Förderung räumlicher Fähigkeiten - "Tag der Geometrie"

Umgesetztes Projekt

Ziele

Die Geometrie ist ein oft unterschätzter Teilbereich der Mathematik. Es ist jedoch unumstritten, dass geometrische Erfahrungen für das Denken der Kinder von großer Bedeutung sind. Thurstone führt in seinen Theorien die Raumwahrnehmung und die räumliche Orientierung als einen Faktor der menschlichen Intelligenz an. Ausgehend von diesen Überlegungen, setzt sich der Tag der Geometrie zum Ziel, Schülerinnen und Schülern, Studierenden sowie Lehrerinnen und Lehrern sowohl aus der Primarstufe als auch aus der Sekundarstufe die verschiedenen Themen der Geometrie im Bereich der Primarstufenmathematik zu sensibilisieren.

 

Ein wesentliches Anliegen ist es, die grundlegenden Themen der Raumerfahrung und Entwicklung des räumlichen Denkens Schulstufen übergreifend sichtbar zu machen. Insbesondere sollen hier Studierende des Lehramtes Sekundarstufe auch mit den Themen der frühen räumlichen Entwicklung vertraut gemacht werden.

Darüberhinaus ist ein wesentliches Ziel, die räumlichen Fähigkeiten der Studierenden und Lehrenden durch praktische Erfahrungsmöglichkeiten und fachwissenschaftliche Informationen weiterzuentwickeln.

Durch die Vernetzung von Studierenden und Lehrenden aller Schulstufen, soll für die in der Praxis tätigen Lehrerinnen und Lehrer eine Anbindung an aktuelle fachdidaktische Erkenntnisse und konkrete Umsetzungsmöglichkeiten geschaffen werden. Studierende wiederum sollen durch die Lehrerinnen und Lehrer eine Rückmeldung zur Praxistauglichkeit ihrer Vorschläge erlangen.

Kurzzusammenfassung

Einen ganzen Tag lang haben Schülerinnen und Schüler, Studierende, Lehrerinnen und Lehrer die Möglichkeit unterschiedlichste Workshops zu geometrischen Themen an der PH Salzburg Stefan Zweig zu besuchen. Die Workshops werden innerhalb der Lehrveranstaltung "Geometrie in der Grundschule" von Studierenden der Primarstufe, begleitet durch die Fachdidaktikerinnen der Primarstufe, vorbereitet.. Am Tag der Geometrie wird Studierenden und Lehrerinnen und Lehrern (in Form einer Fortbildung) die Möglichkeit geboten, neben den Workshops für Schülerinnen und Schüler auch einen Workshop ("flying geometry") , der sich mit geometrischen Themen über jene der Primarstufe hinaus beschäftigt, zu besuchen. Abgerundet wird der Tag noch durch einen Gastvortrag zu aktuellen Themen im Bereich der Geometrie.

Summary

For one day, schoolchildren, students and teachers have the opportunity to attend various workshops on geometric topics at the PH Salzburg Stefan Zweig.

Within the cours the workshops are prepared by primary school students based on a well-founded background knowledge.

On the day of geometry, students and teachers (in the form of further training) are offered the opportunity, in addition to the workshops for schoolchildren, also a workshop ("flying geometry"), which deals with geometric topics beyond those of the primary level visit. The day is rounded off by a guest lecture on current topics in the field of geometry.

 

 

 

Nähere Beschreibung

 

Bewerbung um den

„Staatspreis für exzellente Lehre – Ars docendi“

 

mit dem Projekt „Tag der Geometrie“ an der PH Salzburg Stefan Zweig, Primastufenstudium

 

eingereicht von

Mag. Myriam Burtscher

Dr. Elisabeth Landsgesell

Vilsecker Karin, MA

Mag. Doris Winkler

 

 

Die Geometrie ist ein oft unterschätzter Teilbereich der Mathematik. Es ist jedoch unumstritten, dass geometrische Erfahrungen für das Denken der Kinder von großer Bedeutung sind. Thurstone führt in seinen Theorien die Raumwahrnehmung und die räumliche Orientierung als einen Faktor der menschlichen Intelligenz an.

Ziel eines gut überlegten Geometrieunterrichts soll es sein, dass die elementare Begriffsbildung und das räumliche Vorstellungsvermögen gefördert werden.

Franke & Reinhold (2016) führen unter Berufung auf namhafte Fachdidaktiker wie Bauersfeld, Besuden, Freudenthal, Winter oder Radatz & Rickmeyer folgen Gründe für einen guten Geometrieunterricht an:

- Die kognitive Kompetenz des Ordnens, Klassifizierens und Begriffbildens wird durch geometrische Aktivitäten gefördert.

- Kinder erschließen im Geometrieunterricht ihre Umwelt und erkennen den praktischen Nutzen der Geometrie im Alltag.

- Der Erwerb allgemeiner und im Konkreten arithmetischer Kompetenzen wird durch geometrische Aktivitäten unterstützt.

- Die Entwicklung geistiger Konstruktionsprozesse wird durch geometrische Handlungsaktivitäten unterstützt.

- Durch geometrische Aktivitäten, die Freude bereiten, wird eine positive Einstellung zur Mathematik aufgebaut.

- Der Geometrieunterricht bietet vielfältige Möglichkeiten, den Unterricht fächerübergreifend zu gestalten, wodurch die

Schülerinnen und Schüler ein hohes Maß an Kreativität und Eigenaktivität einbringen können. Als Beispiel seien die

Querverbindungen zum Sachunterricht (Plan lesen, Ansichten von Objekten) oder der Bildnerischen Erziehung erwähnt.

 

Ausgehend von diesen Überlegungen, wird seit einigen Jahren am Ende des Wintersemesters an der PH Salzburg Stefan Zweig der "Tag der Geometrie" veranstaltet. Studierende des dritten Semesters des Bachelorstudiums - Primarstufe bereiten innerhalb der Lehrveranstaltung "Geometrie in der Grundschule" zahlreiche Workshops zu unterschiedlichen Themen aus den Bereichen Raumerfahrung vor. Seit nunmehr zwei Jahren können auch Studierende des Lehramtes Mathematik (Sekundarstufe) der Paris-Lodron-Universität Salzburg, die Lehrveranstaltung im Rahmen ihrer freien Wahlfächer besuchen.

Ziel soll es dabei sein, die vielfältigen Aspekte der Geometrie zu erfahren, wobei eine schulstufenübergreifende Betrachtung beabsichtigt ist.

 

Einen Tag lang haben Schülerinnen und Schüler, Studierende, Lehrerinnen und Lehrer die Möglichkeit unterschiedliche Workshops zu geometrischen Themen zu besuchen. Dabei wird Studierenden und Lehrerinnen und Lehrern (in Form einer Fortbildung) die Möglichkeit geboten, neben den Workshops für die Schülerinnen und Schüler auch einen Workshop ("flying geometry"; www.geometry.at/index.php/aktivitaeten/wanderworkshop) , der sich mit geometrischen Themen über jene der Primarstufe hinaus beschäftigt, zu besuchen.

Die Besucherinnen und Besucher der Workshops setzen sich zB. mit Themen wie "Erforschen achsensymmetrischer Gebilde", "Würfelgebäude bauen und verändern", "Sich auf Schatzsuche begeben und sich dabei im Raum orientieren", "Faltobjekte herstellen", "Parkettierungen legen", "Flächen mit Quadratfünflingen auslegen" und vieles

mehr auseinander. Die Inhalte der Workshops sprechen sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Studierende und Lehrende aus der Primar- und Sekundarstufe an und kommen innerhalb der Primarstufenausbildung, innerhalb der Fort- und Weiterbildung und innerhalb des Unterrichtens in Primar- und Sekundarklassen zur Anwendung. Am Vormittag werden die Workshops von Schülerinnen und Schülern aus Volksschulen, und seit diesem Jahr auch aus Neuen Mittelschulen besucht. Hierbei werden mannigfaltige Lernerfahrungen gemacht. Die Schüler und Schülerinnen beschäftigen sich in Kleingruppen, auf spielerische Art und Weise sehr intensiv mit Themen aus der Geometrie. Durch die Organisationsform, 3-4 Studierende betreuen 8-10 Kinder, kann sehr differenziert und individuell auf das jeweilige Potential der Schüler und Schülerinnen eingegangen werden. So ist es auch Kindern mit besonderen Bedürfnissen möglich, an den Workshops teilzunehmen, da mehrere Studierende eine Kleingruppe betreuen. Dadurch, dass sich viele der Workshops damit auseinandersetzen, dass das taktile Erfahren (bauen von Würfelgebäuden, ertasten geometrischer Körper, nachbauen von ertasteten Bauwerken usw.) geschult wird, ist dies eine ideale Begegnung für Kinder mit besonderen Bedürfnissen.

 

Um einen "Blick über den Tellerrand hinaus zu gewähren, werden auch Themen über die Lehrplaninhalte der Primarstufe hinaus angeboten, wie etwa das Konstruieren einer Ellipse mithilfe der "Gärtnerkonstruktion" oder das Betrachten von 3D-Bildern (zB. ein Red-Cyan-Bild oder ein Anaglyphenbild mit Rot-Grün-Brille) mit einer passenden Sehhilfe.

 

Studierenden wiederum können durch die Workshops eine direkte Verbindung zwischen Theorie und Praxis herstellen. Sie erproben ihre Selbstwirksamkeit im Beziehungsaufbau zu den Kindern und erleben, ob ihre Planung entsprechend umsetzbar ist.

 

Nach einer Mittagspause beginnt der Nachmittag für alle Studierenden der Lehrveranstaltung der „Geometrie in der Grundschule" sowie Lehrerinnen und Lehrer im Rahmen einer Fortbildung mit einem Gastvortrag zu aktuellen Themen im Bereich der Geometrie. In den letzten Jahren wurden dazu Vorträge zB von Architekten oder Universitätsprofessoren mit dem Fokus auf Raumerfahrung und Raumorientierung gehalten. Hierbei steht der Kompetenzerwerb der Studierenden und der Lehrpersonen im Mittelpunkt.

Im Anschluss an den Vortrag stehen die Workshops den Lehrerinnen und Lehrern und auch den Studierenden zum Mitmachen zur Verfügung. Ziel dabei ist es, dass sich die Lehrerinnen und Lehrer Anregungen für ihren Unterricht holen und die Studierenden dabei die Position der Vermittler einnehmen und Ideen für die Praxis liefern.

 

Durch den Tag der Geometrie werden die fachlichen Inhalte aus der Lehrveranstaltung mit der Praxis verknüpft. Die Ideen, welche Studierende in der Lehrveranstaltung entwickeln, können durch die Kooperation mit Schulen sogleich praktisch umgesetzt werden. Sie gewinnen dadurch Einblick in die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern, erweitern ihre pädagogischen Fähigkeiten und erhalten direkt ein Feedback zu ihrem Workshop.

 

 

Literatur:

Franke, M. & Reinhold, S. (2016). Didaktik der Geometrie. In der Grundschule (3. Aufl.). Heidelberg: Springer.

Ist das Konzept auf andere Lehrveranstaltungen bzw. Lehrsituationen übertragbar? Wird das Konzept längerfristig eingesetzt und weiterentwickelt?

Die Inhalte der Workshops sprechen sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Studierende und Lehrende aus der Primar- und Sekundarstufe an und kommen innerhalb der Primarstufenausbildung, innerhalb der Fort- und Weiterbildung und innerhalb des Unterrichtens in Primar- und Sekundarklassen zur Anwendung.

Ist die Akzeptanz des Projekts gegeben? Welche Evidenzen (z.B. Evaluierungsergebnisse) gibt es hierfür?

Es erfolgt eine Evaluierung über die Fort- und Weiterbildung, über ein Feedback (Punktevergabe an die einzelnen Workshops) durch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

 

Weiters gab es folgende Rückmeldung zu den Workshops für die Schülerinnen und Schüler am Vormittag von den Lehrkräften (Praxisvolksschule):

- super Atmosphäre

- tolle Organisation, tolle Kommunikation

- Gruppengröße passend

- Plakate der Workshops waren übersichtlich und gut gestaltet

- Räume waren perfekt (trotz laufendem Studienbetrieb)

- Kinder haben von den Workshops voller Freude erzählt und gezeigt, was sie gemacht hatten

- Studierenden haben die Inhalte auf den Punkt gebracht

Positionierung des Lehrangebots

Studierenden des dritten Semester des Bachelorstudiums/Primarstufe bereiten innerhalb der Lehrveranstaltung "Geometrie in der Grundschule" zahlreiche Workshops zu unterschiedlichen Themen aus den Bereichen Raumerfahrung vor. Seit nunmehr zwei Jahren besuchen auch Studierende des Lehramtes Mathematik (Sekundarstufe) der Paris-Lodron-Universität Salzburg, die Lehrveranstaltung im Rahmen ihrer freien Wahlfächer. Höhepunkt der LV ist am Ende des Wintersemesters der "Tag der Geometrie". Am Vormittag finden für 200 Schülerinnen und Schüler der Volksschule insgesamt über 30 Workshops zu unterschiedlichen Themenbereichen der Geometrie statt. Der Nachmittag ist der Lehrer_innenfortbildung gewidmet. Auftakt dazu bildet ein Impulsreferat zum Thema "Raumerfahrung". Anschließend besuchen die Lehrerinnen und Lehrer aller Schulstufen die von den Studierenden didaktisch aufbereiten Stationen. Darüberhinaus wird der Wander-Workshop "Flying Geometry" angeboten.

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2020 nominiert.