Plattform Duales Studium Österreich

Umgesetztes Projekt

Ziele

Die Plattform Duales Studium Österreich wurde gegründet, um zur Steigerung des Bekanntheitsgrades des dualen Studienmodells und zur qualitätsgesicherten Umsetzung der österreichischen dualen Studiengänge beizutragen. Darüber hinaus berät sie insbesondere interessierte Hochschulen und gibt Hilfestellung bei der Entwicklung neuer dualer Studiengänge bzw. bei der Weiterentwicklung bestehender dualer Studiengänge.

Kurzzusammenfassung

2014 wurde die Plattform Duales Studium Österreich gegründet, um die qualitätsgesicherte Entwicklung von dualen Studiengängen in Österreich im Rahmen eines Netzwerks zu fördern. Die Plattform besteht insbesondere aus VertreterInnen von Fachhochschulen, wie Studiengangsleitungen von dualen Studiengängen, Personen, die mit Curriculumsentwicklung und Qualitätssicherung betraut sind und dient auch als Informationsplattform für Hochschulen, Studieninteressierte und kooperierende Unternehmen.

Summary

Plattform Duales Studium Österreich was founded in 2014 to promote the quality-assured development of dual programs (co-op. education/ work integrated education) in Austria as part of a network. The platform consists in particular of representatives from universities of applied sciences, such as heads of study programs for dual study programs, persons in charge for curriculum development and quality assurance and also serves as an information platform for universities, prospective students and cooperating companies.

Nähere Beschreibung

Während in Übersee die sog. Co-operative education / das Work-based learning bereits auf eine lange Tradition zurückblicken kann und auch in Deutschland das duale Studium insbesondere auf Grund der demografischen Entwicklungen längst ein wesentlicher Bestandteil der Hochschullandschaft geworden ist -derzeit studieren in Deutschland etwa 95.000 junge Menschen in mehr als 1.500 dualen Studiengängen, die mit mehr als 41.000 Ausbildungsbetrieben kooperieren (Vgl. Nickel, Püttmann, 2015, S.4) - gibt es in Österreich nur ein sehr kleines Angebot an Studienprogrammen, die Hochschule und berufliche Ausbildung auf curricularer Ebene miteinander verknüpfen.

2014 wurde an der Fachhochschule St. Pölten ein Entwicklungsteam eingesetzt, um ein duales Studium zu konzipieren. Um den im Rahmen einer sehr intensiven Bedarfs- und Akzeptanzanalyse und zahlreichen Gesprächen und Erhebungen bei diversen Stakeholdern festgestellten österreichischen Bedarfen gerecht zu werden, der FH-Akkreditierungsverordnung zu entsprechen und dem FHStG qualitätsvolle Entwicklung zu gewährleisten, wurde seitens FH St. Pölten durch die Fachverantwortliche für Programmentwicklung eine Plattform initiiert, um zunächst einen Erfahrungsaustausch anzuregen. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits seit 2002 an der FH Joanneum in Graz einen laufenden dualen Bachelor- und einen dualen Masterstudiengang (hervorgegangen aus einem Diplomstudium) und es befand sich ein dualer Studiengang der FH Vorarlberg im Akkreditierungsverfahren.

Bereits im Zuge der ersten Gespräche mit VertreterInnen der Fachhochschulen konnte festgestellt werden, dass die Konzeption und Umsetzung von dualen Studienprogrammen stark von nationalen Rahmenbedingungen abhängt und daher beispielsweise die Abbildung der in Deutschland auch historisch gewachsenen Varianten der dualen Studiengänge in Österreich nicht praktikabel sein kann.

Auch das vermehrte auf den Markt Drängen von durch Unternehmen gesteuerte duale Ausbildungsprogramme stellte einen Anlass dar, um in einem Zusammenschluss von Fachhochschulen im Sinne der Studierendenzentriertheit und auch der Qualitätssicherung tätig zu werden.

Um zu einem gemeinsamen österreichischen Modell zu finden, das flexibel genug ist, auch eventuelle regionale Unterschiede abzubilden, formierte sich ein Gründungsteam bestehend aus Fachhochschulen, diese Runde wurde ergänzt von je einer Verterterin der Agentur für Qualtitssicherung und Akkreditierung Austria (AQ Austria) und dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forsch, Abteilung IV/7.

Im Rahmen der gemeinsamen Arbeit beleuchtet die Plattform Aspekte, die für die Gesellschaft, für Hochschulen und Unternehmen in Zukunft auf Grund der sich rasch verändernden Arbeitswelten, der Digitalisierung und auch auf Grund demografischer Veränderungen eine Herausforderung darstellen. Die Plattform geht davon aus, dass den großen Herausforderungen der Zukunft durch die Herausbildung von sog. Future Work Skills, die beispielsweise in der Studie der University of Phoenix aufgezeigt werden, durch gut konzipierte duale Studienprogramme begegnet werden kann. Ebenso können duale Studienprogramme u.a. im Rahmen des lebensbegleitenden Lernens einen großen Beitrag zur Inklusion leisten und damit auch wesentliche Punkte aus den SDGs aufgreifen.

Die Einbeziehung von Unternehmen bzw. BerufsfeldvertreterInnen in die Curriculumsentwicklung ist spätestens mit den ESG 2015 „Studiengänge werden unter Mitwirkung der Studierenden und weiterer beteiligter Interessensgruppen gestaltet“ eindeutig definiert, darüber hinaus auch im Fachhochschulstudiengesetz festgehalten.

Um die genannten, sehr vielfältigen Aspekte in gut studierbare, qualitätsgesicherte duale Formate zu gießen, bedarf es aus Sicht der Plattform Duales Studium Österreich gemeinsamer Standards. Diese wurden nach intensivem Diskurs 2016 von den Gründungsmitgliedern der Plattform in Form einer Definition und Merkmale für duale Studiengänge an österreichischen Fachhochschulen beschrieben und mit dem Ziel, das duale Studium in Österreich verständlicher und transparenter zu machen und es von anderen Formen praxisintegrierter Studien abzugrenzen veröffentlicht.

 

 

Definition:

„Duales Studium“ bezeichnet die inhaltliche und strukturelle Integration von mindestens zwei gleichwertigen Lernorten – Hochschule und Unternehmen – für eine gemeinsam gestaltete Ausbildung auf Hochschulniveau.

Merkmale, die ein duales Studium in Österreich kennzeichnen:

 

- Mehrmalige Abfolge von Theorie- und Praxisphasen und kontinuierliche Reflexion

- Die Praxisphasen gehen über den üblichen Umfang eines Berufspraktikums in einem Fachhochschulstudiengang hinaus, sowohl in zeitlicher Hinsicht als auch in Hinblick auf die Konkretisierung der Inhalte.

- Der Erwerb curricular definierter Kompetenzen findet an beiden Lernorten statt und ist gekennzeichnet durch die Verknüpfung von Wissenschaftlichkeit und Umsetzungsorientierung.

- Die Aufnahmeverfahren für Hochschule und Unternehmen liegen in der Verantwortung des jeweiligen Partners und sind aufeinander abgestimmt.

- Das Unternehmen muss eine Ausbildungsverpflichtung übernehmen und dafür geeignet sein, die vorgesehenen Studieninhalte zu vermitteln.

- Die Organisation der Theorie- und Praxisphasen stellt die Rahmenbedingungen für eine verträgliche zeitliche Gesamtbelastung für Studierende.

- Die Beziehung der drei Partner Studierende/r, Hochschule und Unternehmen unterliegt verbindlichen Regelungen zur Qualitätssicherung.

- Es besteht eine durchgehende Ausbildungspartnerschaft mit angemessener Vergütung der Praxisphasen im Rahmen eines Anstellungsverhältnisses, das idealerweise über mindestens zwei Drittel der Studiendauer durchgängig aufrecht ist.

 

Diese Definition und auch die Merkmale kommen seither insbesondere auch im Rahmen von Akkreditierungsverfahren zum Einsatz.

Derzeit bieten sechs österreichische Fachhochschulen duale Studiengänge an, die Plattform Duales Studium Österreich betreibt auch eine Webseite (www.dualstudieren.at), die allen InteressentInnen (Studieninteressierte, an Kooperation interessierte Unternehmen, Hochschulen etc.) umfangreiche und transparente Informationen bietet. Mitglieder der Plattform stellen diese und ihre Aktivitäten darüber hinaus auch auf internationalen Konferenzen vor und suchen den Kontakt zu Netzwerken, um die qualitätsvolle Entwicklung der dualen Studiengänge voranzutreiben.

Die Plattform selbst tagt zwei Mal jährlich, eine Fachhochschule hat den Vorsitz im Jahresrhythmus inne.

 

 

Witzani, A. (2016): Duales Studium in Österreich. In: Hauser (ed), Hochschulrecht. Jahrbuch 16, p 62 – 77, Wien.

Meyer-Guckel, Volker/Nickel, Sigrun/Püttmann, Vitus/Schröder-Kralemann, Ann-Katrin (2015):

Qualitätsentwicklung im dualen Studium - Ein Handbuch für die Praxis,Edition Stifterverband, Essen

 

Zusammenfassend ist der Beitrag des Projekts zu den Kriterien 2020 des Ars Docendi folgender:

- Innovative Hochschuldidaktik

Das duale Studium und die damit einhergehende Verzahnung zweier Lernorte (Hochschule und Unternehmen) erlaubt beispielsweise projektbasiertes Lernen in konkreten, realen Projekten. Sowohl Studierende als auch Lehrende nehmen dabei unterschiedliche Rollen ein, insbesondere sind Unternehmensbetreuer und hochschulische Betreuer vielmehr in der Rolle des Coaches, als in klassisch organisierten Studienprogrammen.

- Studierendenzentrierung und Heterogenität

Das duale Studium eröffnet unterschiedlichen Zielgruppen den Zugang zur Hochschule, insbesondere Mitarbeiter*innen in Unternehmen bekommen die Gelegenheit nicht nur berufsbegleitend, sondern in intensiver Verzahnung mit ihrer Tätigkeit ein Studium zu absolvieren. Durch das durchgängig bezahlte Gehalt bekommen auch Studierende, die aus finanziellen Gründen ein Studium nicht in Erwägung ziehen würden viel eher die Chance doch noch ein Studium abzuschließen. Die sich durch die unterschiedlichen Zugangsmöglichkeiten ergebenden heterogenen Studierendengruppen mit diversifizierenden Backgrounds lassen vielfältige didaktische Maßnahmen zu. Der Wissenstransfer zwischen Hochschule und Praxis bzw. zwischen Praxis und Hochschule ermöglicht Studienprogramme am neuesten Stand der Wissenschaft und Technik.

- Kompetenzorientierung

Im Rahmen des dualen Studiums werden sowohl Fach- als auch Methodenkompetenz im Rahmen von realen Projekten erworben. Durch die Eingliederung der Studierenden in Teams auf dem Arbeitsplatz und durch den regelmäßigen Switch zwischen den Lernorten werden aber auch insbesondere Selbst- und Sozialkompetenzen auf hohem Niveau erworben.

- Europäische und internationale Ausrichtung

Insbesondere der Lernort Partnerunternehmen erlaubt einen spannenden Zugang zur Internationalisierung, hier kann die Arbeit in internationalen Teams, fallweise auch in Kombination mit der Unternehmenssprache Englisch geübt werden, dabei werden nicht nur Selbst- und Sozialkompetenzen erworben, die essentiell für eine lebenslange Beschäftigungsfähigkeit sind, sondern auch Fach- und Methodenkompetenzen erlernt, die im Fach international üblich sind. Das duale Studium hat in vielen Ländern bereits eine sehr lange Tradition und auch hohes Ansehen, dies stellt einen wichtigen Anknüpfungspunkt dar.

Ist das Konzept auf andere Lehrveranstaltungen bzw. Lehrsituationen übertragbar? Wird das Konzept längerfristig eingesetzt und weiterentwickelt?

Das Konzept wird laufend bei Curriculumsentwicklungen mitgedacht und bei ausreichenden Partnerschaften in der Praxis umgesetzt.

Ist die Akzeptanz des Projekts gegeben? Welche Evidenzen (z.B. Evaluierungsergebnisse) gibt es hierfür?

Die so angebotenen Studiengänge werden durch die Studierenden regelmäßig evaluiert und zeigen positive Ergebnisse.

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2020 nominiert.