Social Week der Fachhochschule des BFI Wien

Umgesetztes Projekt

Ziele

1. Motivation und Ausgangslage

„Wir bilden Europas Spitze!“ Das ist Botschaft und Programm der Fachhochschule des BFI Wien. Wenngleich die Vermittlung von Fachwissen dabei einen wesentlichen Aspekt darstellt, sind für ein Hochschulstudium die umfassende Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden als auch das Wahrnehmen sozialer Verantwortung ebenso wichtige Ziele. Durch die Ereignisse ab dem Sommer 2015 war es geboten, diese Ziele in einem neuen Kontext zu verfolgen. Krieg und Elend waren nicht nur ein beherrschendes Thema der medialen Berichterstattung, sondern die Auswirkungen in Österreich zunehmend im direkten Umfeld erfahrbar. So waren beispielsweise in nächster Nähe zum Hauptstandort der Fachhochschule des BFI Wien hunderte Menschen in einer provisorischen Massenunterkunft gestrandet, wo es selbst am Notwendigsten fehlte. Studierenden und Mitarbeiter/inne/n war es ein Anliegen, rasch einen positiven Beitrag zu leisten. Vor diesem Hintergrund wurde im Wintersemester 2015/16 die Social Week mit dem Titel „Flüchtlinge in Österreich: lokale Lösungen für eine globale Herausforderung“ an der Fachhochschule des BFI Wien ins Leben gerufen. Dabei stand die Symbiose von sozialem Engagement mit problem- und projektbasiertem Lernen im Fokus.

 

2. Zielsetzungen

Wichtige Zielsetzungen der Social Week sind einerseits die Übernahme sozialer Verantwortung durch Milderung unmittelbarer Not von Flüchtlingen und andererseits das Vermitteln von Schlüsselkompetenzen an Studierende im Rahmen einer innovativen Lernerfahrung. Die definierten Ziele werden durch den Einsatz kooperativer Lern- und Lehrformen innerhalb der Hochschule bestmöglich erreicht. Das Lernumfeld der Social Week fördert den Austausch der Studierenden und Lehrenden in einem praxisbezogenen, sozialen und interkulturellen Kontext. Eine hohe Diversität der Teilnehmenden ist für diesen Austausch extrem wichtig und wird durch 58 Studierende aus 6 Bachelor- und 2 Masterstudiengängen gewährleistet. Somit kann jede Studentin und jeder Student ihre beziehungsweise seine studiengangsbezogenen Kernkompetenzen in das Lernumfeld einbringen und auf diese Weise dazu beitragen, dass Teilnehmer/innen ein möglichst breites Spektrum an Schlüsselkompetenzen erfahren und erwerben. Als praktisches Beispiel seien Sachkompetenzen im Bereich Lageroptimierung genannt, welche durch Studierende des Studiengangs Logistik- und Transportmanagement in die Gruppe getragen wurden und im Rahmen der Hilfeleistung im Lager einer Hilfseinrichtung gemeinsam praktisch angewandt werden konnten.

 

(In der Zusammenfassung zur Einreichung wird das kooperative Lehr- und Lernumfeld auch grafisch veranschaulicht. Siehe hochgeladenes Dokument.)

Kurzzusammenfassung

Die im Wintersemester 2015/16 erstmals veranstaltete Social Week wurde als geschlossener Lernzyklus konzipiert, d.h. die Lehrveranstaltung umfasste Grundlagenerwerb, praktisches Anwenden und anschließende Reflexion. Die Studierenden konnten dabei zunächst ihre eigenen studiengangsspezifischen Kernkompetenzen vor dem Hintergrund der konkreten Aufgabenstellung evaluieren. Aus der anschließenden Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten externen Personen und Partnerorganisationen sowie vor dem Hintergrund studiengangsübergreifender Teams fand dann ein Austausch von Sichtweisen statt, welcher letztlich in einem Erwerb umfassender Schlüsselkompetenzen münden sollte. Die vorgelegten Reflexionsberichte von insgesamt 58 Studierenden aus acht unterschiedlichen Studiengängen dokumentieren über 1500 geleistete Personenstunden im Zusammenhang mit Projekten rund um die Flüchtlingssituation in Österreich und verdeutlichen die wahrgenommene Sozialverantwortung.

Nähere Beschreibung

Die Motive und Zielsetzungen wurden im Rahmen dieser Einreichung (unter dem Punkt "Ziele/Motive/Ausgangslage" in dieser Eingabemaske) bereits beschrieben. Daher konzentriert sich die Darstellung an dieser Stelle auf die konkrete Umsetzung sowie die erzielten Ergebnisse.

 

1. Umsetzung

Der geschlossene Lernzyklus – vom Grundlagenerwerb, über praktisches Anwenden, bis zum Reflektieren – konnte im Rahmen der Social Week vollständig durchlaufen werden. Eingangs wurden Fachvorträge und Diskussionen geboten, wo Expert/inn/en unterschiedlicher Hilfsorganisationen (Arbeiter-Samariter-Bund, Caritas, Integrationshaus, Train of Hope) und Migrant/inn/en Wissen aus erster Hand vermittelten. Darauf folgte die Phase der praktischen Hilfeleistung für Flüchtlinge, welche durch die Teilnehmer/innen eigenverantwortlich geplant und durchgeführt wurde. Zur Dokumentation diente ein Tätigkeitsbericht. Flüchtlinge erhielten praktische Hilfeleistung zur Linderung ihrer unmittelbaren Not, indem Teilnehmer/innen Aktivitäten von Hilfsorganisationen unterstützten sowie selbstorganisierte Aktionen durchführten. Konkret bedeutete dies Spenden annehmen und -sortieren, kochen, Essen ausgeben, Kleidung verteilen, Deutschunterricht geben, Freizeitgestaltung und Kinderbetreuung anbieten, Transporte durchführen, bei Amtswegen unterstützen und vieles mehr. Die Erfahrungen wurden zunächst durch das Verfassen von Reflexionsberichten individuell reflektiert. Abschließend fanden Workshops zur gemeinsamen Reflexion der Hilfseinsätze statt, um das Erlebte zu verarbeiten und Lernergebnisse nachhaltig zu verinnerlichen.

 

2. Ergebnisse

Am Ende waren es nicht weniger als 1581 Stunden Hilfe für Menschen in Not, welche Studierende der Fachhochschule des BFI Wien durch ihr soziales Engagement geleistet haben. Am kooperativen Lernumfeld haben 58 Studierende aus den nachfolgenden acht Bachelor- und Masterstudiengängen teilgenommen:

 

- BA Bank- und Finanzwirtschaft (1 Studentin)

- BA Europäische Wirtschaft und Unternehmensführung (16 Student/inn/en)

- MA Europäische Wirtschaft und Unternehmensführung (1 Studentin)

- BA Film-, TV- und Medienproduktion (1 Student)

- BA Logistik und Transportmanagement (22 Student/inn/en)

- MA Logistik und Transportmanagement (4 Student/inn/en),

- BA Projektmanagement und IT (12 Student/inn/en),

- BA Technisches Vertriebsmanagement (1 Student)

 

Auf Seite der hauptberuflich Lehrenden kooperierten zwei Studiengänge (Logistik und Transportmanagement sowie Europäische Wirtschaft und Unternehmensführung).

 

Durch den studiengangsübergreifenden Austausch, das praxisbezogene Setting und den sozialen sowie interkulturellen Kontext konnten umfassende Schlüsselkompetenzen vermittelt werden. Dabei wurden die nachfolgenden Schlüsselkompetenzen im Speziellen adressiert.

 

- Selbstkompetenz: Selbstmotivation und -organisation, Umgang mit neuen Herausforderungen

- Sachkompetenz: Prozessmanagement, Projektmanagement, Fremdsprache, Logistik

- Sozialkompetenz: Teamarbeit, Interkulturelle Interaktion

- Gesellschaftliche Kompetenz: Kultur, Ethik

 

Der Lernerfolg und die Zufriedenheit der Teilnehmer/innen wurden durch das Feedback in den Reflexionsberichten deutlich belegt. Exemplarisch werden nachfolgend einige Auszüge angeführt:

 

„Mein Resümee ist, dass sich jeder selbst ein Bild von der Flüchtlingskrise machen sollte indem man mit Flüchtlingen redet, arbeitet oder sich in irgendeiner Art und Form mit ihnen beschäftigt, bevor man die Situation zu generalisieren beginnt.“

 

„Abgesehen von neue Kulturen und Sprachen habe ich gelernt, wie einfach uns eine solche Krise passieren hätte können.“

 

„Profitiert habe ich davon neue Dinge, Einstellungen und Menschen kennen gelernt zu haben. Somit haben sich viele neue Perspektiven eröffnet und ich hoffe so die Neuankömmlinge besser verstehen zu können. Ich denke, wenn man etwas Neues kennen lernt ist man weniger skeptisch und Angstmache hat weniger Angriffsfläche.“

 

„Ach ja, und eines habe ich auch noch gelernt, dass ich nach außen hin viel Stärker[!] bin als ich dachte. Denn vor Ort, war ich komplett ich selbst, habe geholfen wo ich konnte, war die ganze Zeit freundlich und lächelte, wie immer. Doch am ersten Abend als ich völlig müde zuhause ankam, mich ins Bett legte und über diesen ersten Tag nachdachte, liefen mir die Tränen hinunter, weil mir diese Menschen so leidtaten, und ich dieses Lachen der Kinder vom ersten Moment an in mein Herz geschlossen habe.“

 

„Wir haben sehr viel im Bereich der Organisation, Koordination und Teamarbeit lernen können aber auch, dass man mit Leuten reden muss.“

 

„Am Ende noch ein großes Dankeschön an die FH und die InitiatorInnen der Social Week, die uns motiviert haben und mit Rat und Tat zur Seite standen! Ich hoffe dass Sie noch viele weitere solcher Social Weeks veranstalten!“

 

Auch für die Lehrenden war die erste Social Week eine großartige Möglichkeit studiengangsübergreifend Studierende außerhalb des gewohnten Umfelds zu begleiten, womit wertvolle Erfahrungen für die weitere Gestaltung der eigenen Lehre gewonnen werden konnten. Es kann festgehalten werden, dass die Fachhochschule des BFI Wien nicht nur ihren kleinen Beitrag angesichts der Flüchtlingssituation geleistet hat, sondern auch ihre Lehre durch die Social Week bereichern konnte und darauf basierend weiterentwickeln wird.

Positionierung des Lehrangebots

Studiengangs- und Studiensemesterübergreifendes Angebot, welches Studierenden aus allen 13 Bachelor- und Masterprogrammen offenstand

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 nominiert.