Global Issues in Healthcare – eine transdisziplinäre Service Learning Lehrveranstaltung

Umgesetztes Projekt

Ziele

EINE TRANSDISZIPLINÄRE SERVICE LEARNING LEHRVERANSTALUNG

 

Die Lehrveranstaltung (LV) „Global Issues in Healthcare“ stellt die Lehr-/Lernmethode des „Service Learning“ (Lernen durch Engagement) in den Mittelpunkt und bedient sich dabei eines breiten transdisziplinären Zugangs. Beim Service Learning können Studierende ihr theoretisches Wissen bei einem realen, gemeinnützigen Projekt praktisch anwenden und in Teams, sowie in Zusammenarbeit mit Experten und einer NGO (in diesem Fall Sonne International) einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlich relevanter Probleme liefern. Transdisziplinarität ist gegeben, da die Aufgabenstellung sowohl thematisch als auch methodisch ein Überschreiten von Disziplingrenzen erfordert, d.h. über die Disziplin der Gesundheitswissenschaften hinausgeht, ohne dabei die eigene disziplinarische Verortung aus den Augen zu verlieren. Zudem werden nichtwissenschaftliche Akteure des Problemfeldes in das Projekt miteinbezogen, und die Aufgabenstellung wird in kritischer Reflexion aus mehreren Perspektiven bearbeitet, um so zu realisierbaren Ergebnissen und Handlungsempfehlungen zu kommen. Aufgrund der globalen Thematik der LV und der Tatsache, dass die Mehrheit der Literatur auf English ist, ist die Arbeitssprache der LV auch Englisch.

 

Im Zentrum der LV steht das „Bihar Health Advocacy Project“, bei dem Studierende den Auftrag erhalten, ein praxisnahes Gesundheitsförderungsskonzept für sozial benachteiligte Frauen und Mädchen der Bevölkerungsgruppe der Dalits im indischen Bundestaat Bihar zu entwickeln. Ich informierte die Studierenden über mein eigenes ehrenamtliches Engagement für die österreichische NGO Sonne International, welche in Bihar 2 Schulen betreibt, und über meine Absicht im Februar 2020 ein Gesundheitsbildungsprojekt vor Ort in Bihar auf Schiene zu bringen. Im Zuge dessen besteht die reale Möglichkeit, dass die besten Studierendenprojekte tatsächlich vor Ort umgesetzt werden. Vorrangiges Ziel der LV ist es den Studierenden die Gelegenheit zu bieten, im Zuge der Service-Learning LV wertvolle Praxiserfahrung zu sammeln, die ihnen im weiteren Leben sowohl beruflich als auch persönlich zugutekommen wird.

 

Darüber hinaus verfolgt die Lehrveranstaltung drei Hauptziele:

 

- Den Blick schärfen für hochkomplexe soziale Wirklichkeiten welche durch sozioökonomische, politische und kulturelle Bedingungen geprägt sind

 

- Die Problemstellungen im Bereich Global Health aus transdisziplinärer Perspektive betrachten, gezielte Lösungsansätze entwickeln und so den Blick auf die eigene Fachdisziplin erweitern

 

- Die persönliche und professionelle Weiterentwicklung der Studierenden durch die Entwicklung und Weiterentwicklung von fachlichen und überfachlichen Kompetenzen, wie Team-, Reflexions- und Kommunikationsfähigkeit

 

Studierenden wird in dieser LV die Möglichkeit geboten, ihr in den vergangenen 4 Semestern erworbenes Wissen in einem konkreten Praxisbeispiel für ein gemeinnütziges Projekt anzuwenden. Somit entspricht die Lehrveranstaltung auch dem Anspruch der Dritten Mission von Universitäten und Hochschulen, nämlich deren gesellschaftliche Verantwortung Rechnung zu tragen.

 

DIE MOTIVE

 

Für die Konzeption der vorliegenden LV sind mehrere Gründe zu nennen. Zum einen soll mit dem Bihar Health Advocacy Projekt im Zuge der LV „Global Issues in Healthcare“ der geringen internationalen Ausrichtung des Studiums entgegengewirkt werden. Die Gesundheitsstudiengänge an der FH Burgenland sind aus verschiedenen Gründen eher „österreichlastig“ konzipiert, was u.a. auf die enge Verschränkung von Studium und Praktika und die Vorgaben von Berufsverordnungen zurückzuführen ist. Dies schlägt sich nieder in einer geringen Anzahl an Studierendenmobilitäten (kaum bis keine Incomings oder Outgoings), Praktika die in der Hoffnung auf eine Anstellung zumeist im Burgenland oder den umliegenden Bundesländern absolviert werden, und fehlende Anreize für Incomings mangels Angebot an englischsprachigen Fachlehrveranstaltungen. Im Rahmen der Reakkredietierung 2019 bot sich nun die Möglichkeit den Curriculum im Sinne von Internationalisation@home um die damit verbundene internationale und interkulturelle Komponente zu erweitern, und so den Studierenden vom Burgenland aus den Blick über den Tellerrand zu ermöglichen. Als Departmentbeauftragte für die internationale Weiterentwicklung der Gesundheitsstudiengänge war mir das ein besonderes Anliegen.

 

Ein weiteres Motiv ist meinem ehrenamtlichen Engagement für die Österreichische NGO Sonne International geschuldet, welche in den ärmsten Regionen Myanmars, Indiens, Bangladeschs und Äthiopiens Schulen betreibt, um benachteiligten Kindern und Jugendlichen den Weg aus der Armut zu ermöglichen. Die Schwerpunkte der NGO liegen auf Bildung und Gesundheit, wobei der Fokus mangels Ressourcen für Gesundheit auf der Finanzierung der Schulplätze liegt. Als Bildungswissenschaftlerin mit Schwerpunkt auf transkulturelle Kommunikation und mehr als 10 Jahren Erfahrung im tertiären Gesundheitsbildungsbereich beschloss ich vor einigen Jahren, Nutzen aus dieser Schnittstellenfunktion zu ziehen und etwas an die Menschen weiterzugeben, denen sonst kaum Beachtung geschenkt wird. So entwickelte ich 2017/18 eine Art Train the Trainer Programm für die Slumschulen in Myanmar und führte im Februar 2018 kulturadäquate Gesundheitsbildungs-Workshops zu einer Reihe vonThemen durch: Von Problemen der Mangel- und Fehlernährung über armutsbedingte Krankheiten bis hin zu sexuell übertragbaren Krankheiten, Menstruationshygiene, Pubertät und Familienplanung. Zielgruppe der Workshops waren nicht nur die Eltern und deren Schulkinder die in den Slums ihr Dasein fristen, sondern insbesondere die lokalen Lehrkräfte sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, die diese Themen nun in ihrer täglichen Arbeit mit den Kindern aufgreifen. Wieder zurück in Österreich baute ich versuchsweise Erkenntnisse dieser Tätigkeit in eine meiner Lehrveranstaltungen ein erntete dafür überwältigend positive Rückmeldungen. Aufgrund dieser informellen „Pilotphase“ wurde einerseits der Wunsch der Studierenden nach globaleren Inhalten deutlich, während ich gleichzeitig aufgrund der positiven Rückmeldungen den Rückhalt der Studiengangsleitung für die Konzeption der vorliegenden LV erhielt.

 

Die Hauptmotivation für die Konzeption dieser LV beruht allerdings auf meiner eigenen interkulturellen Erfahrung welche wiederum meine innere Einstellung zu Lehren und Lernen grundlegend prägte und daher im Folgenden näher erläutert werden soll. Meine interkulturelle Erfahrung umfasst mehr als 8 Jahre des Erkundens, Lebens und Arbeitens in knapp 70 Ländern dieser Erde, wobei ich den Großteil davon im Globalen Süden verbrachte. Die Erfahrungen in der Fremde haben mich nicht nur mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Lebensbedingungen, Denk- und Handlungsmotiven konfrontiert, sondern sie haben mir vor allem die Relativität und Kontextgebundenheit der eigenen Wahrheit vor Augen geführt. Die Lernerfahrungen dieser Zeit fanden meist weit außerhalb meiner Komfortzone statt, und je mehr ich über die Vielfalt der Welt lernte, desto mehr Fragen taten sich auf und blinde Flecken kamen zum Vorschein. Ich erkannte nicht nur wie wichtig das Verlassen der eigenen Komfortzone ist, um kritisches Denken zu ermöglichen, sondern auch wie bedeutend „intellektuelle Bescheidenheit“ („intellectual humility“) ist, denn nur durch diese ist es möglich alte und oft „vererbte“ Denkmuster aufzubrechen, Überzeugungen zu hinterfragen, dahinterliegende Annahmen aufzudecken und neuen Erkenntnissen anzupassen.

 

Mit dieser Einstellung zum Lernen ist es leicht nachvollziehbar, dass ich in Bezug auf die Lehre der leider noch sehr weitverbreiteten Nürnberger-Trichter-Didaktik wenig abgewinnen kann. Diese geht davon aus, dass Lehrende als allwissende Experten genau wissen was Lernende brauchen bzw. künftig brauchen werden und ihnen gut portionierte Wissenshäppchen füttern, die von Lernenden mehr oder wenig passiv aufgenommen werden, aber selten vollständig verinnerlicht werden. Ich erkenne in meinen Lehrveranstaltungen immer wieder die Kluft zwischen traditionell vermittelten theoretischen Inhalten (z.B. die soziokulturellen Determinanten der Gesundheit) und der tatsächlichen Einstellung der Studierenden, die mangels wirklicher Verinnerlichung zumeist stark vom vermittelten Ideal abweicht. Ich sehe meine Rolle als Lehrende daher vielmehr als die einer Lern-und Prozessbegleiterin, die Studierende zur (Selbst-) Reflexion auffordert, sie ermutigt „große Wahrheiten“ zu hinterfragen, auch wenn sie sich damit auf dünnes Eis begeben und im Widerspruch zur Allgemeinheit stehen. Denn wenn die Studierenden von heute in der Lage sein sollen die Herausforderungen von morgen zu bewältigen und innovative Lösungen für Probleme zu finden, deren Erscheinungsform wir heute noch nicht mal erahnen können, dann braucht es Lernangebote, die Studierende aus ihrer Komfortzone herausholen, die sie dazu ermutigen sich bislang Unvorstellbares vorzustellen und sich auf Neues und Unbekanntes einzulassen. Dazu gehört auch eine wertschätzende Lernumgebung in der Fehler und Scheitern als notwendige Bedingung zur persönlichen Weiterentwicklung gesehen werden. Die vorliegende LV soll diesem Anspruch an Bildung gerecht werden, indem sie unbequem ist, Studierende aus ihrer Komfortzone herausholt, sie aber gleichzeitig in den Mittelpunkt stellt.

Kurzzusammenfassung

„Global Issues in Healthcare“ ist eine Service Learning Lehrveranstaltung (LV), welche akademisches Lernen mit Praxiserfahrung und gesellschaftlichem Engagement vereint, und sich dabei einer Reihe von Tools und Methoden aus der e-Didaktik bedient. Die LV verfolgt einen transdisziplinären Ansatz, und bezieht nichtwissenschaftliche Akteure des Problemfeldes mit ein, wodurch die Aufgabenstellung hinsichtlich fachlicher und gesellschaftlicher Aspekte aus mehreren Perspektiven bearbeitet und kritisch reflektiert werden kann. Die im Service Learning fundamentale Triade von Lernen, Handeln und Reflektieren führt so zu einem tiefergehenden Verständnis der fachlichen Inhalte.

 

Im Zentrum der LV steht das „Bihar Health Advocacy Project“, dem sich die Studierenden nach einer umfangreichen e-Learning Phase widmen. Die e-Learning Phase dient zur inhaltlichen Vorbereitung auf das Projekt, und folgt dem Inverted Classroom Prinzip. Studierende eignen sich dabei im Selbststudium anhand einer breiten Palette an qualitativ hochwertigen Open Educational Resources und online Lernerfolgskontrollen notwendige Kenntnisse an, sodass die Face-2-Face Zeit für vertiefende Inhalte, Diskurse und Reflexionen genutzt werden kann. Den Studierenden, welche in kleinen Teams am Projekt arbeiten, wird ein hohes Maß an Selbständigkeit und Eigenverantwortung anvertraut, um möglichst kreative Zugänge und Lösungsansätzen zu ermöglichen. Die Projektergebnisse werden in Kurzvideos vor großem Publikum präsentiert.

 

Summary

"Global Issues in Healthcare" is a Service Learning course that combines academic learning with practical experience and social engagement, using a range of tools and methods from e-didactics. The course follows a transdisciplinary approach and incorporates external stakeholders (e.g., NGO staff) in the project, such that the topic can be approached from several different perspectives. The fundamental triad of learning, acting and reflecting in Service Learning leads to a deeper understanding of the course content.

 

At the heart of the course is the "Bihar Health Advocacy Project", a coordinated effort to provide health education for disadvantaged children in India’s Bihar state. Following the inverted classroom principle, the course features an extensive e-learning phase, through which the students first acquire the necessary knowledge through self-study and a wide range of open educational resources and online learning assessments. In this way, the face-2-face time can be used for in-depth discussion and reflection. Working in small teams, the students are granted a high degree of independence, which leads to creative approaches and outcomes. The students present their outcomes to a large audience in the form of self-produced videos, and selected student-generated materials from the class are then used on-site to enhance the project.

 

Nähere Beschreibung

INVERTED CLASSROOM MODELL FÜR E-LEARNING PHASE

 

GMF Studierende verfügen im 5. Semester zwar über breites Basiswissen in den Bereichen Gesundheit, Management und Soziales, sind im Studium bis dahin aber nur marginal mit dem Fachbereich Global Health in Berührung gekommen. Da eine theoretische Fundierung im Themengebiet Global Health für die Umsetzung des Bihar Health Advocacy Projects unumgänglich ist, die Präsenzzeit aber nicht für den Erwerb von Basiswissen, sondern für „deeper learning“ Aktivitäten vorgesehen ist, bediente ich mich des Inverted Classroom Modells. Das Inverted Classroom (auch bekannt als Flipped Classroom) Modell, bei dem die Vermittlung von Inhalten im Selbstlernstudium vor und nicht in der Lehrveranstaltung stattfindet, hat mir bereits in der Vergangenheit gute Dienste geleistet, insbesondere zur Vermittlung von Grundlagenwissen.

 

Für die vorliegende LV entwickelte ich 2 E-learning Phasen, die die Studierenden jeweils vor dem ersten und zweiten Präsenztermin im Selbststudium, also orts-und zeitunabhängig durchlaufen mussten. Im Zentrum der beiden E-Learning Phasen stand das Moodle Lernmanagementsystem, welches zum einen als tatsächliche Lernplattform mit eingebauten Aktivitäten wie Lernerfolgskontrollen, Foren, Videos, Wikis, etc. fungierte, und zum anderen als „Information Hub“ mit externen Ressourcen verlinkt war. So fanden die Studierenden auf der Moodle Seite neben wissenschaftlicher Literatur auch Links zu Open Educational Resources wie Global Health MOOCS und Videos auf der online Lernplattform Coursera die von renommierten Universitäten wie Yale, Johns Hopkins oder Duke University erstellt wurden und frei zugänglich sind (lediglich Zertifikate sind entgeltlich erhältlich). Diese äußerst informativen und professionell aufbereiteten online Vorlesungen werden zudem von renommierten Experten im Global Health Bereich präsentiert, und bieten eine qualitativ hochwertige Methode zur selbständigen Erarbeitung theoretisch-konzeptioneller Global Health Grundlagen.

 

Neben der Auseinandersetzung mit Fachliteratur, MOOCS und Video-Lectures mussten die Studierenden in der Selbstlernphase nach jedem absolvierten Themengebiet (z.B. The Principles & Goals of Global Health, The Role of Girls and Women in Global Health & the 17 Sustainable Development Goals) eine von mir erstellte Lernerfolgskontrolle auf Moodle absolvieren. Diese Lernerfolgskontrolle verfolgte zweierlei Ziele: Zum einen erhielt ich einen Überblick darüber, ob Studierende den Arbeitsauftrag erledigt hatten (erfreulicherweise 100%), und zum anderen konnte ich mir einen Überblick über die Verständnisschwierigkeiten machen, auf die ich im Präsenztermin vertiefend eingehen und zur Diskussion stellen konnte. Für Verständnisschwierigkeiten, offene Fragen, oder für allgemeinen Meinungsaustausch stand für die gesamte Dauer der LV ein Online-Forum zur Verfügung, welches auch gut genutzt wurde.

 

Fazit der Online Phase: Das Feedback der Studierenden auf die Online-Phase war äußerst positiv und regte zur Auseinandersetzung mit der Global Health Thematik an, wenngleich der Arbeitsaufwand als sehr hoch eingeschätzt wurde. Durch das im Selbststudium erworbene Basiswissen konnten die Präsenzeinheiten für vertiefende Diskussionen und offene Fragen verwendet werden, und das Bihar Health Advocacy Project bereits in der zweiten Präsenzeinheit in Angriff genommen werden.

 

DAS BIHAR HEALTH ADVOCACY PROJECT - HINTERGRÜNDE

 

Den Kern der LV bildet das Bihar Health Advocay Projekt, welches im Folgenden näher erklärt werden soll. Die NGO Sonne International betreibt zwei Schulen in Bihar, eine der ärmsten Gegenden Indiens. Der im Nordosten Indiens gelegene Bundesstaat Bihar ist in etwa so groß wie Österreich, mit einer Bevölkerungszahl von über 104 Mio. Einwohner, wobei knapp 90% der Bevölkerung unter ärmsten Verhältnissen auf dem Land leben, keinen Zugang zu fließendem Wasser, Toiletten, adäquater Gesundheitsversorgung und Bildung haben. Die Lage ist besonders prekär für die Dalits, die sogenannten Unberührbaren, die ganz unten im Kastensystem angesiedelt sind und massiver Diskriminierung, bis hin zu Gewalt, Verfolgung und Sklaverei ausgesetzt sind.

 

Am meisten benachteiligt sind die Frauen und Mädchen, denn sie werden zudem aufgrund ihres Geschlechts stigmatisiert, diskriminiert und haben limitierten Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung. Mit Einsetzen der Menstruation gelten Mädchen als unrein und daher bedingt gesellschaftsfähig. Während der Menstruation ist ihnen z.B. die Teilnahme an religiösen oder anderen gesellschaftlichen Festivitäten untersagt, sie dürfen nicht kochen, gewisse Gemüsesorten essen oder ihre Kinder umarmen. In manchen Dörfern Bihars lassen sich Frauen unter schlechtesten Bedingungen die Gebärmutter entfernen, um nicht mehr menstruieren zu müssen. In Bihar bedeutet das Einsetzen der Menstruation für viele Mädchen meist auch das Ende der Schulzeit. Sie werden früh verheiratet, oft viel zu früh schwanger und leiden ihr Leben lang unter den gesundheitlichen Folgen von frühzeitiger Schwangerschaft, mangelnder Menstruationshygiene (Erde, Asche, Blätter oder unreine Stofftücher werden statt unleistbarer Binden verwendet) und Mangelernährung, welche sich wie ein Teufelskreis durch Generationen zieht.

 

Die Wissenschaft im Global Health Bereich und die internationale Gemeinschaft sind sich einig: Um die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals) auch wirklich umzusetzen, Armut und Hunger zu beenden (SDG 1+2), ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters (SDG 3) sowie inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung zu gewährleisten (SDG 4), Geschlechtergleichstellung zu erreichen und Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung zu befähigen (SDG 5), spielen Frauen und Mädchen eine maßgebliche Rolle. Frauen und Mädchen spielen daher in allen 17 SDGs eine zentrale Rolle, denn sie sind auch am stärksten von den globalen Problemen betroffen (siehe www.unwomen.org/en/news/in-focus/women-and-the-sdgs). Aufgrund dieser Problematik ist Women Empowerment auch der Leitgedanke des Bihar Health Advocacy Project.

 

PROJEKTBESCHREIBUNG

 

Beim zweiten der insgesamt sechs Präsenztermine wurde das Projekt vorgestellt, Hintergründe wurden erläutert und die Aufgabenstellung bzw. Anforderungen geklärt. Von den einzelnen Gruppen wurde ein hohes Maß an Selbständigkeit und Eigeninitiative erwartet, da weder das konkrete Thema, die Herangehensweise, noch der Umfang des Projekts vorgegeben wurde. Durch die freie Themenwahl (mit Einschränkung auf den Leitgedanken von Women Empowerment) erhoffte ich mir gesteigerte Motivation, was sich letztendlich bewahrheitete. Im Feedback wurde die von mir erwartete Selbständigkeit durchaus als große Herausforderung gesehen, aber insbesondere in der anschließenden Reflexion als sehr positiv bewertet.

 

TEAMARBEIT

 

Die Studierenden mussten sich in 3er bis 5er Teams zusammenfinden, ein Projektthema wählen, ein Ziel ausarbeiten und bis Ende Oktober ein Projektkonzept erstellen. Insgesamt entstanden in beiden Gruppen 9 Teams, die sich mit Themen wie menstrual hygiene management (MHM), sex education, maternal health & nutrition, gender violence & health auseinandersetzen. Das Projektkonzept wurde über ein gemeinsames Google Doc erarbeitet, wobei jede Gruppe Zugriff auf ein von mir erstelltes Google Doc erhielt, was es mir wiederum ermöglichte den Studierenden zeitnahes Feedback zu geben, während die Studierenden zwischen den Präsenzphasen an dem Konzept arbeiten konnten. Diese Art der Zusammenarbeit war den Studierenden bis dato unbekannt, wurde aber sehr positiv bewertet.

 

RECHERCHE UND KOOPERATION MIT EXTERNEN STAKEHOLDERN

 

Neben der auf Moodle zur Verfügung gestellten bzw. verlinkten Literatur mussten die Studierenden eigenständig in wissenschaftlichen Datenbanken, oder auf Webseiten von Internationalen Organisationen umfangreiche Recherchen zu ihrem gewählten Themengebiet durchführen. Alle Artikel und Links wurden in einem Moodle Wiki gesammelt und nach Themen geordnet und standen somit auch den anderen Studierenden zur Verfügung. Retrospektiv betrachtet muss ich feststellen, dass ein extern verlinktes Padlet für die gesammelte Literatur besser geeignet und optisch ansprechender ist, und in Zukunft berücksichtigen werde.

 

Die Studierenden wurden auch ermutigt mit externen Stakeholdern wie z.B. im Themenfeld tätige (internationale) NGOs über diverse Kanäle (Skype, Facebook Messenger, Email…) Kontakt aufzunehmen, um spezielle Fragen zu klären, auf die sie in der Literatur Wege keine Antworten finden. Die in Wien ansässige NGO Sonne International erwies sich als wertvoller Projektpartner, da sie aufschlussreiche Informationen und Videomaterial über die Lebensumstände vor Ort zur Verfügung stellten, was von den Studierenden als besonders positiv empfunden wurde. Darüber hinaus hatten die Studierenden die Möglichkeit mit dem Projektverantwortlichen der NGO in Wien, und der Koordinatorin in Indien in Kontakt zu treten, um Antworten auf spezielle Fragen zu erhalten (z.B. wächst rote Beete in Bihar, um der weitverbreiteten Anämie der Schulkinder entgegenzuwirken?). Auch diese Art des Netzwerkens wurde genutzt, und zukünftige Kooperationen sind auf Schiene (mehr dazu bei Nachhaltigkeit des Projekts).

 

ERSTELLUNG STATISCHER & DYNAMISCHER LERNMATERIALIEN

 

Teil der Aufgabenstellung war es sowohl statische (Handout, Flyer, Poster) und/oder dynamische (Video, Webseite...) Lernmaterialien für die Projektumsetzung zu erstellen. Hier wurde der Kreativität der Studierenden keine Grenzen gesetzt und die Ergebnisse waren beachtlich: Von Puzzles, Postern, Brettspielen, bis hin zum selbst genähten Uterus mit per Reißverschluss eingeschlossenem Kunststoffbaby, einer Menstruationskette zum Nachvollziehen der fruchtbaren Tage, über selbst gezeichnete Aufklärungscartoons und Bücher reichte das Sammelsurium an produzierten Werken, wovon einige tatsächlich im Februar 2020 zum Einsatz kamen.

 

Abschließend durften Studierende ihre Projekte in einem Kurzvideo vorstellen. Die Videos sollten die Projekte näher beschreiben (u.a. Ziele, Zielgruppe, Setting, Kommunikationskanäle) und die produzierten Lernmaterialien und Einsatzmöglichkeiten vorstellen. Und das alles in einfacher englischer Sprache und für Laien verständlich, sodass diese den NGO Verantwortlichen in Indien gezeigt werden können. Als Hilfestellung für die Studierenden erstellte ich ein Meta-Video mit Erklärungen zum Erstellen von Videos (z.B. mit PowerPoint oder Powtoon).

 

Die Videopräsentationen fanden in der letzten Präsenzeinheit vor großem Publikum statt. Knapp 50 Studierende des 3. Semesters und eingeladene Kolleginnen und Kollegen durften die insgesamt 9 Projektvideos basierend auf den Kriterien Klarheit & Informationsgehalt, Umfang & Tiefe, Kreativität, Medieneinsatz & Rhetorik bewerten. Das eindeutig gewählte Siegerteam erhielt als Dank für die geleistete Arbeit ein Goodie Bag der FH Marketing Abteilung und eines von der NGO Sonne International. Als extra Bonus und auf meine Anfrage hin erwies sich die ÖH der FH Burgenland besonders generös und finanzierte dem Gewinnerteam die Flüge nach Indien, sodass vier Studierende mich auf meine Projektreise im Februar begleiten konnten.

 

REFLEXION UND PROZESSBEGLEITUNG

 

Eine der Kernkomponenten dieser Lehrveranstaltung ist die Reflexion, denn durch das bewusste Reflektieren lernen Studierende die neuen Erkenntnisse und das Erlebte mit bisherigem theoretischem Wissen zu verknüpfen. Durch das Eintauchen in eine völlig fremde Welt mit eigenen Werten, Normen und Handlungsmustern wurden Studierende aus ihrer Komfortzone gelockt. Das löste mitunter starke Emotionen aus, und sie waren stets gefordert die eigene Brille abzulegen, sodass sich neue Perspektiven eröffnen können. Meine Rolle war es diesen Prozess zu begleiten, ihnen andere (disziplinarische) Zugänge zu eröffnen oder die Grenzen der jeweiligen Perspektiven aufzuzeigen.

 

Um Raum für kritischen Diskurs zu schaffen, startete daher jeder Face-2-Face Termin mit einem "Reflexionsforum" in dem offene Fragen, Bedenken, Knackpunkte, aber auch Emotionen zur Sprache gebracht wurden. Danach ging die Arbeit in den Kleingruppen weiter, und ich stand als Prozessbegleiterin für spezielle Fragestellungen zur Verfügung. Die Rückmeldungen haben gezeigt, dass Studierende von dieser Form der „Lehre“ besonders profitierten.

 

Am Ende der Lehrveranstaltung hatten Studierende drei Wochen Zeit eine schriftliche Reflexion über den Lernprozess zu verfassen, um festzustellen inwiefern und in welchem Ausmaß Lernen stattgefunden hat. Dazu erstellte ich einen Reflexionsguide mit Leitfragen, die zur Reflexion anregen sollten. Die Ergebnisse waren zutiefst berührend und haben mich darin bestärkt, mit dieser LV etwas geschaffen zu haben, was auch bei den Studierenden einen tiefen Fußabdruck hinterlassen hat (siehe Link "Feedback").

 

Ist das Konzept auf andere Lehrveranstaltungen bzw. Lehrsituationen übertragbar? Wird das Konzept längerfristig eingesetzt und weiterentwickelt?

Das Konzept ist in jedem Fall auf andere Lehrsituationen und lokale Kontexte übertragbar. Der Erfolg der LV hat mich dazu ermutigt, das Konzept in leicht adaptierter Form auf eine meiner Lehrveranstaltungen im 6. Semester im Bachelor-Pädagogikstudium der Universität Graz zu übertragen, welche soeben begonnen hat. Hier lieg der Schwerpunkt nicht auf der Erarbeitung von Gesundheitsförderungskonzepten, sondern vielmehr auf der Erarbeitung von qualitätsvollen Bildungsmaterialien, die dann tatsächlich vor Ort zum Einsatz kommen werden. Die Studierenden im Pädagogikstudium haben daher den Auftrag erhalten, in Anbindung an die Gesundheitsförderungskonzepte der GMF Studierenden einen vollständigen Workshop zu einem relevanten Thema zu entwickeln, der von der Konzepterstellung, über die Erstellung von Bildungsmaterialien, bis hin zu einem Train-the-Trainer Handbuch reicht. Ich begleite diesen Prozess durch Bewusstmachen von soziokulturellen Differenzen, und versuche das Einnehmen von anderen Blickwinkeln und eine gewisse Ambiguitätstoleranz zu fördern.

 

Ein Faktor der sich positiv auf die Weiterentwicklung des Projekts auswirken wird ist das sich zunehmend erweiternde Netzwerk vor Ort in Indien. Bei meiner Reise nach Indien vor wenigen Wochen konnte ich wertvolle Kontakte mit Englisch-Studentinnen und Lehrkräften knüpfen, die großes Interesse an dem Projekt und auch an internationalem Austausch bekundet haben. Die Studentinnen haben sich beispielsweise bereit erklärt, die von den Studierenden erstellten Materialien ins Hindi zu übersetzen. Für diese Tätigkeiten sind ausreichend finanzielle Ressourcen vorhanden, sodass die indischen Studentinnen für diese Tätigkeit auch entlohnt werden können (In meinem Sonne Spendentop sind bereits knapp 15.000 EURO). Die Inderinnen sind auch an einem Austausch mit österreichischen Studierenden interessiert, verfügen über Zugang zu sozialen Medien wie Whatsapp, Instagram und Facebook und werden so als Kooperationspartnerinnen in die LV integriert.

 

Daneben gibt es bereits Gespräche mit einem Studiengang im Bereich Informationsdesign, welcher Interesse an einer studiengangsübergreifenden Zusammenarbeit bekundet hat. Es ist angedacht, die Studierenden dahingehend einzubinden, dass sie die von den Pädagogik- und GMF Studierenden entwickelten Konzepte um den Multimedia-Bereich erweitern (z.B. kurze Lernvideos drehen, Lernmaterialien grafisch aufbereiten).

 

Obwohl sich mein Engagement bei der NGO derzeit auf Indien fokussiert, ist die NGO in weiteren Zielländern tätig (Myanmar, Äthiopien, Bangladesh). Da Themenschwerpunkte wieder in andere Kontexte und soziokulturelle Gegebenheiten eingebettet sind, ergeben sich schier endlose Möglichkeiten diese Service Learning LV auszuweiten, und so zum gesellschaftlichen Wohl von benachteiligten Bevölkerungsgruppen beizutragen.

 

Ist die Akzeptanz des Projekts gegeben? Welche Evidenzen (z.B. Evaluierungsergebnisse) gibt es hierfür?

Hier ist es am besten, die Studierenden selbst zu Wort kommen zu lassen. Im nachfolgenden sind Auszüge aus den Reflexionen:

 

„Die Lehrveranstaltungen war eine, wenn nicht die sinnvollste des ganzen Studiums. Natürlich braucht man Wissensgrundlagen, aber dann wirklich einmal etwas zur Anwendung zu bringen, kommt ansonsten zu kurz im Studium. Generell ist es super und auch notwendig gewesen, dass Gebiete/Länder außerhalb von Ö (oder auch Bgld.) thematisiert werden. Das hilft auch dabei, Sachverhalte in Ö aus einem anderen Licht zu sehen. Es ist so toll, dass es diesen Kurs gibt, und StudentInnen, die sich sonst nicht mit bestimmten Themen auseinandersetzten, einmal mit diesen konfrontiert werden. Man kommt beim Arbeiten und Anwenden von Gelerntem nochmal auf so viele neue Dinge. Der Lerngehalt war sehr hoch. Sie haben den Kurs sehr spannend gestaltet, mit gutem Rahmen, aber trotzdem Freiheit bei der Umsetzung. Es ist eine coole Chance, die uns geboten wurde.“

 

„Projekte wie diese sind für Studierende sehr wichtig, da sie hier eigenverantwortlich und selbstständig arbeiten lernen. Bei der Bewältigung solcher Herausforderungen können Studierende ihr bereits erworbenes Wissen und ihre Stärken einbringen. Meiner Meinung nach sind solche Projekte im Rahmen des Studienlehrganges Gesundheitsförderung und Gesundheitsmanagement auch für das spätere Berufsleben nützlich und förderlich. Deshalb sollten Projekte wie diese auch in Zukunft unbedingt ein fixer Bestandteil des Studiums sein und vermehrt angeboten werden.“

 

“The knowledge, that I required this semester is important to me as a learner because my way of thinking about global health has changed. I now understand links between global health and the social and economic development of a country. Also, I can use this knowledge for other projects because identifying and assessing specific health problems is a requirement for every project. I improved my ability to understand the influence of culture on population health and disparities.”

 

“Frau Phillips vermittelte uns ein Gefühl von Wertschätzung und zeigte uns mit dieser Chance, dass sie an unsere Ideen und an unser bereits gelerntes Fachwissen glaubt. Es war wirklich ersichtlich, dass sich alle Gruppen wirklich mit dem Thema auseinandersetzten und das jeweils Beste gaben.“

 

„All in all, Mrs. Phillips, you are a role model for me. You not only do a great job in university as a teacher, in my opinion you have changed the world a little bit. I do not want to slime, but that’s the truth. I want to say thank you, that you make such an effort for us students. How you design your lessons, your ideas are amazing, you are so an intelligent woman – please stay as you are!”

 

“Durch diese Lehrveranstaltung änderte sich meine Sichtweise um 180 Grad. Ich habe gelernt, dass man sich in die Lage der Menschen hineinversetzen und individuell vorgehen muss, um Vertrauen aufzubauen und gemeinsam die Zielerreichung anzustreben. Das sehe ich als große Kompetenz für mein zukünftiges Berufsleben an. Durch unseren Studiengang wurden wir darauf vorbereitet eine Führungsposition einzunehmen. Ich bin fest der Meinung, dass Menschenkenntnis, Vorbildcharakter, individuelles Vorgehen, Inspiration und Kreativität eine gute Führungskraft ausmachen. Diese Lehrveranstaltung war prägend für mein weiteres Leben.”

 

„Durch die verschiedenen Erfahrungen, die wir während des Projektes sammeln konnten, habe ich den Eindruck, in Zukunft für ähnliche Herausforderungen besser gerüstet zu sein. Zu Beginn des Semesters war ich noch unsicher, derartige herausfordernde Projekte bewältigen zu können. Durch diese Arbeit wurde uns aber gezeigt, wie wir an so ein Vorhaben richtig herangehen können.”

 

“What we learned about another culture in this short semester is amazing. I think the knowledge does fit into the real world. Before the course started, I was convinced my world I’m living in is the real world. With the help of this course, I discovered that there is another world as well which is completely different.”

 

„Frau Phillips war in diesem Kurs wieder sehr bemüht und hat uns viele und vor allem hochwertige Informationen bereitgestellt. Der Kurs war wirklich spannend und die Arbeit im Team hat mir viel Spaß gemacht. Das war mit Abstand eine der besten LVs! :-)”

“ Diese Lehrveranstaltung hat mir dabei geholfen meine persönlichen Erfahrungen aus den jeweiligen Schubladen herauszuholen und zu einer Gesamtheit zusammenzufügen.“

“I have significantly developed my skills in research, this means due to the fact that I spend a lot of time with searching the internet and several websites, I have become faster at getting useful results.”

 

„Das Projekt hat mir von neuem gezeigt, dass es wichtig ist, seinen Blick auch auf andere neue Dinge zu lenken. Wir sind oft so sehr in unserem Alltag gefangen, dass wir die wirklich wichtigen Dinge im Leben nicht schätzen. Durch diese Lehrveranstaltung habe ich gelernt, dass es von großer Bedeutung ist, seine eigene Komfortzone zu verlassen, um über sich selbst hinauswachsen zu können. Man muss neue Wege beschreiten, um neue Erfahrungen sammeln zu können und die Möglichkeit ergreifen neues Wissen zu generieren. Dadurch entstehen viele tolle Dinge, wie eben auch die vielen interessanten Projekte in unserem Studiengang. Diese Lehrveranstaltung war wirklich äußerst interessant und wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.”

 

“It was revealing and eye-opening to see what other countries struggle with, who is affected and what can be done to help them and solve some of their problems or lessen their burden.”

 

“Die Lehrveranstaltung regte mich dazu an, in meinem privaten Umfeld spezielle Themen wie Menstruation, Geschlechtskrankheiten und Frauenrechte anzusprechen. Ich war überrascht, dass grundlegende Informationen wie zum Beispiel bei Geschlechtskrankheiten fehlen und manche Themen selbst in Österreich Tabu-Themen sind. Frauen fiel es schwer über ihre Menstruation zu reden und viele Männer haben ein veraltetes Bild von Rollenverteilung der Geschlechter.”

 

“Ich bin viel aufmerksamer gegenüber Berichten und Artikel in den Medien geworden. Ich habe festgestellt, dass ich mich von diesen Berichten nicht nur „berieseln“ lasse, sondern wirklich auch mitdenke und überlege, wo sich dieses Land befindet und unter welchen Bedingungen die Menschen dort leben. Ich achte auf alle Fälle mehr auf Berichte zu dieser Thematik und hinterfrage und beschäftige mich auch mehr damit als noch vor Beginn der Lehrveranstaltung.“

 

“I have significantly changed my understandings of the word poor. For sure, there are countries with people, which are even poorer, but it has shown me how different being poor in Austria and being poor in India really is. Things that are obvious for us. Flowing water, electricity, recycling and even rights. The right of going to school for example. In other countries it is not normal or even not possible to go to school. Other kids would be glad, if they were able to go to school. But we sometimes do not appreciate that we live in a country like Austria where things like that go without saying. We do not appreciate what constitutes education. We do not appreciate what we have already reached so far.”

“Durch die aktive Beteiligung unserer Lektorin an der Gesundheitsförderung in Entwicklungsländern konnten wir Einblicke in die praktische Umsetzung der theoretisch erarbeiteten Themen bekommen. Durch diesen konkreten Praxisbezug wurden die theoretischen Inhalte, die Probleme und Herausforderungen bei der Umsetzung verständlich und gut nachvollziehbar, dies war ein wichtiger Punkt bei der nachfolgenden Erarbeitung eines Projektes.“

 

„Finally, I want to thank you, Mrs. Phillips! I think you don’t know which great charisma you have and I loved you at the fist lesson in the year 2017. Our world needs more humans than you, humans who have the heart on the right side and do their thing. I don’t know if you know it but you affect a lot of people and I like the way you live. I also would like to do such things like to get to know other cultures and help people all over the world, but unfortunately, I’m not strong enough to leave some things behind. Who knows, maybe you can help me or maybe we see us again one day, this would be gorgeous.”

 

“Unsere Lehrerin, Frau Phillips, welche auf diesem Gebiet selbst nicht nur sehr gut informiert ist, sondern so weit geht, dass sie selbst an den Ort des Geschehens geht, um dort selbst aktiv daran beteiligt zu sein diverse Projekte zur Verbesserung der Lebensqualität von diversen Bedürftigen Bevölkerungsgruppen durchzuführen, stand uns während der Vorbereitungsphase unserer Projekte tatkräftig zur Seite und gab allen Gruppen wertvolle Informationen und Denkanstöße, welche sehr hilfreich dabei waren die richtigen Informationen ausfindig zu machen und das Projekt nicht nur zielgerichtet sondern auch realistisch durchführbar zu gestalten.“

 

“Darüber hinaus war es eine hervorragende Erfahrung an einem Projekt zu arbeiten, mit denen den Menschen in Indien wirklich geholfen werden kann. Auch wenn unser Projekt nicht gewonnen hat, ist der Gedanke wundervoll, dass einige unserer Klassenkollegen/innen nach Indien reisen können und dort Gutes bewirken dürfen. Ich habe durch das Projekt viel Neues gelernt und einige tolle Erfahrungen sammeln können.“

 

“Als besonders positiv empfand ich die Unterstützung von Frau Phillips. Hatten wir Fragen zu den unten herrschenden Bedingungen und den vorhandenen Ressourcen, informierte sie sich und teilte uns ihre Ergebnisse mit. Ebenso stellte sie uns Flyer zur Verfügung. Sie war sehr engagiert und übertrug ihre Motivation auf die gesamte Klasse. Dies gelang ihr auch sehr gut, da es für uns echt spannend war, bereits Gelerntes in die Praxis - international, umzusetzen. Wir erlangten ein umfangreiches Wissen und konnten uns im Laufe des Projektes mit diesem auch echt identifizieren. Durch die Chance, dass die Gewinnergruppe Frau Phillips nach Indien begleiten und ihr Projekt dort selbst umsetzen darf, war die Motivation sehr hoch.“

 

“Das Projekt hat mich sehr motiviert und ich war von Anfang an davon begeistert. Für mich war immer klar, dass ich mit meiner zukünftigen Arbeit etwas bewirken will. Ich möchte etwas hinterlassen, dass den Menschen gut tut und auch in Zukunft gut tun wird. Durch das Projekt habe ich einen Einblick bekommen, in welche Richtung dies in Zukunft gehen könnte. Es hat gezeigt, dass wir keine Ärzte, Physiotherapeuten oder anderes sein müssen, um direkt an einem Projekt mitwirken zu können, welches die Gesundheit von Menschen fördert beziehungsweise sogar nachhaltig fördert. Für mich war es eine schöne Erfahrung und ich hoffe, dass ich Sie in den nächsten Jahren einmal kontaktieren darf, um mich bei einem Projekt zu beteiligen.

Vielen Dank für die super Lehrveranstaltung!“

 

“Das bedeutete, wir mussten uns auf ganz andere Umstände einstellen und an das Thema anders herangehen, als wir es von anderen Lehrveranstaltungen gewohnt waren.“

“Es war unglaublich beeindruckend was die anderen Gruppen auf die Beine gestellt haben und wie kreativ die Videos gestaltet wurden. Ich fand es sehr schön zu sehen, wie sich die Gruppen bemüht haben und auch viel Leidenschaft und Arbeit in die Präsentationen bzw. in das ganze Projekt gesteckt haben.”

 

“Schockierende Berichte aber auch Hilfsprojekte, die uns Frau Phillips vorgestellt hat, haben mich tief berührt. Durch mein bereits erworbenes Wissen im Zuge meines Studiums zu den Themen Gesundheit, Ernährung und theoretische Grundlagen zu Projekt- und Prozessmanagement war ich ermutig, mein Know-how bestmöglich in das Projekt einzubringen. Um überhaupt ein Gesundheitsförderungsprojekt in Indien umsetzen zu können, muss man zuerst die Rahmenbedingungen kennen und sich in die Lage der jeweiligen Personen hineinversetzen. Bei unserem Projekt ging es um Schulkinder, die der letzten Kastenform angehören. Deshalb war es von hoher Priorität sehr niederschwellig zu denken, sodass es die dort lebenden Menschen auch umsetzten können und erfolgsversprechend ist. Diese Vorgehensweise spielt für jede Art von Projekt eine bedeutende Rolle und dies wird mir für meine zukünftigen Aufgaben immer im Gedächtnis bleiben. Des Weiteren ist mir bewusst geworden, wie privilegiert ich bin in Österreich wohnen zu dürfen. Obwohl in Österreich viel Unmut über Politik, Wirtschaft und Gesundheit herrscht und viele auf hohem Niveau jammern, zählt Österreich zu den reichsten Ländern der Welt. Es ist für mich normal gesund zu sein, genug Essen zu haben, als Frau gleichberechtigt seine Meinung zu äußern und eine gute Schulausbildung genießen zu dürfen. Seit dieser Lehrveranstaltung ist für mich vieles nicht mehr selbstverständlich. Ich bin überzeugt, dass diese Lehrveranstaltung für meine anderen Kommilitonen genauso prägend war wie für mich und ich würde mir wünschen, dass in jedem Semester ein Projekt mit nachhaltigem Nutzen gestartet wird. Denn Theorie ersetzt niemals die Praxis.”

 

„Dieses Lehrveranstaltungsfach war einzigartig und auch zugleich herausfordernd, denn in keiner anderen mussten wir ein Projekt, angefangen von der Planung bis hin zur Umsetzung, so detailliert durchdenken. Obwohl wir im dritten Semester die Lehrveranstaltung „Projekt- und Prozessmanagement“ hatten, setzten wir kein Projekt in die Tat um. Hier lernten wir nur theoretische Grundlagen, die bei der Planung und bei der Implementierung eines Projektes berücksichtigt werden müssen. Im vierten Semester besuchten wir das Lehrveranstaltungsfach „Praxisprojekt im Gesundheitswesen“. Hier hielt sich der Praxisbezug auch in Grenzen. Wir waren zwar bei der Auswertung der Ergebnisse eines Kindergartenprojektes involviert, aber die einzelnen Schritte bis dorthin wurden nicht mit uns durchgeführt. Zu Beginn mussten wir sehr viel recherchieren, wie wir am besten an unser Projekt herangehen sollten. Durch diese Recherche und das Projekt von Frau Phillips gelang uns eine sehr durchdachte Arbeitsweise.“

 

“Being confronted with such dramatically cases of hygiene and cultural difficulties, led me to see our world and time in a much different way. The lessons we had with Mrs. Phillips, the videos she has shown us and the stories she has told us, changed my view of our world and I could not believe that there are still people out there that have to live like that. I was never confronted with such a poorness of hygiene, lack of education and development at least not to this extend. Now that I have read articles about poverty, teenage pregnancy and undernutrition, it’s still unbelievable for me, that people can live under such circumstances and still no one is helping them. Having learned, that thousands of infants have died due to the incomplete developed body of their mothers. Girls in that age are still children themselves. I didn’t know, that that’s the reason why the infant mortality is that high. I never though diseases are the reason. Such a increase of knowledge will help me in the future to think more critical and do research before making decisions or statements."

 

“Die Arbeit an dem Projekt hat aber auch meine Neugierde geweckt. Ich möchte mich in Zukunft noch mehr mit dem Thema Gesundheit in anderen Ländern beschäftigten. Ich möchte mehr darüber erfahren wie die Menschen aus verschiedensten Ländern mit dem Thema Gesundheit umgehen und auch welchen Stellenwert Gesundheit in ihrem Leben hat. Besonders interessant finde ich auch die Unterschiede zwischen Mann und Frau bzw. den Stellenwert der Frau in den verschiedensten Kulturen. Somit hat mir die Arbeit an dem Projekt auch die Möglichkeit gegeben mich in einem Bereich weiterzubilden, auf den ich ohne das Projekt nie gestoßen wäre. Ich finde es besonders wichtig, dass alle Personen die im Gesundheitswesen tätig sind, auch über das Thema Gesundheit in anderen Ländern Bescheid wissen. Das ist eine Möglichkeit die gewonnen Erkenntnisse aus dem Projekt auch hier bei uns nutzen zu können. Es ist wichtig die Unterschiede, die es auf der Welt gibt zu kennen und zu wissen wie man damit umgehen muss.

 

“Einen kleinen Beitrag möchte ich bereits mit dem Jahr 2020 leisten, in dem ich mit Freunden gemeinsam einem Waisenkind einen Platz im Waisenhaus ermöglichen möchte und somit diesem Waisenkind die Chance zu geben einen Schulunterricht besuchen zu können. Ich habe sehr vielen Bekannten und Freunden von unserem Workshop erzählt und auch über die Problematik in Indien. Ich hoffe einfach, dass es mehr Menschen in Österreich gibt die helfen wollen, weil ich glaube sehr viele sind in der Lage monatlich einen kleinen Beitrag hierfür zu leisten.”

 

“Der wertvollste Einblick des Unterrichtsfaches war meiner Meinung nach einen Blick über den Tellerrand, also das eigene soziale Umfeld, die eigene Heimat zu wagen und so ein Gefühl dafür zu erlangen, dass das was ich beispielsweise selbst als normal und selbstverständliche ansehe, in vielen Teilen der Welt gar nicht oder nur sehr viel weniger normal ist. Als privilegierter junger Mann in einem Industriestaat merkt man oft nicht was für massive Missstände zum Thema der Gleichberechtigung auf der ganzen Welt bestehen. Oft habe ich mich in der Vergangenheit bereits dabei ertappt nur an mich selbst zu denken. Ich habe meine Situation weniger als großes Glück und mehr als Selbstverständlichkeit wahrgenommen, was dazu führte, dass von außen betrachtet eher kleine Probleme oft auf mich wie ein Weltuntergang wirkten. Oft habe ich mich schon selbst wegen Kleinigkeiten selbst bemitleidet und mich unglücklich gefühlt. Wenn ich aber einen Schritt zurücktrete, nicht nur auf mich selbst und meine eigenen Probleme schaue, sondern versuche mir einen ganzheitlichen Blick zu verschaffen, dann merke ich was ich für ein Glück habe. Ich kann mir wohl nicht einmal vorstellen, wie viele Menschen auf dieser Welt ihr Leben mit dem meinen tauschen wollen würden. Ich denke, dass die gerade beschriebene Unzufriedenheit, gerade bei jungen Leuten heutzutage, ein großes Problem der heutigen Zeit in Industriestaaten darstellt. Es ist wichtig sich seiner Situation bewusst zu werden und sich somit darin zu üben zufrieden mit sich selbst und dem was man hat zu sein.”

 

Positionierung des Lehrangebots

Die LV “Global Issues in Healthcare” wurde im Zuge der Reakkrediteriung im Jahr 2019 als Pflichtlehrveranstaltung in das 5. Semester des Bachelorstudiums Gesundheitsmanagement und Gesundheitsförderung (GMF) der FH Burgenland integriert und fand erstmals im WS2019/20 statt. Die Lehrveranstaltung umfasst 2 ECTS und 2 SWS (30 Lehreinheiten à 45 Minuten) und wurde als Blended Learning Lehrveranstaltung konzipiert, wobei 6 Lehreinheiten (LE) als asynchrone e-learning Einheiten und 24 Lehreinheiten an 6 Terminen (à 4 LE) am Campus Pinkafeld geplant sind. Üblicherweise umfasst die Studierendenkohorte im 5. Semester zwischen 45-50 Studierende, und der Kurs ist in zwei Gruppen geteilt. Das 5. Semester wurde für diese Lehrveranstaltung (LV) als sinnvoll erachtet, da Studierende in der LV “Global Issues in Healthcare” ihr bisher erworbenes gesundheitswissenschaftliches Basiswissen in einem völlig anderen Kontext zur Anwendung bringen können.

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2020 nominiert.