Vom inhaltszentierten zum kompetenzorientierten Curriculum Diplomstudium Veterinärmedizin UI 209

Umgesetztes Projekt

Ziele

Die Vetmeduni Vienna ist die einzige Institution in Österreich, die ein sechsjähriges Diplomstudium für Veterinärmedizin anbietet. Die allgemeinen Anforderungen an Absolventinnen und Absolventen des Studiums der Veterinärmedizin beruhen auf den Richtlinien 2005/36/EG bzw. 2013/55 des europäischen Parlaments und des Rates über die Anerkennung von Berufsqualifikationen.

Die Vetmeduni Vienna hat einen Paradigmenwechsel von einer Lehrkultur zur Lernkultur, von einer Input- zu einer Output-Orientierung in der Ausbildung durchlaufen. Die Kultur „Studierende im Fokus“ wird durch neue, interaktive und multimediale Lehr- und Lernmethoden unterstützt. Reales und virtuelles Lernen verschmelzen miteinander, kritisches Denken und Hinterfragen von Inhalten sowie Eigenverantwortung, Eigeninitiative und Selbstorganisation werden gefördert. Zentraler Bestandteil der Kompetenzen des Diplomstudiums Veterinärmedizin UI 209 ist daher die medizinisch-fachliche Kompetenz. Daneben werden die Aneignung und Entwicklung der wissenschaftlichen, der betriebswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Startkompetenzen gefördert. Ziel ist die Vermittlung von theoretischem und praktischem Wissen, Üben und Fördern von psychosozialen Fähigkeiten, von praktischen Fertigkeiten und die Formung von ethischen Grundhaltungen zur umfassenden Ausübung des tierärztlichen Berufes. Die Grundprinzipien des Curriculums UI 209 sind im Vergleich zum Curriculum I 208 kompetenzbasierte, interdisziplinäre Lernziele auf Modul- und Lehrveranstaltungs-Ebene, konstruktives Alignement von Lehren, Lernen und Prüfen sowie innovative Hochschuldidaktik mit horizontaler und vertikaler Vernetzung. So wurden z.B. die Fächer Chemie, Physik, Anatomie etc. durch das Modul »Vom Organismus zu Gewebe« bzw. die Lehrveranstaltung »Grundlagen der Morphologie für VeterinärmedizinerInnen« abgelöst. Studierende werden nicht nur theoretisch exzellent ausgebildet in die Praxis entlassen werden, sondern auch praktisch noch besser vorbereitet (z.B. Kontakt mit Tieren ab dem ersten Semester, Skills Lab oder kompetenzorientierte Prüfungsformate wie OSPE).

Das Studium wurde durch die zuständige Fachgruppe (European Association of Establishments for Veterinary Education; EAEVE) im November 2019 visitiert und nach den aktuellen Standards (European System of Evaluation of Veterinary Training Standard; ESEVET Zagreb SOP, 2019) vorerst mündlich ohne Mangel befunden; der endgültige Bericht wird nach der Jahrestagung der EAEVE im Juni 2020 erwartet. Weiter werden die korrespondierenden Studium-Kennzahlen der Wissensbilanz inklusive der Anzahl der prüfungsaktiven Studierenden in den Begleitgesprächen mit dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung als vorbildlich hervorgehoben.

Kurzzusammenfassung

Das sechsjährige Diplomstudium Veterinärmedizin UI 209 wurde als kompetenz-orientiertes und studierenden-zentriertes Curriculum im Jahr 2014 mit 360 ECTS-Punkten implementiert. Das Curriculum beruht auf den Day-One-Competencies des tierärztlichen Berufes mit »hands-on training« und problembasiertem Lernen in einer forschungsbasierenden Lernumgebung. Neben den medizinisch-fachlichem Wissen werden persönliche, wissenschaftliche und gesellschaftliche Kompetenzen in Form von Wissen und Können gefördert. Die Grundprinzipien des Curriculums sind kompetenzbasierte Lernziele auf Lehrveranstaltungs- und Modul-Ebene (veröffentlicht im Lehrzielkatalog), konstruktives Alignement von Lehren, Lernen und Prüfen (implementiert in der Prüfungsplattform Q-Exam®) sowie innovative interdisziplinäre Hochschuldidaktik mit horizontaler und vertikaler Vernetzung. Der Studiengang besteht aus drei Abschnitten: Der erste Studienabschnitt vermittelt ein grundlegendes Verständnis für Veterinärmedizin. Im zweiten Studienabschnitt erarbeiten die Studierenden das allgemeine klinische Wissen. Im Anschluss an die allgemeine, klinische Ausbildung sind im dritten Studienabschnitt zwei aus acht Vertiefungsmodule (39 ECTS-Punkte) zu absolvieren. Weiter sind die Studierenden verpflichtet, eine Diplomarbeit im Ausmaß von sechs Monaten (20 ECTS-Punkte) zu verfassen und insgesamt 26 Wochen Praktikum (36 ECTS-Punkte) zu absolvieren.

Summary

The entire veterinary Curriculum UI 209 was implemented as a competence-based and student-centred curriculum in 2014 and spans six years (360 ECTS). The curriculum focuses on the acquisition of DOC with ample hands-on training and problem-based learning in a research-based environment. Students are exposed to all aspects of veterinary medicine. The broad-based coverage from the development of veterinary medical expertise to the development of personal, scientific and social knowledge and skills is its primary strength. The curriculum design is based on the following principles: Competence-based learning outcomes, acquired at course and module level, and are defined and described in the catalogue of learning outcomes; teaching, learning and examination methods are constructively aligned to learning Outcomes and implemented on an electronic examination platform called Q-Exam®; innovative, interdisciplinary teaching and learning with horizontal and vertical integration. The curriculum of the Diploma Programme in Veterinary Medicine is divided into three tiers: (1) principles in veterinary medicine, (2) general clinical training and (3) two out of eight specialization tracks in the final academic year provide advanced competence Training (39 ECTS). Finally, a written Diploma thesis (20 ECTS) and external practical training (39 ECTS) are a compulsory part of the curriculum.

Nähere Beschreibung

Aufbau des Studiums

Das sechsjährige Diplomstudium Veterinärmedizin UI 209 wurde als kompetenz-orientiertes und studierenden-zentriertes Curriculum im Jahr 2014 mit 360 ECTS-Punkten implementiert. Das Curriculum beruht auf den Startkompetenzen (Day-One-Competencies) des tierärztlichen Berufes mit »hands-on training« und problembasiertem Lernen in einer forschungsbasierenden Lernumgebung. Neben den medizinisch-fachlichem Wissen werden persönliche, wissenschaftliche und gesellschaftliche Kompetenzen in Form von Wissen und Können gefördert.

Der Studiengang besteht aus drei Abschnitten:

• Erster Studienabschnitt (Dauer: 2 Jahre; 1. – 4. Semester)

Der erste Studienabschnitt vermittelt ein grundlegendes Verständnis für den lebenden Organismus und soll die Basis für das Verstehen der klinischen Grundlagen liefern. Erstes Erlernen veterinärmedizinischer Fertigkeiten, psychosozialer Fähigkeiten mit Schwerpunkt Kommunikation und Grundzüge des veterinärmedizinischen Handelns finden in diesem Studienabschnitt statt. Die Studierenden sollen die physiologischen Zusammenhänge bei Säugetieren und Vögel im Kontext erklären, Befunde am Tier erheben, sowie die Entstehung dieser Befunde auf physikalisch-chemische Gesetzmäßigkeiten zurückführen können. Ein frühzeitiger Kontakt mit Patientenfällen gewährleistet die vertikale Integration. Zusätzlich ist in diesem Studienabschnitt ein zweiwöchiges landwirtschaftliches Praktikum möglich, wodurch ein frühzeitiger Kontakt mit Nutztieren gegeben ist.

Am Ende dieses Studienabschnitts muss eine Diplomprüfung abgelegt werden; die positive Absolvierung dieser ist die Voraussetzung für die Zulassung zum nachfolgenden Studienabschnitt.

Die erste Diplomprüfung besteht aus der Teilprüfung Morphologie und klinische Grundlagen, schriftlich und mündlich-praktisch.

• Zweiter Studienabschnitt (Dauer: 2,5 Jahre; 5. – 9. Semester)

Im zweiten Studienabschnitt vertiefen die Studierenden das Wissen über den gesunden Organismus und erarbeiten in Folge zunehmend das Verständnis für die Zusammenhänge des kranken Organismus. Als Grundlage dient der themenzentrierte, patientenorientierte, fächerübergreifende Unterricht unter Einbeziehung der klinischen Präsentationen und unter Verwendung neuer Lehrformen wie dem Problem-basierten Lernen. Zunehmendes Training der veterinärmedizinischen Fertigkeiten und Fähigkeiten durch verstärkte Integration der Studierenden in den Klinikalltag gewährleistet durchgehend die praktische Anwendung des theoretisch erworbenen Wissens.

Die Studierenden sollen die Zusammenhänge physiologischer und pathologischer Prozesse bei den unterrichteten Tierarten erklären können, insbesondere Ätiologie und Pathogenese der wichtigsten Veränderungen. Weitere Schwerpunkte des 2. Studienabschnittes liegen in der theoretischen und praktischen Ausbildung zu Themen der Ernährungssicherung und Lebensmittelsicherheit von tierischen Lebensmitteln sowie im Dispensierrecht.

Am Ende dieses Studienabschnitts muss eine Diplomprüfung abgelegt werden; die positive Absolvierung dieser ist die Voraussetzung für die Zulassung zum nachfolgenden Studienabschnitt.

Die zweite Diplomprüfung besteht aus der Teilprüfung Krankheiten (schriftlich), der Teilprüfung Grundlagen der Lebensmittelwissenschaften und des öffentlichen Veterinärgesundheitswesens sowie das Dispensierrecht (schriftlich), der Teilprüfung Klinische Prüfung – Nutztiere und der Teilprüfung Klinische Prüfung – Companion Animals (mündlich-praktisch).

• Dritter Studienabschnitt (Dauer: 1,5 Jahre; 10. – 12. Semester)

Im Anschluss an die allgemeine, klinische Ausbildung sind im dritten Studienabschnitt Vertiefungsmodule zu absolvieren, wobei acht Vertiefungsmodule angeboten werden. Neu ist die verpflichtende Wahl von je zwei Vertiefungsmodulen für alle Studierende, wobei ein Modul 30 ECTS hat und das andere 9 ECTS. Eines der beiden Module muss aus der Gruppe der klinischen Module gewählt werden. Kleintiermedizin, Wiederkäuermedizin, Geflügel-/Schweinemedizin und Pferdemedizin zählen zu den klinischen Modulen, während die Vertiefungsmodule Lebensmittelwissenschaften, öffentliches Veterinär- und Gesundheitswesen, Labortiermedizin, Conservation Medicine und Reproduktionsbiotechnologie den nicht klinischen zugeordnet werden.

Alle Studierenden des dritten Studienabschnitts besuchen Pflichtlehrveranstaltungen aus Medizinischer Biometrie und Epidemiologie, Veterinärwesen und Gerichtliche Veterinärmedizin, Ökonomie in der Veterinärmedizin und Wissenschaft in der Veterinärmedizin.

Am Ende dieses Studienabschnitts muss eine Diplomprüfung abgelegt werden. Die dritte Diplomprüfung besteht aus der Teilprüfung Vertiefungsmodul (mündlich-praktisch) und der Teilprüfung Veterinärwesen und Gerichtliche Veterinärmedizin (schriftlich).

Weiter sind die Studierenden verpflichtet, eine Diplomarbeit im Ausmaß von sechs Monaten (20 ECTS-Punkte) zu verfassen und insgesamt 26 Wochen Praktikum (36 ECTS-Punkte) zu absolvieren.

 

Kompetenzorientierung und konstruktives Alignement

Die im Curriculum beschriebenen Kompetenzen spiegelt die generelle Umstellung von der Input- zu Output-Orientierung im Rahmen des Bologna-Prozesses wider. Zentraler Bestandteil dieser Kompetenzen ist die medizinisch-fachliche Kompetenz. Daneben werden die Aneignung und Entwicklung der wissenschaftlichen, der betriebswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Startkompetenzen gefordert. Um sicher zu stellen, dass die Absolventen und Absolventinnen optimal auf den Praxisalltag vorbereitet werden, wurde der an der Vetmeduni erstellte Lehrzielkatalog (Learning Outcomes) in einem weiteren Optimierungsschritt auf die Anforderungen im Berufsleben zugeschnitten. Dazu wurden im Jahr 2016 österreichische Tierärzte und Tierärztinnen im Rahmen einer anonymen Online-Befragung gebeten, die im Lehrzielkatalog enthaltenen Tierkrankheiten und Fertigkeiten hinsichtlich des Vorkommens in der Praxis einzuschätzen. Die Ergebnisse der Befragung dienten der Optimierung und Straffung des Lehrzielkatalogs und der notwendigen Inklusion von anzeigepflichtigen Erkrankungen. Im finalisierten Lehrzielkatalog 2019 wurden die optimierten Startkompetenzen den gesetzlichen Grundlagen (Richtlinien 2005/36/EG bzw. 2013/55 des europäischen Parlaments und des Rates über die Anerkennung von Berufsqualifikationen), den Educational Working Groups (Modulen), Lehrveranstaltungen und Prüfungen zugeordnet. Um das Beibehalten der Abstimmung von Lehren, Lernen und Prüfen (konstruktives Alignement) sicher zu stellen, wurde mit dem neuen Curriculum auch eine Prüfungsplattform Q-Exam® mit folgenden Mindestkriterien für schriftliche Prüfungen entwickelt und etabliert:

• Jede Frage durchläuft ein formales Review; dieses prüft neben allgemeinen formalen Regeln auch die richtige Fragenverortung (nach Prüfung, Lehrveranstaltung und Lernziel).

• Jede Frage wird einem Fachreview aus dem gleichen Fach und einem aus einem komplementären Fachgebiet in einem Vier-Augen-Prinzip unterzogen.

• Beim Zusammenstellen einer Prüfung durch eine/n Prüfungskoordinator/in bekommen die jeweilig ausgewählten Fragenautoren/innen einen automatischen Zustimmungs- oder Ablehnungsaufruf der ausgewählten Frage.

• Prüfungseinsichten durch Studierende und statistische Merkmale von Fragen bedingen in Rücksprache mit der Vizerektorin für Lehre die Überarbeitung oder Isolierung von ungenügend klar formulierten im Umlauf befindlichen Fragen bzw. Antworten durch den/die Fragenautor/in.

 

Studierenden-zentrierung

Die studierendenzentrierte, interaktive Form des Lehrens und Lernens ist im Diplomstudium Veterinärmedizin ein Kernthema. Studierende sollen aktiv in den Lehr- und Lernprozess einbezogen werden. Alle Lehrenden werden aufgerufen diesen Prozess zu begleiten. Folgende Infrastruktur hat diesen Prozess kontinuierlich unterstützt:

• Neue Medien werden im Unterricht zum Ausbau hybrider Lernformen genutzt. Ein eLearning und Neue Medien-Team begleitet Lehrende service-orientiert. Das Team stellt neue eLearning Tools im Rahmen des Impulsfrühstücks, des eLearning Cafés oder des Teaching Vets-Symposium vor. Gleichzeitig werden neue Bedürfnisse von Lehrenden systematisch erfasst und nach Bedarf erworben.

• Ein Skills Lab „VetSim" wurde geschaffen; dieses beherbergt speziell ausgestatteten Praxisräume, in denen angehende Tierärztinnen und Tierärzte klinische Fähigkeiten erlernen und selbstständig üben können, bevor sie diese am Tierpatienten anwenden. Das Skills Lab bietet eine offene Lernatmosphäre und somit die Chance, im Selbststudium Selbstsicherheit und Routine zu erfahren.

• Mittels Audience-Response-Systems ist es für Vortragende möglich, mit den Teilnehmer/innen einer Lehrveranstaltung direkt in Interaktion zu treten. Das System dient vorwiegend zur Aktivierung der Studierenden indem Fragen mittels Abstimmungseinheiten (sogenannten Klickern) direkt beantwortet, und in weiterer Folge besprochen werden können.

• Kompetenzen umfassen Wissen und Können, aber auch motivationale und soziale Aspekte. Für den Erwerb der Methoden-, der Sozial- und Selbstkompetenz wurde das Modul Ökonomie/Kommunikation/Reflexion/persönliche und wissenschaftliche Ausbildung etabliert. Diese begleitet die Studierenden vom ersten bis zum zwölften Semester. In diesem Modul werden Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten erworben, die es ermöglichen, neue und komplexe Aufgaben und Probleme selbstständig und flexibel zu bewältigen. Diese sind Voraussetzung für die Auswahl, Planung und Umsetzung sinnvoller Lösungsstrategien.

• Der Perspektivenwechsel von der Input- zu Output-Orientierung im Rahmen des Bologna-Prozesses verlangt auch einen Methodenwechsel. Im Folgenden werden die Kernelemente der studierenden-zentrierten Methoden im Diplomstudium Veterinärmedizin zusammengefasst:

* POL (Problemorientiertes Lernen) Seminare: Studierende erarbeiten sich im Rahmen im Selbststudium während der vertiefenden Ausbildung modul- und themenspezifisches Wissen. Die praktischen Trainingseinheiten orientieren sich unmittelbar am Thema. Der Lernstoff wird problemorientiert und außerhalb von traditionellen Unterrichtsfächern, d. h. stets fächerübergreifend, in Fallstudien von den Lernenden erarbeitet.

* Mitwirkung der Studierenden in der Lehre/ Peer-assisted Learning (PAL): Studierende werden verantwortlich in die Lehre einbezogen. Dabei sind insbesondere Tutorenaufgaben in POL-Seminaren und die Übernahme von Teilen von Lehrveranstaltungen im entsprechenden Format vorgesehen. PAL erleichtert einerseits den Lernprozess durch Abbau von Barrieren zwischen Lehrenden und Lernenden, andererseits wird die Nachhaltigkeit des Gelernten im Sinne des „Learning through Teaching“ gestärkt.

*Angeleitetes Selbststudium: Implementierung von CASUS in der Routinelehre. CASUS® ist ein multimediales Lern- und Autorensystem. Dieses ermöglicht problemorientierte Üben und Lernen anhand von ausgewählten klinischen, fächerübergreifenden Tier-Fällen. Lehrende können bestimmte Fallstricke antizipieren und diese spielerisch einbauen sowie falsche Antworten kommentieren.

 

 

Hands-on Training

Nach den aktuellen Standards (European System of Evaluation of Veterinary Training Standard; ESEVET Zagreb SOP, 2019) wird Hands-on Training dezidiert eingefordert und gezielt analysiert. Im Diplomstudium Veterinärmedizin garantieren vor allem die folgenden Einrichtungen die Arbeit am und mit dem Tier:

• Die fünf tierartenspezifischen Universitätskliniken (für Geflügel und Fische, für Kleintiere, für Pferde und für Schweine sowie für Wiederkäuer) zeichnen sich dadurch aus, dass sie Veterinärmediziner/innen forschungsgeleitet ausbilden. Die Kliniken sind praxisbezogene und multidisziplinäre Ausbildungsstätten, in deren Betrieb die Studierenden ab Beginn ihres Studiums ihrem Kenntnisstand entsprechend integriert werden, um die für den tierärztlichen Beruf notwendigen praktischen Fertigkeiten entwickeln zu können. Darüber hinaus gewährleisten die Universitätskliniken der Vetmeduni Vienna eine moderne und wissenschaftlich fundierte Versorgung der tierischen Patienten.

• Der Landwirtschaftsbetrieb Vetfarm der Vetmeduni Vienna umfasst vier Gutshöfe (Kremesberg, Rehgras, Medau, Haidlhof) bei Pottenstein in Niederösterreich. Als Basis dient ein im Jahr 2017 von der Universitätsleitung und den FachprofessorInnen erarbeitetes Konzept, dessen Ziel es ist, die VetFarm als moderne universitäre Lehr- und Forschungsinfrastruktur im Bereich der Nutztiermedizin zu positionieren.

• Seit 2016 übernehmen die Tierärzte/innen der Vetmeduni Vienna gemeinsam mit Studierenden die medizinische Versorgung der Tiere des TierQuarTiers Wien. Die Kooperation gewährleistet sowohl eine praxisorientierte Ausbildung der Studierenden als auch eine optimale Betreuung der Tiere. Studierende führten unter Supervision an der Klinischen Abteilung für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Vetmeduni Vienna aufgrund der Vermittlung durch das TierQuarTier und aufgrund des Wunsches des/r neuen Besitzers/in durch.

Mehrwert

Im Zuge der Umsetzung des neuen Curriculums wurden die Empfehlungen der österreichischen Hochschulkonferenz zur Verbesserung der Qualität der hochschulischen Lehre auch an der Vetmeduni Vienna zu großen Teilen umgesetzt.
•    Verbesserung der Studierbarkeit: Bei der Planung des Lehrangebots vom 1. bis 9. Semester werden zeitliche Überschneidungen parallel zu absolvierender Lehrveranstaltungen vermieden. Das Campusmanagement – Informationssystem stellt sicher, dass die Lehrenden über die Rahmenbedingungen ihrer Lehrtätigkeit informiert sind. Der Stundenplan inklusive zentral organisierte Prüfungstermine werden etwa ein halbes Jahr im Voraus bereitgestellt.
•    Vertikale Vernetzung: Die Lehrveranstaltungen Wissenschaft in der Veterinärmedizin wird vom ersten Semester und bis ins letzte Semester angeboten. Die klinischen Demonstrationen werden zeitgleich drei Semestern in einem Großgruppentraining angeboten.
•    Verbesserte Vereinbarkeit: Um die zeitliche Flexibilität der Studierenden zu unterstützen und die Vereinbarkeit von Studium und Familie zu fördern, bieten sowohl die Universitätsbibliothek als auch das Trainingszentrum VetSim (Skills Lab der Vetmeduni Vienna) erweiterte Öffnungszeiten an. Die Universitätsbibliothek ist während des Semesters bis 22.00 Uhr, das VetSim ist bis 19.00 Uhr geöffnet. Die Bibliothek steht Studierenden während der Vorlesungszeit auch an Samstagen von 10.00 bis 15.00 Uhr als Lernumgebung zur Verfügung. Zusätzlich werden den Lernzonen außerhalb dieser Einrichtungen ausgebaut.
•    Verbesserte Kommunikation und erhöhte Transparenz: Insgesamt hat die Einrichtung von Educational Working Groups und LV-LeiterInnen die interdisziplinäre Kommunikation am Campus gefördert. Die Evaluierungsergebnisse zu Lehrveranstaltungen werden an die Lehrenden kommuniziert.
•    Qualitätssicherung von Prüfungen: Zur Qualitätssicherung von schriftlichen Prüfungen führte die Vetmeduni Vienna im Jahr 2014 eine elektronische Prüfungsplattform ein, die sowohl zur standardisierten Fragenerstellung als auch zur standardisierten Zusammenstellung und Durchführung von Prüfungen genutzt wird. Das Ziel der Prüfungsplattform Q-Exam® ist es, einen interdisziplinären didaktischen Konsens in Form von Prüfungsfragen abzubilden. Alle Fragen sind Lernzielen des Curriculums des Diplomstudiums Veterinärmedizin bzw. den Day One Competences der European Coordination Committee for Veterinary Training zugeordnet. Lehrende verschiedener Fächer bringen Fragen in einem Sechs-Augen-Prinzip in die Prüfungsplattform ein. Dieser ausgefeilte Review-Prozess, die tandardisierte Zusammenstellung von Prüfungen sowie der campusweite etablierte Postreview-Prozess schaffen einen transparenten Verlauf von der Fragenerstellung bis zur Auswertung von Fragenitems und Prüfungen. Die Abteilung für Prüfungswesen und Qualitätssicherung bietet zentrale Unterstützung für das Abhalten von Prüfungen an. Ziel dieses ist die in den Lehr- und Lernzielen ausgewiesenen Kompetenzen zu überprüfen.

Ist das Konzept auf andere Lehrveranstaltungen bzw. Lehrsituationen übertragbar? Wird das Konzept längerfristig eingesetzt und weiterentwickelt?

Das Studium wurde durch die zuständige Fachgruppe (European Association of Establishments for Veterinary Education; EAEVE) im November 2019 visitiert und nach den aktuellen Standards (European System of Evaluation of Veterinary Training Standard; ESEVET Zagreb SOP, 2019) - vorerst mündlich - ohne Mangel beurteilt; der endgültige Bericht wird nach der Jahrestagung der EAEVE im Juni 2020 erwartet.

Aufgrund dieser Qualitätssicherung besteht ein Plan-Do-Check-Act-Zyklus der alle sieben Jahre re-evaluiert wird. Alle Inhalte werden kontinuierlich durch die Ergebnisse der LV-Evaluierungen, des Progresstest Tiermedizin, des Kompetenzchecks, des Evaluierungszirkels und der Curriculumskommission weiter entwickelt wird.

Ist die Akzeptanz des Projekts gegeben? Welche Evidenzen (z.B. Evaluierungsergebnisse) gibt es hierfür?

Die internationale Evaluierung der veterinärmedizinischen Ausbildung wird durch die European Association of Establishments for Veterinary Education (EAEVE) sichergestellt. Zusätzliche qualitätssichernde Maßnahmen im Bereich Studium und Weiterbildung beinhalten:

• Im Rahmen der Lehrveranstaltungsevaluierung werden jedes Semester ca. 100 bis 160 Lehrveranstaltungen von den Studierenden und Lehrenden mithilfe von VetmedOnline® evaluiert. Sowohl die Studierenden als auch die Lehrenden erfassen folgende Zieldimensionen: Fachkompetenz, Methodenkompetenz, Sozialkompetenz, personale Kompetenz und Rahmenbedingungen. Im Zuge der Auswertungen werden diese Dimensionen aus Sicht der Studierenden betrachtet. Die Lehrenden erfassen, welche Kompetenzen sie in welchem Ausmaß vermitteln wollen. Diese Übereinstimmung zwischen den Studierenden und Lehrenden wird ebenfalls evaluiert.

• Die Ergebnisse der Lehrveranstaltungsevaluierungen aller Studienrichtungen und des Kompetenz-Checks des Diplomstudiums Veterinärmedizin werden dem Evaluierungszirkel zur Verfügung gestellt. Der Evaluierungszirkel stellt sicher, dass im Rahmen des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses die Evaluierungsergebnisse in die Weiterentwicklung der Lehre direkt einfließen, und hat die Aufgabe, die Ergebnisse zu analysieren, zu diskutieren, Schwächen und Stärken zu identifizieren und in weiterer Folge Maßnahmen zu überlegen, die der Vizerektorin für Lehre vorgeschlagen werden.

• Seit Oktober 2014 erhebt der Kompetenz-Check einerseits die Selbsteinschätzung der Studierenden im sechsten und zehnten Semester und fragt andererseits, wie gut diese Kompetenz durch den Studienplan vermittelt wurde (Start Oktober 2014). Studierende des sechsten Semesters absolvierten den Kompetenz-Check verpflichtend.

• Das Feedback der Absolvent/innen, inwieweit die Ausbildung rückblickend als zufriedenstellend und für die beruflichen Erfordernisse als angemessen eingeschätzt wird und welche Stärken und Verbesserungspotenziale aus der Sicht der Absolvent/innen bestehen, wird in regelmäßigen Abständen in Form einer Absolvent/innenbefragung eingeholt.

• Der Progress Test Tiermedizin wurde in Kooperation mit sieben deutschsprachigen veterinärmedizinischen Universitäten und Fakultäten im Rahmen des KELDAT-Projektes (Kompetenzzentrum für E-Learning, Didaktik und Ausbildungsforschung der Tiermedizin) entwickelt und ist an der Vetmeduni Vienna etabliert. Der Progress Test Tiermedizin wird routinemäßig erstellt und jährlich abgehalten. Die Teilnahme ist freiwillig, wird aber bei vollständiger Befüllung des Testbogens mit 0.5 ECTS angerechnet.

• Das KELDAT Projekt ging in dem ERASMUS+ Projekt „Internal Quality Management: Evaluating and Improving Competence-Based Higher Education (IQM-HE)“ auf. Dieses Projekt beschäftigte sich mit der Entwicklung, Implementierung und Verbreitung eines European Toolkits zur Qualitätssicherung in der kompetenzorientierten Hochschullehre. Am Projekt waren sieben Universitäten und drei Qualitätssicherungsagenturen aus insgesamt sechs verschiedenen europäischen Ländern beteiligt. Das Projekt wurde durch das ERASMUS+ Programm „Strategische Partnerschaften im Bereich Hochschule“ gefördert und lief von September 2015 bis August 2018. Die Projektkoordination lag bei der Vetmeduni Vienna. Das Projekt wurde von den Fördergebern sehr positiv evaluiert. Im Herbst 2018 startete darauf aufbauend das Folgeprojekt VetNEST ERASMUS+ „Pan-European soft skills curriculum for undergraduate veterinary education“ (SOFTVETS) unter Beteiligung der Vetmeduni Vienna. Weitere ProjektteilnehmerInnen sind u.a. die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, die Universität Zagreb, die Universität Ljubliana sowie die Wirtschaftsuniversität Wien. Ziel des Projektes ist die Entwicklung von Lehrmodulen zu Themenstellungen wie soziale Kompetenzen, Entrepreneurship und Digitalisierung. Das Vorhaben wurde in der Leistungsvereinbarungsperiode 2016-18 in vollem Umfang umgesetzt.

Aufwand

Während der Einführung des neuen Curriculum Diplomstudium

Veterinärmedizin UI 209 und dem Auslaufen des alten Curriculum

Diplomstudium Veterinärmedizin UI 208 wurde eine kontinuierliche

engmaschige Finanzierungskontrolle für die Sicherstellung der budgetären

Deckung durch das Vizerektorat für Lehre durchgeführt und vom Rektorat

freigegeben. Die Herausforderung war im Wesentlichen das

intermittierende Aufrechterhalten von zwei Curricula, welche nur durch

die Aufnahme von zusätzlichem Lehrpersonal und Vertragsumwandlungen (von

Kollektiv- in Senior Lecturer - Vertrag) meisterbar war. Der nahezu

reibungslose Übergang war nur möglich, weil ein campusweites Verständnis

für die Notwendigkeit eines studierenden- und kompetenz-zentrierten

Curriculums und eine konstruktive Zusammenarbeit von LV-Leiter/innen,

Modul-Leiter/innen, der Curriculum Kommission, des Evaluierungszirkels

und dem Senat vor lag.

Positionierung des Lehrangebots

Diplomstudium

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2020 nominiert.