Unterschiedliche Ebenen von Wissen - Eine einführende Veranstaltung zur Wissenschaftstheorie

Umgesetztes Projekt

Kurzzusammenfassung

Grundidee

Das Besuchen einer Vorlesung und das sich daraus ergebende Verstehen des Vorgetragenen (falls gegeben) ähnlich wie das Lesen eines Textes, bildet nur einen ersten Schritt des Wissens bzw. Wissenserwerbs. Eine weitere Stufe stellt das Erstellen und Halten eines Vortrags oder einer Vorlesung zu einem Thema dar (im  Zusammenhang der beschriebenen Veranstaltung nicht praktiziert, aber an anderen Stellen des Curriculums). Das Suchen nach und Empfehlen von weiterführender Literatur erfordert bereits eine gute Durchdringung des Stoffs. Eine weitere Stufe ist notwendig um zu einem Thema Fragen bzw. Klausuren mit entsprechenden Lösungskonzepten zu erstellen, die geeignet sind, den Wissensstand Anderer differenziert beurteilen zu können. Eine sehr gute Durchdringung des Themas ist schließlich notwendig, um Antworten von offenen (Klausur)Aufgaben oder ganz allgemein (kritische) Anmerkungen zu einem Thema korrigieren bzw. beurteilen zu können, insbesondere wenn die Antwort bzw. die Aussage nicht völlig falsch aber auch nicht vollkommen richtig ist.

Diese unterschiedlichen Stufen von Wissen bzw. Stoffdurchdringung sollen den Studierenden in der hier beschriebenen Veranstaltung vermittelt und erfahrbar gemacht werden. Gleichzeitig werden auf diese Weise ganz unterschiedliche Konzepte des Lehrens und des Lernens angesprochen.

Nähere Beschreibung

Das Lehrkonzept besteht aus einer Reihe relativ eigenständiger Konzepte, die zielgerichtet zu einem Gesamtkonzept zusammengebunden sind:

  • In einem Rollenspiel soll an der Vorstellung von einem „klaren und eindeutig feststellbaren und nachweisbaren Wissen“ gerüttelt werden, in diesem Zusammenhang werden Fragen aufgeworfen - explizit aber auch implizit. Dazu werden drei Gerichtsverhandlungen zu wissenschaftlichen Themen angesetzt und die Studierenden agieren jeweils in Kleingruppen als Pro-Anwälte, Contra-Anwälte und Richter.
  • In einer Reihe von Vorlesungseinheiten wird die Entwicklung der Wissenschaft von Ihren Wurzeln im alten Griechenland über eine Reihe von Epochen und deren Hauptvertreter bis zum Konstruktivismus vorgestellt und diskutiert.
  • In einem Workshop, der auf Ausschnitten von Kahnemanns Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ aufbaut, wird einerseits die Sicherheit des eigenen Urteilens bzw. Denkens und der eigenen sinnlichen Wahrnehmung in Frage gestellt, die oft als Grundlage jeglicher Art von Wissensaufbau angesehen wird, und gleichzeitig auch das wirtschaftswissenschaftliche Konzept des homo oeconomicus.
  • Bei der Vorbereitung von Klausuraufgaben in Kleingruppen soll einerseits eine vertiefte Auseinandersetzung mit einer Epoche der Wissenschaftsgeschichte angestoßen werden, andererseits sollen sich die Studierenden Gedanken darüber machen, wie sie den Wissensstand Anderer beurteilen können.
  • Schließlich prüft die Klausur am Ende der Veranstaltung einerseits klassisch gelerntes Wissen ab, andererseits macht die Korrektur der jeweils selbst erstellten Aufgaben durch die Studierenden die Problematik der Beurteilung des Wissensstandes Anderer erfahrbar.