Konsequente Umsetzung von „Constructive Alignment“ (in Anlehnung an John Biggs) in der Planung von Modulen und Lehrveranstaltungen

Konzept

Ziele

- Erhöhung des Bewusstseins für den Stellenwert der Prüfungsmodalitäten für die   Lernzielerreichung
- Konsequentere Abstimmung von Qualifikationsprofil, definierten Lernergebnissen, Lehrveranstaltungsdurchführung und Leistungsbeurteilung bereits im Rahmen der Curriculumsentwicklung
- Verbesserung der Instruktion und Koordination von (insbesondere nebenberuflich) Lehrenden

Beschreibung

An der FH CAMPUS 02 wurden neben anderen Maßnahmen verbindliche Planungsdokumente für die Modulplanung eingeführt, die im Rahmen der Studiengangsentwicklung (Erstentwicklung oder Weiterentwicklung im Rahmen der internen reviews) von den Entwicklungsteams zu verwenden sind.

Diese Vorlagen wurden dahingehend gestaltet, dass das didaktische Erfordernis der konsequenten Abstimmung der definierten Lernziele, Lernergebnisse, Lehr- und Lernarrangements sowie der Modalitäten der Leistungsbeurteilung (verstanden als Evaluierung der Lernergebnisse) („Constructive Alignment“) zwingend bewusst wird und tendenziell besser eingehalten wird. Im Zuge des internen Review-Prozesses findet vor Befassung des FH-Kollegiums auch eine vertiefte Auseinandersetzung mit diesen Modulplanungen durch eine Curriculumskommission statt, die unter anderem mit der Leitung des Qualitätsmanagements, einem Mitglied des FH-Rektorats, einer Studiengangsleitung sowie einem studentischen Mitglied besetzt ist. Insbesondere die möglichst detaillierte Planung der didaktisch auf die beabsichtigen Lernergebnisse abgestimmten Prüfungsmodalitäten erleichtert auch die für qualitätsvolle Lehre notwendige Koordination von nebenberuflich Lehrenden, die nicht alle über eine didaktische Zusatzausbildung verfügen.

Die Überprüfung von Lehrzielen:
Im tradierten Verständnis von Lehre steht bei Lehrenden oftmals der Lehrinhalt im Zentrum der Aufmerksamkeit: Die/Der Lehrende plant akribisch, welchen „Stoff“ sie/er „durchbringen“ muss, welche Lehrunterlagen sie/er verwenden wird, in welcher Literatur welche Inhalte am besten beschrieben sind, welche Fallstudien besonders geeignet sind etc. Am Ende des Moduls gilt es dann das Gelernte „abzuprüfen“.

Der Tatsache, dass die Art dieses „Abprüfens“ ganz zentral die Lerngewohnheiten, Lernarrangements und damit auch Lernergebniserreichung der Studierenden beeinflusst, wird dabei manchmal noch übersehen. Es herrscht die Vorstellung, wenn ich als Lehrende/r den Unterricht nur gut genug gestalte, werden die Lernziele auch erreicht. Das mag für jenen Teil der Studierenden gelten, der ausreichend intrinsisch motiviert ist und gleichsam nach Erlangung von Kompetenz „dürstet“. Dass die Hörerschaft aber nicht zwingend nur aus Studierenden mit dieser Motivationslage besteht, ist naheliegend.

Um in der Beschreibung von Qualifikationsprofilen und Kompetenzen von AbsolventInnen aber nicht nur diesen überaus motivierten Teil der Studierenden zu beschreiben, sondern redlicherweise auch eine/n durchschnittliche/n Studierenden noch zu erfassen, reichen die gute Performance der/des Lehrenden sowie gute Lehrangebote und –arrangements nicht aus. Jene Studierenden, denen es primär um das „Durchkommen“ geht, richten ihr Augenmerk ganz zentral auf die Erlangung von „Prüfungsbestehenskompetenz“. Das bedeutet, sie bereiten sich ganz zielgerichtet auf die Prüfung vor. Nicht die Erlangung der definierten Lernziele ist im Fokus, sondern das „Schaffen der Prüfung (bzw. Leistungsbeurteilung im weiteren Sinn)“. Es ist sehr naheliegend, dass auch diese Studierenden die Lernziele überwiegend nur dann erreichen werden, wenn die Art der Leistungsbeurteilung genau die Erreichung jener Lernziele voraussetzt, mithin genau jene Fähigkeiten überprüft, die erlernt werden sollen. Wenn also z.B. als Lernziel das Argumentieren einer getroffenen betriebswirtschaftlichen Entscheidung definiert ist, wird wohl eine multiple-choice-Frage zur Überprüfung der Kompetenz des Argumentierens eher ausscheiden. Hier wird zumindest ein Freitext oder eine mündliche Leistungsbeurteilung notwendig sein.

Vorlagen für Modulplanungen: Integration des Constructive Alignments
Diesem Gedanken folgend wurden an der FH CAMPUS 02 die Vorlagen für Modulplanungen überarbeitet: Es sind nun bereits im Rahmen der Studiengangsentwicklung und im Zuge der internen Reviews pro Modul und Lehrveranstaltung folgende Informationen im Rahmen des entsprechenden Planungsformulars anzugeben:

Auszüge aus der Ausfüllhilfe des Formulars:
• Umfassende Auflistung der in der Lehrveranstaltung verfolgten Lernziele (zugeordnet zu den angeführten Lehrinhalten) im Hinblick auf das adressierte Berufsfeld. Es ist auf eine handlungsorientierte Definition der Lernziele im Lichte der im Berufsfeld nötigen Kompetenzen zu achten. Dafür bieten sich die Taxonomie nach Bloom oder die SOLO-Taxonomie an. Kein brauchbares Lernziel kann es sein, etwas zu „kennen“ oder zu „verstehen“, weil damit keine Handlungskompetenz verbunden ist. Ein Lernziel muss immer so formuliert sein, dass seine Erreichung überprüft werden kann. Dies ist dann der Fall, wenn es sich durch eine Handlungsaufforderung ausdrücken lässt.
• Präzisierung der didaktischen Gestaltung durch Angabe der Sozialformen (Einzelunterricht, Gruppenarbeit etc.) und der didaktischen Methoden für den Präsenzunterricht (Vortrag, Gesprächsunterricht, Frageunterricht, Rollenspiel, Diskussion, Moderation, Gemeinsames Arbeiten an Fallbeispielen, etc.) sowie der Anteile selbstgesteuerten Lernens (Projektarbeit, Literaturrecherche, Hausarbeit, selbständiges Lösen von Fallbeispielen, Selbststudium, strukturierte Vor- und Nachbereitung der Präsenzeinheiten, Chats, Virtueller Hörsaal, webcasts, etc.).
• Bezeichnung der zur Anwendung kommenden Beurteilungsmethoden (Schriftliche Abschlussklausur, Zwischenklausur(en), online-tests, mündliche Abschlussprüfung, Seminararbeit, Hausarbeit, Präsentation, Referat, Projektarbeit, mündliche Mitarbeit, Fallstudienbearbeitung, Rollenspiel, etc.). Die Methoden der Leistungsbeurteilung müssen auf den beschriebenen Kompetenzerwerb bzw. die Lernziele der Lehrveranstaltung abgestimmt sein.