Wahlfachmodul Nachhaltige Entwicklung

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

1.) Identifizierung von Widersprüchen und Aporien, die sich durch das Nachhaltigkeitskonzept für die Gesellschaft, insbesondere Forschung und Lehre ergeben
2.) Kennenlernen der theoretischen und methodischen Zugänge zum Konzept "Nachhaltige Entwicklung" unterschiedlicher Disziplinen
3.) Umgang mit diesen Widersprüchen auf individueller, kollektiver und institutioneller Ebene (Systemebene)
4.) Reflexion von Alltagstheorien
5.) Aufbau einer Lerngemeinschaft in der sich Studierende und Lehrende als Einheit, als Lernende, verstehen

Beschreibung

Das Themenfeld “Nachhaltige Entwicklung” stellt Lehrende und auch jede Bildungsinstitution vor die Herausforderung, zu entscheiden, das Thema als eigenes Fach, Disziplin durch Nachhaltigkeitsexpert/inn/en anzubieten oder die Perspektive der Nachhaltigen Entwicklung in die Lehr- bzw. Lerninhalte verschiedener Fächer einzubringen und dort mit dem anderen Inhalten gemeinsam zu reflektieren. An der AAU Klagenfurt hat man ein überfakultäres Lehrkonzept entworfen, das im Rahmen eines über zwei Semester gehenden Wahlfachmoduls nun das dritte Jahr in Folge angeboten wird. Die Studierenden erhalten darin einen Überblick über die unterschiedlichen Facetten sowie die Geschichte des Begriffs der Nachhaltigkeit. Durch das Erkennen von Zusammenhängen und individueller sowie kollektiver Muster sollen bestehende Dilemmata gesellschaftlicher Teilsysteme identifiziert werden. Die als Forschungswerkstatt organisierte Lern-Veranstaltung richtet sich vor allem an Studierende, die sich für neue Formen des Lernens, der kritischen Reflexion und des Forschens nach inter- und transdisziplinären Prinzipien interessieren. Das LV-Modul erstreckt sich über zwei Semester und besteht aus zwei LVs, die abwechselnd im WS und SS angeboten werden. Als Ergebnis entwickeln die Teilnehmer/innen im Winterse¬mester eine Forschungsfrage im Kontext ihrer disziplinären Interessen. Im Sommersemester wird diese Forschungsfrage bearbeitet und ihre Relevanz für die praktische Umsetzung diskutiert.

Im fakultätenübergreifenden Wahlfachmodul wird Nachhaltige Entwicklung als kulturell-gesellschaftliche Herausforderung mit Widersprüchen umzugehen vermittelt. Der Praxis- und Forschungsbezug wird durch das besondere Design gewährleistet. In Teil I des Moduls wird vor allem der interdisziplinäre Charakter des Nachhaltigkeitskonzeptes vermittelt und durch Positionierung der verschiedenen Studienrichtungen erlebbar gemacht. Nachhaltigkeit geht über akademische Wissensvermittlung hinaus und strebt danach in die Praxis umgesetzt zu werden. Der Fokus auf Transdisziplinäres Forschen und Arbeiten prägt das Design des Teils II des Moduls.
In dieser über zwei Semester abgehaltenen Lehrveranstaltung wird durch innovative Lehr- und Lernsettings sowie durch einen starken Forschungs- und Praxisbezug den Studierenden die Idee der nachhaltigen Entwicklung aus Sicht der unterschiedlichen Disziplinen nähergebracht. Im ersten Semester werden dazu erforderlichen Theorien, Kompetenzen und Methoden vermittelt, um zur Gestaltung einer lebenswerten Zukunft beizutragen. „Nachhaltigkeit“ wird als „regulative Idee“ verstanden. Es werden unterschiedliche Konzepte der vier Fakultäten einbezogen, gemeinsam in Bezug auf theoretische, methodische und gesellschaftspraktische Aspekte reflektiert und anhand von Praxisfeldern weiterentwickelt. Hierfür ist die unterschiedliche disziplinäre Herkunft der Studierenden förderlich, da auch das Lehrendenteam fakultätsübergreifend zusammengesetzt ist. Durch Reflexions- und Diskursprozesse soll eine Lerngemeinschaft entstehen. Die Lehrveranstaltung umfasst folgende Themen:
1) Was bedeutet Nachhaltige Entwicklung? – Geschichte und Konzepte
2) Dilemmata von Wachstum – Entwicklung und Gleichgewicht
3) Open Space – Der Weg für die nachhaltige AAU?
4) Umgang mit Dilemmata einer Nachhaltigen Entwicklung – Normen, Regeln und Muster
5) Nachhaltigkeitskommunikation
6) Denken und Handeln in Systemen; beobachten und verhalten in Systemen
7) Finden einer Forschungsfrage
Im didaktischen Konzept geht es zunächst darum, vielfältige Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten zu schaffen und dabei stets die eigene Disziplin, Position oder Konzeption von Nachhaltigkeit in Relation mit anderen zu setzen.
Das Wahlfachmodul arbeitet daher mit einer Reihe von unterschiedlichen Lernformaten, wie zum Beispiel:
• Peripatetische Übungen: Studierende und Lehrende “wandeln” gemeinsam durch einen offenen Raum und diskutieren dabei vorgegeben Fragen. Die Ergebnisse werden auf Flip-Chart dokumentiert.
• Pecha Kucha: Vortragende bringen neben einander gestellte, hoch komprimierte, nicht widerspruchsfreie Inputs in Form von Pecha Kucha (20 Folien zu ja 20 Sekunden). In der anschließenden moderierten Diskussion erfolgt der Versuch einer Synthese.
• Open Space: In der teilmoderierten Großgruppenveranstaltung sind Themeninseln zu bestimmen Themen vorgegeben, wo die Interessierten einander treffen und sich austauschen können. Der Open Space findet mit Akteuren des ausgewählten Praxisfeldes statt, reicht daher über das eigentliche Seminar-Setting weit hinaus.
• Hoch interaktive Austauschformate: Die Arbeiten finden meist in Kleingruppen statt, wobei großer Wert auf Interaktivität gelegt wird: kleine Gruppenarbeiten, Murmelgruppen, Speed-Dating und ähnliche Formate werden umgesetzt.
• Einsatz von Simulations und Visualisierungssoftware, welche den Studierenden über Moodle zur Verfügung gestellt werden, zum Beispiel Innovation-Generator Software zur vernetzten Darstellung von Begriffen oder Simulationsprogrammen zum Experimentieren mit komplexen ökologischen oder ökonomischen Systemen
• Transferprodukt: Einbindung von Praxispartnern (z.B. Biosphärenpark Nockberge, Volksschule) und Genieren von Ergebnissen die direkt in der Praxis umgesetzt werden können
• expedition.aau: Lernreise in die Umgebung der Universität

Forschung und Lehre werden im Rahmen des Wahlfachmoduls bidirektional verknüpft. Auf der einen Seite werden die Lehrinhalte von aktuellen Forschungsthemen begleitet, dies gelingt vor allem durch das Einbeziehen von Expert/inn/en über das Kern- und Satellitenlehrteam und das zur Verfügung stellen von aktueller forschungsrelevanter Literatur, was - ganz nachhaltig - papierlos über die Moodle-Plattform erfolgt.

Mehrwert

Studierende bekommen unterschiedliche Perspektiven, forschungsnahe Arbeit, Kooperation der Lehrenden über das Wahlfachmodul hinaus, Integration in bestehende und geplante Forschungsprojekte.

Profitierende

  • Studierende
  • Lehrende
  • Verwaltung

Aufwand

Erhöhter Zeitaufwand für Themenplanung und Koordination des Lehrendenteams


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2015 nominiert.