Noricum

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Gesundheitssysteme stehen im Dauerstreit zwischen mächtigen Interessensgruppen. Die vorgestellte Lehrveranstaltung soll den Studierenden solche Bedingungen in einer Lehrveranstaltung unmittelbar erfahrbar machen.

Beschreibung

Bei der Lehrveranstaltung „NORICUM“ handelt es sich um ein Rollen- und Planspiel zur Finanzierung und Organisation des Gesundheitswesens, das sich über ein gesamtes Semester erstreckt. Noricum ist ein (Fantasie-)Land, in dem vor rund zwei Jahren das kommunistische Regime gestürzt wurde und in dem daher das Gesundheitssystem neu verhandelt und geregelt werden muss - eine Situation in Anlehnung an die Situation in vielen Ländern Osteuropas nach Zusammenbruch der dortigen Regime vor rund 25 Jahre oder der Situation in den Nachfolgestaaten des früheren Jugoslawien vor rund 15 Jahren.

Hintergrund und Lehr/Lernziele
Gesundheitssysteme stehen im Dauerstreit zwischen mächtigen Interessensgruppen. Wie können solche Bedingungen in einer Lehrveranstaltung den Studierenden unmittelbar erfahrbar gemacht werden?
Lehrkonzept
Ein Rollenspiel zur Aushandlung der Finanzverfassung und der Organisation der Leistungserbringer im fiktiven Staat „Noricum“ soll diese Verbindung aus Theorie-lastiger Wissensaneignung und praktischer Erfahrung politisch-gesellschaftlicher Einflussnahmen im Gesundheitswesen ermöglichen.
Das Konzept der Lehrveranstaltung besteht darin, die Studierenden in den Rollen der zentralen Akteure eines Gesundheitssystems selbstständig die zentralen Probleme analysieren, die jeweiligen Interessen beschreiben, deren Durchsetzung planen und schließlich per Gesetz oder durch Verträge regeln zu lassen. Dabei wird auf Wissen aus Lehrveranstaltungen zu Gesundheitsökonomie, Gesundheitssystemen und Public-Health aufgebaut. Endziel ist die Vereinbarung eines tragfähigen Gesundheitssystems.
Die Lehrveranstaltung besteht aus drei Phasen:
In der Konzeptphase erhalten die Studierenden eine Beschreibung der Verhältnisse des Landes Noricum, in welchem ein neues Gesundheitssystem einzurichten ist. Die Studierenden organisieren sich in Kleingruppen, welche jeweils die Rolle eines zentralen Akteures übernehmen. Sie erstellen Konzepte, welche explizit formulierte Ziele sowie Strategien zu deren Umsetzung enthalten. Zusätzlich gibt es die Rolle von Beobachtern, welche die Verhandlungen protokollieren. Die Lehrenden geben jeder Akteursgruppe ein Feedback zu deren Strategiepapier.
In der Verhandlungsphase werden Verhandlungen geführt, Gesetze erlassen und Verträge geschlossen. Die Verhandlungen zwischen den Akteuren sind auf festgelegte Zeitfenster für face-to-face Interaktionen und e-mail-Verkehr beschränkt. Während dieser Phase greifen die Lehrenden allenfalls indirekt beispielsweise über Pressespiegel in das Spielgeschehen ein.
In der Auswertungsphase werden die Rollen wieder verlassen. Die Beobachter berichten den erzielten Gesamtzustand des ausgehandelten Gesundheitssystems. Es erfolgt eine inhaltliche Bewertung des entwickelten Systems durch die Lehrenden sowie ein Feed-back zu den angewandten Verhandlungsstrategien.
Erfahrungen
Die inhaltlich-konzeptionelle Beteiligung der Studierenden erweist sich als sehr hoch. Die Begeisterung am Rollenspiel mit einem Wettbewerb um Interessensdurchsetzung führt zu einer stark selbstmotivierten Auseinandersetzung mit ansonsten eher ungeliebten abstrakten Lehrinhalten. Inhaltlich wurden erstaunlich innovative Konzepte vereinbart, es wurden Interessensausgleiche gefunden, die von einer guten Durchdringung der „Interessensverflechtungen“ zeugen.
Einsatzbereich
Die Veranstaltung wird im vierten Semester des Bachelorstudiengangs Gesundheits- und Pflegemanagement eingesetzt. Die Veranstaltung eignet sich aber in jedem Fall auch für den Einsatz in einem Masterstudiengang im Bereich Gesundheitsmanagement bzw. Gesundheitspolitik.

Profitierende

  • Studierende