Lehrveranstaltung „Wissenschaftliches Arbeiten“

Umgesetztes Projekt

Ziele

An der FHWien der WKW wird unter anderem der wirtschaftswissenschaftliche Bachelorstudiengang Personalmanagement angeboten. Studierende studieren hier entweder berufsbegleitend oder in Vollzeit. Ausgerichtet an den Anforderungen der Berufspraxis bildet der Studiengang ExpertInnen aus, die vor allem in den Berufsfeldern der Organisation und des Personalwesend tätig werden können, in denen fachliche und leitende Aufgaben zu bewältigen sind. Die Schwerpunkte des Studiums liegen in den Bereichen betriebswirtschaftliche Grundlagen, Personalmanagement, Personalentwicklung, Training und Arbeitsrecht, und auch im wissenschaftlichen Arbeiten. Laut aktuellem Studienplan hat die Lehrveranstaltung „Wissenschaftliches Arbeiten“ 3 ECTS und umfasst 36 Lehreinheiten.

 

Um die Studierenden gleich zu Beginn mit den Anforderungen eines akademischen Studiums vertraut zu machen, um sie für die Notwendigkeit wissenschaftlicher Form- und Stilkriterien zu sensibilisieren und um grundlegende Techniken der Erarbeitung wissenschaftlicher Texte einzuüben, wurde nun mit dem WS2015/16 ein neues, sehr innovatives didaktisches Konzept in der Lehrveranstaltung „Wissenschaftliches Arbeiten“ implementiert. Bisherige Lehrkonzepte haben am Regelwerk eines wissenschaftlichen Schreibens angesetzt. Dieser Fokus hat unserer Erfahrung nach dazu geführt, dass Studierende das wissenschaftliche Schreiben als wenig lustvoll begriffen haben und es ihnen schwer viel mit dem Arbeiten anzufangen. Das Lehrveranstaltungskonzept wurde daher grundlegend überarbeitet. Ziel dieser neugestalteten Lehrveranstaltung ist es, die sehr heterogene Gruppe von Studierenden von dort abzuholen, wo sie zu Beginn ihres Studiums stehen, und sie effektiv auf das Verfassen wissenschaftlicher Texte vorzubereiten. „Effektiv“ heißt hier, dass Bachelorstudierenden nicht nur theoretisch darüber Bescheid wissen, wie eine fertig geschriebene akademische Qualifikationsarbeit auszusehen hat. Mit „effektiv“ wird darüber hinaus auch angestrebt, dass sie „prozesskompetent“ sind, d.h., dass sie gut in ihr Arbeiten hineinkommen und wissen, wie sie Schritt-für-Schritt vorzugehen haben. Studierende sollen auch dazu befähigt werden, mit hinderlichen Momenten kompetent umgehen zu können, z.B. mit Konzentrationsstörungen, Schreibblockaden und Phasen der Demotivation.

 

Dieses neuartige Lehrkonzept ist bisher einzigartig im Hochschulsektor. Auf eine sehr innovative Art und Weise kommen neue Lehrmethoden zum Einsatz, die zum Teil von der Lehrenden selbst entwickelt wurden und die bei anderen Lehrenden bereits international Resonanz finden. Studierende profitieren von Lernergebnissen auf drei Ebenen: auf der fachlich-sachlichen Ebene, auf einer affektiv-persönlichen Ebene und auf einer anwendungsbezogen-technischen Ebene. Sie

werden zielführend auf die Praxis vorbereitet in der sie dazu angehalten sind das eigene Wissen auch nachhaltig in ein praktisches Tun zu überführen. Mit dieser Lehrveranstaltung wird bei Studierenden im ersten Semester der Grundstein dafür gelegt, dass sie sich der Bedeutung der, für das wissenschaftliche Arbeiten zentralen Kompetenzen, bewusst werden und sie in den folgenden Semestern dann ausbauen oder festigen. Mit diesem Wissen im Hinterkopf können Studierende alle weiteren wissenschaftlichen Schreibprojekte im Studium angehen: Seminararbeiten, Forschungsberichte und Bachelorarbeiten. Gleichzeitig setzt diese Lehrveranstaltung aber auch an der Compliance der Studierenden an. Es wird vermittelt, dass das wissenschaftliche Denken und Schreiben nicht „fremd“, „starr“, „schwer“ und „grau“ sein muss, gängige Negativcharakterisierungen, sondern auch „nah“, „bekannt“, „spannend“ und „bunt“ sein darf.

 

Dieses kam bisher in zwei Jahrgängen, einmal mit einer Gruppe von erstsemestrig berufsbegleitenden Studierenden und einmal mit einer Gruppe von erstsemestrigen Vollzeitstudierenden, zur Anwendung. Über das parallele Abhalten dieser Lehrveranstaltung in zwei Jahrgängen konnten die Rückmeldungen aus der ersten Gruppe gleich in der Gestaltung der Lehre der zweiten Gruppe berücksichtigt werden. Das hier vorgestellte didaktische Konzept hat damit nun zwei Testläufe durchwandert, bei denen es auf Basis von Rückmeldungen kontinuierlich optimiert wurde. Es wird in der hier beschriebenen Form, dann wahrscheinlich auch noch mit einigen weiteren blended learning Komponenten angereichert, das nächste Mal im WS 2016/17 in der Lehre umgesetzt werden.

Kurzzusammenfassung

Studierende gruseln sich nicht selten vor der PflichtLV „wissenschaftliches Arbeiten“. Viele assoziieren damit erfahrungsgemäß eine Fadesse und fühlen sich gleichzeitig überfordert. Über jedem Nachdenken, Forschen und Schreiben scheint das Damoklesschwert von „Falsch und Richtig“ zu hängen. Ein Schwert das gnadenlos auf diejenigen niedersaust, so die Vorstellung der Studierenden, die sich nicht ausreichend an „die Regeln“ gehalten haben. Einfach mal draufloszulaufen erscheint beim wissenschaftlichen Arbeiten unmöglich. Als zu „übermächtig“ und „zu fremd“ werden wissenschaftliche Texte hier oft wahrgenommen. Der Prozess wird hier meistens nicht gesehen. Und genau beim Transparentmachen dieses Prozesses setzt dieses neue LV-Konzept an. Ein geschützter Rahmen wird geschaffen, in dem ein Ausprobieren nachdrücklich erwünscht ist. In dieser LV wird Studierenden vermittelt, dass wissenschaftliches Arbeiten Freude machen kann und darf; dass der Forschungs- und Schreibprozess auch als etwas Lustvolles und Kreatives wahrgenommen werden kann. Ein „Refraiming“ findet statt und so meldet eine Studierende zurück: „Ein Wunder, dass man, wissenschaftliches Arbeiten‘ im Großen und Ganzen, als kreatives Fach ansehen konnte“. Studierende erarbeiten zuerst einen Rohtext; Angeleitet von Systematik und Strukturiertheit denken, forschen und schreiben sie kreativ. Später werden die Regeln wissenschaftlichen Schreibens, im Kontext der Textüberarbeitung, sukzessive eingeführt.

Nähere Beschreibung

Da Studierende im Rahmen dieser Lehrveranstaltung auf ihr Schreiben im Studium vorbereitet und zum Schreiben animiert werden sollen, verzichtet diese LV während der Präsenzzeit vollkommen auf digitale Lehr- und Lernmittel. Es gibt keine PowerPoint-Inputs. Während die Lehrende die Flipcharts und das Whiteboard dazu nutzt, um Input aufzubereiten und visuell zu verankern, machen sich die Studierenden ausschließlich handschriftliche Notizen dazu.

Das Schnelle-sich-Notizenmachen und das Mit-der-Hand-schreiben übt nicht nur wichtige Schreibfertigkeiten, es fördert auch die gedankliche Auseinandersetzung mit dem so Niedergeschriebenen, wie die Schreibpsychologie bestätigt. Darüber hinaus schafft ein analoges Umfeld auch eine entspannte Atmosphäre – es „entschleunigt“ Studierende wie Lehrende gleichermaßen.

Damit Studierenden klar wird, dass jedeR wissenschaftlich schreiben kann, dass wissenschaftliches Schreiben ein knallhartes Handwerk ist, werden die Prinzipien wissenschaftlichen Arbeitens anhand vollkommen atypischer Themenstellungen erklärt. Bachelorstudierende im ersten Semester steigen in diese LV oft ohne jedwede Fachkenntnisse ein. Diese erwerben sie erst langsam in den gleichzeitig oder erst im Anschluss stattfindenden LVs. Je nach Stand des fachbezogenen Wissens bearbeiten die Studierenden in dieser LV die Themen, die sie persönlich interessieren. Manche wählen hier bereits ein personalbezogenes Thema, andere fokussieren auf das „gesunde Frühstück“ oder ihre nächste Urlaubsreise. Darüber, dass die Studierenden in Folge dann dieses Thema wissenschaftlich untersuchen und darüber einen wissenschaftlichen Text schreiben, wird ihnen klar gemacht, dass nicht die Komplexität des Themas das ausschlaggebende Kriterium für Wissenschaftlichkeit ist, sondern die Erarbeitung des Themas (konzeptionell, forscherisch und textlich).

Damit wissenschaftliche Texte nicht als zu ambitioniert wahrgenommen werden, steht der Prozesscharakter der Erarbeitung eines wissenschaftlichen Textes im Vordergrund dieses Lehrkonzeptes. Studierende werden dadurch davor geschützt, dass sie sich zu schnell überfordert fühlen. Gerade SchreibanfängerInnen ist oftmals nicht klar, dass die Texte, die sie in publizierter Form lesen, Texte sind, die bereits zahlreiche Überarbeitungsschleifen durchlaufen haben. In dieser Lehrveranstaltung wird immer wieder betont, dass Texte sehr lange nur „work-in-progress“ sind.

Damit sich Studierende auch daheim in Stresssituationen selber zu helfen wissen, wird zu jedem LV Termin eine Entspannungsübung angeleitet bei der die Studierenden mitmachen können. Alle Studierenden erhalten eine Anleitung der im Unterricht ausprobierten Entspannungsübung für ein späteres Selberdurchführen. Zu den bisher in der Lehre angebotenen Entspannungsübungen zählen: Gesichtsmassage, Achtsamkeitsübung, Akupressur, Progressive Relaxion und Visualisierung. Studierende erfahren damit eine wichtige Hilfe zur Selbsthilfe.

In diesem Lehrkonzept greifen vier didaktische Phasen ineinander. Studierende haben (1) Selbstlesephasen, zur Vorbereitung der Sachinhalte der Präsenzzeit, (2) Präsenzzeiten, zur Vertiefung der Sachinhalte, (3) Selbstlernphasen, zur Ausarbeitung von Aufgaben und (4) Abgaben, zur Vorbereitung der jeweils nächsten Präsenzzeit. Dieses Phasenkonzept ermöglicht Lehrenden zu prüfen, ob Studierende den Prozess Schritt-für-Schritt mitgehen und Studierende werden dazu angehalten, tatsächlich einen Prozess zu sehen und zu durchlaufen. Und da die Ausarbeitung von Aufgaben nach Kriterien erfolgt, sind Studierende prinzipiell dazu in der Lage, zu jedem Zeitpunkt wieder in die Präsenzlehre einzusteigen, sollten sie einmal gefehlt haben.

Zur Vorbereitung der Präsenzzeiten haben Studierende Teile aus einem eigens für diese LV gestalteten Skriptum zu lesen. In diesem Skriptum finden sich vertiefende Inhalte zu dem, was in der Präsenzlehre durchgenommen werden kann. Die Abbildungen sind fast alle handgezeichnet, um auch hier einem zu großen Perfektionismus gegenzusteuern. Fragen dazu können vertiefend während der Präsenzzeit geklärt werden.

In der Konzeption der Präsenzzeit wird streng zwischen einer anfänglichen Kreativitätsphase und einer Überarbeitungsphase getrennt. Von der Idee bis zum Rohtext braucht es Freiraum, Lust am Denken und am Fabulieren und Farbe. In diesen ersten Lehrveranstaltungen sind Studierende dazu angehalten, Kreativität (wieder) zuzulassen. Mindwritings und Freewritings werden gemeinsam mit Studierenden durchgeführt. Diese Texte dienen als Brücken- und Sprungbretter in spätere akademische Texte und als Schreibflussbereiter. Auch kreative Schreibübungen werden angeleitet und durchgeführt. Alles was in ein Schreiben hineinführt, öffnet auch die Bereitschaft wissenschaftliche Texte zu schreiben. Mit Beginn der Überarbeitungsphase werden die Lehrveranstaltungen auch vom Unterrichtsklima „formeller“: Es wird weniger mit Farben und mehr mit Übungsblättern gearbeitet.

Zu den Kreativitätstechniken, die während der Präsenzzeit zum Einsatz kommen, zählen die „Gerüchteküche“ für das Ausweisen von Quellen und die „Wissenschaftifizierung“ von z.B. Werbetexten sowie Methoden, die von der Lehrenden selber entwickelt wurden. So wird dann, wenn es im Unterreicht um Strukturfragen geht, mit Legosteinen gearbeitet. Sämtliche Themen mit Bezug auf eine strukturelle Überarbeitung von Texten, beispielsweise die Reihung von Themen, die Gestaltung von Absätzen, die Präsentation von Argumenten, können anhand der Lego-Metapher plastisch dargestellt werden. Nach einer Phase der Demonstration durch die Lehrenden, folgt eine Phase, in der Studierende nach konkreten Aufgabenstellungen Kapitel „bauen.“ Dafür gibt es bereits vorbereitete Säckchen mit Legosteinen, die an Studierende ausgeteilt werden.

Bei der „Textsorten Aufstellung“ lesen sich Studierende erst in die inhaltlichen und formalen Anforderungen an die Textsorte „Bachelorarbeit-Theoriearbeit“ ein und schlüpfen dann in vorbereitete Rollen z.B.: Fußnoten, Kapitel der ersten, zweiten und dritten Gliederungsebene oder Textbestandteile wie Verzeichnisse, Anhänge und Abstract. Mit diesen Rollen lassen sich jetzt viele Aufgabenstellungen visuell eindringlich erteilen, z.B.: kann man die Kapitel in der Reihenfolge ihres Erscheinens in einer Bachelorarbeit 1 hinstellen lassen; können alle Kapitel erklären, wer sie sind und warum sie genau an dieser Stelle wichtig für die Gesamtarbeit sind; kann man die Kapitel fragen, ob in ihnen Zitate vorkommen und wenn ja welche Art und wie viele in etwa usw. Diese Methode wird eingesetzt, wenn in der Präsenzlehre die „Gliederung“ im Unterricht durchgenommen wird.

Die „Familienbildung mit Textsorten“ wird eingesetzt, wenn es um die Literatur geht. Studierende bekommen hier stapelweise Texte in die Lehrveranstaltung mitgebracht: Zeitschriften, Zeitungen, ausgedruckte Artikel, Broschüren, Bücher usw. Inhaltlich reicht das Spektrum dieser „begreifbaren“ Texte von Klatschzeitschriften und Werbepostwurfsendungen, über Belletristik und Ratgeberliteratur bis hin zu Fachjournalartikeln und Fachbeiträgen in Herausgeberpublikationen. Nach einem Input zu den einzelnen Textsorten, schätzen die Studierenden den wissenschaftlichen Nutzen dieser hier ausgestellten Texte ein. Sind sie qualitätsgeprüft, peer reviewed und gut dafür geeignet um wichtige Annahmen darauf Fußen zu lassen, müssen diese Texte überprüft und kontextualisiert werden oder sind sie nur als Datensatz zu gebrauchen? Alle Texte werden drei Stapeln zugeordnet. Die so vorgenommene Zuordnung wird seitens der Lehrenden überprüft ggf. korrigiert und vor allem diskutiert. Studierende können sehen was die jeweils verbindenden Elemente der verschiedenen Texte innerhalb einer Familie sind und woran die Familie an sich erkannt werden kann. Auch in Folge werden Texte (Bücher, Zeitschriftenartikel…) immer wieder in die Lehre mitgebracht, damit Studierende die Textsorten begreifen und einordnen können (Wozu zu verwenden? Wie als Quelle zu belegen?).

Damit Studierende den theoretischen Input anhand eines eigenen Arbeitsauftrages sinnvoll nachvollziehen können haben sie zehn Aufgaben zu erfüllen: (1) eine Forschungsfrage zu entwickeln, (2) eine Gesamtgliederungsübersicht erstellen, (3) Recherche von Literatur zu einem Themenabschnitt aus dieser Gesamtgliederung durchführen, (4) auswerten der Literatur und Schreiben eines Rohtextes, (5) inhaltliche Überarbeitung des Textes, (6) strukturelle Überarbeitung des Textes, (7) sprachliche Überarbeitung des Textes, (8) formale Überarbeitung des Textes, (9) einholen von Feedback und Reflexion dieses Prozesses und (10) eine finale Überarbeitung des Textes unter Berücksichtigung des Feedbacks. Der Text, der hier erarbeitet wird, ist variabel. In diesem Lehrveranstaltungskonzept ist nur ein kleiner Themenausschnitt im Umfang eines Mini-Kapitels von 1 bis maximal 2 Seiten vorgesehen. Dieser kleine Themenblock soll aber sinnvoll in einem Gesamtthema verankert werden, deswegen erstellen Studierende auch die Gesamtgliederungsübersicht und arbeiten mit einer übergeordneten Forschungsfrage. Bisher erfolgte die Abgabe der Aufgabe gleich im Anschluss an die Ausarbeitung. In Zukunft ist angedacht, hier vielleicht eine zusätzliche Peer-Feedbackschleife über Moodle, im Sinne eines noch verstärkten blended-learnings, einzubauen.

Eine Steuerung und Messung der Lernergebnisse erfolgt mit den folgenden drei Instrumenten: (1) einem fachspezifischen Glossar, (2) einem Schritt-für-Schritt erarbeiteten wissenschaftlichen Text, (3) einer schriftlichen Prüfung. In Summe können Studierende 100 Punkte erreichen wobei 55 Punkte in der schriftlichen Prüfung erlangt werden können, 5 Punkte für die Angabe des fachspezifischen Glossars und 40 Punkte für die Abgabe der laut Aufgabenstellung ausgearbeiteten Aufgaben.

In der Konzeption dieser Lehrveranstaltung wurde auf zwei diversitybezogene Dimensionen Rücksicht genommen: Sprachkenntnisse und Lerntypen. Über die bewusst definierte Textüberarbeitungsphase „sprachliche Überarbeitung“, wird bei Studierenden die nicht Deutsch als Muttersprache gelernt haben, der Druck aus dem Textschreiben hinausgenommen. Sie können sich mit einer größeren Entspanntheit auf den Schreibprozess einlassen. In der schriftlichen Prüfung finden sich für diese Gruppe von Studierenden weiters eine Reihe von Multiple Choice Fragen wieder, wo Sachkenntnisse im Vordergrund stehen und nicht der sprachliche Ausdruck. Und, da zu einem ganzheitlichen Lernen eine Darbietung des zu Lernendens über verschiedene Wahrnehmungskanäle erfolgt, werden Sachinhalte in der Präsenzlehre vielfältig vermittelt. Studierende sehen Inhalte über die Ausarbeitung von Flipcharts und die Darstellungen am Whiteboard; sie hören Inhalte über den Vortrag der Lehrenden; sie durchdenken Inhalte über die schriftliche Auseinandersetzung im Rahmen der Mindwritings und die Bearbeitung von Übungsaufgaben; und sie nehmen Inhalte haptisch auf über die Integration von Kreativitätstechniken, bei denen sie Objekte (Lego, Texte) und Personen (Aufstellungen) im wahrsten Sinne des Wortes „begreifen“ können. Was Genderaspekte anbelangen so wird im Rahmen der Präsenzlehre konsequent auf die Verwendung einer gendergerechten Sprache geachtet. So lernen die Studierenden am Vorbild der Vortragenden.

Es hat sich gezeigt, dass dieses Lehrveranstaltungskonzept stark polarisiert. Manche Studierende fühlen sich sehr zu einer solchen Art des Unterrichtens hingezogen und andere fühlen sich eher abgestoßen. Hier hat sich gezeigt, dass diese neue Art des Unterrichtens mit der Konzentrierung auf Studierende als Menschen und als Schreibende, vor allem bei denjenigen kritisch bewertet wird, die hier noch in einem gängigen Produkt- und Leistungsdenken verhaftet sind. Dieser Fokus auf das Gelingen eines Prozesses wirkt hier scheinbar „mühsam“ und „umständlich“. Für viele Studierende ist aber genau dieses Prozessbewusstsein ganz wichtig. Weiters braucht es für diese Art der Lehre Studierende, die sich auch auf Neues einlassen (können/wollen). Für manche scheint dies eine unüberwindbare Hürde darzustellen. Bei dieser Art des Unterrichtens müssen Lehrende aufpassen, dass Sie die Methoden gut begründet einführen. Alles was „zu einfach“ und „zu bunt“ ist, kann hier schnell einmal in die Ecke „Kindergarten“ geschoben werden. Und gerade StudienanfängerInnen wollen in ihrem (neuen) Status ernstgenommen werden. Der Nutzen überwiegt aber bei weitem da diese Lehre effektiv ist. Genauso werden wissenschaftliche (Schreib-) Kompetenzen am besten, in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit, vermittelt. Vor allen diejenigen haben von diesem didaktischen Konzept profitiert, die wirklich noch über wenig Vorwissen verfügt haben. Hier hat sich auch an den abgegebenen Texten, den Glossaren und der Gesamtprüfungsleistung gezeigt, dass die Studierenden in der Mehrzahl auf einem sehr hohen Niveau am Ende der Lehrveranstaltung angekommen sind.

Positionierung des Lehrangebots

Pflichtlehrveranstaltung im Bachelorstudium (Vollzeit und berufsbegleitend), 1. Semester

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 in der Kategorie Lehr- und Prüfungsformen bei Einführungsveranstaltungen nominiert.