Kurs Personal im blended-learning Format

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Das didaktische Konzept

Die Universität und damit auch der Kurs Personal beruhen auf einem semivirtuellen Lernformat. Der virtuelle Lernanteil des Kurses findet auf einer auf Moodle basierenden Plattform statt.

Die Studierenden bearbeiten dort hinterlegte, kursspezifische Inhalte. Virtuelle didaktische Lernelemente (Lernvideos, Simulationen, Fallstudien, MC-Tests usw.) unterstützen dabei den Lernerfolg, der periodisch von beiden Seiten der Kanzel aus kontrolliert werden kann. Die Kommunikation mit den LehrveranstaltungsleiterInnen erfolgt über die Plattform und ist somit für alle Studierenden einsehbar. Es gibt wöchentliche Berichte zum Lernfortschritt.

Der virtuell stattfindende Lernprozess wird in drei je einwöchige Präsenzphasen pro Semester integriert. Darin vertiefen die Studierenden mit den DozentInnen die Entwicklung von Fach-, Schlüssel- und Sozialkompetenzen.

 

Basisannahmen

Die Studierenden werden mit dem Menschenbild der complex person betrachet, deren Lernfortschrittsgenerierung systemischer Methoden bedarf. Sie sind weder homines oeconomici, die ausschließlich auf die Minimierung des Einsatzes ausgerichtet sind, noch self-actualizing persons, die allein des Angebots Wegen sämtliche Angebote annehmen, die man ihnen unterbreitet. Daher braucht es eine didaktische Strategie, die ausgehend von einem Ziel und damit verknüpften Outcomes didaktische Elemente sinnvoll miteinander verknüpft und auch hinsichtlich der Benotung innovative Wege beschreitet.

 

Motivation

Univ.-Prof. Dr. Thomas M. Schneidhofer: "Als Universitätsprofessor möchte ich meine Lehrmethoden in einem breiteren Umfeld auf den Prüfstand stellen und die Erkenntnisse daraus für Verbesserung der Prozesse an der Universität aufzubereiten. Als Privatdozent ist mir die Verbindung von Forschung und Lehre einerseits sowie traditioneller und innovativer Lehr- und Lernmethoden andererseits ein besonderes Anliegen, doch wie gut mir das gelingt, ist maximal durch Evaluierungen zu approximieren. Zwar wurde mir bereits durch die Verleihung des young faculty awards der Wirtschaftsuniversität Wien, den ich für besondere Leistungen in der Nachwuchslehre erhalten habe (2008), eine gute Ausgangsbasis attestiert. Ob sich diese Entwicklung fortgesetzt hat, bleibt unklar.

Da ich den Hörsaal als Arena im Kampf um Erkenntnis verstehe, reichen traditionelle Lehrmethoden nicht aus, da die zu Beginn bestehende Wissensasymmetrie zwischen den LV-LeiterInnen und den Studierenden bei rein traditionellen Methoden im Weg steht und allzu oft eine interaktive Aufarbeitung des Stoffes verhindert. Ausschließlich virtuelle Lernformate wiederum ermöglichen kaum die Integration unterschiedlicher Wissensstände, zumal die meisten Angebote eine one-way-Digitalisierung implizieren: der Informationsfluss vollzieht sich unidirektional, entweder vom/n dem/der LV-LeiterIn zu den Studierenden oder (seltener) umgekehrt. Beide Seiten (traditionell und innovativ) ähneln somit den Schenkeln einer Triangel, die ohne eine Verbindung der beiden keinen nachhaltigen Klang erzeugt.

Im Sinne einer längerfristigen Hochschulentwicklung möchte ich meine Ergebnisse auch in die „Kompetenzentwicklung im Studienablauf“ einbringen. Durch die Weiterentwicklung des virtuellen Lernens, verbunden mit einer spezifischen online-Betreuung werden sich auch die Studienabbruchsquoten deutlich reduzieren lassen. An der Privatuniversität Schloss Seeburg liegt die aktuelle Abbruchsquote unter 3% im Bachelor und nahe Null im Master. Dies ist im Wesentlichen wohl auf das semi-virtuelle Lern-, Lehr- und Betreuungskonzept zurückzuführen."

 

 

Beschreibung

Im Einklang mit der Studienarchitektur der Privatuniversität Schloss Seeburg ist der Kurs im blended learning Design gestaltet. Virtuelle und präsenzbezogene Inhalte sollen einander ergänzen. Sowohl traditionelle als auch innovative Elemente sind somit in beiden Phasen sinnvoll.

Der virtuelle Teil des Kurses gliedert sich in 12 thematische Blöcke (sechs zu Human Resource Management, sechs zu Organizational Behaviour), der neben den Kursmaterialien und der Basisliteratur auch weiterführende Literatur, hilfreiche Links und Videos umfasst. Des Weiteren findet sich die Aufgabenstellung zur Absolvierung der studienbezogenen Leistungsnachweise. Diese umfasst jeweils 10 Fragen zu jedem thematischen Block und ist im Multiple-Choice-Format oder in Form der Bearbeitung einer Fallstudie gestaltet. Damit die Studierenden wirklich kontinuierlich lernen (und nicht den Lehrstoff vor der Prüfung gesammelt erarbeiten) wird jede Überprüfung einzeln und sequentiell freigeschalten und nach drei Wochen wieder geschlossen. D.h., die Studierenden haben drei Wochen Zeit, ein bestimmtes Thema zu erarbeiten und den diesbezüglichen Test zu absolvieren. Zur Veranschaulichung des Lernfortschritts wird wöchentlich das Punktekonto veröffentlicht. Ähnlich einem Notenbuch erlaubt das Punktekonto das kontinuierliche Monitoring des Lernfortschritts.

Das Management von MitarbeiterInnen gehört zu den wichtigsten Aufgaben einer Organisation. Speziell im viel beschworenen „War for talents“ gilt es, das richtige und passende Personal

• anzusprechen

• auszuwählen

• zu fördern

• zu beurteilen

• zu vergüten

• mit der passenden Arbeitsform zu „matchen“

• zu führen

• zu motivieren

• einzusetzen und

• zu nützen.

 

Der Kurs vermittelt die Grundlagen dazu. Dabei werden auch kritische Aspekte diskutiert („sind Menschen Ressourcen wie jede andere?“) und Ausblicke darüber hinaus vorgenommen. Die Lehrveranstaltung nähert sich dem Thema aus zwei Richtungen an, die einer grundsätzlichen fachspezifischen Trennung entsprechen und die in den beiden Präsenzein-heiten den thematischen Rahmen bilden:

 

1. Das Human Resource Management (HRM) und die damit stärker akzentuierte organisationale Perspektive bilden den Rahmen für die erste Präsenzeinheit. Themengebiete umfassen hier die Personalbeschaffung (recruiting), Personalauswahl (selection), Personalentwicklung (learning and development), Personalbeurteilung (feedback and measurement) und Personalentlohnung (compensation). Überlegungen zum International Human Resource Management und Strategic Human Resource Management runden diese Beiträge durch ausschließlich virtuelle Aspekte ab. Die Digitalisierung des HRM ist dabei ein zentraler Bestandteil.

2. Das Organizational Behaviour (OB) und die damit stärker akzentuierte individuelle Perspektive bilden den Rahmen für die zweite Präsenzeinheit. Themengebiete umfassen hier Macht, Führung, Motivation, Arbeitsverhalten (Commitment, Organizational Citizenship Behaviour, Arbeitszufriedenheit), Arbeit in und mit Gruppen/Teams sowie diversitätsbezogene Aspekte. Die demografischen Herausforderungen Österreichs in den kommenden Jahren sind dabei ein zentraler Bestandteil.

 

Neben diesen Fachkompetenzen werden auch Schlüsselkompetenzen und soziale Kompetenzen vermittelt. Ersteres findet vorwiegend über interaktive Elemente statt, die die Anwendung einzelner Aspekte in den Vordergrund rückt. So werden beispielsweise in dem Abschnitt zu diversitätsbezogenen Aspekten Fallvignetten von Harvard Publishing diskutiert, die aus der Unternehmenspraxis abgeleitet wurden. Diese thematisieren somit nicht nur theoretische Aspekte, sondern auch deren Einsatz.

 

Soziale Kompetenzen werden sowohl über virtuelle (durch die on-line Simulation "Leadership and Mount Everest") als auch physische Gruppenarbeiten, die ein gemeinsames Arbeiten bei unterschiedlichen Aufgabentypen (additiv, kompensatorisch, konjunktiv-ganzheitlich und disjunktiv) erfordern, gefördert. Dabei spielen die konkrete Ebene der Aufgabe (z.B. dass bei konjunktiv-ganzheitlichen Aufgaben die Gruppe nur so gut ist wie ihr schlechtestes Mitglied) und die Metaebene (Umgang mit Informationsasymmetrien unter der Bedingung eines Interessens-konfliktes) eine gemeinsame Basis, die auch den Gegenstand reichhaltiger Reflexionen darstellt.

 

Um diese Komplexität zu bewältigen braucht es didaktische Elemente, die virtuelle und physische Bestandteile sinnvoll miteinander verknüpft.

 

 

1. Traditionelle Lehr- und Lernformate

 

 

1.1 Lernkontrollfragen zu Semesterbeginn

 

Vor dem Beginn der Lehrveranstaltung gibt es einen Test zu Überprüfung des Wissenstandes. Dieser ist im Multiple Choice-Format gestaltet und zählt nicht zur Benotung, sondern ausschließlich einer Überprüfung vom Kenntnisstand der Studierenden und der damit verbundenen Ausgangsvoraussetzungen. Er ist von Beginn des Semesters an freigeschalten und endet in der Woche vor der ersten Präsenzeinheit, um eine Anpassung des Stoffes an die Anforderungen der Studierenden zu ermöglichen.

Als Literaturgrundlage dient ein im deutschen Sprachraum verbreitetes Lehrbuch, das ¾ der Inhalte abdeckt und dessen Teile virtuell zur Verfügung stehen (online-Bibliothek, Download in den thematischen Abschnitten auf Moodle). Die restlichen Kursmaterialen (Aufsätze, Fallstudien) stehen ebenfalls zum Download zur Verfügung.

 

 

1.2 Cases, Fallvignetten und Rollenspiele

 

In den Präsenzeinheiten wird zudem neben interaktiven Vorträgen vor allem mit Fallstudien und Fallvignetten gearbeitet. Diese umfassen Szenarien zum Thema Führung (Managerial Grid ©), Personalauswahl (Besetzung eines Managementboards) und Diversität (Vignetten konkreter Fälle mit unterschiedlichen Diversitätsdimensionen). Die meisten davon sind auch kostenpflichtig, wobei der Dozent hierfür entweder selbst die Kosten übernommen oder sie eigenständig entwickelt hat.

Zu ausgewählten Aspekten (wie z.B. dem Assessment Center oder der Personalbeurteilung) finden Rollenspiele statt, um die Auswirkungen des Tuns veranschaulichen zu können.

 

 

1.3 MC-Tests zur jeder Einheit

 

Jeder inhaltliche Block wird durch einen Multiple-Choice-Test abgerundet, dessen Ergebnisse kumulativ 40% der Note ausmachen. Diese Tests sind ausschließlich wissensbasiert. Obwohl es ideal wäre, dass jede/r Student/in einen eigenen Fragenpool zur Verfügung gestellt bekommt, wird nur mittels Randomisierung der Anordnung der Fragen versucht, den Anschein von Einzigartigkeit zu vermitteln. Da mit ca. 40 Studierenden pro Kurs die Anzahl der Fragen für einen einzigartigen Katalog recht groß ist, wird diese Entwicklung noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

 

 

1.4 Klausur

 

Die Klausur dauert 120 Minuten und umfasst ausschließlich anwendungsbezogene Fragen. Deren Beantwortung repräsentiert 60% der Benotung. Zur Vorbereitung darauf gibt es Übungsklausuren aus den vergangenen Semestern.

 

 

2. Innovative Lehr- und Lernformate

 

2.1 Twitter-Wall

 

Zur Etablierung einer lernenden Organisation kommt eine Twitterwall zum Einsatz. An sich dient eine Twitterwall bei Großlehrveranstaltung zum Einbezug eher schüchternerer Studierender wegen der Erleichterung des Vorbringens von Fragen. Hier wird sie zusätzlich dazu verwendet, um eine lernende Organisation zu kreieren. Jede/r StudentIn bekommt unter Klarnamenpflicht den Zugang zu einem geschlossenen Twitterfeed, der während der LV laufend kommentiert wird. Durch diese Beantwortung im Kurs und die Integration des Ergebnisses auf die Lernplattform kann mittels des Einsatzes von Hashtags ein dynamischer Wissensbestand geschaffen werden, der sowohl anwesende wie auch abwesende Studierende bei der Vertiefung des Wissens und der Vorbereitung auf die Klausur unterstützt. Durch die sich dadurch ergebenden Querverweise wird auch der blockübergreifende Charakter des Faches verdeutlicht, was ein ganzheitlicheres Bild von HRM und OB ergibt.

 

 

2.2 Eigenproduzierte Lernvideos

 

Videos bilden einen weiteren Baustein der virtuellen Lehre. Neben der Inklusion öffentlich zugänglicher Formate (wie zum Employer Branding von McDonalds oder zum Diversitätsmanagement von BASF) wurde eigens ein Lehrvideo konzipiert und gedreht, das Anleihen bei MOOCs und tedTalks genommen hat. Dabei werden die Inhalte zu Raoul Schindlers Rangordnungsdynamik als Stop-Motion-Video animiert. Die Realisierung des Videos wurde durch die Hochschule für angewandtes Management (unter der Leitung von Horst Haubrich) vorgenommen und von der Privatuniversität Schloss Seeburg finanziert (Equipment, Produktion). Das Drehbuch wurde von dem Dozenten verfasst, der und auch für die Vertonung verantwortlich war.

 

 

2.3 Online-Simulation

 

Ein Highlight der Lehrveranstaltung ist die von Harvard Business Publishing in Zusammenarbeit mit forio simulations gestaltete und zugekaufte online-Simulation „Leadership and Mount Everest“. Dabei müssen Studierende virtuell als Team gemeinsam den Mount Everest besteigen, wofür sie im Vorfeld eine von fünf Rollen (Leader, Arzt/Ärztin, SportlerIn, UmweltschützerIn und PhotographIn) zufällig zugeordnet und die Rollenbeschreibung zur Verfügung gestellt bekommen. Didaktischer Hintergrund dabei ist der Umgang mit Informationsasymmetrien (hidden profile-Übung) unter der Bedingung von Interessenskonflikten, der in Teams zur Reduktion des psychologischen Sicherheitsgefühls führt und somit das Gruppenergebnis verschlechtert. Die Studierenden können diese Simulation von zu Hause online durchführen. Das Briefing und Debriefing erfolgt jeweils in den Präsenzeinheiten. Die Simulation ist kostenpflichtig und wird durch ÖH-Gebühren finanziert.

Wie bereits erwähnt, finden das Briefing und das Debriefing zur Simulation in der zweiten Präsenzphase statt. Dazu werden nicht nur die Lehrmaterialien Harvards verwendet, sondern auch eine Reflexion des eigenen Verhaltens und der gruppenbezogenen Leistungen durchgeführt. Dabei werden sowohl die konkreten Ebenen der Übung (Erledigung einer konjunktiv-ganzheitlichen Aufgabe) als auch die Metaebene (Informationsasymmetrie und Interessenskonflikt) und die Arbeitsform (virtuelles Team) zum Thema gemacht.

 

 

2.4 Nutzung der Verlustaversion zur Motivation und Benotung

 

Die Benotung besteht zu 40% aus den studienbezogenen Leistungsnachweisen und zu 60% aus einer Klausur. Die Motivation der Studierenden wird mittels Anwendung der Erkenntnisse der neuen Erwartungstheorie (Kahnemann, 2012) erhöht. Genauer gesagt wird das Prinzip der Verlustaversion zur Notengenerierung angewendet. Da die Angst davor, etwas das man hat zu verlieren, größer ist als der Wunsch, etwas zu gewinnen (oder zu akkumulieren), wird den Studierenden zu Beginn ein Punktekonto eingeräumt, auf dem alle in dem Kurs zu sammelnde Punkte zu Buche stehen. Nehmen die Studierenden an den Elementen der virtuellen Lehre nicht oder suboptimal teil, wird der für diesen Leistungsnachweis anrechenbare Punkteteil abgezogen. Ebenso verhält es sich mit der Klausur, deren Punkte (in der für den Kurs adäquaten Gewichtung) ebenso vom Konto abgezogen werden können.

Der Kontostand wird wöchentlich veröffentlicht. Es ist den Studierenden somit zu jedem Zeitpunkt ersichtlich, auf welchem Notenkurs sie sich befinden.

 

 

Positionierung des Lehrangebots

Bachelor 2. Semester (Studiengänge BWL, Wirtschaftspsychologie, Sport- & Eventmanagement)

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 nominiert.