Lehrveranstaltung Kommunizieren und erfolgreich Verhandeln

Umgesetztes Projekt

Ziele

Die Lehrveranstaltung „Kommunizieren und erfolgreich Verhandeln“ als reine Online-Lehrveranstaltung anzulegen, entstand aus der Beobachtung, dass Studierende im Fernstudium schwer für Präsenzveranstaltungen zu motivieren sind und sich Kommunikation in der heutigen Arbeitswelt immer mehr virtuell und digitalisiert abspielt. Nachdem die Lehrveranstaltung über Jahre als Präsenztermin stattgefunden hat, erschien es also durchaus zielführend, nicht nur analoge face-to-face Kommunikation zu reflektieren, sondern auch virtuelles Kommunikationsverhalten. Vor 2 Jahren entschied sich die Studiengangsleitung, die Lehrveranstaltung als Blended Learning Format neu zu konzeptionieren und vergab den Auftrag an die externen Lektorinnen. Für das Studienjahr 2019/20 wird auf Wunsch der Studierenden (Rückmeldung der Evaluation) ein kurzer Abschlussworkshop in der Präsenzphase angeboten. Im 2. Jahr der Durchführung im neuen Format wurde auch das bestehende Skript überarbeitet und um neue Kommunikationskonzepte erweitert.

 

Die Herausforderung für die Lehrenden bestand darin, einen virtuellen Raum zu schaffen, in dem nicht nur Wissen zu Kommunikation & Verhandlung erlernt wird, sondern praktisch erprobt wird. Zentral bei jedem Zugewinn an Kommunikationskompetenz ist die Selbstreflexion und das Feedback. Das in einem (rein) digitalen Kontext zu ermöglichen, erforderte ein sehr diverses Angebot und den Aufbau einer Vertrauensbasis, welche Offenheit und Engagement ermöglicht.

 

Ziel der (neu gestalteten) Lehrveranstaltung ist es, die Beteiligung der Studierenden zu erhöhen, indem zeitlich flexibel gearbeitet werden kann, die wichtigsten Wissensinhalte komprimiert in einem Skript zur Verfügung stehen und zum Abschluss der Lehrveranstaltung noch die Möglichkeit zum Üben und Reflektieren in der Live-Gruppe (Präsenzworkshop) gegeben ist.

 

Die Relevanz und Praxisorientierung der Lehrveranstaltung sollten sowohl für das Anwendungsgebiet des (berufsbegleitenden) Fernstudiums erhöht werden als auch für das Privat- und Berufsleben der Studierenden.

 

Kurzzusammenfassung

Die Lehrveranstaltung "Kommunizieren und erfolgreich Verhandeln" wurde ursprünglich in der Präsenzphase des Fernstudienlehrgangs Betriebswirtschaft und Wirtschaftspsychologie (Bachelor) durchgeführt. Um den Bedürfnissen nach zeitlicher Flexibilität und selbstorganisiertem Lernen besser gerecht zu werden, wurde die Lehrveranstaltung im Blended-Learning-Format neu konzeptioniert. Besonders wichtig war dabei ein ganzheitlicher Blick auf die Studierenden und unterschiedliche Typen und Ansprüche. Es wurden digitale Medien und Formate wie eine Learners' journey, Videos, Literaturlinks, Diskussionsforen, Reflexionsaufgaben, Multiple-Choice-Tests und Tests mit offenen Fragen im Onlinecampus eingesetzt, um zielgerichtet, kompetenzgeleitet und erfolgreich die Kommunikationspsychologie, klassische & aktuelle Kommunikationsmodelle und -techniken, digitale Kommunikation & virtuelle Zusammenarbeit, die Prinzipien und Grundlagen von Verhandlungen und dazugehörige Werkzeuge und Techniken zu erarbeiten.

Besonderes Augenmerk wurde auf evidenzbasierte Literatur und die großen Herausforderungen der neuen Arbeitswelt, soziale und Selbstkompetenz sowie digitale Kompetenz, gelegt, indem aktuelle Kommunikationsformen wie die positive Kommunikation und Gewaltfreie Kommunikation und die Zusammenarbeit in virtuellen Teams Einzug ins Konzept gefunden haben. Um das Erlernte auch wieder im "realen" bzw. analogen Leben zu verankern, schließt die Lehrveranstaltung mit einem halbtägigen Präsenzworkshop.

 

Summary

The course "Communicate and Negotiate Successfully" was originally held during the classroom phase of the distance learning course Business Administration and Business Psychology (Bachelor’s). In order to better meet the need for time flexibility and self-organized learning, the course was redesigned to accommodate the blended learning format. Of particular importance was a holistic view of the students and different people types, learning styles and requirements. Digital media and formats such as a learners' journey, videos, literature links, discussion forums, reflection exercises, multiple-choice tests and tests with open-ended questions were used in the online campus to discuss targeted, competence-guided and successful communication psychology, classical and current communication models and techniques, digital communication and virtual collaboration, the principles and fundamentals of negotiation, and related tools and techniques.

Special attention was paid to evidence-based literature and the major challenges associated with the new world of work, social competence and self-competence as well as digital literacy, by incorporating current communication forms and models such as positive communication and non-violent communication as well as collaboration in virtual teams. In order to anchor what was learned in real or “analogue” life, the course ended with a half-day classroom workshop.

 

Nähere Beschreibung

Um zu Beginn der LV einen Bezug zu den Lehrenden zu ermöglichen, startet die LV mit einem Kurstrailer, in dem sich die Lehrenden vorstellen und den Ablauf der LV darstellen. Die Learner's journey gibt den Studierenden einen komprimierten Überblick über das Semester als Zeitstrahl mit Verlinkungen zu beurteilungsrelevanten Aufgaben. Ein freiwilliger Selbsteinschätzungstest zu den Lehrinhalten ermöglicht den Lehrenden Orientierung über die Vorkenntnisse und Interessen der Studierenden zu erhalten. Bei Bedarf kann also an den Inhalten noch nachgebessert werden.

Grundwissen wird im Selbststudium mit dem zur Verfügung gestellten neu überarbeiteten Skript „Kommunizieren & Verhandeln“ von Manuela Rosenzopf-Dietl, BA MA und Brigitte Wiesner Kulovits, BA MA und weiterer evidenzbasierter Literatur im Onlinecampus zur verpflichtenden und freiwilligen Vertiefung vermittelt.

Nach Erarbeitung des 1. Kapitels sollte Basiswissen zu klassischen und aktuellen Kommunikationsmodellen erklärt werden können, was anhand eines verpflichtenden Multiple Choice-Tests überprüft wird. Andererseits sollte Kommunikation anhand der Modelle reflektiert werden. Hierzu sind die Studierenden eingeladen, eine Kommunikationssituation aus dem Alltag anhand des Kommunikationsquadrats nach Schulz von Thun in Form einer Einsendeaufgabe zu analysieren.

Wir beschäftigen uns damit, was gute Kommunikation ausmacht wie z. B. Wertschätzende Haltung, Rückfragen und Feedback, Aktives Zuhören, ICH-Botschaften und verschiedene Fragetechniken – diese sind Kernelemente für gelungene Kommunikation und werden wieder in einem Test abgefragt. Neue Ansätze der Kommunikation wie Aktiv-konstruktive Kommunikation (ACR und GfK) werden vorgestellt und die Studierenden sind eingeladen, ACR und Gewaltfreie Kommunikation (GfK) zu erproben und in einer ESA zu reflektieren. Die Vermittlung findet über verpflichtende und ergänzende Literatur zum Download statt und über Videos, die ACR veranschaulichen bzw. GfK vertiefen sollten. Die Meinungsbildung zum bisher Gelernten soll über einen verpflichtenden Diskussionsbeitrag im Forum angeregt werden.

Gelingende Kommunikation ist wesentlich mit der erlebten Selbstwirksamkeit (SWE) verknüpft. Beim Thema Metakommunikation sind die Studierenden eingeladen, das psychologische Konstrukt der Selbstwirksamkeit kennenzulernen und sich mit der persönlichen Selbstwirksamkeit auseinanderzusetzen – dies entweder durch eine Reflektionsübung oder den SWE-Fragebogen. Auch hier gibt es ergänzende Literatur.

Weiters widmen wir uns dem Thema „Digitale Kommunikation und virtuelle Teams“ anhand eines Experteninterviews, das als Video zur Verfügung gestellt wird, und ergänzender Literatur. Ein Diskussionsforum ermöglicht, offene Fragen, Feedback bzw. persönliche Erfahrungen untereinander auszutauschen. Weiters sind die Studierenden gefordert, Tipps zu formulieren, die eine gelingende virtuelle Zusammenarbeit ermöglichen. Aus diesen Beiträgen erstellen die Lehrenden eine Liste von erfolgs- und vertrauensfördernden Maßnahmen für die Arbeit in virtuellen Teams, die von den Studierenden gleich praktisch genutzt werden kann.

Das Thema „Erfolgreich verhandeln“ bestimmt das Kapitel 2. Das Harvard-Modell wird vorgestellt. Hierzu gibt es verpflichtende und ergänzende Literatur und einen freiwilligen MC-Test. Verhandlungsmodelle werden mit weiteren populären Konzepten vertieft und wir betrachten, was gute Verhandlungen ausmacht. Tipps und Tricks sowie mögliche "Fallen" werden aufgezeigt. Die Studierenden entwickeln anhand von 2 möglichen Beispielen eine persönliche Verhandlungsstrategie. Ein Beispiel wird in einer ESA ausgearbeitet.

 

Kommunikation kann nur bedingt theoretisch erlernt werden.

Für offene Fragen inhaltlicher Natur oder Fragen zur Beurteilung wird abschließend eine Video- bzw. Chatkonferenz bzw. ein Präsenzworkshop angeboten. Dieser bietet Raum für praktische face-to-face Übungen.

Durch den Methodenmix sowohl in der Vermittlung (Literatur, Beispielvideos, Theorievermittlung über Videos, Experteninterview, Videokonferenz) als auch in der Beurteilung (MC-Tests, Tests mit offenen Fragen, Einsendeaufgaben, Diskussionsforen) sollten viele Lerntypen unter den Studierenden angesprochen werden und möglichst viel Freiheit geboten werden, wie Inhalte angeeignet werden. Mit dem Angebot von verpflichtenden und freiwilligen Aufgaben wollen die Lehrenden den verschiedenen Ansprüchen von Studierenden gerecht werden und Kontrolle an Studierende übergeben, ob sie die LV nur bestehen oder sich vertieft mit den Inhalten auseinandersetzen wollen. Verpflichtende Aufgaben sind sowohl Aufgaben, in denen theoretisches Wissen abgefragt wird als auch Aufgaben, bei denen persönliche Reflektion wesentlich ist. Damit wollen die Lehrenden sicherstellen, dass einerseits Kommunikations- und Verhandlungsmodelle erklärt werden können, dass aber auch die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema nicht zu kurz kommt und Kommunikation- bzw. Verhandlungstechnik praktisch verbessert wird.

 

Ist das Konzept auf andere Lehrveranstaltungen bzw. Lehrsituationen übertragbar? Wird das Konzept längerfristig eingesetzt und weiterentwickelt?

Der Methodenmix ist auch vielfältige Weise übertragbar. Die Lehrveranstaltung wird laufend evaluiert und weiterentwickelt und ist langfristig im Curriculum verankert.

Ist die Akzeptanz des Projekts gegeben? Welche Evidenzen (z.B. Evaluierungsergebnisse) gibt es hierfür?

1. Platz Ferdinand Porsche FernFH Lehrpreis für „Exzellentes Distance Learning“ (prämiert werden Lehrveranstaltungen, die Vorbildcharakter haben und als Best Practice Beispiele dienen und von Studierenden und Studienprogrammleitungen nominiert werden)

LV-Evaluierung 2018/19 siehe Links zum Projekt

Positionierung des Lehrangebots

Die Lehrveranstaltung Kommunizieren und erfolgreich Verhandeln findet im 1. Studienjahr des Bachelorstudiengangs Betriebswirtschaft & Wirtschaftspsychologie an der Ferdinand Porsche Fern-FH im 2. Semester (Sommersemester) als Blended Learning-Kurs im Rahmen der Vermittlung von Schlüsselqualifikationen statt. Die Lehrveranstaltung ist ein Pflichtfach, für das 2 ETCS angesetzt sind.

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2020 nominiert.