"AIV live" - eLearning Tool

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

An der FH Campus Wien wurde für die Lehrveranstaltung „Anatomie in vivo“ im Bachelorstudiengang Physiotherapie gemeinsam mit dem Teaching Support Center ein eLearning/mLearning-Tool konzipiert, entwickelt und in der Lehrveranstaltung „Anatomie in vivo“ eingesetzt und evaluiert.

Das Ziel der Lehrveranstaltung „Anatomie in vivo“ ist die praktische Anwendung anatomischen Wissens in der Palpation verschiedener Körperstrukturen. Die korrekte Durchführung der Palpation stellt eine wichtige Voraussetzung im physiotherapeutischen Berufsalltag dar, zumal diese für die Umsetzung von Untersuchungs- und Behandlungsmaßnahmen zwingend beherrscht werden muss.

Das Tool „AIV live“ kommt begleitend zu den Präsenzlehreinheiten und im Selbststudium zum Einsatz. Die Studierenden verwenden es zur Vorbereitung, Wiederholung, Vertiefung und Festigung ihrer Kenntnisse und praktischen Fertigkeiten in 'Anatomie in vivo'. Die Innovation besteht darin, dass „AIV live“ nicht nur über die Lernplattform Moodle mittels PC als eLearning-Tool, sondern auch auf mobilen Endgeräten (Tablets, Smartphones) als mLearning-Tool genützt werden kann. Somit ermöglicht es als erstes Lernwerkzeug am Studiengang Physiotherapie mobiles innovatives Lernen, das zeit- und ortsunabhängig und unter Berücksichtigung eines selbst bestimmten, individuellen Lerntempos stattfinden kann.

Beschreibung

Im Rahmen des Projektes „AIV live“ wurde das Ziel verfolgt, den Studierenden des Bachelorstudienganges Physiotherapie begleitend und vertiefend zu der Präsenzlehrveranstaltung „Anatomie in vivo“, sowie als Prüfungsvorbereitung ein innovatives neues Lernmedium in Form von einem eLearning/mLearning Tool über Moodle 2.5 zur Verfügung zu stellen.

 

Das eLearning/mLearning Tool für die Lehrveranstaltung „Anatomie in vivo“ erleichtert durch die Visualisierung des topographisch-anatomischen Wissens am realen Modell das Einprägen und Auffinden anatomischer Strukturen. Die unterschiedlichen Palpationstechniken und Palpationswege werden in den Videos vorgezeigt und per Audio kommentiert. So wird versucht die verschiedenen Lernwege der Studierenden anzusprechen. Im Selbststudium soll das Tool dazu anregen die Inhalte vorwiegend praktisch mit externem Feedback wiederholend zu üben. Vor diesem Hintergrund wird die Qualitätssicherung gewährleistet und ein selbst reflektiertes Lernen ermöglicht. Dies ist vor allem bei StudienanfängerInnen ein wichtiger Faktor der qualitätsvollen Umsetzung einer neu zu erlernenden Technik.

In zahlreichen Lehrveranstaltungen des Bachelorstudiengangs Physiotherapie, so auch in der Lehrveranstaltung „Anatomie in vivo“ im 1. Semester, steht das Ziel im Vordergrund, praktische Fertigkeiten zu vermitteln. Konkret geht es in der Lehrveranstaltung „Anatomie in vivo“ darum, die Studierenden zu befähigen, die ‘Anatomie am Lebenden‘ zu verinnerlichen – sie buchstäblich dreidimensional zu begreifen.

Eine Besonderheit der Lehrveranstaltung „Anatomie in vivo“ besteht auch darin, dass die Studierenden die hier zu palpierenden anatomischen Strukturen erst parallel als theoretische Inhalte in den Lehrveranstaltungen Anatomie und Anatomische Übungen kennenlernen, die im Rahmen von Vorlesungen gelehrt werden. Die Lehrveranstaltung „Anatomie in vivo“ dient dazu, die theoretisch gelernten Inhalte der Anatomie des Menschen praktisch anzuwenden. Es geht um das Erfassen und Verstehen des Palpationsweges und das Auffinden und Differenzieren konkreter anatomischer Strukturen am lebenden Model. Durch die verschiedenen Lernunterlagen (Skript, Bücher und online Tool), das aktive Anwenden, aber auch das Erleben am eigenen Körper und Beobachten der Situation bei der Anwendung der Palpationstechniken werden möglichst viele Sinneskanäle angesprochen und die Verinnerlichung der Palpationstechniken gefördert. Des weiteren fördert das multimediale Lernen die Selbstlernkompetenz, die Lernmotivation der Studierenden, und unterstützt bedarfs- und problemorientiertes Lernen.

 

Insgesamt wurden von dem Projektteam 130 Videosequenzen selbst erstellt und vertont und über die Lernplattform Moodle zum Abspielen zur Verfügung gestellt. Dabei wurde in Moodle die sogenannte „Buchfunktion“ verwendet, mit der Kapitel - in Form einzelner Moodle-Seiten - angelegt werden können. Zusätzlich entstanden interaktive Navigationsgrafiken, die zuvor programmiert und in Moodle implementiert wurden. Dieses Vorgehen verbessert die Übersichtlichkeit und erweitert die Navigationsmöglichkeiten des Tools.

Die Videos, die manuell jederzeit zu stoppen sind, dienen der unmittelbaren Vermittlung der in der Lehrveranstaltung geforderten Inhalte und unterstützen am besten Wege eine direkte Vorbereitung auf die Prüfung am Ende der Lehrveranstaltung. Das Tool soll die zur Verfügung gestellten, schriftlichen Unterlagen (Skript mit beschreibendem Text und ausgewählten Bildern) nicht ersetzen, diese aber ergänzen, da Bilder die dynamische Komponente des Palpationsvorganges nicht annähernd so nachvollziehbar wieder geben können, wie ein bewegtes Bild. Auch kann der Audiokommentar individuell zu- oder weggeschaltet werden, d.h. eine Videowiedergabe ist mit oder ohne Ton möglich. Andererseits kann der Audiokommentar alleine - ohne gleichzeitige Betrachtung des Videos - auch gut beim wiederholenden Üben des Palpationsvorganges am Modell unterstützen. Es sind sowohl kurze Videos zu einzelnen anatomischen Strukturen, die am Modell direkt auf der Haut farbig eingezeichnet wurden, für den Lernprozess eingebettet, als auch Videos, die den gesamten Palpationsvorgang zu einer Körperregion darstellen, in denen keine sichtbaren Markierungen vorgenommen wurden, um auch der berufsnahen Situation im späteren Umgang mit PatientInnen entsprechen zu können.

 

Eine kurze Projektvorstellung ist auf der Homepage der FH Campus Wien zu finden:

www.fh-campuswien.ac.at/forschung/forschung-und-entwicklung/forschungsprojekte/detail/aiv-live.html

 

Das zur Verfügung gestellte 'AIV live'-Tool erlaubt verschiedene Einsatzmöglichkeiten und kann somit innerhalb des didaktischen Konzeptes flexibel eingesetzt werden. Studierende können das Tool über die Lernplattform Moodle im Sinne des Flipped Classrooms nutzen, um sich optimal auf die kommenden Contact hours vorzubereiten. Die gewonnene Zeitressource kann während der Contact hours effektiv zur Supervision der Studierenden verwendet werden. Das Tool kann aber auch direkt in den Präsenzeinheiten verwendet werden, in der die gezeigten Palpationstechniken parallel auch am realen Modell (StudienkollegInnen) durchgeführt werden. Sowohl in den Contact hours als auch im Selbststudium fördert das Tool die Selbstreflexion durch die ermöglichte unmittelbare Kontrolle der eigenen ausgeführten Palpationstechnik im Vergleich zur Durchführung in den Videos.

 

In der Projektphase I mit Start im WS 2013/2014 (von 11/2013 – 12/2013) stand die Konzeptionierung der eLearning Idee und darauffolgend im SS 2014 (von 04/2014 – 07/2014) das Erstellen der dazugehörigen Materialien (Videos und Audios) und Technologien (Moodle-Kurs) im Vordergrund.

In der Projektphase II stand die Implementierung in die Lehrveranstaltung „Anatomie in vivo“ (WS 14/15) und in weiterer Folge im SS 2015 (von 01/2015 – 04/2015) eine systematische Evaluierung des Tools im Fokus. Die Evaluierung als eine strukturierte Datengrundlage zu inhaltlichen Komponenten, sowie Usability und User Experience, bietet eine Grundlage zur qualitativen Verbesserung dieser und weiterer eLearning Materialien im Bachelorstudiengang Physiotherapie.

 

Das Tool auf der Lernplattform Moodle zur Verfügung zu stellen, hat sich als sehr praktikabel erwiesen, da die Studierenden Moodle vor und/oder im Zuge ihres Studiums bereits kennengelernt haben und für die Dauer ihres Studiums ein direkter Zugang über ihren persönlichen Portal-Login möglich ist. Im Gegensatz zu einem Web based Training erlaubt die Implementierung der Lernvideos in Moodle eine flexible Gestaltung der Lehre insofern, als ohne großen zusätzlichen Programmieraufwand die Struktur an aktuelle Anforderungen angepasst werden kann. So können zum Beispiel Selbstüberprüfungshinweise und -fragen, aber auch Diskussionsforen flexibel eingebaut werden. Dies sichert den Mehrwert des entwickelten Tools auch in der Zukunft.

 

Im Rahmen der Evaluierung wurden die Intensität der Nutzung und der persönliche Nutzen erhoben, sowie Optimierungspotentiale abgefragt. Insgesamt haben sich 58 von 109 Studierenden im SS 2015 beteiligt. Der Großteil der Studierenden gab gute Rückmeldungen zur Verwendung und zum Nutzen des Tools, und würde den Moodlekurs im weiteren Verlauf des Studiums wiederholt verwenden und diesen auch nachkommenden StudienkollegInnen empfehlen. Die angemerkten Optimierungsvorschläge wurden bereits zur Adaptierung des Tools eingearbeitet.

Die Ergebnisse der Evaluierung können nicht nur für das aktuelle eLearning/mLearning Tool genutzt werden, sondern bieten wichtige Informationen in der Erstellung und Optimierung anderer ähnlich aufgebauter Online-Kurse im Studiengang Physiotherapie und an der FH Campus Wien.

Positionierung des Lehrangebots

Bachelor, 1. Semester

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2016 nominiert.