Kompetenzerwerbsanalyse "Kompetenz-Check"

Umgesetzte Maßnahme

Ziele

Mit dem „shift from teaching to learning“ und dem zunehmenden Fokus auf Kompetenzen, die Studierende am Ende von Lernprozessen erwerben, wird immer klarer, dass bestehende Konzepte zur Lehrevaluation zu kurz greifen und den Ansprüchen einer kompetenzorientierten Lehre nicht gerecht werden. Bestehende Konzepte zielen in der Regel auf die Bewertung isolierter Aspekte der Lehre (z.B.: Evaluation einzelner Lehrveranstaltungen, Professor/inn/en-Ratings) ab. Sie führen meist zu Ergebnissen, die keine direkten Informationen über den Kompetenzerwerb der Studierenden enthalten. Weiters ist die Vermittlung von vielen Kompetenzen nicht auf eine einzelne Lehrveranstaltung beschränkt, sondern geschieht im Verbund mehrerer aufeinander abgestimmter und ineinander verzahnter Lehrveranstaltungen. Die Kompetenzen entwickeln sich daher kontinuierlich über die einzelnen Semester und Studienphasen hinweg. Nachhaltige Maßnahmen, die den gesamten Prozess kompetenzorientierter Lehre im Blickfeld haben, sind daher mit bestehenden Konzepten zur Lehrevaluation, die sich auf eine isolierte Betrachtung einzelner Aspekte der Lehre beschränken, kaum möglich. 

Da es das erklärte Ziel der Vetmeduni Vienna ist, die Studierenden und die Entwicklung ihrer Kompetenzen bestmöglich zu fördern, entschloss sich die Vetmeduni Vienna dazu, Unterstützung von Wissenschaftler/inne/n des Arbeitsbereiches Bildungspsychologie und Evaluation der Universität zu holen. Die Wissenschaftler/innen entwickelten ein Verfahren zur Kompetenzerwerbsanalyse, den sogenannten Kompetenz-Check, der im Rahmen eines Lehrgangs für Evaluation an der Vetmeduni implementiert wurde. 

Beschreibung

Der Kompetenz-Check ist ein Onlinefragebogen zur Einschätzung von Kompetenzen und ist als Screening- und Monitoring-Instrument zur Qualitätssicherung der Lehre im Studienplan des Diplomstudiums Veterinärmedizin fest verankert. Beim Kompetenz-Check werden alle Kompetenzen, die im späteren Berufsleben von besonderer Bedeutung sind, von Studierenden des 6. und 10. Semesters hinsichtlich Wissen und Können bewertet. Die Studierenden schätzen einerseits ein, wie gut sie diese Kompetenzen beherrschen, und andererseits, wie gut diese Kompetenzen im Studium bisher vermittelt wurden. Um ein komplettes Bild zu erhalten, schätzen auch Lehrende und praktische Tierärzte, bei denen Studierende Praktika absolviert haben, das durchschnittliche Niveau der Kompetenzen von Studierenden bestimmter Semester ein. Die Ergebnisse des Kompetenz-Checks erlauben einen Soll-Ist-Vergleich. Die Universität bekommt damit einen guten Überblick über das Kompetenzprofil der Studierenden und über die Stärken und Schwächen der kompetenzorientierten Lehre. Sind Stärken und Schwächen bekannt, werden als nächster Schritt konkrete Maßnahmen zur Qualitätssicherung und Qualitätsverbesserung in der kompetenzorientierten Lehre eingeleitet. Ziel ist es, Schwächen im Lehrprozess gezielt zu eliminieren, und Stärken in einem Bereich beizubehalten und gezielt auf einen anderen Bereich zu übertragen. 

Die Evaluation des Curriculums mittels des Kompetenz-Checks ist im aktuellen Curriculum des Diplomstudiums Veterinärmedizin als eine von drei Evaluierungsmaßnahmen verankert und ist als strategisches Ziel im Entwicklungsplan 2020 festgeschrieben. Er ist somit Teil einer umfassenden Strategie zur Qualitätssicherung, die nicht nur einzelne Aspekte der Lehre betrachtet, sondern einen Gesamtüberblick über die Kompetenzvermittlung in der Lehre gewährt. 

Der erste Schritt in der Implementierung des Kompetenz-Checks war die Entwicklung eines theoretischen Kompetenzmodells, in dem die idealen Ziele sowohl für die Vermittlung der Kompetenzen in der Lehre als auch für den tatsächlichen Kompetenzerwerb der Studierenden definiert ist. Im theoretischen Kompetenzmodell sind alle relevanten Kompetenzen für die zwei Aspekte Wissen und Können fachspezifisch formuliert, und für jeden Kompetenzaspekt ist ein idealer Ausprägungsgrad zu Studienmitte und Studienende spezifiziert. Die Definition des Ausprägungsgrades erfolgt mittels sechs-stufiger Kompetenzniveaus, die eigens für den Kompetenzcheck entwickelt wurden.

Bei der Durchführung des Kompetenz-Checks schätzen die Studierenden des 6. und 10. Semesters ein, wie gut die einzelnen Kompetenzen durch das Studium vermittelt werden, und wie gut ihre eigenen Kompetenzen sind. Analog zum theoretischen Kompetenzmodell wird jede Kompetenz bezüglich der zwei Aspekte Wissen und Können mittels der sechs-stufigen Kompetenzniveaus eingeschätzt. Der Kompetenz-Check funktioniert also wie ein Screeningverfahren über alle relevanten Kompetenzen im Diplomstudium Veterinärmedizin.

Das Ergebnis des Kompetenz-Checks sind schließlich Stärken- und Schwächen-Profile der Kompetenzen. Damit können Diskrepanzen zwischen der tatsächlichen und der idealen Kompetenzvermittlung durch den Lehrprozess genauso identifiziert werden wie Diskrepanzen zwischen der tatsächlichen und der idealen Kompetenzprofile der Studierenden. Die jährliche Durchführung des Kompetenz-Checks ermöglicht außerdem ein Monitoring der Stärken und Schwächen des Lehrprozesses und der Studierenden über die Zeit hinweg.

Ausgehend von diesen Daten werden Hypothesen über mögliche Ursachen dieser Stärken oder Defizite formuliert. Um diese Hypothesen zu prüfen, werden in Abhängigkeit der vorhandenen Ressourcen weitere Daten herangezogen. Diese können beispielsweise die Daten der kompetenzorientierten Lehrveranstaltungsevaluation oder der Absolvent/inn/enbefragung sein. Zusätzlich können Daten anhand von sozialwissenschaftlichen Methoden, wie z.B. Fragebögen, Interviews oder Fokusgruppen, erhoben werden. Aufgrund dieser Ergebnisse werden in weiterer Folge Maßnahmenvorschläge ausgearbeitet und an die zuständigen Gremien weitergeleitet.

Mehrwert

Der Kompetenz-Check bringt Vorteile für Studierende, Lehrende und die Vetmeduni.

Mit ihrer Rückmeldung über die eigenen Kompetenzen und über die bisherige Kompetenzvermittlung an der Vetmeduni tragen die Studierenden zu systematischen Maßnahmen zur Qualitätssicherung und –weiterentwicklung bei. Der Nutzen liegt somit auf der Hand: Hohe Qualität in der Lehre und damit die Chance, sich bestmöglich auf das Berufsleben vorbereiten zu können. Weiters erhalten die Studierenden einen Überblick über die gesamte Bandbreite der im Berufsfeld relevanten Kompetenzen. Dies ermöglicht, Bilanz zu ziehen und über den Erwerb der eigenen Kompetenzen zu reflektieren: Wo haben sie bereits hohe Kompetenzen? Wo möchten sie sich selbst noch verbessern? Was können sie selbst unternehmen, um diese Kompetenzen zu erwerben? 

Der Kompetenz-Check gibt den Lehrenden Rückmeldung, wie gut es ihnen gelingt, die Inhalte der Studierenden über mehrere Semester hinweg aufzubauen und die Kompetenzen der Studierenden dadurch zu fördern. Dies führt zur aktiven Auseinandersetzung mit dem Erwerb von Kompetenzen der Studierenden und kann beim bewussteren und selbstreflektierten Handeln im Lehrprozess helfen. Dadurch bekommen auch die Lehrenden Anregungen, und lernen den Kompetenzerwerb ihrer Studierenden noch gezielter zu fördern: Was klappt gut? Was funktioniert noch nicht so gut? Mit wem können sie sich und ihre Lehrveranstaltung noch besser abstimmen? Können sie mit anderen Lehrmethoden oder Prüfungsformaten Verbesserungen bewirken? 

Für die Vetmeduni Vienna ermöglicht der Kompetenz-Check ein zeitnahes Eingreifen, um gegen etwaige identifizierte Schwächen in der Kompetenzvermittlung und im studentischen Kompetenzerwerb gegensteuern zu können. Längerfristig sollen dadurch auch finanzielle und personelle Ressourcen zum Wohle der Studierenden wirksamer eingesetzt werden können. Die Vetmeduni Vienna kann mittels des Kompetenz-Checks sicherstellen, dass die Studierenden und die Entwicklung ihrer Kompetenzen bestmöglich gefördert werden und die Absolvent/inn/en bestens qualifiziert ins Berufsleben starten können.

Profitierende

  • Studierende
  • Lehrende
  • Verwaltung

ÖH-Ansprechpartner/in

vorsitz@hvu.vetmeduni.ac.at