Empirische Forschungspraktika: Hochschulbildungsangebote für Geflüchtete

Umgesetztes Projekt

Ziele

Vor dem Hintergrund der sogenannten Flüchtlingswelle im Sommer 2015 zeigte die österreichische Zivilgesellschaft ein enormes Ausmaß an Hilfsbereitschaft und Engagement. In diesem Kontext ist auch die Etablierung der MORE Initiative zu sehen, an der sich alle 22 öffentlichen Universitäten beteiligten. Ziel ist es, für Menschen, die durch Flucht den Zugang zu Bildung verloren haben, Zugangsmöglichkeiten ins österreichische Hochschulwesen zu schaffen, sofern die notwendigen Voraussetzungen (Hochschulberechtigung) erfüllt sind.

 

Ausgangspunkt der Auseinandersetzung mit dem Thema Hochschulbildungsangebote für Geflüchtete war eine durch die österreichische Universitätenkonferenz (UniKo) angestoßene Programmevaluation von MORE. Die Ausgestaltung des seit Wintersemester 2015/16 angebotenen Programms variiert je nach Universitätsstandort, was eine Evaluierung nicht nur notwendig, sondern auch herausfordernd machte.

 

Für einen Teil des Evaluationsvorhabens war von Beginn an die Involvierung von Studierenden vor dem Hintergrund angedacht, Studierende so näher an die Forschungsrealität heranzuführen. Zusätzlich wurde das Ziel verfolgt, ein langfristiges Projekt zu entwickeln, das Lehrforschung über mehrere Kohorten hinweg ermöglicht, gesellschaftliche Relevanz hat, in wissenschaftlichen Publikationen verwertet werden kann und auf die Universität als Organisation einwirkt. Mit den generierten Erkenntnissen zu einem bislang wenig untersuchten, gesellschaftlich relevanten Themenbereich wurde damit ein Beitrag zum wissenschaftlichen Diskurs im Feld geleistet.

 

Studierenden wurde dadurch nicht nur ein Einblick in den Ablauf sozialwissenschaftlicher Forschungsprojekte gegeben, sie waren aktiv in den kollektiven Prozess der wissenschaftlichen Wissensgenerierung eingebunden und erlebten den Impact und die Relevanz sozialwissenschaftlicher Forschung.

 

Dies erfolgte im Rahmen des Forschungspraktikums empirische Sozialforschung im Bachelorstudiums Soziologie. Die Lehrveranstaltung sieht vor, dass Studierende angeleitet und befähigt werden, ein theoriegeleitetes sozialwissenschaftliches Forschungsprojekt erfolgreich durchzuführen. Sie erwerben die Kompetenzen ein Forschungskonzept (Design und Operationalisierung) zu erstellen; geeignete Instrumente zu entwickeln und zu testen; die Datenerhebung zu organisieren und durchzuführen; Daten zu analysieren und zu interpretieren; einen schriftlichen Forschungsbericht zu erstellen und die Ergebnisse zu präsentieren.

 

Dadurch, dass ein breiteres Thema in den Vordergrund gerückt wurde und ein Teilaspekt von einer ersten Studierendenkohorte in Kooperation mit externen Forscher/innen bearbeitet wurde, auf deren Ergebnisse eine zweite Studierendenkohorte explizit Bezug nahm, wurde der Rahmen erweitert. Die Teilnehmenden an den Lehrveranstaltungen bearbeiteten nicht nur ein in sich geschlossenes Projekt, sondern waren eingebunden in die wissenschaftliche Community und den kooperativen Prozess wissenschaftlicher Wissensgenerierung. Sie erlebten so, dass ein individueller, spezifischer Beitrag zu einem größeren Ganzen beiträgt und dass Forschung rezipiert wird und wirkt.

Kurzzusammenfassung

Bei der ersten Studierendenkohorte lag der Fokus auf der Evaluation der MORE Initiative. Dabei wurde seitens der Studierenden ein Teilaspekt einer breiter angelegten Evaluationsstudie bearbeitet. Die Auseinandersetzung mit dem Thema war damit eingebunden in ein größeres, koordiniertes Projekt, an dem andere Forschende beteiligt waren. Der im Rahmen der Lehrveranstaltung bearbeitete Teilbereich ging der Frage nach, wie sich der Prozess der Hochschulintegration von Menschen mit Fluchthintergrund ausgestaltet. Damit lassen sich nicht nur Aussagen darüber treffen, wie MORE oder ähnliche Initiativen passgenauer gestaltet werden können, sondern in weiterer Folge auch über die Anwendbarkeit verschiedener Integrationstheorien.

 

Hier knüpfte die zweite Studierendenkohorte an. Basierend auf den Ergebnissen der vorangegangen Auseinandersetzung ihrer Kolleg/inn/en mit dem Thema und dem allgemeinen Forschungsstand wurden Forschungsdesiderate identifiziert und – mit Fokus auf Teilnehmende an MORE an der JKU – mittels vorhandener Sekundärdaten und eigens generierter Interviewdaten vertiefend bearbeitet.

 

Mit der Ausgestaltung als studierendenzentriertes Lehrforschungsprojekt gingen mit dem inhaltlichen Projekt folgende Lehr- und Lernziele einher: Kompetenzerwerb im Bereich der Methoden der empirischen Sozialforschung, praxisnahes Kennenlernen des Forschungsprozesses unter realen Bedingungen und der Transfer von wissenschaftlichen Theorien in Forschungsinstrumente und Ergebnisdissemination.

Summary

The first cohort of participants focused on evaluating the MORE initiative. Students contributed to a broader evaluation study with their work. Therefore they were part of a larger, coordinated project in which other researchers were involved. Within the course the focus was on the question of how the process of university integration of people with a refugee background is structured. Results not only allow statements about how MORE or similar initiatives can be tailored, but also about the applicability of various integration theories.

 

The second student cohort started here. Based on the results of their colleagues and the general state of research, research desiderata were identified and - with a focus on participants in MORE at the JKU - processed in depth, relating on existing secondary data as well as originally generated interview data.

 

The content-related project in its design as student-centered teaching/research project, was related to the following teaching and learning goals: acquisition of competence in methods of empirical social research; practical knowledge of the research process under real conditions and the transfer of scientific theories into research instruments and dissemination of results.

Nähere Beschreibung

Beim Thema der Integration von Geflüchteten handelt es sich einerseits um ein gesellschaftspolitisch relevantes Thema, zu dem andererseits derzeit noch eine Wissenslücke besteht. Über Mechanismen der Integration der spezifischen Gruppe jener mit Fluchthintergrund in und durch Hochschulen ist wenig bekannt. Diese identifizierte Forschungslücke bildete den Ausgangspunkt, um Studierenden bereits früh in die Forschung des Instituts einzubeziehen.

 

Das passierte im Rahmen der Lehrveranstaltung Forschungspraktikum in empirischer Sozialforschung im Bachelorstudium Soziologie an der Johannes Kepler Universität (JKU). Das jeweils zweisemestrige Praktikum hat zum Zweck, Studierende zu befähigen, ein sozialwissenschaftliches Forschungsprojekt durchführen zu können. Ziel war es, im Rahmen der curricularen Vorgaben eine längerfristige Basis zu schaffen, bei der Studierenden sowohl die Relevanz von (Lehr-)Forschung vermittelt als auch aufgezeigt wird, dass studentische Forschung bedeutsame wissenschaftliche Erkenntnisse produzieren kann. Als Ausgangspunkt zur Umsetzung des Vorhabens diente eine durch die UniKo angestoßene Programmevaluation. Gegenstand war die MORE Initiative, ein Angebot der österreichischen Universitäten, dass sich an Studierende mit Fluchthintergrund richtet.

 

Mit der Beteiligung an einem Evaluationsvorhaben wurden Studierende einerseits in die Forschung des Instituts und andererseits auch in den allgemeinen Prozess der kooperativen Wissensgenerierung unter realen Bedingungen eingebunden. Geeignet als Einstiegspunkt war das, da eine konkrete Zielvorgabe vorhanden war, was einen Fokus in einem breiten Feld von Möglichkeiten erlaubte. Durch das Eingebunden sein in ein größeres Forschungsvorhaben wurde es damit zeitgleich möglich, die Realität wissenschaftlicher/empirischer Forschung zu vermitteln: diese greift vorhandenes Wissen auf, fokussiert auf einen spezifischen Teilbereich und trägt damit einen Teil zum generellen Wissen in einem Themenbereich bei, woran wiederum andere anknüpfen.

 

Diesem Umstand wurde auch durch den längerfristigen Horizont, über eine spezifische Lehrveranstaltung hinaus, Rechnung getragen. Bislang zwei Kohorten von Studierenden arbeiteten im Rahmen der Lehrveranstaltung zum gleichen Thema. Die erste Kohorte generierte Daten zu einem Teilbereich einer breiter angelegten Evaluationsstudie. Studierende der zweiten Kohorte nutzten das Material ihrer Kolleg/inne/n und führten deren Arbeit vertiefend weiter.

 

Empirisches Forschungspraktikum: Kohorte 1

 

Entsprechend der weitreichenden und gesellschaftlich relevanten Fragestellung war die Lehrveranstaltung Teil eines breiteren Evaluationsprojektes und nahm speziell die Erfahrungen und Eindrücke vergangener und aktueller MORE-Teilnehmer/innen in den Blick. Ausgehend von diesem Forschungsauftrag identifizierten Studierende (14 Personen) in einem ersten Schritt evaluationsrelevante Aspekte. Dazu wurde sowohl zum Programm als auch zum Forschungsstand recherchiert und ein theoriebasiertes Wirkungsmodell zur Programmwirkung erstellt. Es ergaben sich folgende forschungsleitende Fragen:

 

- Wie beurteilen die Teilnehmenden die Initiative hinsichtlich des vorhandenen Angebots, der Ausgestaltung und deren Nutzen?

- Wie lässt sich der Beitrag zur Integration beschreiben?

- Welche Ressourcen konnten die Teilnehmenden im Rahmen der Programmteilnahme aufbauen?

- Inwieweit passen Erwartungen und persönliche Rahmenbedingungen der Teilnehmenden und Programmausgestaltung zusammen?

 

Im Anschluss an die Festlegung der zentralen Forschungsfragen arbeiteten die Studierenden in Kleingruppen mit spezifischen thematischen Schwerpunktsetzungen weiter. Sie entwickelten zur Umsetzung des Projektes mit den Lehrveranstaltungsleitern ein internes – für den Austausch zwischen den Lehveranstaltungsteilnehmer/innen – als auch externes – für den Austausch der Lehrveranstaltugsteilnehmer/innen mit der externen Forschungsgruppe – Berichts- und Dokumentationswesen.

 

Für Teilschritte im Forschungsprozess wurden inhaltliche Inputs seitens der Lehrenden gegeben. Auf Basis dessen erfolgte in den, durch die Lehrenden unterstützten Arbeitsgruppen, die konkrete Umsetzung. Für die verschiedenen Aspekte des theoriebasierten Wirkungsmodells wurden aus der Literatur Indikatoren abgeleitet und in weiterer Folge in Form von Items im Rahmen einer quantitativen Befragung operationalisiert. Die Kleingruppen wurden durch die Lehrenden in diesem Prozess begleitet. In Plenumssitzungen fanden (Zwischen-)Präsentationen und Diskussionen von Arbeitsergebnissen statt, die auch World-Café- und Jig-Saw-Methoden nutzten. So wurde sichergestellt, dass der gemeinsame Rahmen erhalten bleibt und externe Projektpartner/innen informiert werden konnten.

 

Parallel zu den inhaltlichen Tätigkeiten erfolgten organisatorische Vorarbeiten. Der Aufbau des Erhebungsinstruments wurde mit den externen Forschenden abgestimmt und die Datenerhebung organisiert. Diese erfolgte in zwei Teilen: über ein Onlineinstrument, dass die MORE-Koordinator/innen an den jeweiligen Standorten via E-Mail an die Teilnehmenden verteilten, und mittels einer Paper & Pencil Befragung in Deutschkursen für MORE Teilnehmer/innen an den drei größten Standorten. Exemplarisch lässt sich an dieser Phase die Entwicklung von Problemlösungskompetenzen demonstrieren. Idealtypisches Forschungskonzept und in der Realität Machbares gehen nicht immer konform. Beispielsweise war der Rücklauf aus der Onlineumfrage gering und alternative Rekrutierungsstrategien mussten diskutiert und umgesetzt werden.

 

Generierte Daten wurden aufbereitet und analysiert. Für Teilschritte im Forschungsprozess wurden jeweils inhaltliche Inputs seitens der Lehrenden gegeben. Auf dieser Basis erfolgte in den Arbeitsgruppen die konkrete Umsetzung. Plenumssitzungen wurden genutzt, um sich wechselseitig zu informieren und im Rahmen des Projektmanagements gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Nachdem der Forschungsprozess abgeschlossen war, wurden Modelle der Wissenschaftskommunikation diskutiert und das Material entsprechend aufbereitet:

 

- Ergebnisse wurden verschriftlicht und von einem studentischen Redaktionsteam zu einem gemeinsamen Forschungsbericht zusammengefasst.

- Studierende und Lehrende präsentierten und diskutierten Ergebnisse im Rahmen eines MORE-Borealis Stammtisch – einem regelmäßigen Treffen von Teilnehmenden an der JKU.

- Die erhobenen Daten wurden für die wissenschaftliche Nutzung aufbereitet und sind heute über AUSSDA – The Austrian Social Science Data Archive (siehe Links) – für Forschungs- und Lehrzwecke verfügbar.

- Auf Basis der Daten entstand ein Beitrag einer interinstitutionellen Forscher/innengruppe in der Fachzeitschrift Higher Education (siehe Links).

- Auf Basis des studentischen Endberichts wurde eine Kurzfassung erstellt, welche Teil der allgemeinen Evaluationsstudie zu MORE ist.

- Ergebnisse wurden im Rahmen einer Pressekonferenz (siehe Links) präsentiert.

- Eine Ergebnispräsentation fand auch im Rahmen einer Sitzung der UniKo-Koordinator/innen von MORE statt.

 

Die Studierenden illustrierten, dass Integration ein vielschichtiger Prozess ist, der über mehrere Pfade erfolgen kann. Um diesen zu verstehen, müssen dabei Charakteristika der in sich heterogenen Gruppe der Geflüchteten, aber auch Eigenschaften der Aufnahmegesellschaft und vorgefundene Rahmenbedingungen Berücksichtigung finden.

 

Empirisches Forschungspraktikum: Kohorte 2

 

Die im Projekt identifizierten Herausforderungen und die dabei generierten Daten wurden in einem thematisch aufbauenden Forschungspraktikum, das von einer nachfolgenden Studierendenkohorte (erneut 14 Personen) besucht wurde, weiter genutzt. Der didaktische Grundaufbau wurde beibehalten, Reporting-Plattformen und Modi weiterentwickelt. Im zweiten Jahr stand MORE an der JKU im Vordergrund. Die Studierenden leiteten aus dem Ergebnisbericht Desiderate für vertiefende Forschungsfragen ab.

 

Mittels inhaltlicher Inputs wurden Studierende auf bevorstehende nächste Schritte vorbereitet und zunächst bei der Übersetzung des interessierenden Themas in eine wissenschaftliche Forschungsfrage begleitet. Jeweils geeignete Modelle zur Fassung des Themas wurden gesucht, diskutiert und bewertet (sowohl in/mit Kleingruppen als auch im Plenum) und der Forschungsstand systematisch aufgearbeitet. Auf Basis dessen wurde weiterer Informationsbedarf identifiziert und koordiniert in Erhebungsinstrumente umgesetzt. Datenbasis bildeten einerseits verfügbare Daten aus dem Evaluationsprojekt und ergänzend dazu qualitative leitfadengestützte Interviews mit drei Akteursgruppen rund um MORE an der JKU: Teilnehmende, mit MORE assoziierte Personen (z.B. Lehrende, aus der Administration etc.) sowie nicht mit MORE assoziierte Expert/inn/en (z.B. Betreuer/innen in Wohnheimen).

 

Die Datenauswertung erfolgte in Kleingruppen. Im Rahmen von regelmäßigen Arbeitstreffen mit den Lehrenden wurden nächste Schritte geplant, der aktuelle Stand und eventuelle Probleme besprochen und die Studierenden übten sich am Projektmanagement. Parallel fanden – didaktisch ident zur ersten Kohorte – Plenartermine zur Vorbereitung, Absprache und Information statt.

 

Basierend auf Sekundärdatenanalysen als auch qualitativer Analysen des Interviewmaterials verfassten die studentischen Arbeitsgruppen jeweils einen Teilbericht. Ein Beitrag widmet sich dabei den Mechanismen und Faktoren, die unter Bedingungen unfreiwilliger Migration Einfluss auf den Spracherwerb nehmen. Ein weiterer geht der Frage nach, wo Teilnehmende an MORE Hürden beim Übergang in ein Regelstudium vermuten und wie damit umgegangen wird. Zudem werden die Fragen diskutiert, wie sich soziale Netzwerke von Geflüchteten zusammensetzen und in welchen Bereichen die Teilnehmenden Anerkennung erfahren bzw. wo diese verweigert wird. Ein letzter Beitrag arbeitet Qualitätsmerkmale von integrationsfördernden Maßnahmen heraus.

 

- Ein Redaktionsteam erstellte wiederum einen abschließenden Forschungsbericht.

- Auch Ergebnisse aus diesem Projekt wurden im Rahmen eines MORE-Borealis Stammtisches präsentiert und diskutiert. Sie fanden Eingang in die Diskussion um die Art der Fortführung von MORE an der JKU.

- Die Erkenntnisse der Studierenden sind Grundlage für zwei Beiträge, die bei internationalen Konferenzen eingereicht sind: HEAd’20: 6th International Conference on Higher Education Advances; 6. Jahrestagung Migrations- und Integrationsforschung.

 

Nutzen für die Studierenden

 

Durch die eigenständige, begleitete Durchführung eines konkreten sozialwissenschaftlichen Forschungsprojektes lernen Teilnehmende die einzelnen Schritte des Forschungsprozesses detailliert kennen. Damit geht die Möglichkeit einher, im Studium erlangtes Wissen konkret anzuwenden und zu verknüpfen. Angefangen bei der Findung eines Problems und der Übersetzung in eine wissenschaftliche Fragestellung, wird Wissen über Theorien aktiviert und deren praktische Anwendung erprobt. Literatur wird recherchiert und die Fülle an verfügbarem Material bearbeitet. Theoretische Annahmen werden messbar gemacht, Daten erhoben, aufbereitet und ausgewertet. Methodisches Wissen kommt konkret an eigenen, selbst generierten Daten zur Anwendung. Damit wird auch die Kluft zwischen theoretisch Wünschenswertem und empirischer Realität offensichtlich.

 

Neben inhaltlichen Aspekten werden auch organisatorische Fähigkeiten gefördert. Durch die eigenständige Produktion und Verwertung empirischer Daten wird das allgemeine Verständnis und damit die Kritikfähigkeit gestärkt. Studierende lernen die Entstehungsbedingungen empirischer Daten kennen und werden sensibilisiert für Möglichkeiten und Grenzen empirischer Forschung.

 

Durch die Ausgestaltung der Lehrveranstaltung als Workshop erhalten Studierende intensives Feedback, welches sich konkret auf eigene Ausarbeitungen zu einzelnen Teilschritten bezieht. Didaktisch wird auf traditionelle Unterrichtsmodelle (z.B.: Vortrag/Referat) weitestgehend verzichtet, stattdessen kommen partizipative Modelle zum Einsatz. Feedback kommt nicht nur von den Lehrenden, sondern auch von anderen Teilnehmenden. Diese avancieren im Laufe der Lehrveranstaltung sowohl zu thematischen Expert/innen wie auch zu Expert/innen der Umsetzung. Studierende erlangen die Fähigkeit, sowohl relevante Datenbestände anderer für ihre Zwecke zu nutzen aber auch theoriegeleitet Daten zu erheben und zu analysieren. Darüber hinaus wird kompetenzbasiertes Selbstbewusstsein entwickelt, um fundierte, sachliche Kritik zu üben, Querverbindungen zwischen verschiedenen Wissensbereichen zu ziehen als auch Ergebnisse in unterschiedlichen Formaten zu präsentieren.

 

Da das Ziel war, die Arbeit der Studierenden weiter zu nutzen, um nachfolgenden Kohorten die Relevanz und Bedeutung von Lehrforschung bewusst zu machen, konnten Studierende somit unmittelbar die Wirkung ihrer Arbeit erfahren und die Auswirkungen ihrer Forschung nachvollziehen. Sie haben damit, bereits während ihres Bachelorstudiums, einen Beitrag zum wissenschaftlichen Diskurs geleistet.

Ist das Konzept auf andere Lehrveranstaltungen bzw. Lehrsituationen übertragbar? Wird das Konzept längerfristig eingesetzt und weiterentwickelt?

Das Konzept ist in weiten Teilen auf andere Lehrveranstaltungen übertragbar. Der zentrale Punkt ist das Vorhandensein einer Ausgangsprojekts, das langfristiges Forschungspotential auf niederschwelligem Einstiegsniveau bietet.

 

Das Thema, die Datensätze und das generierte Material selbst kann noch in weiteren Lehrveranstaltungen genutzt werden. Ein Thema wird in den Fokus gerückt, anhand dessen Inhalte aus verschiedenen Bereichen behandelt werden.

Ist die Akzeptanz des Projekts gegeben? Welche Evidenzen (z.B. Evaluierungsergebnisse) gibt es hierfür?

- Teilnahme der Studierenden aus vergangenen Semestern an MORE-Stammtischen bzw. Präsentationen.

 

- Gastbesuche von Studierenden aus vergangenen Semestern in Nachfolgelehrveranstaltungen.

 

- Reflexionspapiere der Studierenden.

 

- Daten und Materialen konnten in Fachaufsätzen/Fachkonferenzen positioniert werden.

 

- Es entstand eine Abschlussarbeit (BSc.) aus dem Projekt heraus.

 

- Es gab bereits Downloads des Datensatzes aus dem Projekt über AUSSDA – the Austrian Social Science Data Archive.

Positionierung des Lehrangebots

Thematisch lag der Fokus auf der Integration von Geflüchteten in bzw. durch den Hochschulbereich. Damit wurde ein Thema von gesellschaftlicher Relevanz aufgegriffen, zu dem bislang nur wenig Wissen vorhanden ist. Die Bearbeitung des Themas erfolgte mit zwei Studierendenkohorten eines jeweils zweisemestrigen Forschungspraktikums aus empirischer Sozialforschung. Das Forschungspraktikum aus empirischer Sozialforschung ist Teil des Bachelorstudiums Soziologie an der Johannes Kepler Universität Linz und wird – laut Regelstudienplan – im dritten und vierten Semester besucht (je Semester 3 SSt. und 6 ECTS). Die Lehrveranstaltung greift Wissen aus Theorie- sowie Methodenlehrveranstaltungen auf und führt es im Rahmen eines konkreten, anwendungsorientierten Projekts zusammen. Dieses Format wurde genutzt, um Studierende aktiv in die aktuelle Forschung der Abteilung miteinzubeziehen und kooperativ zum wissenschaftlichen Diskurs beizutragen.

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2020 nominiert.