Autoritäre Einstellungen in der Salzburger Bevölkerung im Zeitverlauf, Seminar

Umgesetztes Projekt

Ziele

In diesem Seminar, das als Lehrforschungsprojekt konzipiert ist, wurden in Kooperation mit der Robert Jungk Bibliothek Salzburg (https://jungk-bibliothek.org/) und mit dem Salzburger Umfrageinstitut IGF (http://www.igf.at/) repräsentative Daten zu autoritären Einstellungen der Salzburger Bevölkerung erhoben, im Zeitverlauf ausgewertet und durch vertiefende Interviews (durchgeführt von Studierenden) ergänzt. Meine forschungsgeleitete Lehre, die ich seit Jahren praktiziere, folgt einer Lehrphilosophie, welche die Kreativität und Eigeninitiative der Studierenden gezielt fördert. Die Seminarteilnehmer/innen sollen durch „learning by doing“ Interesse und Leidenschaft für die soziologische Forschungsarbeit entfalten. Die Studierenden gewinnen durch eigene empirische Erhebungen und Analysen mit Alltagsrelevanz umfassende Erfahrungen, wie quantitative Sozialforschung theoriegeleitet durchgeführt und qualitative Interviews und Analysetechniken angewendet werden können. Das hochschuldidaktische Konzept der Lehrveranstaltung gestaltete sich dem gemäß ganz bewusst auf „Augenhöhe“ mit den Studierenden, um gemeinsam innovative Forschung mit Gesellschaftsrelevanz hervorzubringen.

Kurzzusammenfassung

Im Jahr 2017 wurde eine Kooperation zwischen mir und der Robert Jungk Bibliothek vereinbart, es soll ein Monitoring autoritärer Einstellungen in Salzburg erfolgen. Im aktuellen Seminar werden, basierend auf den Erkenntnissen der Studie 2017, autoritäre Einstellungen der Salzburger Bevölkerung im Zeitverlauf analysiert. Studierende konnten sich für einen quantitativen oder qualitativen Forschungsansatz entscheiden. In der quantitativen Umfrage wurde der bestehende Fragebogen adaptiert und getestet, bevor über eine repräsentative Umfrage das Ausmaß autoritärer und antiegalitärer Weltanschauungen im Zeitverlauf gemessen wurde. Im qualitativen Forschungsansatz wurden die Dynamiken in der gesellschaftlichen Mitte näher analysiert. Die Interviews wurden vollständig transkribiert, mit der dokumentarischen Methode ausgewertet und liefern teils tiefe Einblicke in die „österreichische Seele“ im Kontext von Verunsicherung und sozialem Wandel. Das Seminar führte zu wertvollen Erfahrungen, wie quantitative Sozialforschung theoriegeleitet praktiziert wird, wie die Konzeption und Durchführung von Umfragen funktioniert, wie Daten unter Bezugnahme auf spezifische Fragestellungen ausgewertet und wie komplexe statistische Analysen oder auch qualitative Inhaltsanalysen adäquat aufbereitet werden können. Durch forschungsbasierte Lehre werden Studierende für gesellschaftliche Problemlagen sensibilisiert, wodurch sich mit dieser Unterrichtsform am ehesten eine soziologische Identität entfaltet.

Summary

In 2017, a long-term cooperation with the Robert Jungk Library was initiated with the aim of monitoring authoritarian attitudes in the city and province of Salzburg. In the current seminar, authoritarian attitudes of the Salzburg population are analysed over time, based on the findings of the 2017 study. Students could choose between a quantitative or qualitative methodological approach. In the quantitative part, the existing questionnaire was adapted and tested before a representative survey was conducted to measure the extent of authoritarian and anti-egalitarian world views over time. In the qualitative part, the dynamics within the middle class were analysed in more detail. The interviews were completely transcribed and finally evaluated with the documentary method. The findings provide deep insights into the "Austrian soul" in the context of current insecurities and social change. In the seminar students gain valuable experience of how theory-guided quantitative research is practiced, how surveys are designed and conducted, how data is analysed with reference to specific research questions and how complex statistical analyses or qualitative content analyses can be adequately implemented in research. Through research-based teaching, students become aware of social problems and the dynamics of inequality which can be seen as a key element to develop a sociological identity.

Nähere Beschreibung

Die für den Ars docendi vorgeschlagene Lehrveranstaltung geht auf eine schon länger bestehende Kooperation (seit 2017) mit der Robert Jungk Bibliothek Salzburg zurück. Diese Einrichtung befasst sich überwiegend mit Zukunftsfragen aus einem durchaus gesellschaftskritischen Blickwinkel. In der Stadt Salzburg ist die Robert Jungk Bibliothek fest etabliert und ein wichtiger Ort des gesellschaftspolitischen Diskurses. So wurden beispielsweise alleine im letzten Jahr 161 öffentliche Veranstaltungen organisiert, wo insgesamt mehr als 6000 Besucher/innen gezählt wurden.

 

Ich wurde durch mein soziologisches Profil im Bereich der Ethnozentrismusforschung und durch meine Expertise im Bereich der empirischen Sozialforschung von der Robert Jungk Bibliothek beauftragt, im Zeitabstand von rund drei Jahren repräsentative Erhebungen zu autoritären Einstellungen in Stadt und Land Salzburg zu konzipieren und mit Unterstützung des Instituts für Grundlagenforschung durchzuführen. Dieses ausgewählte Forschungsthema des Monitorings autoritärer Haltungen in Salzburg ist wohl ganz im Sinne von Robert Jungk gewählt. Robert Jungk hat schon in jungen Jahren die Schrecken des Zweiten Weltkriegs vorhergesehen, sich schlussendlich früh für das Exil (anfangs in der Schweiz) entschieden und von dort über die Vorgänge im Dritten Reich berichtet. Er hat sich selbst in seinen Arbeiten mit den Zusammenhängen einer latenten Verunsicherung der Bevölkerung und den psychologischen Mechanismen, die den Hang zur autoritären Unterordnung und Aggression bedingen, auseinandergesetzt. In seinen späteren Arbeiten in der Nachkriegszeit wird sein Antrieb deutlich, das autonome Handeln des Einzelnen in den westlichen Demokratien zu stärken. Denn es liegt in unserer aller Verantwortung, für ein gerechtes und solidarisches Miteinander auf allen Ebenen einzutreten. Zugleich war Robert Jungk davon überzeugt, dass junge Menschen kreative Potentiale in sich tragen, die nur darauf warten, geweckt zu werden.

 

Im Bewusstsein dieser zentralen Leitorientierungen des Namensträgers der Einrichtung entschied ich, die Salzburger Autoritarismusstudien im Rahmen von Lehrforschungsprojekten durchzuführen und gemeinsam mit Studierenden zu verwirklichen. Die Ergebnisse der ersten Studie aus 2017 sind bereits publiziert und liegen als Arbeitspapier (siehe Link 3) vor. Ich habe bereits damals eine studentische Projektassistentin mitfinanziert und in weiterer Folge auch eine Masterarbeit, die aus dem Projekt entstanden ist, betreut. Diese wurde von Janine Heinz erstellt, die 2019 die Wissenschaftspreise der Arbeiterkammer Oberösterreich und Salzburg gewinnen konnte (siehe z.B. www.uni-salzburg.at) und mich auch in der aktuellen Lehrveranstaltung tatkräftig unterstützt hat.

 

Im aktuellen Forschungsseminar im Wintersemester 2019/2020 stand, in Anlehnung an Robert Jungk, didaktisch das Anstoßen von Kreativität, die Entwicklung von Eigeninitiative in der Forschung und das Reflektieren über milieuspezifische Lebenswelten in Österreich im Vordergrund. Mit mehreren studentischen Forscher/innen-Gruppen wurde eine sogenannte Mixed-Methods-Studie umgesetzt (siehe das Design der aktuellen Studie auch in der Relation zu früheren Erhebungen in Link 1). Die quantitative Umfrage wurde in Abstimmung mit den Studierenden konzipiert und mit finanzieller Förderung der Robert Jungk Bibliothek und des Fachbereichs Politikwissenschaft und Soziologie der Universität Salzburg professionell vom Institut für Grundlagenforschung (http://www.igf.at/) umgesetzt. Die quantitativen Daten dienten dazu, das Ausmaß autoritärer Einstellungen in Salzburg zu schätzen und im Zeitverlauf zu analysieren. Durch die Vorarbeiten aus 2017 musste der bestehende Fragebogen nur geringfügig adaptiert werden, um die Ergebnisse zwischen den beiden Erhebungen weitgehend vergleichbar zu halten. Eine Dreiergruppe führte kognitive Pretests des Erhebungsinstruments mittels zehn kognitiven Interviews durch. Diese sind speziell geeignet, um Aspekte des Frageverständnisses, der Urteilsbildung und der Auswahl spezieller Antwortkategorien zu analysieren. Die zweite quantitative Forscher/innen-Gruppe befasste sich mit der Auswertung der Daten. Neben einer Analyse im Zeitvergleich regte die Gruppe die Durchführung einer Clusteranalyse an, um Typen autoritärer Persönlichkeiten in Salzburg zu differenzieren. Dieses Forschungsergebnis verdeutlicht das Kernresultat der Studie und wurde auch medial breit rezipiert (siehe beispielsweise Link 5 und 6 in diesem Antrag).

 

Zusätzlich wurden in einem qualitativen Zugang Interviews in verschiedenen gesellschaftlichen Milieus geführt, um in die Lebenswelt der Salzburger Bevölkerung einzutauchen und Dynamiken in einzelnen Milieus besser zu verstehen. Die Studierenden konnten selbst spezifische Milieus auswählen und entschieden sich für Interviews mit Kulturschaffenden, postmateriell Orientierten, Ärzten und Ärztinnen, Lehrer/innen und Muslim/innen. Die Analyse der Bedrohungswahrnehmungen und Reaktionsweisen von religiös orientierten Muslim/innen in der österreichischen Gesellschaft kann als besonders wertvoller Mosaikstein der Studie betrachtet werden. Die Initiative kam durch eine Muslima in der Lehrveranstaltung zustande, die sich bereits im Masterstudium befindet und umfangreiche Interviewerfahrung aufweist. Es entstanden in dieser Vierergruppe tiefgehende und gehaltvolle Interviews, die durch das große Vertrauensverhältnis zwischen den Interviewer/innen und den Proband/innen zustande kamen. Durch die interkulturell sensible Interpretation der Daten (mit Innensichten von Muslim/innen) wird auf diese Art das Aufdecken von Ungleichheitserfahrungen in einer zunehmend von kultureller Diversität geprägten Gesellschaft und das Hinterfragen potentiell eurozentrischer Sichtweisen möglich.

 

In allen qualitativen Erhebungen wurden problemzentrierte Interviews durchgeführt, die sich mit der Biographie der Untersuchungsteilnehmer/innen, mit Fragen zur aktuellen Arbeitssituation sowie mit gesellschaftspolitisch relevanten Entwicklungen in Österreich auseinandersetzten. Die Argumentationsmuster zu potentiell autoritären Haltungen und zum gesellschaftlichen Zusammenleben in Österreich wurden über Bilder (Photo-Elicit Interviewing) eruiert. Die Auswahl geeigneter Bilder, die repräsentativ für einzelne Dimensionen des Autoritarismus stehen, war für die Studierenden eine spannende Aufgabe. Diese stellen in den Interviews auch für die Befragten eine willkommende Abwechslung ar und können die Fassade der potentiellen sozialen Erwünschtheit durchbrechen und weniger verzerrte, spontane und emotionaler gefärbte Äußerungen bewirken. Die Interviews, die meist zwischen ein-zwei Stunden dauerten wurden anschließend vollständig transkribiert und mit der dokumentarischen Methode ausgewertet.

Ein derart umfassendes Untersuchungsdesign, das gemeinsam mit Studierenden in einem Lehrforschungsprojekt umgesetzt wird, benötigt eine detaillierte Planung, kreative Ansätze der Hochschuldidaktik, eine klare Zielorientierung sowie intensive Feedbackschleifen, um die Studierenden eng ans Projekt zu binden. Die einzelnen Bestandteile der Lehrveranstaltung sind in der wochenweisen Übersicht (Link 2) ersichtlich, wobei ich die innovativen Bausteine des Seminars nochmals gesondert herausstreichen möchte:

 

• Um den Studierenden die Zielsetzungen des Auftraggebers der Studie näherzubringen, wurde der Leiter der Robert Jungk Bibliothek Stefan Wally für die erste Lehrveranstaltungseinheit eingeladen. Es konnte folglich bereits in der ersten Einheit die hohe Relevanz dieser „realen Forschungsarbeit“, die mit der Mission Robert Jungks in Verbindung steht, sichtbar gemacht werden.

• In der zweiten Einheit wurden die Hauptergebnisse der ersten Studie aus 2017 vorgestellt. Auf diese Weise erfolgte die inhaltliche Einführung in ein äußerst komplexes Themenfeld, wo differenzierte Kenntnisse auch über Begleitliteratur erarbeitet werden müssen. Janine Heinz, die an dieser Veranstaltung mitwirkte, fungierte im gesamten Projekt als Mentorin und übernahm auch wesentliche Teilbereiche der Veranstaltung (z.B. Interviewschulung und Maxqda-Schulung zur qualitativen Inhaltsanalyse der Daten). Durch ihre preisgekrönte Masterarbeit und durch ihre wissenschaftliche Karriere bei SORA ist sie für die Studierenden ein wichtiges Role-Model, was mit soziologischer Forschung erreicht werden kann.

• Zusätzlich versuchte ich über neue Methoden der Hochschuldidaktik die Kooperation unter den Studierenden zu stärken. Am Beginn der Feldphase entschied ich mich zur Klärung offener Fragen für die Methode des World Cafés. Im Hörsaal wurden sieben runde Tische gestaltet, ein Mitglied jeder Forscher/innen-Gruppe wurde als Moderator ausgewählt. Die anderen Gruppenteilnehmer/innen wechselten in 6min-Intervallen die Tische, gaben wesentliche Inputs zu den jeweiligen Forschungen und tauschten gemeinsame Erfahrungen aus. Somit konnten zeiteffizient wertvolle Impulse für die Feldphase gesammelt werden.

• Des Weiteren entschied ich mich nach Beendigung der Feldphase für individuelle Feedbackrunden mit jeder einzelnen Gruppe. Wir diskutierten – in Bezug auf die quantitativen Forschungen – potentielle Auswertungsstrategien und Leitlinien für die Berichtlegung. In Bezug auf die qualitative Forschungsarbeit tauschten wir uns über Auffälligkeiten in einzelnen Interviews aus und klärten abschließende Fragen zur qualitativen Inhaltsanalyse der Daten.

• Zusätzlich bietet ein Forschungspraktikum dieser Art zahlreiche Möglichkeiten, auf webbasierte Informations- und Kommunikationstechnologien zurückzugreifen. Der gesamte Datentransfer sowie die Organisation der Lehrveranstaltung wurde über Blackboard abgewickelt. Zusätzlich wurden die Studierenden in computerbasierten Tools für die quantitative Forschung (Auswertung über die Statistik-Software SPSS) geschult bzw. in neue Tools für die qualitative Forschung (computergestützte Inhaltsanalyse über MAXQDA) eingeführt.

• Mittels dieser Strategien gelang es für den Abschluss des Seminars drei Plenumstermine für vorläufige Endpräsentationen zu reservieren, die Ergebnisse ausführlich zu diskutieren und innerhalb der Forscher/innen-Gruppen entsprechend zusammenzuführen. Für alle Studierenden umfasste das Seminar ein heterogenes und vielfältiges Leistungsspektrum, das von Präsentationstechniken über empirische Feldarbeit bis hin zur Analyse und Berichtlegung empirischer Daten reichte.

• Den Höhepunkt der Lehrveranstaltung bildete schließlich die Montagsrunde in der Robert Jungk Bibliothek, die eine erstmalige öffentliche Präsentation der Ergebnisse beinhaltete. Über 20 Studierende aus dem Seminar frequentierten die Veranstaltung, sie wird sicherlich zu den erfolgreichsten Montagsrunden der RJB-Bibliothek im Jahr 2020 zählen (siehe Link 4).

 

Mir war von Beginn an bewusst, dass ein derart komplexes Forschungsdesign für die Lehre große Herausforderungen mit sich bringt. Gerade wenn Studierende als Neulinge im empirischen Feld agieren, sind nicht nur entsprechende Vorbereitungen über Schulungen nötig sondern auch regelmäßige Feedbackschleifen, um Unsicherheiten im eigenen Vorgehen entsprechend abzubauen. In der gesamten Feld- und Auswertungsphase waren vielfach Beispiele einer positiven Gruppendynamik erkennbar: Es war beeindruckend zu sehen, wie die Teilnehmer/innen die Relevanz der Forschung erkannten, sich gegenseitig in der Auswahl potentieller Interviewpartner/innen unterstützten und die Interviews mit Bravour organisierten und durchführten. Die qualitativ orientierten Forscher/innen erkannten somit in der kurzen Zeitspanne eines Semesters, wie problemzentrierte Interviews differenziert konzipiert werden können, welche Herausforderungen in der Interviewführung und in der Gruppenzusammenarbeit bestehen und welche zeitraubenden Prozesse (vom Interviewzugang über Transkription bis zur softwaregestützten Analyse des Materials) auftreten. Auch die quantitativen Studierenden, die in ihrem Feld oft schon mehr Expertise mitbringen, erlernten, wie der gesamte Forschungsprozess (von der Konzeption über die Feinjustierung bis zur Durchführung der Umfrage und Auswertung der Daten) abläuft und wie die Ergebnisse im Zuge eines Endberichts aufbereitet werden können.

 

Zusammenfassend hat aus meiner Sicht das Seminar in mehrfacher Hinsicht Pioniercharakter, sowohl den Forschungsgegenstand betreffend, weil Studien zu Autoritarismus und Fremdenfeindlichkeit über mehrere Erhebungswellen in Österreich nur bedingt vorhanden sind, als auch bezüglich der gewählten Lehrmethoden. Der Anspruch von Robert Jungk, mit forschungsbasierter Lehre Interesse für demokratiepolitisch relevante Fragen zu wecken und Leidenschaft für die Erforschung und Analyse der gesellschaftlichen Wirklichkeit zu wecken, kann folglich aus meiner Sicht als erfüllt gelten.

Ist das Konzept auf andere Lehrveranstaltungen bzw. Lehrsituationen übertragbar? Wird das Konzept längerfristig eingesetzt und weiterentwickelt?

Ich habe in den letzten Jahren erfolgreich (teils über ein Semester oder über ein ganzes Jahr) mehrere quantitativ orientierte Forschungsseminare abgehalten und auch zahlreiche Mixed-Methods-Projekte durchgeführt. Deshalb ist meine Lehrphilosophie wohl auf viele Veranstaltungstypen übertragbar, wo Studierende eigenständig empirische Forschungen durchführen. Ich biete beispielsweise auch Seminare an, wo Studierende anhand von vorhandenen Datensätzen in der Erstellung eines Research Papers begleitet werden. Auch hier muss gemeinsam an der Fragestellung und am Konzept der Operationalisierung gearbeitet werden, um die TeilnehmerInnen für potentielle Fallstricke in der Methodologie zu sensibilisieren. Gerade Primärerhebungen, wo die Studierenden selbst ins Feld gehen, sind aus meiner Sicht die Quintessenz der Lehre, weil Studierende ihre Kreativität im Idealfall frei entfalten können. Hier sollte stets die richtige Balance zwischen Anleitung (Top-Down) und Eigeninitiative (Bottom-Up) gewählt werden. Mit jeder Auftragsforschung, wo in meiner Arbeit Studierende beteiligt werden, entwickelt sich das Lehrkonzept naturgemäß weiter und kann – je nach Fragestellung – beliebig adaptiert werden. Gewisse Bausteine wie innovative Lehrmethoden (wie World Café), Schulungen von fortgeschrittenen Studierenden und Jungabsolvent/innen und intensive Feedbackrunden haben sich gut bewährt und sollen in weiteren Veranstaltungen fortgesetzt werden. Wenn Forschungskooperationen mit öffentlichen Einrichtungen geschlossen werden bedeutet dies für viele den ersten „Ernstfall“, wie mit empirischer Forschung gesellschaftliche Realität beobachtet bzw. gemessen, erfahren und soziologisch reflektiert werden kann. In der weiteren Betreuung gilt es dann bei neben der Lehre auch bei Bachelor- und Masterarbeiten daran zu feilen, dass die Studierenden das soziologische Denken internalisieren, in der breitgefächerten Berufswelt adäquat anwenden können oder im Idealfall für eine Karriere in der wissenschaftlichen Forschung angemessen vorbereitet sind.

Ist die Akzeptanz des Projekts gegeben? Welche Evidenzen (z.B. Evaluierungsergebnisse) gibt es hierfür?

Mit dem Salzburger Autoritarismusprojekt, das 2017 ins Leben gerufen wurde, konnten schon beachtliche Erfolge erreicht werden. Die beiden Forschungspraktika 2017 und 2020, die jeweils als Lehrforschungsprojekte konzipiert waren, wurden von den Studierenden stark frequentiert und jeweils ausgezeichnet evaluiert.

 

Zudem sind aus der Forschung schon mehrere Publikationen entstanden. Die Projektbeteiligte Janine Heinz ist für ihre auf das Projekt 2017 bezogene Masterarbeit mit zwei Wissenschaftspreisen (AK Salzburg und AK Oberösterreich) ausgezeichnet worden. Die Studie 2017 wurde in einem ausführlichen Working Paper der Robert Jungk Bibliothek publiziert (siehe Link 3), basierend auf der Studie 2020 wird in Kürze ein weiteres Working Paper erscheinen. Zudem wurden die österreichweiten Ergebnisse der Studie in einem englischsprachigen Buchbeitrag veröffentlicht (siehe wochenschau-verlag.de/nationalpopulismus-bildet-lehren-fuer-unterricht-und-bildung.html)

 

Durch die gelungene Öffentlichkeitsarbeit der Robert Jungk Bibliothek ist auch das mediale Interesse (siehe Link 5 und 6) an den Ergebnissen berechtigt und die Montagsrunden erfahren zunehmend breite Resonanz in der Salzburger Bevölkerung (siehe Link 4). Ziel ist es, über weitere Erhebungen die Kooperation über die nächsten Jahre zu festigen und die Salzburger Autoritarismusstudien weiter in Salzburg zu etablieren.

Positionierung des Lehrangebots

Soziologiestudierende (primär Bachelorstudierende, teils Masterstudierende)

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2020 nominiert.