Transformation des Block 21 „Bewegung und Leistung; Schmerz“ in „Muskuloskelettale Medizin: Erkrankungen von Binde- und Stützgeweben mit und ohne systemischer Beteiligung“

Konzept

Ziele

Ausgangslage: Derzeit gibt es thematisch keine klare Linie im Block 21. Die eigentliche Thematik, die muskuloskelettalen Erkrankungen, wird flankiert von vielen unterschiedlichsten Klein-Themen, die den Block 21 unstrukturiert und uneinheitlich machen. Zudem wird der Lehrstoff hauptsächlich in Frontalvorlesungen vermittelt.

 

Motiv: Muskuloskelettale Erkrankungen stellen lt. WHO-Bericht die zweithäufigste Ursache für Arbeits/Berufsunfähigkeit weltweit dar. Der „Kreuzschmerz“ (Lumbalgie) wird global sogar als führender Grund für Arbeits/Berufsunfähigkeit gesehen. Damit haben muskoloskelettale Erkrankungen nicht nur große medizinische Bedeutung, sondern auch enorme sozio-ökonomische Auswirkungen. Eine effiziente Diagnostik und Therapie ist hier essentiell, um Patienten optimal zu behandeln und etwaige Folgekosten, wie Krankenstände, Hospitalisierung u.Ä. so gering, wie möglich zu halten. Daher ist es nötig das Wissen um Pathologie, Diagnostik und Therapie muskuloskelettaler Erkrankungen bereits im Medizinstudium in ausreichendem Maße zu vermitteln.

 

Ziel: Ziel des Block 21 soll es sein den Studierenden den Lehrstoff strukturiert und stets nachvollziehbar durch größtenteils interdisziplinär gehaltene Vorlesungen und Seminare optimal zu vermitteln, sodaß jede Absolventin/ jeder Absolvent mit den Grundzügen der Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie der häufigsten muskuloskelettalen Erkrankungen vertraut ist.

 

Kurzzusammenfassung (dt.)

Um muskuloskelettale Erkrankungen effizient diagnostizieren und therapieren zu können, ist es nötig das Wissen um Pathologie, Diagnostik und Therapie bereits im Medizinstudium in ausreichendem Maße zu vermitteln. Im Diplomstudium Humanmedizin werden muskuloskelettale Erkrankungen im Block 21 abgehandelt, der zurzeit aber unstrukturiert und nun reorganisiert werden soll. Das beinahe regelhaft fächerübergreifende Management muskuloskelettaler Erkrankungen erfordert gleichsam ein interdisziplinäres Lehr- und Lernsetting um den Studierenden die Lerninhalte so facettenreich wie möglich darbieten zu können. Die Umstrukturierung soll nun den Block 21 in 3 Teile spalten:

1) Allg.Teil: Muskuloskelettale Medizin der wichtigsten Regionen (beispielsweise Wirbelsäule, Knie, Hand, etc.) nach einem einheitlichen Schema (konservative Anatomie, radiologische Anatomie, häufigste Erkrankungen, Epidemiologie, Symptome, Diagnostik, Therapie).

2) Spezieller Teil: weniger häufige Krankheitsentitäten unterschiedlicher Fachrichtungen, wie Knochentumoren, komplexe Frakturen, oder Kollagenosen.

3) Seminare (mit immanentem Prüfungscharakter) in Kleingruppen an den Bettenstationen.

 

Die teils interaktiven Vorlesungen sollen großteils interdisziplinär mittels „Doppelconférencen“, simulierten Tumorboards und Röntgenvisiten, „Rheuma-interdisziplinär"-Vorlesungsserien, Podiumsdiskussionen abgehalten werden. Ein interaktives Quiz ohne Prüfungscharakter rundet die einzelnen Themengebiete stets ab.

Kurzzusammenfassung (engl.)

To provide knowledge regarding pathology, diagnostics and therapy of musculoskelettal diseases already on the undergraduate level is mandatory to efficiently diagnose and treat such disorders.

At our Medical School musculoskelettal diseases are present in the Block 21, that, however, is quite unstructured and inconsistent and shall be reorganized.

The multidisciplinarity approach in the management of musculoskelettal diseases demands interdisciplinary teaching to provide the learning content as diverse as possible.

The restructuring will devide the Block 21 into three parts:

1) General part: musculoskelettal medicine of the most important regions, such as spine, knee, hands, etc. taught according to a standardized scheme (conservative anatomy, radiologic anatomy, most important disorders, epidemiology, symptoms, diagnostic, therapy).

2) Special part: more rare disorders, such as bone tumors, complex fractures, kollagenoses, vasculitides

3) Seminars in small groups on the ward

The partly interactive lectures will held in an interdisciplinary setting, where appropriate (for instance rheumatologist and orthopedic surgeon together) by means of „Doppelconférencen“, simulated tumor-boards and radiology-boards, „Rheuma-interdisciplinary“-lecture-series, panel discussions etc. An interactive quiz without grading will be held at the end of each lecture.

Nähere Beschreibung

Einleitung.

Muskuloskelettale Erkrankungen treten häufig auf. Geschätzt ein von drei bis ein von fünf Patienten leiden an einer muskuloskelettalen Erkrankung. Osteoarthrotische Veränderungen am Handskelett beispielsweise sind in Altersgruppen jenseits des 60. Lebensjahres sogar in bis zu 100% der Bevölkerung zu finden. Von all diesen Betroffenen leidet ca. ein Fünftel an Schmerzen bzw. Funktionseinschränkungen, was eine schier unüberschaubare Anzahl an symptomatisch Erkrankten ergibt. Neben der „Hand-Arthrose“ existiert eine Vielzahl an weiteren Erkrankungen unterschiedlichster Genese, die sich im muskuloskelettalen System manifestieren und bisweilen sogar lebensbedrohend sein können.

Die World Health Organization (WHO) stuft muskuloskelettale Erkrankungen generell als zweithäufigste Ursache für Invalidität und Erwerbsunfähigkeit ein. Subsummiert man auf den sogenannten „Kreuzschmerz“ (Lumbalgie) allein, so findet man darin den global führenden Grund für Arbeits / Berufsunfähigkeit (https://www.who.int/mediacentre/factsheets/musculoskeletal/en/). Dazu kommt, daß muskuloskelettale Erkrankungen bei weitem keine Erscheinungen des hohen Lebensalters sind, sondern in allen Altersguppen vorkommen. In Österreich werden geschätzt 8,4 Mio. Krankenstandstage jährlich auf muskuloskelettale Erkrankungen zurückgeführt.

Zusammenfassend erlangen muskuloskelettale Erkrankungen demnach nicht nur große medizinische Bedeutung, sondern stellen auch ein nicht zu verachtendes sözio-ökonomisches Problem dar. Mit den ständig wachsenden Kosten im Gesundheitssystem sind effiziente und gleichzeitig qualitativ hochwertige Behandlungsstrategien wichtiger, denn je.

Ein solides (Grund)Wissen in Bezug auf muskuloskelettale Erkrankungen, aber noch vielmehr fundierte klinische Fertigkeiten was die physikalische Krankenuntersuchung betrifft, läßt eine rasche zumindest Verdachtsdiagnose zu und gipfelt letztlich in Patietenzufriedenheit und Kosteneffektivität (Solomon et al., 2001; Verrees, 1996).

Überraschenderweise war und ist die Ausbildung hinsichtlich muskuloskelettalen Erkrankungen in vielen Medizincurricula unterrepräsentiert und viele Themen wurden und werden zum Teil bestenfalls gestreift (Mangione et al., 1993; Wickstrom et al., 2000; Lanyon et al., 1995; Freedman & Bernstein, 2002; Clawson et al., 2001; Schmale, 2005; Mulhall et al., 2005; Monrad et al., 2011; DiGiovanni et al., 2016). Auf der anderen Seite ist es wohlbekannt, daß eben dieses oben angesprochene Wissen im Medizincurriculum effizient und nachhaltig vermittelt werden kann (Smith et al., 2005; Perry et al., 2010; Williams et al., 2010).

Muskuloskelettale Erkrankungen werden im Medizincurriculum der MUW im Block 21 behandelt. Unglücklicherweise verfolgt der Block aber keine klare Linie, was sich schon im Namen des Blocks „Bewegung und Leistung; Schmerz“ widerspiegelt. Die Thematik, die den Block eigentlich definieren sollte, die muskuloskelettale Medizin, wird von vielen unterschiedlichsten Klein-Themen verwässert, wodurch der Block 21 letztlich unstrukturiert und uneinheitlich wird. Für Studierende ist der Block dadurch wenig attraktiv, was sich leider in der Hörerzahl manifestiert (im Durchschnitt 50-100 Hörer von 660 Studierenden/Jahrgang).

 

Zielsetzung.

Ziel des Block 21 soll es sein den Studierenden den Lehrstoff strukturiert und stets nachvollziehbar durch größtenteils interdisziplinär gehaltene Vorlesungen und Seminare optimal zu vermitteln. Theoretische und praktische Fähigkeiten sollen gelehrt werden, sodaß jede Absolventin / jeder Absolvent mit den Grundzügen der Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie der häufigsten muskuloskelettalen Erkrankungen vertraut ist.

 

Lehrinhalte.

Der neu strukturierte Block 21 soll international vergleichbare Lehrinhalte anbieten. Die Themenbereiche setzten sich aus orthopädischen, unfallchirurgischen, rheumatologischen, radiologischen Inhalten, sowie Inhalten der physikalischen Medizin/Rehabilitation zusammen (Williams et al., 2010; Wadey et al. 2007; Bilderback et al., 2008; Woolf et al., 2004).

Die Umstrukturierung soll nun den Block 21 in 3 Teile spalten und zwar in einen allgemeinen Teil, einen speziellen Teil und in Seminare (Kleingruppenunterricht).

 

Allgemeiner Teil:

Initial werden die hauptsächlich beitragenden Fächer (Rheumatologie, Orthopädie/Unfallchirurgie (OUC), Radiologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation) durch einen Vertreter des jeweiligen Faches vorgestellt, wobei ein Überblick über das Fach, die wichtigsten Krankheiten und die Therapiemöglichkeiten (z.B. konservativ vs chirurgisch, oder Basistherapeutika) gegeben wird.

In weiterer Folge werden die wichtigsten Regionen (beispielsweise Wirbelsäule/Sakroiliakalgelenke, Schultern, Hand, etc.) jede für sich nach einem einheitlichen Schema (konservative Anatomie, radiologische Anatomie, häufigste Erkrankungen, Epidemiologie, Symptome, Diagnostik, Therapie) dargebracht.

 

Wo auch immer möglich, wird der Lehrinhalt im interdisziplinären setting z.B. Anatomie + Radiologie, oder Rheumatologie + OUC + Physikal. Medizin präsentiert. „Doppelconférencen“ mit 2 Klinikern, die knifflige Fälle mit den Hörern besprechen, oder zu Erkrankungen, die von mehreren Fachrichtungen behandelt werden, wie beispielsweise die Arthrose, oder die Osteoporose sollen etabliert werden. Auch „Röntgenvisiten“ mit aktuellen Fällen aus den Ambulanzen/Stationen sollen integriert werden und als interaktive Fallkonferenz geführt werden. Die Hörer werden mittels elektronischer Stimmabgabe (e-voting) aktiv eingebunden. Nach Abhandlung einer Region erfolgt ein interaktives Quiz zur Wissensüberprüfung, allerdings ohne Prüfungscharakter.

 

Spezieller Teil:

Hier werden weniger häufig auftretende, bzw. sehr fachspezifische Krankheitsentitäten behandelt, die aber eben klassische Erkrankungen der OUC oder Rheumatologie darstellen, wie Knochentumoren, komplexe Frakturen, oder Kollagenosen/Vasculitiden. Die Frontalvorlesungen werden aufgelockert durch z.B. eine Simulation eines interdisziplinären Tumorboardes mit Onkologen, Radiologen und Orthopäden. Von rheumatologischer Seite wäre hier die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit beteiligten Organsystemen, wie z.B. Auge, Darm, Herz, Niere etc. mit einem Experten aus dem jeweiligen Fachgebiet im Sinne von „Rheuma interdisziplinär“-Veranstaltungen aufzuzeigen.

Komplementiert werden die Vorlesungen durch Podiumsdiskussionen mit Vertretern der Allgemein- und Familienmedizin, wobei hier die klassischen „Volkskrankheiten“ Osteoarthrose, Osteoporose, Rückenschmerz u.Ä. aus der Sicht des Allgemeinmediziners im niederglassenen Bereich besprochen werden, um den Studierenden einen Einblick in die Situation außerhalb der Spitäler zu geben.

Auch die Therapie von chronischen Schmerzen werden in Gesprächsrunden- AnästhesiologInnen im Dialog mit OUC, Rheumatologie und physikalischer Medizin- erörtert.

Letztlich findet auch am Ende des speziellen Teils eine Wissensüberprüfung (ohne Prüfungscharakter) im Sinne eines interaktiven Quiz (z.B. „the room vs the rheumatologist“) statt.

 

Seminare mit immanentem Prüfungscharakter:

Abhaltung von Seminaren in Kleingruppen an den Nachmittagen. Hier wird vorzugsweise an den Bettenstationen Anamneseerhebung, physikalische Untersuchung und Interpretation der vorliegenden Befunde unterrichtet und geübt. Abschließend wird von den Studierenden ein Fall ausgearbeitet und präsentiert. Während der Präsentation erfolgt eine benotete Wissensüberprüfung. Ein Bestehen ist Voraussetzung zur Zulassung zur SIP4a. Die Teilnahme an den Seminaren ist somit verpflichtend.

 

Positionierung des Lehrangebots

N202 — Diplomstudium Humanmedizin, 7. Semester, Block 21

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2019 nominiert.