Spezielle Themen der angewandt-psychologischen Praxis, Seminar für Masterstudierende der Psychologie

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Transferleistungen zwischen Theorie und Praxis.

Durchlaufen eines kompletten Forschungsprozesses (theoretische Aufarbeitung aktueller Themen der Arbeits- und Organisationspsychologie, Integration der theoretischen Arbeit in eine eigene empirische Studie)

Vorstellung der Ergebnisse auf einem öffentlichen Symposium für Repräsentanten/Repräsentantinnen und Betriebsräten der GPA-djp und des ÖGB.

Diskussion der Relevanz wissenschaftlicher Forschung für und mit Praktiker/Praktikerinnen.

Beschreibung

Das im SoSe 2015 abgehaltene Seminar „Spezielle Themen der angewandt-psychologischen Praxis“ richtete sich an Masterstudierende im Bereich der Arbeits- und Organisationspsychologie. Es wurde in Zusammenarbeit mit der GPA-djp Tirol und dem ÖGB Tirol durchgeführt. Basierend auf einem dreistufigen Lehrkonzept sollten sich die Studierenden im ersten Teil theoretisch mit aktuellen Themen der Arbeits- und Organisationspsychologie in der Gruppe auseinandersetzen, mit der LV-Leiterin diskutieren und gemeinsam Hypothesen ableiten. Im zweiten Teil der Lehrveranstaltung führten die Studierenden mit ihrer Gruppe eine eigene empirische Studie durch. Dieser Teil umfasste die eigenständige Datenerhebung mittels geeigneter Fragebögen sowie die gemeinsamen Hypothesentestungen und die Interpretation der Ergebnisse mit der LV-Leiterin. Die GPA-djp und der ÖGB Tirol nahmen mit zwei Betrieben an der empirischen Untersuchung teil. Den abschließenden dritten Teil der Lehrveranstaltung bildete ein öffentliches Symposium im großen Veranstaltungssaal des ÖGB in Innsbruck, an dem zahlreiche Betriebsräte aus bedeutenden Tiroler Unternehmen sowie der Tiroler ÖGB-Vorsitzende und der GPA-Geschäftsleiter teilnahmen. Im 5stündigen Symposium präsentierten die Studierenden und die LV-Leiterin den Betriebsräten die im Seminar aufbereiteten arbeits- und organisationswissenschaftlichen Konzepte sowie die Ergebnisse der empirischen Studie und diskutierten die Inhalte und Umsetzungsmöglichkeiten in der Praxis.

Das Seminar „Spezielle Themen der angewandt-psychologischen Praxis“ dient zur Praxisvertiefung der Masterstudierenden im Bereich der angewandten Psychologie. Das im Sommersemester 2015 abgehaltene Seminar richtete sich dabei an interessierende Studierende der an einer Humanisierung des Arbeitslebens orientierten Arbeits- und Organisationspsychologie. Das Seminar ist in enger Zusammenarbeit mit dem Geschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) Tirol und dem Vorsitzenden des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) Tirols geplant und durchgeführt worden. Ziel der curricular als Praxisvertiefung verankerten Lehrveranstaltung war, dass die Studierenden aktuelle Themen der Arbeits- und Organisationspsychologie theoretisch bearbeiten, diese Themen anschließend in eine eigene empirische Studie integrieren und in einem öffentlichen Symposium Repräsentanten/Repräsentantinnen und Betriebsräten der GPA-djp und des ÖGB vorstellen

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Der erste Teil des Seminars fokussierte die theoretische Aufbereitung der relevanten Themenbereiche. Im Sinne einer humanisierungsorientierten Arbeits- und Organisationspsychologie wird davon ausgegangen, dass die Arbeit eines jeden Individuums nicht nur der Existenzsicherung und Sinnstiftung dient, sondern auch die Menschen in ihren Einstellungen und ihrem Verhalten prägt und formt. Zur fachlichen Orientierung wurden die Studierenden von der LV-Leiterin in den ersten LV-Einheiten ganz konkret mit den Themen Mitbestimmung/Mitwirkung der Arbeitenden an betrieblichen Entscheidungsprozessen (organisationale Demokratie), neue Konzepte der Führungsforschung (distributed leadership und ethische Führung), wertschätzendes Arbeitsklima (soziomoralische Atmosphäre im Betrieb) und deren Auswirkungen auf das Verhalten der Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen betraut. Dabei wurden theoretische und empirische Belege der neuesten arbeits- und organisationspsychologischen Literatur herangezogen, um die möglichen Zusammenhänge der organisationalen Bedingungen mit der beruflichen Selbstwirksamkeit, dem innovativen Arbeitsverhalten, der Solidarität bei der Arbeit und dem allgemeinen prosozialen Verhalten der Arbeitenden zu diskutieren und herzuleiten. Die Studierenden bearbeiteten anschließend eigenständig in 4er bzw. 5er Gruppen je einen Themenkomplex. Das Ergebnis der theoretischen Aufarbeitung war die gemeinsame Hypothesenformulierung der spezifisch abgeleiteten Zusammenhänge mit der LV-Leiterin.

 

Zum theoretischen Komplex der Lehrveranstaltung zählte auch der Besuch des Geschäftsführers der GPA-djp Tirol. In einer LV-Einheit bot er den Studierenden einen Einblick in die Arbeit der Gewerkschaft sowie der Betriebsratstätigkeit. Zudem wies er auf die Aktualität der Themen Mitarbeiter/Mitarbeiterinnenpartizipation und neue Führungskonzepte bei der GPA-djp hin und erläuterte, wie diese Bereiche momentan in der Gewerkschaftsarbeit diskutiert und bearbeitet werden. Die Diskussion mit dem Geschäftsführer der GPA-djp ermöglichte den Studierenden die theoretisch bereits angeeigneten Kompetenzen in einen praktischen Rahmen einzuordnen und deren Relevanz in der Praxis zu beurteilen. Das starke Interesse der Studierenden drückte sich in einer regen Diskussion während der LV-Einheit aus.

 

Der zweite Teil des Seminars widmete sich verstärkt dem empirischen Forschungsprozess und repräsentiert ein umfangreiches Beispiel für forschungsgeleitete Lehre und entsprechendes forschendes Lernen. Den Studierenden wurden zu den bearbeiteten Themenkomplexen die relevanten Fragebogenverfahren von der LV-Leiterin zur Verfügung gestellt und deren Anwendbarkeit mit den Studierenden diskutiert. Im Anschluss mussten die Studierenden in ihren Gruppen eine Fragebogenstudie durchführen und Daten von Arbeitenden Personen zu den relevanten Untersuchungsmerkmalen erheben. Jede Gruppe sammelte Daten von ca. 40 Personen, sodass daraus insgesamt eine kleine Forschungsstudie mit ca. 160 Befragten resultierte. Diese Studie steht in enger Verbindung mit der international gut rezipierten Innsbruck-Münchner Forschungsprojektreihe ODEM (Organisationale Demokratie), der die LV-Leiterin seit 2004 angehört. Sie ist auch Mitautorin des vor kurzem im Rahmen des DACH-Programms eingereichten ODEM IV-Gesuchs (3-wave multi-level longitudinal study). Darüber hinaus vereinbarte die LV-Leiterin mit der GPA-djp, diese Studie auch in Betrieben durchzuführen, deren Betriebsräte bei der GPA-djp Interesse bekundeten. Arbeitende aus zwei solchen Betrieben nahmen daher zusätzlich an der Untersuchung teil, sodass sich die Gesamtstichprobe auf 199 Befragte erhöhte. Nach Beendigung der Datenerhebung mussten die Studierenden jeweils pro Gruppe ihre Daten in eine vorbereitete SPSS-Datenmaske eintragen und an die LV-Leiterin schicken. In einer eigenen verlängerten LV-Einheit (4,5h) arbeiteten die Studierenden direkt am PC mit dem Statistikprogramm SPSS. Die LV-Leiterin erklärte dabei nochmals die statistischen Grundlagen und anschließend wurden die bereits in einer früheren LV-Einheit abgeleiteten Hypothesen gemeinsam mit den entsprechenden Verfahren statistisch überprüft. Diese Auswertungseinheit verfolgte mehrere Ziele: 1) Die Studierenden sollten ihre Statistikkenntnisse auffrischen. 2) Die Studierenden sollten sich erneut mit der Statistiksoftware SPSS befassen. 3) Den Studierenden sollte der gesamte Forschungsprozess vermittelt werden. 4) Die gemeinsame Aufbereitung und Auswertung sollte bei den Studierenden Neugierde und Spaß bei ihren eigenen empirischen Arbeiten wecken. Insgesamt bietet der Durchlauf eines kompletten Forschungsprozesses den Studierenden eine große Hilfe bei der Verfassung ihrer eigenen Masterarbeit.

 

Das 6. Innsbrucker Symposium „Psychologie für die Praxis der ArbeitnehmerInnenvertretung“ bildete den dritten und abschließenden Teil der Lehrveranstaltung. Der Geschäftsführer der GPA-djp Tirol und der Vorsitzende des ÖGB Tirols organisierten in den letzten 5 Jahren gemeinsam mit Univ. Prof. Dr. Wolfgang G. Weber, Ko-Leiter des Fachbereichs Angewandte Psychologie der Universität Innsbruck, dieses Symposium. Aufgrund des Forschungsfreisemesters von Univ. Prof. Dr. Weber übernahm stellvertretend Dr. Christine Unterrainer die gemeinsame Organisation mit der GPA-djp und dem ÖGB zum 6. Innsbrucker Symposium. Diese Veranstaltung soll Studierende und Praktiker/Praktikerinnen (Repräsentanten/Repräsentantinnen sowie Betriebsräte der GPA-djp und des ÖGB) zu einem gemeinsamen Fachaustausch zusammen bringen. Die Studierenden stellen arbeits- und organisationswissenschaftlich relevante neue Themen den Betriebsräten vor und gemeinsam werden die Inhalte und deren Umsetzungsmöglichkeiten in der Praxis diskutiert. Das Thema des 6. Symposiums lautete entsprechend den Inhalten, die in der Lehrveranstaltung erarbeitet wurden: „Die Wirkung von MitarbeiterInnenmitbestimmung und guter Führung auf Arbeitsklima und auf ArbeitnehmerInnen“. Neu war in diesem Symposium, dass die Studierenden selbst empirische Daten erhoben hatten und zwei Betriebe, deren Betriebsräte am Symposium anwesend waren, ebenfalls an der Fragebogenuntersuchung teilnahmen. Die Veranstaltung fand am 26. Juni 2015 im ÖGB-Haus, Südtiroler Platz in Innsbruck statt und dauerte von 13.30 Uhr bis 18.00 Uhr, was 3 doppelstündigen Lehreinheiten entspricht. Zu Beginn des Symposiums begrüßten der Vorsitzende des ÖGB, der Geschäftsführer der GPA-djp und die LV-Leiterin die Teilnehmer/Teilnehmerinnen mit kurzen einleitenden Worten. Anschließend referierten drei Gruppen von Studierenden jeweils 40 Minuten zu den Themen „Organisationale Demokratie: Mitwirkung und Mitbestimmung der MitarbeiterInnen an taktischen und strategischen Entscheidungen“, „Zwei neue Konzepte der Führungsforschung: Verteilte Führung und ethische Führung“ und „Berufliche Selbstwirksamkeit und innovatives Arbeitsverhalten der MitarbeiterInnen“. Diese Themen haben einen stark interdisziplinären Charakter, der sich darin zeigt, dass sie auch in den Wirtschaftswissenschaften und in der Soziologie der Leopold-Franzens Universität in Lehrveranstaltungen von KollegInnen einbezogen werden, mit denen sich die LV-Leiterin in der universitären Forschungsplattform Organizations & Society seit Jahren austauscht (Referenz: Frau Univ.-Prof. Dr. Andrea Hemetsberger, Leiterin der Plattform). Die Studierenden stellten die theoretischen Grundlagen sowie bisher empirisch belegte Einflüsse und Auswirkungen der Konstrukte dar. Im Anschluss an jede Präsentation der Studierenden waren 20 Minuten Diskussionszeit anberaumt, die von den Betriebsräten fleißig in Anspruch genommen wurden. Den Abschluss des Symposiums bildete die Präsentation von der LV-Leiterin: „Stimmen die Befragungsergebnisse zur Theorie?“. Dieser Beitrag berichtete von den empirischen Forschungsergebnissen, die aus dem Seminar gewonnen werden konnten. Mit der gemeinsamen Diskussion der Ergebnisse von Betriebsräten und Studierenden schloss sowohl das Symposium als auch der gesamte Forschungsprozess, der den Studierenden sehr praxisnah vermittelt werden konnte. Das Symposium und die gemeinsame Zusammenarbeit in der Lehrveranstaltung wurden von den Vertretern/Vertreterinnen der GPA-djp und des ÖGB als großer Erfolg beurteilt, sodass im Sommersemester 2016 das nächste Symposium im Rahmen einer Lehrveranstaltung geplant ist. Das Symposium bot den Studierenden eine einmalige Gelegenheit ihre im Seminar erworbenen Kenntnisse bei einer öffentlichen Veranstaltung vor Praktiker/Praktikerinnen zu präsentieren. Insgesamt nahmen ca. 25 Betriebsräte aus namhaften Tiroler Betrieben am Symposium teil. Zudem waren andere LV-Leiter/LV-Leiterinnen der Universität Innsbruck wie z.B. Univ. Prof. Wolfgang G. Weber anwesend, die der LV-Leiterin ein sehr positives Feedback aussprachen. Auch die von der GPA-djp und ÖGB geschaffenen Rahmenbedingungen wie z. B. die Durchführung des Symposiums im großen Veranstaltungssaal des ÖGB sowie die zur Verfügung gestellten Getränke und das Buffet für alle Teilnehmer/Teilnehmerinnen verliehen dem Symposium einen würdigen Charakter und wertschätzten entsprechend die Arbeit der Studierenden.

Positionierung des Lehrangebots

Master

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 nominiert.