunsch nach Redaktionsbesprechungen zwischen den schreibenden Teammitgliedern sowie kurzen verpflichtenden Statusberichten innerhalb der LV wurde geäußert.

Positionierung des Lehrangebots

8./9. Semester, Unterrichtsfach Romanistik

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 nominiert.