Much Ado About Everything: Shakespearean Comedy

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

William Shakespeare war zu seiner Zeit kaum der Titan der Weltliteratur, als der er heute gesehen wird; ebenso waren seine Dramen nicht Texte, die zum Lesen (und Studieren) im stillen Kämmerchen gedacht waren. Vielmehr war er einer von mehreren Schriftstellern, die die noch relativ neue, pulsierende Theaterszene Londons mit Material belieferten; und seine Stücke waren zur Aufführung vorgesehen, zur Unterhaltung der Massen in den neu entstanden Playhouses, vergleichbar mit den Soap Operas der heutigen Fernsehunterhaltung. Aus diesem - auch in der Forschung immer zentraler werdenden - Blickwinkel sollten vier Komödien Shakespeares mit einem Fokus auf die Aufführung(spraxis) aus unterschiedlichen Schaffensperioden erarbeitet werden. Um das Erleben der Texte aktiv möglich zu machen, wurde ein Dramenworkshop zentral in das Proseminar integriert, im Rahmen dessen sich die Studierenden das oftmals als schwierig wahrgenommene Textmaterial Shakespeares aneignen konnten.

Beschreibung

Im Rahmen des literaturwissenschaftlichen Proseminars Much Ado About Everything: Shakespearean Comedy im WS 2015/16 sollten die oftmals als schwer zugänglich empfundenen Dramen William Shakespeares für die Studierenden (be)greifbarer gemacht werden. Die Ausgangsidee war – neben einer wissenschaftlichen Beschäftigung mit den Stücken – die Texte in ihrem ursprünglichen Umfeld, dem Theater, im Sinne eines dialogischen Austauschs erfahrbar zu machen und zwar unter aktiver Teilnahme der Studierenden.

Dazu wurde ein Theaterworkshop in den Kurs integriert, der die Studierenden bewusst aus dem Lernumfeld Universität herausnehmen sollte und daher in einem Theater stattfand. Für das Konzipieren der Drama-Aktivitäten konnten ExpertInnen gewonnen werden, die auch den Workshop mitgestalteten. In vier Gruppen wurden ausgewählte Szenen aus The Taming of the Shrew, The Merchant of Venice, Much Ado About Nothing und A Midsummer Night’s Dream erarbeitet. Durch das Agieren im und mit dem Text in Form von Tableaux Vivants, Marionettenspiel und tatsächlicher szenischer Aufführung wurde der Witz und die Situationskomik, die reiche Sprache und die Dramatik und dadurch eben auch die vielschichtige Komik erlebbarer und verständlicher – und im Sinne elisabethanischer Theaterstücke greifbarer. Die Akteurs-Perspektive, die die Studierenden im Rahmen des Workshops einnehmen konnten, schlug sich dann auch in ihren Themenvorschlägen für die wissenschaftliche Aufarbeitung der Dramen nieder.

Ziel des literaturwissenschaftlichen Proseminars, Much Ado About Everything: Shakespearean Comedy (WS 2015/16) sollte nicht nur eine wissenschaftliche Erarbeitung von vier Komödie William Shakespeares sein, sondern ein Agieren mit und in den Texten, eine gezielte Verknüpfung von Theorie und Praxis. Damit sollte die spezifische Rolle dieser Theaterstücke im Rahmen der englischsprachigen (und europäischen) Kultur begreifbarer und zugänglicher gemacht werden und ein zusätzlicher Brückenschlag zwischen Literatur- zur Kulturwissenschaft ermöglicht werden.

 

In den ersten vier Lehrveranstaltungseinheiten wurde seitens der LV-Leiterin eine Einführung zur Literatur- und Kulturgeschichte des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts, zur Bühnenpraxis im elisabethanischen England und zur Sprache Shakespeares gegeben. Gleichzeitig erfolgte die Lektüre der Dramen The Taming of the Shrew, The Merchant of Venice, Much Ado About Nothing und A Midsummer Night’s Dream seitens der Studierenden. Als Kernstück der Lehrveranstaltung wurde ein Workshop unter Mithilfe der ExpertInnen James McCallum, Senior Lecturer am Institut für Anglistik und Barbara Walder, stellvertretende Obfrau des Bogentheaters in Innsbruck, konzipiert. D.h. bevor sich die Studierenden im Rahmen ihrer Kurspräsentationen und Proseminararbeiten einem spezifischen Forschungsaspekt widmeten, sollten sie die Stücke als Theater im Theater (Bogentheater, Innsbruck) erfahren können.

 

Die Örtlichkeit war bewusst als Lernumfeld gewählt worden, da es die Theatererfahrung fraglos verstärken würde und durch die technischen Mittel einen zusätzlichen Anreiz beim Erarbeiten der Textpassagen bieten konnte. Die Studierenden waren im Vorfeld in vier Gruppen eingeteilt worden, wobei jede Gruppe für einen Text zuständig war. Sie hatten die Aufgabe erhalten, drei Sequenzen aus den jeweiligen Komödien auszusuchen und sich sowohl mit deren Inhalt als auch sprachliche Besonderheiten mithilfe des beigefügten Glossars vertraut zu machen.

 

Nach kurzen Aufwärmübungen und einem Besprechen des Ablaufs begannen die Studentinnen und Studenten mit der Vorbereitung zur ersten Aktivität – dem Darstellen einer der ausgewählten Szenen mithilfe der Freeze Frame Technik, und zwar in jeweils drei Einstellungen à 1 Minute. Nach einer angemessenen Vorbereitungszeit wurden die Standbilder dann auf der Bühne dargestellt, wobei ein Abblenden des Scheinwerferlichtes zwischen den einzelnen Einstellungen die Theatralik signifikant verstärkte und so dem Dargestellten eine zusätzliche Tiefenschärfe verlieh. Die Kolleginnen und Kollegen im Publikum mussten die dargestellte Szene identifizieren.

 

Als zweite Aktivität war ein Marionettenspiel eingeplant, wobei die Studierenden mithilfe einfachster Materialien ihre eigenen Puppen herstellten. Hinter einer Leinwand wurden die Szenen dann von den Studierenden gesprochen und mit den Puppen dargestellt. Es erwies sich gerade bei dieser Übung, wie viel von der Komik in Shakespeares Dramen erst in der tatsächlichen Aufführung zu Tage tritt – zumindest lassen sich die spontanen Reaktionen im Publikum in diese Richtung deuten, was auch in der abschließenden Feedback-Runde bestätigt wurde.

 

Zuletzt war noch eine szenische Aufführung der verbleibenden ausgewählten Textsequenz eingeplant. Die Studierenden erarbeiteten sich die Passagen mit Unterstützung der Theaterexpertin Barbara Walder, der Lehrveranstaltungsleiterin und James McCallum. Sie konnten dabei spontan auf den Fundus des Bogentheaters zurückgreifen und so, völlig im Sinne der elisabethanischen Theaterkonventionen, in einem Transfer theoretischen Wissens in die Praxis, ihre Szenen mit minimaler Ausstattung und unter Zuhilfenahme einiger weniger Requisiten auf die Bühne bringen. Auch hier erwies sich wieder, wie stark die Lesart der Stücke an eine tatsächliche Darstellung gebunden ist – sowohl in den romantischen, als auch in den lustigen und tragischen Momenten der jeweiligen Stücke.

 

Durch alle drei Aktivitäten, die eine langsame Annäherung an das tatsächliche Agieren auf der Bühne boten, wurde schließlich, und das war auch aus dem abschließenden Feedback der Studierenden deutlich zu erfahren, die reiche Sprache Shakespeares, der Inhalt der behandelten Stücke und eben auch die vielschichtige Komik erlebbarer und verständlicher. In einer respektvollen, dialogischen Atmosphäre konnte in Teams mit den Texten experimentiert werden, Zugänge ausprobiert und Risiken eingegangen werden, was in einer regulären Unterrichtssituation so nicht möglich gewesen wäre. Nicht zuletzt wiesen auch einige Studierende darauf hin, dass ihnen ein Einsatz der ausprobierten Drama Aktivitäten auch als zukünftige Lehrende in der Schulpraxis sinnvoll erscheinen würde.

 

Der Transfer von der Bühnenerfahrung zur wissenschaftlichen Arbeit spiegelte sich dann in den gewählten Themen für die eigene Forschungsarbeit der Studierenden wider, die in den Unterrichtseinheiten nach dem Workshop im Proseminar präsentiert wurden. So wurden zum Beispiel die Komödienkonventionen bei Shakespeare, die spezifische Aufführungstradition des Merchant of Venice, die Rolle der Boy Actors und die Bedeutung der Personalpronomen für das Verstehen der Figurenkonstellationen auf der Bühne untersucht – um nur einige zu nennen. Dadurch konnte die eigene (Bühnen-) Erfahrung mit den ausgewählten Komödien nicht nur direkt für die Forschungsarbeit nutzbar gemacht werden; auch die Fragen, welche die Studierenden an die Texte stellten, waren so aus ihrer eigenen Erfahrungswelt ableitbar geworden.

Positionierung des Lehrangebots

Bachelorstudium Anglistik und Amerikanistik (612): 3./4. Semester Lehramt „alt“ UF Englisch (344): 1. Studienabschnitt

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 nominiert.