Case Based Learning: Fallorientierte Abstimmung der Kernlehrveranstaltungen der Einführungsphase des Masterstudiums „Science-Technology-Society“ im Sinne einer forschungsgeleiteten Lehre

Umgesetztes Projekt

Ziele

Die Studierenden des Masterstudiums Science-Technology-Society haben sehr verschiedene disziplinäre Hintergründe – von den Sozial- und Geisteswissenschaften bis hin zu den Natur- und Ingenieurswissenschaften. Die Einführungsphase zielt daher einerseits darauf ab, eine gemeinsame Ausgangsbasis für das weitere Studium zu schaffen und andererseits Grundkenntnisse der Wissenschafts- und Technikforschung im Sinne einer forschungsgeleiteten Lehre zu vermitteln.

Kurzzusammenfassung

Die Einführungsphase des Studiums besteht aus vier Lehrveranstaltungen, die Grundkenntnisse der wesentlichen Fragen, Theorien, Methoden und Arbeitsweisen der Wissenschafts- und Technikforschung vermitteln. Darüber hinaus geht es darum, sich aktiv mit der Vielfalt der studentischen Herkunftskontexte (disziplinär und kulturell) auseinanderzusetzen – Stichwort: gelebte Interdisziplinarität – und ein geteiltes Verständnis dessen, was einen sozialwissenschaftlichen Zugang zu den Themen des Studiums ausmacht, zu entwickeln.

Dabei wurde angenommen, dass eine bessere Abstimmung der einzelnen Veranstaltungen der Studieneingangsphase aufeinander wesentliches Potential für eine Verbesserung des Lerneffekts der Studierenden hätte, vor allem unter Berücksichtigung des Leitwerts forschungsgeleiteter Lehre.
Dazu wurde das Projekt „Case Based Learning“ in der Studieneingangsphase ins Leben gerufen. Dabei arbeiten die Studierenden in Gruppen an vier konkreten Fällen (case studies), die ihnen als Fallbeispiele dienen, um eigene Forschungséxposes zu entwickeln, in denen sie die gelernten Kenntnisse der vier Lehrveranstaltungen anwenden. So lernen sie Literatur, theoretische Bezüge, Forschungsfragen und methodische Herangehensweisen rund um ein Thema zu bauen und somit ganzheitlich und vernetzt zu denken. Dadurch wird ein wesentlicher Grundstein in der wissenschaftlichen Ausbildung gelegt.

Nähere Beschreibung

Zentrales didaktisches Mittel ist eine Orientierung an vier konkreten Fällen (case studies), die in den jeweiligen Lehrveranstaltungen vor dem Hintergrund der in ihnen vermittelten Kenntnisse behandelt werden. Es wurden Fälle gewählt, die einerseits aktuelle Herausforderungen und Themen an der Schnittstelle von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft berühren und die es andererseits erlauben, jeweils verschiedene Forschungsfragen, Methoden und theoretische Zugänge in ihrer Bearbeitung zu wählen. Letzteres soll den Studierenden zeigen, dass ein empirischer Fall je nach Forschungsfrage, theoretischer Rahmung und methodischer Zugangsweise die Grundlage für eine Vielzahl verschiedener Studien bieten kann.

Am Beginn des Semesters werden die Studierenden in vier Gruppen zu je 5-6 Personen eingeteilt, wobei auf eine möglichst diverse Gruppenzusammensetzung geachtet wird. Jeder Gruppe wird ein Fall zugeordnet, den sie dann in allen Lehrveranstaltungen während des gesamten ersten Semesters bearbeitet. Zudem steht jeder Gruppe im Hörsaal des Instituts, in dem alle Lehrveranstaltungen des Studiums stattfinden, ein großes Whiteboard zur Verfügung, auf dem sie ihre Arbeit an dem Fall visuell festhalten und so ihren Fortschritt und ihre Ergebnisse für alle sichtbar machen können.

Die vier Fälle werden dann in den Lehrveranstaltungen zu verschiedenen Zeitpunkten im Semester und unter verschiedenen Gesichtspunkten aufgegriffen:
a) in der Einführungsvorlesung zu den grundlegenden Themen und Fragen der Wissenschafts- und Technikforschung werden die Fälle vorgestellt, und es wird im Laufe des Semesters immer wieder auf diese als Fallbeispiel zurückgegriffen.
b) Im Theorieseminar dienen die Fälle immer wieder als Referenzrahmen für die mögliche Anwendung behandelter Konzepte. Zusätzlich erarbeitet jede Gruppe ihren Fall aus der Perspektive von ein bis zwei zentralen Theorien der Wissenschafts- und Technikforschung.
c) Im Seminar „Scientific Practice and Knowledge Management“ lernen die Studierenden, Literatur zum Themenfeld ihres Falles zu recherchieren und daraus eine für das Feld relevante Fragestellung zu entwickeln.
d) Auch im Methodenseminar dienten die Fälle immer wieder als Referenzkontext, in dem die Möglichkeiten und Grenzen einzelner Methoden diskutiert werden. In der zweiten Semesterhälfte entwickelt jede Gruppe ein Konzept, wie ihre gewählte Fragestellung mit im Kurs gelernten Methoden zu bearbeiten wäre.

Die Arbeit in den einzelnen Kursen mündet in einem gemeinsamen Forschungséxpose für die jeweilige Fallstudie, das am Semesterende präsentiert wird. Durch diesen Ablauf wird den Studierenden auch in ersten Ansätzen vermittelt, wie sich eine Forschungsfrage in Auseinandersetzung mit einem Fall, der Literatur, theoretischen Konzepten und methodischen Zugängen entwickeln lässt.
Die Lehrenden der Kurse treffen sich im Verlauf des Semesters regelmäßig, um sich über den Fortschritt in den einzelnen Kursen auszutauschen. Jede Gruppe wird zudem von einem/einer StudienassistentIn betreut, die die Studierenden inhaltlich und in der Koordination der Arbeit zwischen den einzelnen Lehrveranstaltungen betreuen.

Evaulierung: Der Erfolg der neuen Koordination der Einführungslehrveranstaltungen wurde in einer gemeinsamen Abschlussveranstaltung durch eine schriftliche Befragung der Studierenden evaluiert. Darüberhinaus gab es eine Abschlussbesprechung der Lehrenden. Aufbauend auf Rückmeldungen der Studierenden und den Reflexionen der Lehrenden werden laufend kleine Anpassungen am Konzept vorgenommen.

Mehrwert

Für die Studierenden werden Zusammenhänge zwischen den unterschiedlichen Fächern besser sichtbar und sie sammeln erste Erfahrungen im Vorbereiten und Durchführen von Forschungsprojekten. Durch die enge Zusammenarbeit werden sie darüberhinaus dazu angeleitet, voneinander zu lernen.
Die Zusammenarbeit zwischen den Lehrenden erforderte zwar ein sehr hohes Maß an Koordinationsleistung, förderte aber das Miteinander und Voneinander Lernen unter ihnen, wovon vor allem jüngere Lehrende sehr stark profitieren.

Profitierende

  • Studierende
  • Lehrende
  • Sonstige

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2015 nominiert.