Master Supply Chain Management

Umgesetztes Projekt

Ziele

Qualitätssicherung auf Programmebene folgt international meist demselben Schema: Auf einen internen Selbstbericht folgt meist der Befund einer externen Begutachtung und dieser mündet dann in eine mehr oder weniger kohärente Follow Up Phase. Als bremsend wirkt oft, dass die Empfehlungen der Gutachter/innen nicht immer konkret umsetzbar sind und systematische Nachbearbeitungsformate fehlen. Das vorliegende Projekt, das die beantragende Lehrende in Abstimmung mit dem Programm- und Qualitätsmanagement der WU entwickelt und umgesetzt hat, setzt sich zum Ziel, diese Defizite auf innovative Art und Weise auszugleichen. Dabei ist das Format auch einfach auf andere Programme und Institutionen übertragbar. Die Motivation hinter dem Vorhaben bestand aber nicht primär in der Entwicklung einer neuen Qualitätssicherungsmethodologie auf Programmebene sondern im Bestreben das MSc Programm "Supply Chain Management" an der WU inhaltlich und didaktisch und unter Einbindung unterschiedlichster Stakeholderinteressen weiterzuentwickeln.

Kurzzusammenfassung (dt.)

Bei dem hier beschriebenen Projekt handelt es sich um ein Pilotvorhaben, im Rahmen dessen ein neuer Ansatz zur Qualitätsentwicklung auf Studienprogrammebene (mit)entwickelt und implementiert wurde, der sowohl auf der Programm- als auch auf der Lehrveranstaltungsebene zu konkreten inhaltlichen und didaktischen Anpassungen geführt hat. Im Rahmen einer besonderen Form der Programmevaluierung, die als Analyse- und Entwicklungsworkshop mit unterschiedlichen Stakeholdergruppen konzipiert ist, wurden Entwicklungspotentiale für das Programm SCM identifiziert. Die identifizierten Bereiche wurden in einem eigenen „Program Lab“, das zwei Tage lang abseits des Campus mit der gesamten Core Faculty des Programms durchgeführt wurde, diskutiert und mit hochschuldidaktischer Unterstützung wurden inhaltliche und didaktische Anpassungen in den Lehrveranstaltungen des Programms geplant. Letztlich wurden sukzessive Anpassungen im Programm und den zugehörigen Lehrveranstaltungen vorgenommen.

Kurzzusammenfassung (engl.)

The pilot project described in this proposal consists in implementing a new approach to quality enhancement on the program level, which led to adaptations in the content and didactical approaches throughout the courses. In a specific form of program evaluation, designed as an analytical and developmental workshop including different stakeholders, several lines of development for the Supply Chain Management Master’s Program were identified. These lines of development were then discussed in a two-day workshop (“Program Lab”). The Program Lab was deliberately designed to focus on the teaching in the program. The core faculty in the program was invited to spend two days off-campus to work on the content and the didactical approaches in the program with the help of an expert in higher education pedagogics. The outcomes of the program evaluation and the follow-up workshop were adaptations in the different courses and the implementation of additional extracurricular activities following the program evaluation.

Nähere Beschreibung

Ausgehend von einer besonderen Form der Programmevaluierung wurden bestimmte Entwicklungslinien für das Masterprogramm Supply Chain Management (SCM) identifiziert. In einem eigenen „Program Lab“, das zwei Tage lang mit der gesamten Core Faculty des Programms durchgeführt wurde, wurden diese Entwicklungslinien diskutiert. Letztlich wurden sukzessive Anpassungen im Programm und den zugehörigen Lehrveranstaltungen vorgenommen. Die hier beantragende Lehrende ist Programmdirektorin des betreffenden Programms und unterrichtet selbst darin. In diesem Sinne möchte sie auch darauf hinweisen, dass ohne den Einsatz zahlreicher anderer WU-Angehöriger im wissenschaftlichen und administrativen Betrieb das Vorhaben nicht umsetzbar gewesen wäre. Die einzelnen Elemente des Vorhabens – und die Entwicklungsbedarfe, die sich wie ein roter Faden durch diese Beschreibung ziehen – sollen im Weiteren näher erläutert werden.

 

 

I Programmevaluierung

 

Die Programmevaluierungen an der WU sollen die akademische Leitung (v.a. die Programmdirektor/inn/en) dabei unterstützen, umfassendes und strukturiertes Feedback unterschiedlicher Stakeholdergruppen einzuholen und Entwicklungspotenziale auszuloten. Alle Masterprogramme an der WU werden im Abstand von 6 Jahren evaluiert. Im Masterprogramm SCM fand die Programmevaluierung im Frühjahr/Sommer 2016 statt. Programmevaluationen bestehen aus einer Vorbereitungsphase, einem Workshop und einer Nachbereitungsphase. In der Vorbereitungsphase werden den Stakeholdern programmspezifische Unterlagen (z.B. der Studienplan des jeweiligen Programms, unterschiedliche programmspezifische Datenauswertungen, ein Benchmarkingreport mit anderen Programmen der WU, Lehrveranstaltungsevaluierungsberichte etc.) vorab zur Verfügung gestellt, die den Teilnehmer/inne/n am Workshop gemeinsame Wissensstände ermöglichen. Im Mittelpunkt steht ein gut halbtägiger Workshop, der in enger Abstimmung mit dem Bereich Programmmanagement und Lehr-/Lernsupport organisiert wird, dessen Kern aber das Programm jeweils selbst bestimmt. Der Workshop verfolgt ein multiperspektivisches Konzept, d.h. er lädt Vertreter/innen unterschiedlicher Interessensgruppen ein, ihre Sicht auf das Programm zu diskutieren. Im Fall des Masterprogramms SCM waren dies zwei Peers vergleichbarer Programme an den Universitäten Wien und Klagenfurt, der Programmdirektor des WU-Masterprogramms Quantitative Finance, als Vertreter des Arbeitsmarktes die Unternehmen CRH und Syngroup, zwei Absolvent/inn/en, zwei Vertreter/innen der Studierenden und ein Vertreter des Vizerektorats für Lehre und Studierende. Als Auftrags- und Impulsgeber/innen fungierten die Mitglieder der Programmdirektion (Tina Wakolbinger, Werner Jammernegg, Julia Landgraf).

 

In der Nachbereitungsphase wurden die Ergebnisse verdichtet und priorisiert. Im Zuge des Workshops wurden insbesondere Bereiche identifiziert, deren Weiterentwicklung für das Programm aus Sicht unterschiedlicher Stakeholder sinnvoll wäre.

 

Die folgenden vier Themenfelder wurden im Zuge des Evaluierungsworkshops identifiziert:

1. Soft skills: Im Rahmen des Workshops wurden unterschiedliche Methoden diskutiert, wie Soft skills stärker in das Programm eingebettet werden können.

2. Umgang mit komplexen Datensystemen: Als weiterer Entwicklungsbereich für das Programm wurde der Umgang der Absolvent/inn/en mit nicht standardisierten, unvollständigen oder verspätet gelieferten Daten identifiziert.

3. Schnittstellen: Unter der Schnittstellenthematik verbirgt sich die Kompetenz, die Sicht der anderen zu verstehen und zu verstehen, wie Unternehmen zusammenarbeiten.

4. Den Studierenden Verhandlungstechniken näher zu bringen, sie zu Selbstständigkeit und eigenständigem Entwickeln von Ideen anzuleiten wurden ebenfalls als Potential identifiziert.

 

 

II Program Lab

 

Während die Programmevaluierung unterschiedliche Aspekte anspricht, die für die strategische Ausrichtung des Programms relevant sind, zielt das zweite Element der Qualitätsverbesserung, das „Program Lab“, speziell auf die identifizierten Potentiale im Bereich der Lehre ab.

Das Program Lab wurde als Folgeworkshop zur Programmevaluierung geplant und im Juni 2017 als Pilotprojekt an der WU durchgeführt. Analog zu Research Retreats ist die Grundidee hier, sich zwei Tage abseits des Campus Zeit für die Lehre zu nehmen. Das innovative Konzept sieht vor, dass die gesamte Faculty des Masterprogramms zu einem zweitägigen Workshop zusammenkommt, um an den im Rahmen der Programmevaluierung identifizierten Entwicklungsbereichen in der Lehre zu arbeiten. Während in der Programmevaluierung die Faculty nur zum Teil involviert ist, steht also beim Program Lab der „programminterne“ Blick auf die Lehre im Vordergrund. Das Program Lab erlaubt es, die Ergebnisse aus dem Evaluierungsworkshop systematisch und strukturiert nachzubereiten und eine weitere Ebene der Betrachtung zu ergänzen.

Die Themenbereiche, auf die im Program Lab fokussiert wurde, wurden von der Programmdirektion vorab definiert. Aufbauend auf die Programmevaluierung waren dies (1) die Entwicklung von Case Studies, (2) die Abstimmung der Inhalte und Assessmentformen über die Lehrveranstaltungen des Masterprogramms hinweg und (3) der große Themenbereich der Soft Skills / Transversal Skills.

 

1. Case Studies:

Der Themenbereich Case Studies wurde von der Programmdirektion einerseits ausgewählt, weil die Entwicklung und der Einsatz von Case Studies auch international in der Lehre im Bereich Supply Chain Management nicht mehr wegzudenken ist. Andererseits zwingen Case Studies die Studierenden dazu, sich mit einem komplexen Problem auseinanderzusetzen. Dadurch eignen sich Case Studies, um die in der Programmevaluierung identifizierte Herausforderung der „Schnittstellenproblematik“ anzusprechen. Zur Lösung von problemorientierten Aufgabenstellungen müssen die Studierenden größer denken und die Sicht unterschiedlicher Akteure bei der Lösung ihrer Aufgabe berücksichtigen. Zum Thema Case Studies wurde eine externe Expertin für Hochschuldidaktik eingeladen, die den ersten Tag des Program Labs in enger Abstimmung mit der Programmdirektion geplant hat. Thema war vor allem, wie man geeignete und qualitätsvolle Case Studies erkennt (Gütekriterien von Case Studies) und wie man sie in der eigenen Lehre gewinnbringend einsetzt.

 

2. Abstimmung der Inhalte und Assessmentformen des Programms:

Durch die Notwendigkeit, neue Themenbereiche ins Programm zu integrieren und diese mit den bestehenden Inhalten im ersten Jahr des Masterprogramms abzugleichen, war ein Halbtag im Laufe des Program Labs der Abstimmung der Inhalte gewidmet. Im Masterprogramm wurde dabei der Kurs "Enterprise Resource Planning Systems“ als mögliche Lehrveranstaltung, in der komplexe Daten zum Einsatz kommen sollen, identifiziert. Außerdem zeigte sich, dass es sinnvoll wäre, bereits in Kursen auf BA-Level komplexe Daten zu verwenden. In zwei Lehrveranstaltungen des BA wird dies ab dem nächsten Semester ebenfalls umgesetzt werden.

 

3. Integration von Soft Skills in die Lehre

Im Rahmen eines Vortrags durch eine Vertreterin der Abteilung Lehr- und Lernentwicklung wurden unterschiedliche Möglichkeiten aufgezeigt, transversale Kompetenzen in die eigenen Lehrveranstaltungen einzubauen. Diskutiert wurde auch die Möglichkeit, Soft Skills im extracurricularen Angebot als Ergänzung zu verankern.

 

 

 

III Umsetzungsphase

 

Diese Entwicklungsmöglichkeiten wurden in weiterer Folge in den Meetings der Core Faculty immer wieder aufgegriffen und diskutiert, sowie in verschiedenen Lehrveranstaltungen umgesetzt. Die Neuerungen, die aus den Ergebnissen der beiden Workshops entstanden sind und in die Lehre integriert wurden, werden im Folgenden vorgestellt.

 

1 Verstärkte Integration von Soft Skills in das Programm

Im Bereich der Soft Skills wurden zwei Strategien entwickelt, um diese stärker in das Programm einzubetten. Auf der einen Seite werden in Kooperation mit Unternehmen extracurriculäre Aktivitäten angeboten, die es den Studierenden ermöglichen ihre Soft Skills in einem Praxiskontext zu schärfen. Auf der anderen Seite wurden Möglichkeiten, Soft Skills in den Lehrveranstaltungen zu trainieren, verstärkt.

Gemeinsam mit der Fa. Whirlpool wurde im Jahr 2017 ein kostenloses zweitägiges Verhandlungstraining für SCM-Studierende angeboten. Das Studierendenfeedback zeigte, dass die Studierenden besonders das Wissen der Kursleiter, die verwendeten Fallstudien, die Kombination aus Theorie und Praxis, die Möglichkeit der Reflexion sowie das detaillierte Feedback schätzten. Außerdem wird für die Studierenden im Master SCM seit dem WS 16/17 in Kooperation mit Inverto ein Workshop zum Thema "Einkauf und Supply Chain Management in der Praxis" angeboten.

Um Soft Skills in den Kursen zu trainieren, wurden bestehende Maßnahmen evaluiert und weiterentwickelt. Dazu zählen die zentrale Gruppeneinteilung durch das Programmmanagement unter Beachtung von Diversität in Bezug auf Gender, Nationalität und fachlichem Hintergrund sowie strukturierte Peer- und Selbstevaluierung der Studierenden. Der Prozess der Peer- und Selbstevaluierung verlangt einerseits eine Reflexion der eigenen Leistung in der Gruppe und trägt andererseits auch zur Feedbackkompetenz der Studierenden bei.

 

 

2 Stärkere Integration komplexer Datensysteme

Einen Eckpfeiler des Programms stellt der Bereich „Information Systems“ dar. Basierend auf dem Feedback des Evaluierungsworkshops wurde an einer Erneuerung des Kurses „Enterprise Resource Planning Systems“ gearbeitet, wobei aktuellen Entwicklungen Rechnung getragen wird. Aufgrund von Konzepten wie „Industrie 4.0“ oder „Internet der Dinge“ hat die Bedeutung von nicht-formatierten Daten stark zugenommen. Um sicherzustellen, dass die Studierenden mit den neuen Gegebenheiten vertraut sind, ist es nötig, die Lehrinhalte zu adaptieren. Hierbei ist geplant, Industrie 4.0 Themen „Condition Monitoring“ in Kombination mit Predictive Maintenance in die bereits bestehende Fallstudie, die als Basis des Kurses verwendet wird, zu integrieren. Die erweiterte Fallstudie wird auch in die nächste Ausgabe des SAP-Lehrbuches integriert. Der Rollout ist für das Sommersemester 2019 geplant.

Für das Elective BA I und II ist ein vollkommenes Redesign auf In-Memory Computing für Herbst 2019 geplant. Daraus ergibt sich die Integration von nicht-formatierten und analogen Daten. Die Aufnahme simulierter Sensordaten, Annotation von Sprachclips, Muster/Gesichtserkennung ist geplant. Diese Daten sollten mit „klassischen" formatierten Daten für Analysezwecke kombiniert werden.

 

 

3 Umgang mit komplexeren Fragestellungen und Schnittstellen

Das Masterprogramm SCM ist interdisziplinär aufgebaut und ermöglicht den Studierenden die verschiedenen fachlichen Perspektiven zu sehen. Um dies noch zu verstärken, werden Unternehmensvertreter/innen in die Lehrveranstaltungen eingeladen, um ihre Sicht der Dinge zu präsentieren. Weiters werden die Studierenden verstärkt zu den Vorträgen des Forschungsinstituts für SCM eingeladen, wo ausgewählte Expert/inn/en aus der Unternehmenspraxis über ihre Erfahrungen in Praxisprojekten berichten. Im Sommersemester 2018 präsentierte der CEO von 4 flow eine Fallstudie in Bereich Supply Chain Network Design und die Studierenden wurden dazu angehalten ihre Gedanken in einer Extra Credit Aufgabe dazu zu reflektieren.

Die praktischen Herausforderungen der Zusammenarbeit über mehrere Schnittstellen treten in den Forschungsseminaren zutage. In den Seminaren arbeiten Studierende für ein Semester an Fragestellungen, die zu einem großen Teil aus der Unternehmenspraxis kommen. Dies erfordert die Einarbeitung in das Thema, die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Fachbereichen und die eigenständige Strukturierung und Bearbeitung der Fragestellung. Zusätzlich wird hier der Herausforderung unvollständig und verspätet gelieferter Daten Rechnung getragen. Basierend auf dem Feedback des Evaluierungsworkshops wurden diese Aktivitäten fortgesetzt und verstärkt.

In „Global Supply Chain Design“ wurde eine integrierte Fallstudie weiterentwickelt, die die Bereiche „Operations Research“, „Advanced Operation Research“ und „Geographic Information Systems for Transport and Logistics“ umfasst. Ziel der Fallstudie ist es, Inhalte des Kernstudiums zusammenzuführen, Studierenden die Zusammenhänge zwischen einzelnen Fachbereichen klar zu zeigen und fächerübergreifendes Denken zu schulen.

 

4 Stärkerer Fokus auf Selbstständigkeit

In den Kursen „Supply Chain Operation“ und „Advanced Operations Research“ wurde ein inverted Classroom eingeführt. Vor der Unterrichtseinheit werden den Studierenden Texte und Videos zur Vorbereitung zur Verfügung gestellt. Während der Präsenzeinheit bearbeiten die Studierenden dann in Kleingruppen Aufgaben zu diesem Thema und können Fragen an die Lehrenden stellen. Durch diese neuen Lehrformen wird einerseits die Selbstmanagementkompetenz und andererseits die Kooperation zwischen den Studierenden gefördert.

 

Positionierung des Lehrangebots

MSc Supply Chain Management

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2019 nominiert.